Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 9 (13.3.1887)
- Date
- 1887-03-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/1304829-3453087-3453096--2054-3456261- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Anträge nur einem Wunsch gerecht mierden, der von schätzbarer conservattver Seite stammte. Wir selbst legten auf diesen Punkt kein principielles Gewicht, wie hieß bereits in der letzten Vollversammlung constaüert wurde; da aber gegen diesen Punkt erhebliche Einwendüngen geltend gemacht wurden, so war es uns ein Leichtes von demselben abzugehen. ' Unter unseren heutigen Anträgen erscheinen blos zwei neue Punkte, die wir Ihnen nur wärmstens empfehlen können. Und zwar: der Punkt ä, der mit unseren früheren Anträgen vollkommen übereinstimmi, es sei nämlich der Bibelunterricht in der Volksschule und die Geschichte des Iudenthums in den Bürger׳ und Mittelschulen in den Lehrstoff einzureihen. Gegen diese Bestimmung dürfte sich kaum eine Opposition ergebe», weil der Bibelunterricht in der Volksschule unstreitig einen Theil des Religionsunterrichtes ebenfalls als ein integrirender Bestandtheil des Religionsunterrichtes bildet, und die Geschichte des Judenthums in den höheren Schulen erscheint. Einen weiteren neuen Punkt finden Sie sub 6): Es sei der einheitliche Lehrplan derart zusammenzustellen, dass die Vertheilung des Lehrstoffes, den pädagogischen Anforderungen entsprechend, durch eine aus Rabbinern und fachmännisch gebildeten Laien zu bildende Enquete-Commission vorzunehmen wäre. Dieser neue Punkt enthält eine Bestimmung, die selbstverständlich ist, und die ich bereits in der letzten Vollversammlung angedeutet habe. Wenn das hohe Unterrichts-Ministeriun! auf unser Gesuch eingeht, so kann es, der Natur der Sache nach, nicht aus eigener- Initiative den Lehrplan erlassen, sondern muß Zunächst ein Enquete einberufen und deren Gutachten abverlangen, weshalb 'sich eben dieser Antrag, wie ich schon bemerkte, als etwas Selbstverständliches, gar keinem Bedenken unterlegen kann und wir ihn daher gerne, über Vorschlag des Herrn Dr. Rosenbacher, acceptierten. Was endlich den letzten Punkt bezüglich der Exhorten anbelangt, so bildet dieser Punkt nur eine Resolution, die die Vollversammlung zu fassen hat; und um jedes Misverständnis zu vermeiden, bemerke ich, dass dieser Punkt keinesfalls in dem Einschreiten an das Unterrichtsministerium aufzunehmen sei. Ich kann somit Ihnen unsere heutigen Anträgen wärmstens : empfehlen, weil sie in ׳denselben die Vertheilung des Lehrstoffes für Volksschulen einerseits, und für die Bürger- und Mittelschulen ändM seits genau und präciser vorfinden. Der Ausschuss-, hat den Standpunkt, den er in der letzten Vollversammlung eingenommen, nicht perlassen und ist auf Grund der erzielten Einigung in der angenehmen Lage, heute Ihnen dieselben, wenn mich, in der Form präcisierter Anträge vorzulegen, von denen er hoffen kann, dass von keiner Seite gegen diese Anträge principielle Bedenken geltend^ gemacht werden könnte, noch weniger aber, dass denselben der Vorwurf?entgegengehalten werden könnten, dass sie die Satzungen dch Judenthums etwa alterieren; unsere vorliegenden Anträge sind vielmehr von echt jüdischem Geiste durchdrungen, weshalb sch Sie ersuche, dieselben einhellig zum Beschlüsse zu erheben. . Fitterarisches. Die ausgezeichneten Sabbate. Vier Predigten von Dr. Adolf Frankl-Grün, Rabbiner in K r e m:fit e r. Eine Predigt einer objectiven, gerechten Kritik zu unterziehen, .ist im Allgemeinen eine recht schwierige Aufgabe. Während:<miv bei: der Kritik einer wissenschaftlichen Arbeit uns nur die Frage: vorzulegen haben, ob die in derselben niedergelegten Ansichten .mit der: Wahrheit Hand in Hand gehen, und ob die Darstellung derselben nicht den Regeln der Logik zuwider laufe, gibt es!bei .der- Beurtheilung der jüdischen Predigt keinen eigentlichen, rechten Maßstab, nach dem deren Werth bemessen, kein Kriterium, nach welchem dieselbe beurtheilt werden soll, keinen Compass, der uns die Richtung! anzeigt, ob die zu recensirende Predigt den richtigen Weg eingeschlagen habe,, oder nicht. Zunächst und zuvörderst muß eine Predigt, gehört werden, sie mnß von einer geweihten Stätte aus vor einer andachtigen Versammlung gesprochen werden; die g e hörte! Predigt^ kann leicht recensiert werden, indem wir im Allgemeinen nur zu-erwägen haben, welchen Eindruck dieselbe auf unser Herz und Gemüts gemacht Der junge Cantor. Eine Erzahtmlg von Cäcilie L ö w y. (3. Fortsetzung.) ״Warum sollte auch nicht eine so große.Stadt Anspruch auf einen recht talentvollen. Cantor haben? Nun, wir werden ja sehen, oder besser hören l Doch ich muß mich nun empfehlen, mein Mann, der diesen Sonnabend nach' langer Zeit wieder einmal zu Hause ist, wird mich schon mit Ungeduld erwarten." Deborah begleitete Frau Süßkind -und pflegte im Vorhaus noch eine ziemlich lange Eonversation mit derselben. III. Die Stadt D. hatte in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung genommen, sie wurde der Centralpunkt eines weitverzweigten Bahnnetzes, wodurch sich Handel-und Gewerbe hoben. Das rege Treiben in den Gaffen, die großen Kaufläden mit den reichen Auslagen in den Schaufenstern gaben dm besten Beweis von dem wachsenden Wohlstände der Einwohner.' Die Stadt vergrößerte sich mit rapider Schnelligkeit von Jahr zu Jahr, neue 'Straßen, von prachtvollen Gebäuden gebildet, reihten sich der Altstadt, inder sich das Iudenviertel mit seinen hohen, schmalen Häusern befand, an. Die reichm Juden hatten aber längst ihre, alten Häuser verlassen und ihre Geschäfte in den schönsten Theilen der Stadt eröffnet. Ihr Wohlstand wuchs, und sie richteten daher ihre Häuslichkeit nach ihren Vermögensverhältnißen großartig ein. Sie strebten darnach, sich mit der besseren christlichen Bevölkerung zu assimiliren, zeigten Sinn für Kunst und Wissenschaft und ließen ihre Kinder in den höheren Schulen heranbilden. Es gab: kaum eine Familie, die nicht mindestens einen ihrer Söhne ganz dem Studium widmete, und so kam es, dass die Juden allmälig das traditionell Charakteristische abstreiften und in Sprache und Benehmen gegen die Gebildeten der übrigen Confessionen in keiner Weise zurückstanden. ׳ Ihre Häuser öffneten sie dem geselligen Verkehre, unb bie Männer der Kunst und des Wissens fanden besonders freundliche Aufnahme. Eine ernste und geistreiche Eonversation würzte, die.Mußestunden, nicht minder wie Musik und Tanz, dem sich die junge Welt an den langen Winterabenden hingab. Die jungen Mädchen: wetteiferten, ihre Kunsffertigkeit auf dem Claviere und im Gesänge zu zeigen, und die geselligen Zusammenkünfte hatten daher häufige den Zweck, vor Angehörigen und Gästen-Beweis von ihrem Können und Streben abzulegen. Da wechselten Gesang und Spiel mit declarnatorischen Vorträgen, und der Geschmack der jüdischen Gesellschaft bildete und verfeinerte sich an den Schöpfungen unserer clafsischen Dichter und Componisten. In einer der belebtesten Straßen der Stadt war heute, am Samstag Abend, die lange Fensterfront eines schönen, hohen Hauses hell erleuchtet und auf den weißen Vorhängen zeichneten sich die Schatten junger Mädchengestalten , ab. Eben fährt eine Equipage geräuschvoll über das Pflaster und hält, vor dem Portale jenes Hauses; der Diener springt eilig vom Bock, öffnet den Schlag,.ein junger Mann entsteigt dem Wagen und reicht einem hübschen Mädchen die Hand. . 7 ״Hülle Dich fester in Deinen Shawl, Flora, bevor Du äüssteigst׳ die Luft ist nasskalt und Du könntest: dich leicht erkälten." 1,1 ׳!,! ,,!ן!1, ,4,