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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-03-21 · Heft 10 (21.3.1887) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 10 (21.3.1887)
Date
1887-03-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — sitzenden notwendig. ,Die Beschlüsse werden mit einfacher Majorität gefasst. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des-Vorsitzenden. §. 28. . Ueber jede Vorstandssitzung wird ein Protokoll geführt, das von sammtlichen Anwesenden zu fertigen ist. §.29. Alle Ausfertigungen und Bekanntmachungen müssen vom Präses und einem der Präses-Stellvertreter gezeichnet sein, in Ver- Hinderung des. Präses von beiden Stellvertretern. Die Veröffentlichungen erfolgen insbesondere in dem Vereinsorgane, der ״Oesterr. ung. Cantoren-Zeitung". §. 30. Die beiden Controlore sind dazu berufen, die Cassagebahrung des Vereines , zu überwachen, hierüber jährlich unter -Mitfertigung des Eassier einen Bericht in der Cantoren-Aeitung zur Kenntnisnahme der Mitglieder zu veröffentlichen und in der Generalversammlung die Ertheilung oder Verweigerung des Absolutoriums zu beantragen. Sie sind verpflichtet, die Buchführung periodisch zu untersuchen, die Eassa zu scontriren, die Rechnungen zu prüfen und haben das Recht an den Vorstandsitzungen mit berathender Stimme Theil zu nehmen.' §. 31. ’ Das Schiedsgericht, welches über alle Streitigkeiten aus den Vereinsverhältnißen zwischen Mitgliedern untereinander, oder zwischen Mitgliedern und dem Vorstande entscheidet, wird von Fall zu Fall aus drei Vereinsmitgliedern zusammengesetzt. Jede der streitenden Parteien wähÜ sich einen Schiedsrichter, und diese beiden bestimmen einen Obmann. Im Nichteinigungsfalle entscheidet das Los zwischen den von beiden Schiedsmännern vorgeschlagenen Candidaten. Gegen das Erkenntnis eines derart eonstituirten Schiedsgerichtes gibt es keine Berufung. §. 32. Die Statutenänderung kann von der Generalversauunlung mit s/a Majorität der Anwesenden beschlossen werden. §. 33. Die Auflösung des Vereines kann nur von einer ad hoe einberufenen Generalversammlung, zu deren Beschlußfähigkeit die An- Wesenheit von mindestens der Hälfte der ordentlichen Mitglieder nothwendig ist, mit % Majorität beschlossen werden. Im Falle der Auflösung muß das Vereinsvermögen einer zu Gunsten der Cantoren, resp. deren Wittwen und Weisen, zu creirenden Stiftung zugewendet werden. Fragmente. Aus dem alten jüdischen Leben im Familienkreise, im Gotteshause, im gemeinschaftlichen Verkehr. (1H׳ Artikel-Serie.) XXV. Aer Mensch irr socialer und rettgLSser Steilung. Wenn wir auch nach Außenhin, in socialer Stellung ein freies, menschliches Verhaften, ein brüderliches, freundliches und friedliches Wesen gegen jeden Menschen und jedes Bekentnis bewahren sollen; so darf wiederum keine Lage, keine Stellung im Leben, kein Verhältnis und keine Beziehung zu der menschlichen Gesellschaft uns in unserem Glauben und Hoffen, in unserer religiösen Ueberzeugung und Pflichten m dem, was wir uns als Jsraelitm schuldig sind, irre machen und die heiligen Bande lockern, die uns Gott, an seine Lehre, an unsere Stamm- und Glaubensgenossen knüpfen. ״ ,"אחיך״Dein Bruder", rufen wir jedem ehrlichen und rechtschaffenen Menschen zu im weitesten Sinne des Wortes; fügen aber wie Moses hinzu: .,ישראל" was unseren Glauben betrifft, sind und bleiben wir Israeliten, Bekenner des einig einzigen Gottes. Es ist wohl nichts Schmachvolleres, als mit seinem Glauben Schacher zu treiben, einen frevelhaften Handel mit dem Heiligsten zu unterhaltendem heuchlerisches Feilbie- Len und Preisgeben unserer selbst. Dieses vorausgesetzt, halten wir uns für vollkommen berechtiget, folgenden Grundsatz aufzustellen: ״Was das Verhältnis des Menschen zum Menschen betrifft, sind wir Brüder in der vollen Bedeutung des Wortes; was" aber das Verhältnis des Menschen Gott gegenüber anbelangt, sind wir Israeliten. Da wir heute in einer Zeit der Toleranz mnd Glaubensfreiheit leben, was können unsere Feinde gegen diesen echt humanen und zugleich religiösen Grundsatz einwenden? Unter solchen Bedingungen sollte es gar keine Judenfeinde mehr geben. Es gibt auch keine, aber Antisemiten gibt es und die sind gar schlau! Sie suchen ihre Feindseligkeiten vom wissenschaftlichen Standpunkte aus, natürlich e nach ihrer Ärt und Weise zu begründen. Bruder' und dabei Israelit bleiben, behaupten sie, ist ein Widerspruch,, weil eure Religion euch erlaubt, ja sogar gebietet, jeden Nichtisraeliten zu belügen, zu betrügen, zu hintergehen, ihn sogar zu tödten. Und das bemühen sich sich mit großer Gelehrsamkeit, natürlich durch Fälschungen, Textverdrehungen und willkürliche Deutungen aus den bibl. und nachbibl. Schriften zu beweisen. Sie haben aber vergessen, dass es heutzutage auch israelitische und nichtisraelitische Gelehrte gibt, wie einst in Babylonien :יודעי דעת למביני מדע ״Einsichtsvolle, und wissenskundige Männer (Dan. 1. 4.), zugleich biedere Charactere, die ihnen die falsche Maske vom Gesichte rissen und sie als unwissende boshafte Verleumder darstellen". Mer auch diese Methode ist alt, wieder ist es eine Kunde der Vergangenheit, die bis in die Gegenwart hineinragt, und um diese alte interessante Kundezu veröffentlichen, haben wir eigentlich diesen Gegenstand in den Kreis der Besprechnng gezogen. . Es ist nicht ohne Interesse für unsere Zeit, die Betrachtung des Midrasch (Rab. g. 3. M. 27), wie die Feinde Israels in den verschiedenen Zeitperioden in ihren Ränken sich überbieten. Der erste Feind Jakob-Israels war Esau, er sprach: ״ שלטה קין ד,יהKain war ein Narr, dass er seinen Bruder Abel bei Lebzeiten seines Vaters getödtet und nicht bedacht hat, dass sein Vater noch mehrere Kinder bekommen könnte. Ich mache es besser, ich werde warten, bis mein Vater stirbt, dann werde ich erst meinen Bruder Jakob tödten." Pharao der Tyrann Israels in Aegypten sprach wieder: ,שלטה היד ״ עשילEsau war auch nicht gescheidt, dass er bis zum Tode seines Vaters gewartet. Jakob hatt indessen geheirathet und Kinder bekommen. Ich mache es besser: בל הבן הילוד ד,יארה תשליכהו Jedes neugeborene Knäblekn soll gleich in den Fluss geworfen werden." (2- M. d. 22.) Haman, der Erzfeind der Juden im persischen Reiche, sprach wieder: שלטה היה מדעה״ " Auch Pharao war ein Thor, dass er die Judenmädchen hat leben lassen, die ^sich wieder mit Männer verehelichten. Ich mache es besser: להשמיד אד 2ל היהודים Ich vernichte alle Juden, alt und jung, Weiber sammt Kinder an einem Tage." (Est. 3, 13.) Auch Gog und Magog werden einst so sprechen שלטים דיו בלם. Die Feinde Israels waren allesammt Thoren, sie wussten nicht, dass Israel einen פטרון בשמים ״" seinen Schutzgott im Himmel hat, erst muß dieser besiegt werden, dann erst kann Israel vom Erdboden schwinden." So weit der . Midrasch, dessen Betrachtung bis in unsere Zeit hineinreicht und Bestättgung findet. Wir haben es erlebt. Man scheut sich nicht, die Lehre Gottes anzugreifen, verläumdet 1 “rvrrarrrrviיי ־”■w ׳-*y'•- --

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