Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 10 (21.3.1887)
- Date
- 1887-03-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 — und schmähet sic,׳ so führen Äe׳Antisemiten eigentlich einen Krieg mit Gott. Das ist das System der heutigen׳ Feinde Israels; die Antisemiten sind die Vorläufer von Gog und Magog, das ist nach ber-WMdition der letzte Kampf, den Israel zu bestehen haben wird, dann folgt eine bessere Zeit, von der die Phropheten verkünden: "״ "וגר זאב עם כבש יחדיוWolf und Lamm werden friedlich zu sammenweidcn", die Bosheit und die aufgeregten Leidenschaften werden unter den Menschen schwinden, Friede und Eintracht wird alle beseelen. Hoffen wir, dass diese Zeit nahe ist, dann werden wir den Antisemiten keinen Groll nachtragen, sie werden uns versöhnlich die Hand entgegenstrecken, und wir werden ihnen zurufen: " אחיך י״שראל " Ich bin dein Bruder, wenn ich gleich ein Jsraelite bin! Dass diese Zeit kommen wird, darin besteht die Hoffnung Israels, vertrauend den Worten des Propheten: ",אם יתמהמה הכר לו בי בא יבא לא יאחר Wenn cs zögert, harre sein, denn kommen wird es, bleibt nicht aus". (Chabak. 2, 3.) Ausharren wollen wir auch, sortwaudeln auf der Bahn, die uns seit Jahrtausenden vorgezeichnet wurde von dem, der uns bisher geführt und geleitet, der uns trug über steile Höhen und gefährliche Abgründe, der stets mit uns gewesen, wenn wir mit ihm waren. Es ist derselbe Gott, der zu allen Seiten die Wehrlosen schützte und beschirmt hat. Es ist derselbe, der mit den Vätern gewesen in jeglicher Noth und Drang- Periode, derselbe unveraltet, unverändert. Und wir, denen er zuerst sich enthüllte, denen die Sendung geworden, seinen Namen durch die Zeiten und Jahrtausende, durch die Völker und Geschlechter der Erde hindurchzntragen, wir haben die Versicherung erhalten:״אני י״י ״ לא שגיתי ואתם בני יעקב לא כליתם"Ich der Ewige bin unveründcrlich, und ihr Söhne Jakobs seid unvergänglich." (Malachi, 3, 6 ) So wollen wir ausharren und immer am Grundsätze festhalten: Was das Verhältnis des Menschen zunr Menschen betrifft, sind wir Brüder in der vollen Bedeutung des Wortes; was aber das Verhaltuis des Menschen Gott gegenüber anbelangt, sind und bleiben wir Israeliten, Gotteskämpfer, Kämpfer für Recht, Wahrheit und Menschenliebe. W; . . . . r. lieber Reljgionsnnterricht. Von S. Abeles, Schulleiter in Laun. Zn keiner Zeit ist so viel über Verbesserung des Ncligions- Unterrichtes geschrieben worden, und. dennoch gab es vielleicht nie so wenig Erfolge aus diesem Gebiete und so große Ignoranten selbst in den einfachsten jüdisch-liturgischen Fragen wie jetzt. Was mag wohl der Grund hievon sein? Sind die Neligionslehrer schuld daran, oder hört man diese Klage nur bei uns in Böhmen? Sind die übrigen Länder so glücklich,. von diesem Uebel nicht heimgesucht zu sein? Da mir die Verhältnisse in Böhmen vorzüglich bekannt sind, so null ich Einiges über den Religionsunterricht in diesem Lande erörtern. Die Klagen sind begründet, und dennoch sind die Wege, die zur Abhilfe eingeschlagen werden, nicht die richtigen. Im Schulgesetze heißt es wohl, dass das Unterrichtsministerium die Oberaufsicht über das ganze Unterrichtswesen habe. Aber leider steht gleich darunter ein Absatz,. dass den Lehrstoff des Religionsunterrichtes die Cultusgemeinden festzusetzen, und ebenso für die Ueberwachung desselben zu sorgen haben. Da hat nim letzthin der Cenlralverein in Prag beschlossen, das Ministerium, um einen Lehrplan anzugehen. Ist es denkbar, dass das Ministerium dem ,Centralverein zu liebe das Gesetz überschreiten wird? Ich glaube kaum. Leider ist es wahr, dass gerade Prag durch die Zerfahrenheit im Religionsunterrichte bekannt ist. Es ist sprichwörtlich geworden, dass es in Prag ebenso viele Lehrpläne als Religionslehrer gibt, aber nicht blos in der Volks- und Bürgerschule, sondern auch in den Mittelschulen. Wer trägt die Schuld? Nach meiner Ansicht Niemand anderer als die Cultusgemcinde. Sie allein hat die Gewalt und ihre Psticht ist es, einen Lehrplan für Prag festzustellen. Sie braucht nur den Herrn Oberrabbiner und die Herren Religionslehrer zu einer Berathung zusammen zu berufen, diese Herrn mögen ihr Gutachten abgeben, was für Partien durchzunehmen sind, sie mögen nach pädagogischen Grundsätzen berathen, was der Volksschule in der untersten, was ihr in den höchsten Elasten frommt, diesen Lehrplan hat die Gemeinde zu bestätigen, und prompt daraus zu sehen, dass nur nach diesem unterrichtet werde, und nicht der Religionslehrer nach eigenem Belieben heute dies, morgen jenes vortrage. Dieselbe Zerfahrenheit herrscht in der Mittelschule. Bei der Ausnahmsprüfung prüft jeder Examinator einen anderen Stoff, und fragt nicht darnach, was die Kinder in der Volksschule gelernt haben. Während des Schuljahres nimmt der eine Josua, der andere die Bibel, der dritte Jeschaja und der vierte hält wieder die Psalmen für wichtig. Können bei solchem Vorgänge Erfolge erzielt werden? Und wie in der Hauptstadt, so geht es auch auf dem Lande: der eine Religionslehrer legt das Hauptgewicht auf biblische Geschichte, der andere aufs mechanische Beten, ein anderer aus Religion im engeren Sinne, ein anderer wieder forciert Bibelübersetzen. Dem wäre abzuhelfen, wenn die Prager Culttlsgemeinde den durchberathenen Lehrplan einer jeden Eultusgemeinde mit dem Beifügen einsendete, diesen zu-prüfen und ebenfalls zu bestätigen. Haben nun alle Cultusgemeinden dem beigestimmt, wird der Landesschulrath, resp. das Ministerium, den Lehrplan, wenn er vorgelegt wird, bestätigen, dann kann man Einheit erzielen. Der Religionslehrer wird nicht im Dunkeln herumtappen, und das Kind braucht sich vor den unbekannten Forderungen bei der Ausnahmsprüsung nicht zu fürchten, da es eben nur in dem geprüft werden kann, was es gelernt hat. Was soll nun in der Volksschule gelehrt werden? Die erste Elaste wird.Anfangs nur bibl. Geschichte lernen müssen, aber natürlich nur in einer leicht fasslichen Weise. Im 2. Semester der 1. Elaste muß bann der hebräische Leseunterricht beginnen, die 2. Elaste hat dies fortznsetzen. In der 3. Klasse, wo die Kinder schon geläufig lesen können, beginne man mit dem Bibelunterrichte und füge der biblischen Geschichte die Bedeutung der Feste bei. In der 4. Elaste kann man ganz getrost schon die Ceremonialgesetze zusetzen oder die Bedeutung der Festtage, Pflichten, die aus ben 10 Geboten hervorgehen, U. s. w. erläutern. Die 2 gesetzlichen Religionsstunden, werden da natürlich nicht ausreicheu, diese mögen nur zum Religionsunterrichte und zur biblischen Geschichte verwendet werden. Pflicht der Eultusgemeinde ist es, ihre Religionslehrer dazu zu verhalten, nebst den obligaten Religionsstunden wöchentlich wenigstens 3 oder 4 Stunden dem hebräischen Unterrichte, d. h. der Liturgie und der Bibel, zu widmen, natürlich muß man ihnen eine Remuneration hiesür geben. Dann werden die Kinder etwas lernen. In unserer Gemeinde z. B. muß täglich 1 Stunde Bibel, nebst 2 wöchentlichen Betstunden und 2 Stunden Religion gelehrt werden. Die heutige Welt will halt für jede Sache einen pompösen Namen, darum sagt der Jude: Wir veranstalten einen Jugendgottesdienft ähnlich dem katholischen. Ja, dort ist es ganz anders das Kind betet während der Messe, was es für gut findet. Dem ist nicht so beim jüdischen Gottesdienste, denn das Kind soll doch dort mitbeten, wo der Cantor.betet. Wie kann es aber mitbstey; wenn es sich im Gebetbuche nicht zurecht findet. Eine Exhorte ist unbedingt