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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-03-29 · Heft 11 (29.3.1887) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 11 (29.3.1887)
Date
1887-03-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — werben ככל אשר יורו •אתכם הנהנים.הלוים die Priester, die Lewiten, wie' ich dieselben beauftragt habe" (das.-21,' 8). - Und spricht nicht die Tora von dieser Berufung der Priester, und ׳ Lewiten als Lehrer und׳ Hüters des Gesetzes im Allgemeinen? ״Moses schrieb", heißt es, ״diese Lehre nieder und übergab sie• den Priestern, ׳ den Söhnen Lewi's, die da tragen die Bundeslade des Ewigen, und allen Ältesten Israels". Diese mussten am Hüttenfeste des Erlassjahres dem Volke die Lehre vortragen. Dass die Lewiten inbegriffen sind, als Lehrer des Volkes das Amt zu üben, beweist der Beisatz: ״Die da tragen die Bnndeslade". Noch deutlicher spricht sich folgende Stelle über die Ctammcsgesammtheit als Bewahrer und Hüter der Gesetzeslehre ans: ״Und als Moses vollendet hatte, die Worte dieser Lehreinein Buch zu schreiben bis zu ihrem Schlüsse, da befahl. Moses den Lewiten, den Trägern der Bnndeslade des Ewigen, und sprach: Nehmet dieses Buch der Lehre und leget •es zur Seite der Bundeslade׳ des Ewigen, eures Gottes." (Deut. 31, 25—26). Demzufolge kann hierüber also kein Zweifel obwalten, dass die Priester und Lewiten gemeinschaftlich die Verwalter des äußeren Gottesdienstes einerseits waren. Als aber die Priester von Geburt, die Spitzen des lempeldilnenden und lehrenden Lewitenstammes, ihre heilige Bestimmung verkannten,׳ als ״Licht und Recht" nicht mehr die Diademe ihres Lebens waren, da wurde ihnen der äußere Schmuck und die Würde entzogen •und die gottliebenden Profeten traten von Samuel an, als. die Lehrer und Leiter des Volkes auf. (Fortsstzuiig folgt.) Aphorismen ans dem Gesangsleben. Mährend unsere jungen Elavierspieler, Violinisten und übrigen Instrumentalisten sich viele Jahre hindurch mit eisernem Fleiße und rastloser Ausdauer technischen Studien widmen, um ihr Instrument völlig bemeistern zu lernen und auf den Namen von Künstlern — Kunst kommt her von können — Anspruch erheben zu dürfen: wird die Zumuthung mehrjähriger technischer Uebungen von den meisten Sängern unserer Tage als lächerlich zurückgewiesen. Ist denn Singen eine Kunst? Bewahre Gott! ״Ich-singe wie der Vogel singt, der' in den Zweigen wohnt", sagt sich der mit einer, klangvollen Stimme von der Natur Beschenkte, und es scheint ihm als oberstes Kunstgesetz zu gelten: ״zu singen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist!" Der Gesangsunterricht bietet weit mehr Schwierigkeiten dar, als jeder andere Jnstrumentalunterricht, weil er die genaueste Kenntnis eines u n s i ch t b a r e n Instrumentes voranssetzt, dessen Ausbildüng demselben erst seinen Wert verleihen soll, während der Jnstru- Mentalkünstler sich ein vortreffliches Instrument fertig kaufen kann und alsdann nur nötig hat, dessen Technik und Behandlung kennen zu lernen. Dies erkannte schon Printz, in seiner ״Nusioa modulatoria voealis" an, die um das Jahr 1678 erschienen ist, indem er sägt : ״Weil der Jnstrumentalist die Stimme nicht in der Kehle formiren darff, sondern nachdem er greifft, bläst oder zeucht, folget auch der Klang, dännenhero auch ein Jnstrumentalist viel leichter zu unterweisen ist, als einen Vocalist!" — Möchten sich's unsere jungen Musiker gesagt sein lassen, dass eine tüchtige, ja selbst die vortrefflichste musikalische Bildung — ohne langjähriges Spezialstudium der Stimmbehandlung — noch lange nicht ausreicht und berechtigt, Gesanguuterricht zu ertheileu und mit dem schönsten, aber auch zerbrechlichsten aller Instrumente, der menschlichen Stimme, Experimente anzustellen. Der echte Stimmbildner hegt und pflegt.die Organe der ihm > anvertrauten Gesangschüler mit gleicher Liebe und Geduld, wie der treue Gärtner seine Blumen. Er beobachtet jeden kleinsten stufenweisen Fortschritt der Stimme mit derselben Freude und Genugthuung, l mit welcher der Gärtner dem Emporwachsen der Pflanze aus dem dunklen Erdreiche lauscht. Er hält jede Anstrengung und Ermüdung fern, wie jener die Sonnenglut und den Sturm von seinen Blüthen. Er spendet den jungen Sängern die besten Ratschläge und bewährtesten Lehren, wie der liebevolle Gärtner feinen Pfleglingen das erquickende Nass bietet. Mag dann die entwickelte Blüthe Hunderte mit ihren Duft entzücken, mag die ausgebildete Stimme tausend Herzen erfreuen, Keinen wird sie so lieblich duften, als ihrem sorgsamen Pfleger, Keinem so wonnig erschallen, als ihrem getreuen Erzieher, denn wol mag sich der mit Recht am meisten der glücklichen Reife und Ernte freuen, der selbst gesäet, gepflegt, gebangt und gewacht hat! — Diese Freude am Entwicklungsgänge kennzeichnet den wahren Gesangsmeister, sie allein hilft ihm über die unsäglichen Mühen hinweg, welche die Erziehung einer Stimme mit sich bringt und sichert ihm den Besitz jener unerlässlichen Eigenschaften, der Ruhe, Geduld und Ausdauer, ohne welche kein Lehrer auf einen Erfolg seines Unterrichtes hoffen darf. Unermesslich groß ist das Gebiet der Töne, die der Mensch mit seinem Gehör wahrnehmen kann. Einem ausgezeichneten Gehöre sind alle Töne zugänglich, welche von 16 Schwingungen bis 50.000 Schwingungen in der Secunde hervorgebracht werden. Freilich ist die Schärfe des Gehörsinnes bei den einzelnen Menschen eine sehr verschiedenartige, so dass viele die tiefsten, — von so wenig Schwingungen erzeugten — Töne ebensowenig wahrnehmen, als Töne in der Höhe unterscheiden können, die aus Tausenden von Schwingungen in einer Secunde hervorgehcn. S a v a r t, Johann M ü l l e r und C. Vogt vindiciren vorzüglich begabten Ohren ,nach der Höhe hin sogar noch ein größeres Terrain. Letzterer behauptet, dass von Menschen noch Töne erfasst werden können, welche von 70.000 einfachen Schwingungen in der Secunde herrühren, so dass die Ohren einiger Thierarten gerade auf so hohe und seine Töne eingerichtet seien und folgert daraus die Möglichkeit noch höherer Töne: ״Der Schrei der Fledermaus steht fast an der Grenze des menschlichen Auffassungsvermögen und gar viele haben ihn nie gehört; es ist wol nicht wahrscheinlich, dass die Natur einem Geschöpfe einen.Lockton gegeben hat, der an der Grenze des Auffassungsvermögens überhaupt steht." Hören wir einen echten Gesangskünstler mit aufmerksamen Ohre zu, so wird uns mehr als die Bravour der Passagen, mehr als die glockenreine Intonation und klare, verständliche Aussprache des Wortes die Meisterschaft in Erstaunen setzen, mit welcher dieser seinen A t h e m handhabt. Da wird nicht allein eine endlose Reihe von Tönen in einem und demselben Athem ausgeführt, nein, innerhalb dieser Tonreihe werden wiederum die rhythmisch zusammengehörigen Tongruppen auf's Sauberste vereinigt und von anderen nachfolgenden Gruppen getrennt; die einen erhalten eine kleinere, die zweiten eine größere Partie von Athem zugetheilt; aus den einzelnen Gruppen werden wieder einige Töne durch sinnreiche Jnflexionen vor den andern herausgehoben, dann erscheint eine messa di voce, ein köstlicher Stimmenhall, und nach demselben wird die verhallende Stimme in erneutem Schwellen in die nachfolgende Periode hinübergeführt, bevor der Sänger Athem schöpft. Dabei herrscht eile harmonisches Ebenmaß; wir gewahren ein. genaues Verlegen der melodiscben Zeichnung, bei welcher die Fiorituren sich leicht und flüchtig, wie Arabesken an die Hauptlinie anschmiegon. Und von einem Athemzuge, der solche Wunder thut, werden die Zuhörer weder den Anfang noch das Ende gewahr, so ruhig und unhörbar wurde die

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