Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 9 (13.3.1887)
- Date
- 1887-03-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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welche Macht sie Ms unser Willensvermögen geübt, und welche Begeisterung für unseren Glauben sie hervorgemfen habe. Der Prediger muß aus Herz,׳ Gemüth und Geist seiner Hörer mächtig einwirken, er muß^ bei jedem religiösen Vortrage den Hauptzweck-zu erreichen suchen, auf unseren Willen und׳ unsere Thatkraft zu influiren,. imd durch den "Zauber seiner Worte eine Gesinnungsänderung bei seinen' Zuhörern Hervorrufen. Bei . einer gedruckten Predigt hingegen, kann von einem Zauber der Worte keine Rede sein, auch wirken Ort nnd Zeit nicht ׳ans die Stimmung des Lesers ein, und es erübrigt nur dem Recensenteu/auf deren Inhalt näher einzugehen. , .׳Drei׳Won den uns vorliegenden Reden des Herrn Dr. Frankl- Grün wurden vor gelehrten Fachgenossen in Breslau gehalten. Da bekanntlich jede Predigt dem Bildungsgrade des Auditoriums, vor dem sie gehalten wird, angepässt werden muß, und diese so eingerichtet werden soll, dass Niemand leer ausgehe und alle Klassen, die in einer Gemeinde auzutreffen sind, berücksichtigt werden müssen, hat der Verfasser bei der Conception dieser drei Reden, sein, aus lauter gelehrten Fachgenossen bestehendes Auditorium in's Auge gefasst und ihrem hohen Bildungsgrade entsprechend, den Inhalt derselben eingerichtet. Demzufolge sind diese keine populären Predigten oder Volksreden, sie sind vom Geiste echter Wissenschaft getragen und vereinigen eine schwungvolle Sprache mit erhabenen, schönen Ideen. Die Sehelcaliin-Predigt! kann vornehmlich, — abgesehen von der geistvollen homiletischen-Ausarbeitung des Verses «Li Sissa“, obwohl einem steinigen Felsen gleichend, der Verfasser dennoch mit dem Stabe seines umfassenden Wissens demselben einen erfrischenden Labetrunk für Geist und Gemüth zu entlocken versteht, — eine gelungene, wissenschaftliche Arbeit und in der Form .eines homiletischen Vortrags genannt: werden^ -in welcher viele Saatkörner erhabener Ideen dicht neben einander:nusgestreut liegen und' geeignet sind, als . Früchte sich zu. entfalten, wenn der Leser dieselben mit ges sannter Aufmerksamkeit und mit der׳ gehörigen Pietät, die man dem Gottesworte schuldet, liest. Auf; den Inhalt der 8ot16lca1in1-Predigt näher eingehend, hebe ich hervor/dass der Verfasser den Brauch, am Sabbate Erbauungsreden zu halten, auf MoD^ zutückführt, der das jüdische Volk, dessen Bildung , noch in der Wiege lag, auf eine Culturstufe erheben wollte, und als' Mittel zu seiner geistigen und sittlichen Erhebung sollten die Institutionen Sabbat und die an demselben zu haltenden religissen Vorträge dienen. Der Verfaffer schildert ferner, wie wohlthätig diese Institutionen auf die geistige Evolution Israels in den trübsten Zeiten einwirkten. Es wird ferner nachgewieseu, dass Moses den Kastengeist aus der Mitte Israels bannen wollte, dass dem Gerechtigkeitssinne geradezu in's Gesicht geschlagen wird, wenn ein Stand für sich ein Prärogative vindizirt; für Israels erste Verfassung galt als oberste Satzung ״Ein Recht für Alle", dass demgemäß Niemand sein Haupt stolz über das seines Nächsten erheben dürfe. Den Werth des Jndividuums wohl hoch schätzend und in die Waagschale legend, wollte Moses dennoch den Gemeinsinn, den Gedanken, dass der Einzelne seine Sonderinteressen aufgeben müsse, die Schranken des Egoismus durchzubrechen gehalten ist, so es für das allgemeine Wohl förderlich ist, in Israel pflegen und aufrecht erhalten. Die höchste Bürgertugend t der Gemeinsinn, kann nur dann zur schönsten Blüthe gelangen, wenn der Einzelne die gehörige Grenze zwischen Selbstachtung und Selbst- Überhebung wohl zu unterscheiden versteht. Tritt aber Einer aus der jüdischen Gemeinde aus, aus selbstischen Motiven, des unbefriedigten Ehrgeizes wegen, oder gar, um sich dadurch der Gemeindelasten zu entledigen, ein Solcher ist aller Bürgertugenden baar, dient nur seinen bösen Trieben und ist nicht würdig, der Genossenschaft Israels anzugehören. Dies in gedrängter Kürze einige Skizzen der an Ideen so reichen Sehekalim- Predigt, denen sich auch die anderen drei Reden würdig anschließen, zu Deren Besprechung es mir vorläufig an Zeit und Muße mangelt. Jedem für unseren erhabenen Glauben warm fühlenden Israeliten empfehle ich daher zur Erbauung und Belehrung die Lectüre benannter Reden, nicht minder unseren Fachgenossen, über- Haupt verdienen dieselben die weiteste Verbreitung. Die Ausstattung und der Druck des Buches ist recht einladend. . ' Dr. A. Low y, Bzks.-Rabb. in Butschowitz. ״Fürchte^Dich nicht, Adolf, Mama hat mich wohl verpackt", erwiederte ihm:׳ die Dame und gestützt auf den Arm ihres Bruders verließ sie Me Equipage, worauf Beide durch den hell erleuchteten Eorridor den mit breiten Teppichen belegten Treppen zu schreiten. Ein: Diener geleitete die Ankommenden in den Salon, wo sich schon eine-ziemlich große Anzahl junger Herren und Damen versammelt hattet .Die Tochter des Hauses, Frl. Emma Weinstein, ging den Eintretenden entgegen und begrüßte sie auf's herzlichste ״Nun^ Ihr habt aber heute etwas lange auf Euch warten lassen. Wir. wollten nicht früher mit den Uebungen beginnen, da wir ja Generalprobe haben,, die ohne Euch, die ihr in den Solo- Partien mitzuwirken habt, nicht vor sich gehen kann. Gott sei' Dank, dass Ihr ׳:nun-schon hier seid! Wir hatten bereits ein Gesellschaftsspiel in pstto und glaubten wieder unsere Soiree, welche künftigen Sonntag stattfinden soll und zu. welcher Mama so außerordentliche Vorbereitungen trifft, verschieben zu müssen." ״Ah, es thut uns wirklich leid, dass unser Versäumnis Eure Geduld. auf die Probe stellte", sagten .Flora und Adolf, die Kinder des Cultus-Vorstehers, ״aber lasset Euch auch den Grund unserer Vespätung sagen", sprach mit Lebhaftigkeit Fräulein Flora: ״Wir hatten den Besuch.der Frau Süßkind, die ihren Mann doch in Gesellschaft führen muß, wenn er einmal zum Sonnabend nach Hause kommt." ״Ahso!" klang es von den Lippen der jungen Welt, und einstimmig riefen Alle: ״Ihr seid entschuldigt!" ״So wollen wir denn", sagte Felix Weinstein, ״beginnen und ordnungsgemäß unsere Piscen vortragen". Mit diesen Worten . öffnete er den prachtvollen Stutzflügel, ordnete die Noten und schlug einige Accorde an. . Flora trat an den schönen Flügel, und Felix spielte die Begleitrmg zu dem schönen Liede: ״Ich schnitt es-gern in jede Rinde ein, ich grüb es gern in jeden Kiselstein!" Flora sang mit ihrer gut geschulten Altstimme sehr gefühlvoll und legte besonders den ganzen Schmelz ihrer Stimme in den Refrain der Strophen: ״Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben". Nach Beendigung des Liedes traten Beide unter die Gruppe der jungen Herren und Damen, und-Emma setzte sich zum Clavier, um Adolf und Emil Bärwald in dem Duette aus der Zauberflöte: ״Bewahret Euch vor Weibertücken", zu begleiten. Auch dieses Paar fand großen Beifall und hatte nur den einen Wunsch, auch künftige Woche zur Soirse so gut bei Sttmme zu sein. ״Bei einem solch fatalen Thauwetter" sagte Emil, ״ist man wirklich nicht Herr seiner Stimmittel." In der hierauf folgenden Pause labte sich die junge Welt an verschiedenartigen Erfrischungen, die auf runden Marmortischchen sehr geschmackvoll aufgethürmt waren. ' ■■׳•־ ״Ihr habt ausgezeichnet gutes Confekt", sagte Elise Bärwald, ״und Eure Feigen und Datteln, Orangen und Rosinen lassen nichts zu wünschen übrig. Onkel Josef, unser Gourmand, hat wirklich Recht, wenn er voll des Lobes über Weinsteines Gaüsreundtichkeit ist, erst jetzt kann ich sein Entzücken ganz begreifen". ״Das bringt Papa selbst aus Italien mit. da ihm sein Geschüft häufig nach dem Süden führt", sagte Emma und munterte die Gesellschaft auf, nur fleißig zuzugreifen. Wortsftzung falzt.)