Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 11 (29.3.1887)
- Date
- 1887-03-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Artikels nicht entsprochen hatte. Dort ist nämlich, von der G e s a m m th eit Israels die Rede, die infolge ihrer einstimmigen Zusage (ויענו כל־העם יחדיו) zu einem Reiche von Priestern, zu einem göttlichen Eigenthume <סכולדז) zu einer Bundesgemeinsch ast ernannt wurde. Hiedurch ward Israel in seiner Gesammtheit zum Prototyp der Menschheit, zu einem zusammenhängenden, übereinstimmenden Ganzen ‘שלם) berufen, das Gottesfurcht, Recht, Gerechtigkeit und Menschenliebe durch Beispiel lehren und verbreiten soll. Für die Realisirung dieses von der Gesammtheit Israels dargestellten Prototyps, nämlich für die Verwirklichung dieser schönen, hohen und idealen Idee, als höchstes Ziel wahrer Religion, beten wir noch.jetzt alljährlich am Neujahrsfeste :ויעשו כלם אגדה אחת dass Alle einen Bund bilden mögen, um den Willen Gottes mit vereinte n, u n - g ethe i lteu, e L n m üthigen Herzen?כלבב שלם) auszuüben. Darin liegt der pricsterliche Stand und der priesterliche Berus der Gesammtheit Israels! Die Selbstheiligung jedes Einzelnen in Israel hingegen äußert sich in dem Gebote (קדשים תהיו), fjeilig sollt ihr ,sein! denn ich der Ewige euer Gott, bin heilig" u. s. w. (3. B. M. 19.) In ״meinem Aufsätze aber wurde von keiner Gesammtheit, vielmehr nur von den Trägern und Vertretern eines Standes in Israel gesprochen, nämlich von Rabbiner und Cantor, welche in ihrer g e m e i n s ch a s t l i ch e n Wirksamkeit in den Gemeinden die einstmaligen Priester- und Levitendienste versehen, wie ich - weiter Nachweisen will. Die Psticht zur Selbstheiligung׳ hat unbestreitbar, der obangeführten Gesetzesbestimmung zufolge, ein jeder Jsraelite, er sei der Abstammung gemäß ישראל oder כחן, oder seinem Stande gemäß Rabbiner oder Eantor oder beides; ein Jeder hat deswegen auch das Recht, wenn er dazu die - Fähigkeiten besitzt, Cantor oder Rabbiner zu sein; denn das Judenthnm kennt und duldet weder Kastennoch Zunftwesen. Selbstheiligung, die in einer Heiligung der Gesinnung, in einer Heiligüng der That, in einer Heiligung des Lebenswandels im Allgemeinen sich äußert, ist unbestreitbar viel mehr als die Beachtung verschiedener äußerlicher Reinigungsmittel, die oft nur zur Scheinheiligkeit und Scheinförmigkeit führen, während der sich wahrhaft selbst Heiligende sich ׳auch sorgfältig allem äußerlich Verunreinigenden fernhalten und entziehen wird. Jedenfalls bewährt sich dieses in der Praxis des Lebens, wenn auch' nicht immer in der Theorie des LZebulebau-^.ruvb. Was ist aber für's Praktische die Theorie im Verhaltniße zur Praxis? .In der Praxis hat auch jeder Stand seinen.Beruf,-sein Amt, und jedes Amt oder Beruf hat seinen Träger oder Vertreter; eines geht mit dem anderen Hand in Hand. Der Priesterstand in Israel war daher so lange ein Stand, so lange er einen Beruf oder ein Amt zur Ausübung hatte, mit der Aufhebung dieser Amtsausübung ward auch selbstverständlich der Priesterstand in Israel aufgehoben und gehört nunmehr blos der Geschichte an; das was seit der Aufhebung des Priesterdienstes zu Verordnungen und Bestimm ungen für die leiblichen Nachkommen Aharons Veranlassung gegeben, und woraus die erwähnten Traktate im Scbulebau-Arueli (״Oraeh Cbajim Joreb Deäa) entstanden sein dürften, kann man wohl nur als eine traditionelle Ehrerbietung gegen die hohe Würde des einstmaligen Priesterthums bettachtm. In diesem Sinne heißt es auch im Buche! Chin. (3. B. M. 21): וכבוד זה נעשה להם כשראויים לכך, אבל אם היו בעלי עכירות נמנעין מכבוד. d. h.: ״Eine solche Ehre erweist man den hmtigen Nachkommen Aharons, wenn sie deren würdig sind; sind , sie aber Uebertreter der Religionsgesche, sind sie dieser Ehre verlustig." Also ״nicht auch priesterliche Gesinnung^..ver-- laugt Herr Baum vom Priesier, sondern nur priesterliche ׳ Gesinnung macht den Priester; aber weder die Abstammung, noch das Kleid. Herr C. sondert freilich den einen Begriff von dem andern; woher hätte er dettn auch so leicht Stoff, für seine Widerlegung, resp. zu seiner Kritik, genommen, wenn er ihn nicht in irgend einer Weise Herbeizuschaffen vermocht hätte? Er scheint aber nicht einzusehen, dass er sich voi dem Priester und seinem Berufe nicht den richtigen Begriff macht.. Was waren denn die Priester der mosaischen Lehre gemäß? Waren sie etwa nur die Vertreter und Pfleger des Ooferknltus? Durchaus nicht! Denn der Opferkultus war nur etwas ganz Nebensächliches, ,eine Institution, die von Egypten aus in Israel tief ein- .gewurzelt und nicht sofort zu beseitigen war, die aber der große und weise Gesetzgeber idealisirte, indem er sie mit allem sich daran Knüpfenden Gott dem Herren weihete und heiligte. Auch deshalb schon sollten die Priester in Israel nicht ausschließliche Diener des interimistischen Opfermltus sein; vielmehr ward ihnen ein höherer D.ienst zugewiesen. Sie waren nämlich die bestellten Wächter des religionsgesetzlichen Lebens im Allgemeinen, die eigentlichen Hüter, ׳Pfleger und Verbreiter der mosaischen Lehre. Sie in Gemeinschaft mit den Leviten die als treue Stammesgenoffen dem Moses bei dem frevelhaften Abfalle Israels tapfer, muthig und eiumüthig zur. Seite standen *), (Exod. 32, 26) haben sich durch Selbstweihe dieses hohen Amtes würdig gemacht. Sie hatten auch das Amt, die heilige Gottes wohnung zu umgeben, und spa er bei der weihevollen Gottesverehrung im Tempel jene weihevollen Lieder anzustimmen, und so dem äußerlichen Opferdienste. den innern, höher« Geist einzuhauchen. Sie waren auch die Lehrer des Volkes, die Wächter des Gesetzes ״ יודו משכטיך ליעקב ותורתך ישראלSie unterweisen Jakob in Gottes Rechten und Israel in seiner Lehre" (:> B. M. 33, 10), mit welchem hohen Aufträge sie Moses selbst betraut hatte, wie wir dieses oft in der Thora verzeichnet finden, namentlich aber vor dein bevorstehenden Tode Moses. Dieser Stamm, der.von jedem weltlichen Berufe frei sein sollte, hatte sich vorzüglich der Erforschung des göttlichen Wortes hinzugeöen, um Aufschluß za erthei.len Allen אשר תורה יבקשו ממיר,ו• die von ihm Belehrung über Gotteserkenntnis suchten. Die 'אורים ותמים, (Licht und Recht), welche von Außen die Brust des Priesters zierten, sollten nur das Sinnbild des Lichtes und Rechtes sein, welche sein Inneres erfülltem. Unter diesem heiligen Schilde der Wahrheit musste die Person des Priesters schwinden und weder Ruhmsucht noch Ehrgeiz, noch Selbstsucht dursten ihre-Stimme erheben, sondern nur göttliche Wahrheit ״Licht und Recht" sollten die Zierde. ihres Lebens und Wirkens bilden. ״Willst du ein Priester des lebendigen Gottes fein", mahnten die ״Urim und Tumim", so darfst du. des Lichtes nicht entrathen, welches das Dunkel aufhellt, die Gespenster des Wahns verscheucht, das Zwielicht des Zweifels bannet, die Wahrheit, das Siegel Gottes, sucht und erstrebt!" —Licht aber ist ״ .דעתErkenntnis", ״Klarheit" und ״Ueberzeugung". ^Jn diesem Sinne spricht das Gesetz daher, überall, wo es sich um Recht und Lehre handelt, als: ״ ובאת אל הנהגית הלויםBegib dich zu den Priestern, den Lewiten^ (Deut. 17, 9.);. erst in zweiter Linie, heißt es: ״oder zu dem derzeitigen Richter". Ferner: ״ על פי התורה אשר יורך ועל המשפט אשר יאמרו. לך תעשהNach der Lehre, die sie dich, lehren und nach dem Rechte, das sie sprechen, sollst du handeln" (das. 11). Ferner: ״Alles, wie euch belehren Es war.ursprünglich die weise Absicht des gotteSerlenchteten GesetzgeberS, die Erstgeburt aller Familien Gott zu heiligen und sie für den Altardienst zu weihem Wie wäre dadurch die Ehre der Familien gehoben und. das Baud d׳r Stämme befestigt worden das keine Eifersucht zu lösen vermocht hätte. Als, aber Israel um's goldene Kalb tanzte, und ׳Moses sah, dass ,das Volk ׳im Ganzen-noch sehr nnveclässlich sei. um. durch seine eigene Einwirkung und, Lehre.Israel zum' Dienste Jehova's -vorzubereiten, setzte - er ans göttliche Anordnung den treugebliebenen Stamm Lewi, dem der Hohenpriester -au -dex! Spitze stand, e׳u, zum Verbreiter der Lehre, zum Träger des Rechtes und zum Pfleger׳ des Gottesdienstes.