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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-03-21 · Heft 10 (21.3.1887) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 10 (21.3.1887)
Date
1887-03-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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״ ׳.'• MpDsprozeß 'maH durch den Mangel an Pietät reißende. Fortschritte, welche schwere Gefahren, für die Zukunft in ihrem Schoße bergen. ' - Der Religions - Unterricht liegt, gänzlich. darnieder. Wie. und nach welchem Plane soll der Religions-Unterricht überhaupt ertheilt werden? Was gehört zum Wesen der israelitischen Religionslehre? Wer. ist^als Religionslehrerer qualificiri? Ueber alles das entscheidet ein Vorsteher, welcher voll all' diesen Dingen vermöge seines Berufes nur geringe Kenntnis besitzt und nach einem Triennium neu gewählt werden muß. Mit jedem . Trienniüm kommt ein neuer Vorsteher, mit ihm ein neuer Lehrplan, neue Wünsche und Lehr-Jnstructionen, neue — Religionslehrer. So geht es auf dem Lande zu. 'Der Lehiplan und der materielle Stoff des Religionsunter- ״richtes ist in jeder Gemeinde ein anderer. In Prag z. B. gehört die . hebräische Sprache zU den wesentlichsten Aufgaben des Religionsunterrichtes, in Wien hingegen ist der hebräische Sprachunter- . richt nicht nur unnöthig, sondern sogar gesundheitsschädlich und lebensgefährlich. " ' . Die-Anstellung, der Cultusbeamten ist stets nur eine provisorische und, so unglaublich es klingt, so ist es doch eine Thatsache, und zwar eine sehr bedauerliche Thatsache, dass die große Mehrzahl der österreichischen Gemeinden mit Ausnahme Galiziens alle drei Jahre einen Wechsel in den Cultusbeamten vornimmt. Rabbinen und Religionslehrer befinden sich in steter Wanderung — ein Zustand, dessen Änhaltbarkeit jedem Einsichtigen klar ist. Welche , geistige Erfolge soll der Religionslehrer oder der Rabbiner unter solchen Verhältnißen erzielen? Während des ersten Amtirungsjahres. ist er noch fremd, mit Personen und Verhältnißen unbekannt; während des -dritten Amtirungsjahres wird das geistige Sinnen und Trachten des Beamten von dem naturnothwendigen Streben occupirt— irgendwo einen neuen Posten ׳zu erhaschen. In solche schwacher, abhängiger Position wird dem Rabbiner - die hohe׳ Aufgabe, das Volk moralisch und religiös zu erziehen, und -man wundert sich über die Winzigkeit seiner Wirksamkeit. Die Uebelstände rühren daher, dass die Regierung consequent sich weigert, das Judenthum als Religions-Genossenschaft de facto anzuerkennen. Man emancipirte die Juden, aber man überließ das Judenthum der Anarchie. Ich frage: ist die Religion für den Staat nothwendig, dann ׳ musste man. für die Religion der emancipirten Staatsbürger Sorge tragen, wenn nicht, ׳warum zahlt der Staat solche hohe Summen für die Erhaltung der katholischen Kirche? Der Redner schildert zahlreiche Streitigkeiten innerhalb der Gemeinden über rituelle religiöse Angelegenheiten, die zur Entscheidung an den — Beschwarze' Haar' entfach ' gescheitelt uNd hinten in einen griechischen Knoten geschlungen, trat vor und declamirte leise aber ausdrucksvoll den Monolog aus Göthe's Iphigenie! ״Heraus in..eure Schatten, rege Wipfel, tret’ ich noch jetzt mit schauerndem Gefühl, und es gewöhnt sich nicht mein Geist hierher". — Tiefe Stille herrschte im Preise, alle lauschten mit wahrer, inniger Andacht und erbebten unter dem Eindrücke der gefühlvoll.vorgetragenen Worte, in welche Iphigenie den ganzen, tief empfundenen Schmerz um den Verlust ihres Vaterlandes und in der Sehnsucht nach demselben ausspricht. Nachdem Emma geendigt, war es noch. einige Secunden still um sie,' denn alle fftanden wie gebannt von dem -Zauber des eben Gehörten/ und erst als das Schweigen empfindlich wurde, fanden die jungen, lebhaften Zuhörer nicht genug Worte des Lobes; der Applaus" endigte endlich mit einem summenden Geräusch, aus dem man nur hin und wieder den Ausruf: großartig! ausgezeichnet! unterschied. — Jetzt trat Elise vor und fragte: ״Meine Herren und Damen, seid Ihr nun wieder gefasst und gelaunt, auch mich anzuhören?" . Sie sah dabei mit heroischen Blicken um sich und erregte dadurch ein wenig die Lachlust der jungen Leute, doch wurde es. bald wieder still, und sie begann den Monolog Johannas aus der Jungfrau von Orleans: ״Lebt wohl, ihr Triften, ihr geliebten Thäler", Elise ließ es an Pathos nicht fehlen und erzielte )einen Erfolg, der' sie entzückte. Hierauf fang die ganze Gesellschaft im Chore noch einige Lieder mit. Clavierbegleitung, und darin verabschiedeten sich die Gäste, einander ein baldiges, frohes Wiedersehen wünschend IV." Auf Ms ׳"׳' ThaÜchetter - folgte bald ׳wieder stärker Frost. GlättM bedÄktk׳ die-SktHm'- Md''hemmte den׳Verkehr - auf denselben. -zirkshauptmann, an die .Statthaltern und in der Instanz an das Ministerium gelangen.. Das Alles, weil wir keine jüdische Behörde besitzest. Der Redner entwickelt nun ausführlich den Plan zu einer einheitlichen Gemeindeorganisätion und schließt, indem er darauf hinweist, dass in der Eintracht; in der Zusammenschließung der vereinzelten brachliegenden Kräfte die Bürgschaft des Segens und des Erfolges ruht׳ für alle staatlichen, gesellschaftlichen und auch geistigen Institutionen." ׳ '. Der. Vorsitzende drückt dem Abgeordneten Dr. Bloch im Namen der Versammelten den Dank aus für seine vorzüglichen, anregungsreichen Ausführungen und eröffnet die Discuffion über das Gehörte. Auf einen Appell des Sekretärs Lichtblau ergreift Abgeordneter Dr. Kronawetter das Wort. ״Wenn ich in dieser Angelegenheit das Wort ergreife, obwohl ich lieber geschwiegen hätte, so geschieht dies nur, weil der geehrte Vorredner mich interpellirte, wie ich mich zu der Frage eines angedeuteten Gesetzes verhalten würde. Ich glaube, dass ich auf einem principiell verschiedenen Standtpunkte stehe als mein College Dr. Bloch; ich bitte ihn daher vor Allem, mir Aufschluß zu geben, wie er sich eine solche Einmischung des Staates vorstelle. Der endliche Urzweck des Staates sei. doch unr, zu verhüten, dass die Gesellschaftsschichten, die Menschen in ihren Aeußerungen des Strebens und Wirkens nicht miteinander in Collission gerathen. Was der Einzelne über den letzten Urgrund alles Seins denkt, wie sich die Verehrung äußert, die er diesem zollen will, das kümmert den Staat gar nicht. Keine Kirche, weder die katolische noch die protestantische, oder sonst irgend eine Religions-Genossenschaft konnten eine solche Einmischung dulden. Wenn sie vom Staate eine solche Regelung verlangen, dass er seine politische Macht hergibt zur Eintreibung der Gebühren und Steuern im Executionswege. so muffen Sie sich auch gefallen taffen, dass die Regierung auf Ihre internen religiösen Verhältniße Einfluß nimmt, dass sie sich die Bestätigung und Ernennung Ihrer Functionäre vorbehält. Das entspricht doch aber durchaus keiner freiheitlichen Organisation. Die freien Staaten Nordamerikas allein haben diese zur Geltung gebracht, dort tritt der Staat der freien religiösen Entwickelung in keiner Weise entgegen. . Redner schildert eingehend die Verhältniße in Amerika, welche er als die naturgemäßen und den demokratischen Principien entsprechend bezeichnet' und fügt hinzu: das jüdische Volk war stets ein demokratisches und deshalb kann ich nrich nicht von vorneherein begeistern für die angestrebte Autorität des Staates. Wer nicht nothgedrungen hinaus mußte, blieb im warmen Zimmer und sah durch halb gffrorene Scheiben den Bemühungen der Arbeiter zu, den Weg passierbar zu machen. Im geräumigen Empfangszimmer der Frau Süßkind saß die junge Frau eifrig mtt ihrem Gatten sprechend. ״So bleibe doch lieber Eduard, noch einige Tage zu Hause", sagte sie,. ״Du glaubst es mir nicht, wie besorgt ich wäre, wenn ich Dich in diesem Wetter auf dem Wege wüsste, wie bin ich doch vereinsamt, während in anderen Familim reges Leben herrscht; nicht eine Woche kann ich mich des Vergnügens freuen, Dich in meiner Nähe zu wissen, und ich muß fast den Glauben an Deine Liebe für mich verlieren, wenn ich sehe, dass Du mich ohne Rührung verläffest und viele Monate ht der Ferne weilst. Bin ich denn gar so hässlich geworden, dass Du meine Nähe meidest? O, wie war es doch ganz anders, als wir verlobt waren, wie schwer wurde Dir jeder Abschied von mir, und nun", — Thränen erstickten ihre Stimme. Endlich begann sie wieder: ״Nicht einmal bis zur Soiree bei Weinstein, zu der wir heute die Einladung erhielten, willst Du hier weilen; ach, was für eine vernachlässigte Frau bin ich! Ihr schönes Gesichtchen verzog sich, und mit ihrem Taschenttlche dasselbe bedeckend, schluchzte sie laut auf. ״Aber, geliebtes Weib, zu welchen Thorheiten lässt Du Dich Hinreißen", sagte Eduard, sie an sich ziehend. ״Sei doch meine per- : nünftige Kleine; Habe ich ja doch nur Dein Wohl im Auge, wenn ich für unsere bessere Existenz sorge". <Fortsktzrmg

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