Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 8 (5.3.1887)
- Date
- 1887-03-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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MmiiierksirsLtktt. Eiir. geistlich 'erhabener Chor in D-moll, eine ge-- 'die^ene Schöpflmg,׳ die'Mr herzlich willkommen heißen. Ein weiteres zur Empfehlung ist nicht nöthig.- Nr. 4. Psalm 430. (Deutscher Text von Dr. Jaho.) Dieser.-Psalm-in derselben textlichen Form ist zwar schon von unserem Altmeister Ober-Cantör M. Deuts ch in Breslau zweimal bearbeitet, aber, dennoch verstand.es Herr Rubin, das vorliegende Opus als sangliche Gottesmusik trefflich zu gestalten. Der Preis des auch äußerlich schön ansgestatteten Werkes-ist billig, und es sei hiermit zu der nächsten Passa-Seelenfeier mit dem Wunsche empfohlen, dass die eine oder andere Nummer zur Aufführung gebracht werden möge. M. Lintner. Won Ar. Ad. Arankt- Grün, Rabbiner in Kremsier, sind im Selbstverläge erschienen, 4 Reden für die ausgezeichneten Sabbathe, Preis 50 kr. 1 Mk. Die erste für Schekalim wurde am Sabbath nach dem Tode des sel. Directors Dr. Zach. Frankel — dessen Andenken diese Sammlung.gewidmet ist— am Rabbiner- Seminar zu Breslau gehalten. Sie ist gegen den Austritt aus der Gemeinde gerichtet, dasselbe Thema, welches Frankel in der letzten Entlassungsrede besprochen hat. Die zweite behandelt die. gesetzliche Freiheit, die dritte den Wert der Ceremonien, die vierte die geheiligten Genüsse. Es werden auch Auszügevon änderen Festreden gegeben nebst Anmerkungen, wie ein daselbst besprochenes Thema oder angeführter Text mit leichter Umarbeitung bei verschiedenen Gelegenheiten verwertet werden kann. Kleine Chronik. Wien. Donnerstag den 3.. März fand im Seitenstettentempel eine Seelengedächtnisfeier für die Verstorbenen des Wiener Kaufmännischen Vereines unter zahlreicher Theilnahme von Seiten des Vorstandes und der Mitglieder des genannten Vereines, statt. Nachdem Obe r canto r—S inger unter Begleitung des Tempelchores das VS u l z e rffches Requiem in ergreifender Weise executirt hatte, betrar-Pkediger Dr. Jellinek die Kanzel und zeichnete in. kurzen und treffenden Worten die Bedeutung, der Feier, sowie das schöne und wolthatige Wirken des Vereines. Mit der Absingung eines Schlußpsalmes war die Feier beendigt. Wien. Beim Vorstande der hiesigen israel. Cultusgemeinde ist ein Antrag eingegangen, demzufolge ein Sonntagsgottesdienst eingeführt werden soll, mit der Begründung, dass ein großer Theil der Kaufleute und Angestellten am Samstag den Gottesdienst nicht besuchen könne. Der Vorstand hat dieses Ansuchen abschlägig beschieden. Wien. (P r e i s a u s s ch r e i b u n g). Wir haben in voriger Nummer die Meldung gebracht, dass der Vorstand der israel. Cultus- Dieser öffnete eben die Thür, wünschte den Damen einen guten Schabbes und drückte seine Freude über die Theilnahme, die sie seiner Frau entgegen brachten, aus. ״Ja, lieber Herr Dessauer", sagte die reiche Frau Weinstein, ״ich weiß, was es heißt, wenn man so lange das Bett hüten muß, ich habe den Wert der Gesundheit schätzen gelernt. Sie wissen ja, wie lange ich leiden mußte, bevor Sie meinen Mann auf den Berliner Professor, der die glückliche Operation an mir vollzog, aufmerksam machten. Ich werde Ihnen ewig dankbar sein, . und auch mein Mann sagt immer, wenn er sich an mein Leiden erinnert, unser alter Dessauer hat uns glücklich gemacht. — So wünsche ich Ihnen denn, liebe Frau Dessauer, dass Sie sich bald so gekräftigt fühlen mögen, wie ich". Daunt erhob sie sich, um sich zu empfehlen, imd auch die anderen Damen folgten, mit Ausnahme der jungen Frau Süßkind, ihrem Beispiele. Letztere konnte sich noch nicht trennen, da sie gerade ein delikates Thema erörterte und gar nicht bemerkte, dass Deborah rasch die Farben wechselte. ״Sie haben es wirklich noch nicht bemerkt, liebes Fräulein, welches Interesse der junge Felix Weinstein für Sie har! Neulich sprach er mit einer Begeisterung von Ihnen, dass sich alle Damen bedeutungsvolle Blicke zuwarfen. Ich muß mich aber wundern, dass ein lebenslustiger Mensch, wie Herr Felix ist, Sie zum Ziele seinerWünsche auserkor. Weiß doch Jedcr, dass Sie die Zurückgezogenheit lieben und mit Ihren geistigen Vorzügen wie ein Veilchen im Verborgenen blühen". ״O, gnädige Frau, Sie haben eine gar zu gute Meinung gemeinde in Wien, den Beschlnß gefasst, einen Concurs für ein Lehrbuch der Religionstehre und ein Lehrbuch der jüdischen Geschichte auszuschreiben. Im Nachfolgenden theilen wir unseren Lesern den'Wortlaut der Preisausschreibnng mit: ״Bei dem unverkennbaren Bedürfnisse nach einem geeigneten Lehrbuche der Religionslehre für Volks- und Bürgerschulen sowie für Gymnasien und Realschulen und eines entsprechenden Compendiums der jüdischen Geschichte für das Obergymnasium hat der unterzeichnete Vorstand beschlossen, zur Abfassung dieser wichtigen Schulbücher ein allgemeine Preisausschreibung zu erlaffen. Demzufolge werden: 1. Für ein ans zwei Theilen bestehendes Lehrbuch der Religionslehre für Volks- und Bürgerschulen, sowie für Gymnasien und Realschulen ein Preis von 3000 Mark: 2. für ein ans zwei mäßigen Bänden bestehendes Lehrbuch der Geschichte der Juden für das Öbergymnasium ein Preis von 4000 Mark und als Ehrengaben für je drei der nächst besten Arbeiten und zwar: d) für das Lehrbuch der Geschichte der Juden für das Obergymuasium je 6'>0 Mark; a) für das Lehrbuch der Religionslehre je 400 Mark-festgesetzt. ad) I. Der erste Theil dieses Lehrbuches soll für Volks- und Bürgerschulen, der zweite für Gymnasien und Realschulen bestimmt sein. Bei der Ausarbeitung des ersten Theiles darf der Verfasser nicht außer ׳Acht lassen, dass derselbe zumeist für solche Schüler bestimmt ist, welche nach dem Verlassen der Volks- oder Bürgerschule dem praktischen sich zuwenden und keine höhere Schule mehr besuchen. Das Lehrbuch muß daher den Lehrgehalt des Judenthums summarisch zusamlnenfassen, dem Schüler biblische und nachbiblksche Kernsprüche der israelitischen Religion mit besonderem Nachdrucke hervorheben. Bei der Abfassung einer Religionslehre für die Mittelschulen ist insbesondere eine Zusammenfassung der Glaubens- und Pflichtenlehren zu liefern, welche auf analytischem Wege bei der Bibellektüre gewonnen wurden. Hiebei sollen Kürze und Klarheit in allen Theilen obivalten, bei möglichst vollständiger Darstellung der Rahmen eines Schulbuches in einem Bande nicht überschritten werden. Frei von jedem gelehrten Beiwerk sollen die Desinitionen präcis, wissenschaftlich strenge sein. Eine gefällige Form, sowie ein warmer, überzeugender Ton rnöge die ganze Darstellung durchdringen. Häufige Citate sind zu vermeiden, nur allgemein gilrige Erklärungsweisen dürfen in An- Wendung kommen; Quellenangaben sind unter dem Striche zu verzeichnen. Um das Buch allmälig zu einem Gemeingut e aller Gemeinden zu machen, sollen die Lehrsätze sich überall aus allgemein anerkannte. von mir", wandte Deborah ein ״und fassen auch gewiss die Worte des Herrn Weinstein nicht so aus, wie sie gemeint sind, der junge Mann steht mir so fern, wie der Mond der Sonne." ״Ach, liebes Fräulein, Sie werden mich nicht irre führen, ich, besitze mehr Menschenkenntnis als Sie mir zuttauen, was ich Ihnen sage beruht durchaus auf unfehlbarer Wahrnehmung. Sie werden sich einst überzeugen, dass ich mich nicht getäuscht habe, und ich werde die erste sein, die Ihnen zu einer solchen Eroberung Glück wünscht". ״Erfreuen Sie mich doch auch einmal mit Ihrem Besuche, Fräulein Deborah", hob sie wieder nach einer kurzen Panse an, ״fast alle junge Mädchen meiner Nachbarschaft fühlen sich zu mir hingezogen, da ich so gerne mit Ihnen verkehre. Mein lieber Mann ist ja immer auf Reisen, das bringt unser Geschäft mit sich, und ich würde mich wirklich zu Tode langweilen, wenn ich keinen Umgang hätte. — ״Nicht wahr, Frau Deffauer", sprach sie, als Deborah schwieg. Sie werden recht froh sein, wenn Ihr Fräulein Tochter in Gesellschaft geht, damit Sie sich auch na wenig zerstreuen; geht cs Ihnen ja jetzt wieder gut. Sie haben sich wirklich merkwürdig erholt, seitdem ich Sie zum letzten Male gesehen. Und Ihnen, Herr Dessauer, wird die Ruhe auch dienlich sein. Es war wirklich eine ausgezeichnete Idee von den Vorstandsmitgliedern, Sie endlich zu pensioniren. Sie haben für die Gemeinde genug geleistet und eine junge Kraft soll vernüftiger Weise an Ihrer Stelle wirken. Ich bin wirklich schon neugierig, welchen Eindruck der neue Cantor, der von den Professoren des BerlinerConservatoriums dem Vorstände ganz besonders empfohlen wurde, ans die Lerrte machen wird." (Fortsetzung folgt.)