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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-03-21 · Heft 10 (21.3.1887) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 10 (21.3.1887)
Date
1887-03-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nötig, das Kind soll belehrt werden über den -wöchentlichen Abschnitt ) der Thora mit Moralsprüchen und Anwendung auf Vaterland, Herrscherhaus. Doch einen Gottesdienst im wahren Sinne kann man nur mit Schülern von der 4. Klasse angefangen. abhalten, nachdem sie in den Gebeten, eingeübt .sind und genau wissen, welche Gebete man bei Schacharis, Musiaph, Mincha, Maariv betet. Wissen sie das nicht, dann muß Unordnung,׳Unruhe, Geschwätz entstehen.. Einer will vom Anderen erfahren, was man betet, und das ist dann kein Gottesdienst. Was nun dm Religionslehrer "anbelangt, glaube ich, dass es sehr wichtig wäre, wenn abgesehen vom Rabbiner, nicht jeder in der Gemeinde angestMe Schochet schon Religionslehrer sein dürste, wmn er nicht Lehrer ist. Wie kann man verlangen, er soll e dm Kindern wichtige und schwere Lehren beibringen, wenn er jeder pädagogischen Kenntnis bar.ist. Oder ist denn der Religionsunterricht gar so leicht, oder liegt, denn an demselben so wenig, dass man jedm hergelaufenen Meschubet, der nebstbei ein bischen singen kann, zum Religionslehrer macht? Wir von der Prager Lehrerbildungsanstalt musstm Lei der Reifeprüfung in Gegenwart eines Landesschuliuspectors und der ganzen Commission die Religionsprüfung ablegen, der auch ein Delegirter der Prager Cultusgemeinde beiwohnte. Noch schlimmer war es bei der LehrHefähigungsprüfung, nichts wurde geschmkt, nur das Practische, da man doch von einem Lehrer, der in andern Gegenständen sein Practicum machen muß, erwarten kann, Lass er aus der Religion es auch treffen wird. Man verlangt nun heute, Rekigionslehrer sollen vor einer Commission geprüft werden, hier handelt es sich nicht blos ums Können, das Practische ist. sehr wichtig in der Religion, besonders in der Volksschule. Und das fliegt Keinem in den Kopf, und man kann von Niemanden einen gründlichen Unterricht verlangen, wenn er cs. -selbst nicht gelernt hat. Die Gemeinden sollten also unbedingt nur solche Religions- Lehrer anstellm, die die practische Lehrbefähigung besitzen. Bei einheitlichem Lehrplane und practische» Lehrern wird der Erfolg nicht ausbleibm, doch auch die Gemeinden müssen das Herz am rechten Fleck haben, und nicht knausern, damit nicht die Generation ohne Wisches Gefühl heranwachse. Der junge Caiitor. Eine Erzählung von Cäcilie L ö w ij: (4. Fortsetzung.) m. ״Warum haben Sie sich denn, Herr Bärwald, so ganz bei Seite gerückt, Sie fürchten doch etwa nicht Ihrem Organe durch unsere Leckerbissen zu schaden? Es war aber auch wirklich keine gute Idee, die Herren in Bezug auf Bewirtung so wenig zu berücksichtigen, sie werdm sich bei Wein und Bier gütlich thun." ----- Emma zog die Klingel, worauf bald ein Diener erschien: ״Richten Sie doch, Karl, im Nebenzimmer einen Tisch her, und versehen Sie denselben, wie gewöhnlich, mit Champagner und: Bier." 1,Zu Befehl, gnädiges Fräulein!" und ball» saßen die jungen Herren heiter plaudernd und dem Glase zusprechend um den Tische- ״Run sind wir unter uns",- begann Elist, ״so sagt mir doch, liebe Mädchen, ob Ihr schon für Eure Toilette zurksinftigenSoiröe gesorgt habet. Ich dmke, wir erscheinen alle in Theatertoilette und so «nfach, wie mögkch, damit wir keine Vorbereitungen »zu. -festen brauchen und nns als angehende Hausfrauen auch an Sparsamkeit gewöhnen lernen." ״Ha, ha, ha, das ist gut, Ln diese Regionen versteigt sich der kindliche Sinn Elisens schon", kicherte" Anna Isaakssohn, ״nun, wir Zur Regelung -er Süßeren Nechtsver- HSltmße -er I»-en. Dienstag, den 15. März, fand die erste ordentliche General- Versammlung des ״Jüdischen Wählervereines״ in Wien statt, welcher außer zahlreichen Mitgliedern auch die Herren Reichsrathsabgeordneten. Dr. Kronawetter, Dr Bloch und Herr Dr. Frankel beiwohnten. Nach Erstattung des Berichtes durch den Präses Dr. Spitzer, welcher die Zwecke und Ziele des Vereines erörterte, hielt Abgeordneter Dr. Bloch einen Vortrag über das vom Cultusministerium vorbereitete Gesetz, betref- ) send die äußeren Rechtsverhältnis der Juden. Da der Vortragende ein Thema berührte, welches auch für den Cantorenstand von besonderem Interesse ist und auch in diesen Blättern bereits gewürdigt wurde, wollen wir ven Vortrag nach einem Berichte der ״osterr. Wochenschrift" in seinen Hauptzügen wiedergeben: ״In der ׳Einleitung verweist Redner auf den mächtigen Auf-, schwung, welchen die religiöse Idee bei allen Völkern und Confeffionen genommen hat, während Israel einem Nachtwandler gleicht, welcher geschloffenen Auges von träumerischem Schlafe, umfangen, die gefahrvollen Firsten des Daches und die steilsten Zinnen sicher gegangen, wachend aber und sehend zu stürzen droht. Er schildert den erschreckenden Niedergang des religiösen Sinnes und Geistes innerhalb des Judenthums und führt das zurück auf die Vereinzelung und Vereinsamung der einzelnen Gemeinden, welche nicht das geringste Band mit der Gesammtheit verbindet. Die Zerrüttung der religiösen Zustände, die eingerissene religiöse.Anarchie ist geradezu eine haarsträubende und scheint allen denen unglaublich, welchen die Gelegenheit gefehlt hat, jahrelang die Ver-- hältniße genau und ernst zu beobachten. Er erzäht, wie jede einzelne. Gemeinde sich einen eigenen Gottesdienst nach Willkür und Belieben organisirt, ohne auf die Uebereinstimmung. mit der Gesammtheit die geringste Rücksicht zu nehmen,-״der Anzahl Deiner Städte gleicht die Zahl Deiner Götter, Israel", klagte schon der alte Prophet. — Er berichtet ergötzliche Dinge von den inneren Zwistigkeiten unter den einzelnen Gliedern, einer jeden Gemeinde, welche oft Dimensionen annehmen, die zum ״Chillul haschem" führen.'Selbst die Behörden wissen sich keinen Rath, um dem permanenten Unfnge Einhalt zu gebieten. ״Ich habe eine einzige jüdische Gemeinde in meinem- Bezirk", sagte gelegentlich ein Bezirkshauptmann zu einem Vorsteher, ״hätte ich deren zwei, ich müßte sofort demissioniren." Von der Autorität der Rabbinen, des jüdischen Wissens überhaupt, ist längst jede Spur verwischt; das - religiöse Leben sinkt von Stufe zu Stufe;-der Zerstimmen Dir ja bei, Du bist ja tonangebend in unserem Kreise. Aber das klang doch gar zu komisch mit Deinem Gedanken an die Zukunft. Aber, wer weiß, ob Elise nicht allen Grund hat, an den Ernst des Lebens ermahnt zu werden. Frau Süßkind ließ , neulich , etwas hören,, ja, ich erinnere mich, Dein Vetter Gustav Engelmann hat sein Herz bei Dir verloren." . - ״Nun, jetzt mutz ich lachen, diese Idee ist zu gut, Gustav schwärmt ja für Frau Süßkind, mir scheint, das Lhat er schon vor ihrer Hochzeit. Der arme Kerl hat leider immer das Unglück, mit seinen zärtlichen Empfindungen .herauszurücken, wenn ein Anderer die Braut bereits heimzuführen gedenkt. So . kommt er nun leider auch bei mir zu spät." Mlso doch!" klatschte Emma in die Hände, ״ist's nicht Gustav, so istts ein Anderer. Lieschen, Lieschen, Du hast Dich verraten und mußt nun reinen Wein einschenken!". ^Ja, einen-Wein haben wir eingeschänkt", rief Felix, der eben in der Thüre erschien und die letzten Worte gehört hatte. . . Die jungen Leute standen mit gefüllten Glasern in den Händen und riefen: ״Hoch, dem schönen Geschlecht!" . Ein schallendes Gelächter antwortete auf diese Ovation. Äls alles still war, wandte sich Elise zu den Herren und sagte: ״Das kleine Misverständnis habe ich.verschuldet, doch bleibt's vor- Wfig unter dem Mantel - der^ Verschwiegmhest; für Jhre:Aufmer?- samkeit sage׳ ich aber im Namen meiner Freundinnen -besten. Dank doch ersuche ich gleichzeitig die Herren, sich. wieder in .den Salonzu begeben, um die Generalprobe zu beenden." " -׳ Diese folgten der Aufforderung,..und nlle Gäste bildeten Ml einen Halbkus. Emma mit ihrer imposantrn.Gestal^ das. HWlW.

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