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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-03-05 · Heft 8 (5.3.1887) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 8 (5.3.1887)
Date
1887-03-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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*jfrfld bleibt erhalten. Jona geht nach Ninive Buße predigen, die Stadt bekehrt sich und wird gerettet. Jona erkennt dies als ein Wettk der göttlichen Liebe und Nachsicht (4, 2), welche dem Bußfertigen gerne verzeiht, den Reumüthigen gerne aufnimmt. Jona aber HW sich außerhalb der Stadt; er traut der Besserung nicht, hält sie für keine wahrhafte und dauernde, sondern nur für eine formelle, äußerliche Buße in.Sack, Asche und Fasten. Er sitzt außerhalb der Stadt und wartet der Dinge, die geschehen, ob er in wahrhafter Nächstenliebe hereingezogen und ausgenommen werde, oder ob wegen neuen Ab- und Rückfalls Gottes Strafandrohungen über Ninive doch noch -in Erfüllung gehe!:. Man lässt Jona draußen sitzen, schließt ihn aus und nimmt ihn nicht auf. Dies ist das Bild von dem Verhalten der Völker gegen Israel, welche den Gott der Liebe und den Grundsatz der Nächstenliebe vom Judentum angenommen haben und doch in Lieblosigkeit gegen Israel verharren. Die Sonne stach Jona gar sehr; ein Bild der Not — Israel duldet durch lieblose Aus- Schließung. Gott verleiht Jona ein schützendes Dach, ein notdürftiges Wanzendach zwar nur, aber doch vorläufig ausreichend. Jona verdankt es nicht der Liebe der Menschen, sondern der Gnade Gottes. Notdürftig genug waren und sind oft die Statten des Aufenthaltes, worin man Israel verstoßen; aber wunderbar genug werden sie auch dort von Gottes Gnade erhalten. Jedoch auch unter diesem Dache findet Jona keinen dauerhaften Schutz; die Pflanze verdorrt, und neue Not kommt über Jona — über Israel. Jona wünscht sich den Tod; Israel ist der endlosen Leiden und des ewigen, aber vergeblichen Ringens und Strebens für die Menschheit müde. ״Ich will sterben und harren der Erlösung von meinem schweren Berufe und meinen harten Mühen und langem Dulden dafür." So spricht Jona. Konnte nicht auch so Israel sprechen? ״Nein", sagt Gott, ״du mußt fortteben und fortstreben" — das Judentum ist ewig, es kann und darf nicht aufhören und untergehen — um der Wahrheit, um deinet- und der Menschheit willen. Ich muß mich Ninive's erbarmen, denn alle Völker und Menschen sind meine Kinder, welche am Ende mich afle erkennen und in Wahrheit mit dienen werden. Harre aus Jona — lebe und strebe fort Israel; es gibt einen Lohn J|!miUrian, Der junge Cantor. Eine Erz'ählung von Cäcilie L ö w y. (2. Fortsetzung.) ״Du erräthst die Gedanken, die mich eben beschäftigten", sagte die Mutter, einen zärtlichen Blick auf ihre einzige Tochter richtend. Diese war ihr als jüngstes von acht Kindern gebliÄen, nachdem es dem Herrn gefallen, ihr sieben im zarten Alter durch den Tod zu entreißen. ״Du List mein Trost und meine Stütze, und ich hoffe mit Dir, dass sich Alles zum Guten wenden werde. Doch wenn es nicht in unserer Macht liegen sollte, den Vater mit seinem Geschicke auszusöhnen, so wird dies gewiss den beredten Worte unseres Rabbiners, der uns stets tröstend zur Seite stand, gelingen. Er ist Derjenige, der den Character des lieben Vaters zu beurtheilen und zu schätzen versteht, und die gegenseitige Hochachtung, die die Beiden für einander hegen, ist ja bekannt. Wie könnten also da die Worte des würdigen Rabbi, der ihm, von talmudischen Standpunkte ausgchend, den Trost spenden wird, ihren Eindruck verfehlen!" ״Ich bin ganz Deiner Meinung, liebe Mutter", sagte Debomh aufftchend und auf die Uhr sehend. ״Ach, wir haben uns verplaudert, es ist mittlerweile spät geworden"!.und an's Fenster tretend, sah sie bereits viele Henen rmd Damen aus dem Gotteshause kommen. Schnell bereitete Deborah Schlafrock und Hauskäppchen für Lea lieben Vater vor und verließ das Zimmer, um ihr Hauskleid «nt einem besseren zu vertauschen. für dein Thun und eine Zukunft für.dein Hoffen (Jer. 31r 16 und 17). Hier haben wir die Grundidee für den ewigen Inden, der fortleben und streben, wandern und dulden muß und wider Willen nicht sterben kann und darf. Hier die Idee für die Ewigkeit des Judentums, welche also nicht auf fremden, sondern auf dem ureigenen Grundgebiete des Judentums und der Juden, der Bibel, entstanden und gewachsen ist, eine echt orientalische Pflanze, welche wie so viele andere, auf den Boden des Occidents übertragen und hier auf fremdem Erdreich anders geartet ist. Das Buch Jona galt bei den Juden als ein tiefsinniges, aber schwer zu deutendes. Es kommt heute noch, der Vorschrift und Uebung nach, alljährlich am heiligsten Tage und Feste des Jahres^ dem Versöhnungstage, in der Synagoge zur öffentlichen Vorlesung. Ausdrücklicher Bestimmung gemäß soll es aber nur von einem Verständigen und Auserlesenen der Gemeinde vorgetragen und ge-, deutet werden. Misdeutung und Misverständnis sollen verhütet, die rechte Deutung und das rechte Verständnis sollen gegeben werden. Mterarischcs. Haskoras Naschomos, Seeleng edachtnis - Feier, Musik v o n D a v i d R u b i n. Diese neue Arbeit des verehrtem Musikdirectors wird gewiss vielen Cantoren willkommen sein, weil sie melodisch leicht und ansprechend auch für kleinere Ehöre berechnet ist. Die Musik ist darin allenthalben den untergelegten Textesworten angepasst, und die gewählten Motive (besonders für den Bariton in Nr. 1); sind durchwegs in der geeigneten Lage durchgeführt. Der Styl ist edel, die Wahl der Harmonien einfach und natürlich und die -Stimmführung meist leicht und fließend. Nr. 1. Adonoi mo odom iw D-moll wechselt Chor und Solo mit einander ab, bis der D dur- Aecord &ie Piece wirkungsvoll beschließt. Eine prachtvolle dreistimmige Composition für Sopran, Alt und Bariton. Nr. 2. Sehiwist. vierstimmig gemischter Chor in A-moll endigend mit markigem A־dur.. Die Nummer bietet in ihrem religiösen Charakter so viel schöne Momente, in Declamation und Harmonie soviel Anziehendes, -dass jeder Cantor ihr ungetheilten Beifall zollen wird. Nr. 3. Schiwisü Kaum war Deborah hinausgeeilt, klopfte es an der Thüre, und einige Damen erschienen, um der Frau Deffauer einen Besuch abzustatten. ,,Nun, Gott sei' Dank", sagte Frau Jsaksohn, ״dass Sie schon das Bett verlassen haben, ich bin herzlich erfreut darüber.und wünsche,, dass Sie recht bald vollkommen gesund und gekräftigt sein mögen". ״Ich habe es Ihnen ja gesagt", siel Frau Bärwald ein, dass Sie sich schnell erholen werden, wenn nur erst das Wetter etwas milder geworden sein wird, und wie lieb ist es mir, dass sich meine Prophezeihung erfüllte." ׳ ״Ja, sagte Frau Weinstein, ״wir haben aber auch jetzt einen ausgezeichneten Arzt im Orte, der nicht nur sein Fach versteht, sondernsich auch mit größter Gewissenhaftigkeit seiner Patienten annimmt; ich habe das größte Zutrauen zu ihm, seitdem er meine kleine Berta - von der Diphteritis heilte." ״Da muß ich Ihnen widersprechen", ereiferte sich die junge Frau Süßkind, ״der neue Doctor hat mich nicht zu behandeln verstanden, ich mußte wieder Zuflucht zu unserem alten Doctor Eber- Hardt nehmen, der meine Natur schon kennt. Wir wolle!: aber nicht streiten, meine Damen, und jede bei seiner Ansicht lassen." ״Wo haben Sie denn Ihr Fraulein Tochter, liebe Frau Deffauer, ich habe sie schon eine Ewigkeit nicht gesehen, ich unterhalte mich noch immer gerne mit jungen Mädchen. Habe ich mich doch so früh verheiratet, dass ich wirklich meine Jugendjahre gar nicht genießen konnte". . ״Ach, da sind Sie ja, Fräulein Deborah", ries Frau Süßkind, als sie dieselbe in der Thür erscheinen sah, und bald war die redselige junge Frau im eifrigsten Gespräche mit der Tochter des alten Deffauer,

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