Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 8 (5.3.1887)
- Date
- 1887-03-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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© — unbestritteneAittoritätcu berufen und die ethischen Partien mit beson- Zierem Nachdrucke behandelt werden. sä) II. Das Compendirun der jüdischen. Geschichte, für das Obergymnasium, aus zwei mäßigen Bänden bestehend, soll in einer Einleitung die israelitische Gcchrchte bis zur Zerstörung des ersten Tempels blos übersichtlich behandeln, die mosaische Gesetzgebung in ihren Hauptmomenten darstelleu, die hohe Bedeutung der Propheten stark markiren und dann neben den! die politischen und Recht- sowie die wjrthschastlichen und gesellschaftlichen Verhältniße behandelnden Theil insbesondere sich mit der Cnltnrgeschichte u. zw.: der Litteratür und Religionsgeschichte beschäftigen. Auch hier dürfen nur die nnbestrittenen Resultate der modernen Forschung ihren Platz finden. Jede hypothetische Annahme und subjective Auffassung bleibe ausgeschlossen. Die Geschichte soll synchronistisch. behandelt werden. Hiebei wird verlangt, dass, die Verhältniße der Juden im Zusammenhang mit der allgemeinenm Geschichte dargestellt werden. Dieser Zusammenhang darf nicht gesucht erscheinen, sondern muß sich von selbst ergeben/Bei der Religionsgeschichte soll der Inhalt und Gedankengang der Hauptwerke der religions-philosophischen Litteratür.- kurz und lichtvoll'äuge׳ geben werden. Bei der Litteraturgeschichte werden Proben aus Dichtern und Prosaikern verlangt, welche ein Bild des jüdischen Geisteslebens gewähren. Diese Proben müffen charakteristisch für das Werk sein und Geschmack sür die schöne Form bekunden. Eine knappe Fassung und. eine gedrängte Darstellung ist unbedingt erforderlich; die Angaben der Quellen ־ hat unter dem Striche zu erfolgen. Diejenigen Autoren, welche umdie ausgeschriebenen Preise zu concurriren beabsichtigen, werden ersucht, das Rcligionsbuch bis längstens 1. März 1888, Mittags 12 Uhr und das Geschichtswerk bis längstens 31. Dezember 1888, Mittags 12 Uhr in's SecretariaL der israel. Cultusgemeinde in Wien, (1., Seilensteüengaffe Nr. 4) einzusenden. Die Preisarbeiten dürfen den Namen des Autors nicht enthatten und müffen mit einem Motto versehen sein, welches sich auf dem versiegelten Couvert befindet, das auf einem besonderen Zettel Namen, Character und Adresse des Autors enthalt. Die Preisarbeiten können deutsch, stanzösisch, englisch oder italienisch verfasst, müffen paginirt und deutlich geschrieben sein. Bei den nicht in deutscher Sprache abgefassten Preisarbeiten hat der Autor eine correcte, druckreife Uebersetzung, die allein den Preisrichtern als Unterlage dienen soll, selbst mit zu überreichen. Durch Verleihung des Preises erwirbt die Wiener israelitische Cultusgemeinde das Verlags- und Uebersetzungsrecht auf. die Dauer von 10 Jahren. ' Die anderen Concurrenzarbeiten werden denjenigen zurückgestellt, welche nachweisbar zu. ihrer Rücknahme berechtigt, erscheinen. Die Zuerkennung der Preise erfolgt für das Religionsbuch ׳ längstens bis 1. Juli 1688 und für das Geschichtsbuch bis längstens 1. Juni 1889 aus Grund des Ausspruches einer aus anerkannten Fachmännern diesbezüglich bestehenden internationalen Jury." W i e n, 1. März 1887. Der Vorstand der isr. Cultusgemeinde in Wien. Aemöerg. Der k. k. städtische Bezirksschulrath in Lemberg hat an die Direction der hiesigen Volksschule der Wiener israelitischen Allianz folgendes Anerkennungsschreiben gerichtet: ״Der k. k. Bezirksschulinspector, Herr Ladislaus Boberski, hat am 23. und 24. März 1886 die dortige Schule visitirt und namentlich die regelrechte Entwicklung derselben constattrt. Der hohe k. k. Landesschulrath hat daher in Erledigung des hieramtlichen. Berichtes über die vollzogene Visitation mit Erlaß vom 5. April 1886 Z. 4032 seine Zufriedenheit ausgedrückt darüber, dass die Schule -regelrecht 'und zwar, dass die israelitische Jugend genügende Fortschritte in der pol- Nischen Sprache macht. Hievon wird die Direction'durch Gegenwärtigcs verständigt. Lemberg, den 9. Februar 1887. Für den Vorsitzenden K. Pnwlowski m. p., M. Daran o w 5 f i m. p. IrohoVycz. (Die russischen Israeliten in Amerika.) Man weiß,,dass in Folge der beklageyswertsen Vorgänge, welche in den Jahren 1881 ,und 1882 in Rußland stattgefunden, circa 20.000 Israeliten sich von dort nach Brody flüchteten, von wo sie nach Amerika geschickt wurden, durch die Pariser und Wiener Allianz, der jüdischen GeMschast in London und durch das. in Berlin gegründete Eomitä für russische Israeliten. DasCentralcomit6 hat es stets übernommen, aufeigene kosten Familien, Frauen und Kinder der russischen Israeliten, welche" derart nach, den vereinten Staaten geschickt nurrden,. oder au.ch. selbst dorthin gezogen waren, nachzusenden, wenn dies von dem Familienoberhaupt oder den Verwandten gewünscht wurde. Die Bedingung, welche die Allianz in diesem Falle stellt, ist, dass Diejenigen, welche ihre Familie verlangen, ein vom Comitä in New-Nork beglaubigtes Attest herbeischaffen, dass sie in der Lage sind, diese Familie,zu erhalten und ihren - Kindern eine-paffende Erziehung zu geben. Die Zahl der ׳auf dieser Art' nach Amerika beförderten Personen ist noch gering; sie umfasst 30 Familien, außerdem 50 Kinder, die zum Theil in der Ackerbauschule zu Jaffa, zum Theil unter Aufficht der Allianz zu Wien exzogen werden. Das Central- Comitö zahlt nur die Ueberfahrtskösten aus dem Schiff; die Reisekosten bis zum-Einschlffungshäfen dagegen der Familienvater, der hierdurch den.materiellen Beweis liefert, dass er in der Lage ist, eine Familie zu erhalten, und auch den aufrichtigen Wunsch heg( sie bei sich zu haben. . Dr. Z. Magdeburg. Als Beispiel, ans welch' zarte Weise Mayer Amschel Rothschild Wohlthätigkeit übte, Heilt Herr Elias Ulmann aus Frankfurt am Main.der ״Magdeb. israel. Wochenschrift" nachfolgende Begebenheit mit: In jener Zeit, in welcher Mayer Amschel Rothschild sich bestrebte, durch Fleiß und Thätigkeit sich Dasjenige zu erwerben, womit edle Menschen im׳ Stande sinv, viel des Guten linter ihre Mitmenschen zu. verbreiten, lebte in seiner Vaterstadt Frankfurt a. M. ein Bettler und Jugendfreund von ihm, der auch den Vornamen Mayer trug, der aber dem Spiel und Müßiggänge sehr ergeben war. Dadurch geriethm dessen Vsrriiögensverhältniße in Verfall und seine Familie würde wohl manchmal dem bittern Mangel preisgegeben gewesen sein, wäre Rothschild nicht als helfender Engel dazwischengetreten. Da geschah es, dass der leichtsinnige Mayer von seiner Gattin ausgefordert wurde, sich diejenigen Gelder anszahlen zu lassen, welche ihnen von Rothschild, ausgesetzt.waren, um die nöthigen Vorbereitungen für das Peßachfest treffen zu können; er erhob das Geld, verwendete es aber nicht zu dem bestimmten Zwecke, sondern verschwendete es in Trunk und Spiel. Den vielfachen Aufforderungen seiner Frau, die Erhebung der Gelder nicht länger anstehen zu lassen, suchte er so lange als möglich anszniveichen, bis sie ihm drohte, selbst zu Rothschild zu gehen, um die Sache zu erledigen. Gedrängt zwischen Furcht von den gerechten Vorwürfen seiner Frau, wenn sie die Wahrheit erführe und der Scham vor seinem wohlthätigen Freunde, wenn er genöthigt sei, diesem sein Unrecht zu gestehen, entschied er sich für das Letztere, unter dem Vorwände, 'er habe das Geld bei einem mislungenen. Geschäfte eingebüßt. Rothschild mochte wohl als tüchtiger Menschenkenner den wahren Sachverhalt ahnen; aber als ein eben so großer Menschenfreund wollte er die Familie seines Freundes nicht um dessen Fehler willen leiden lassen. -— Er gab ihnen den Betrag zum zweiten Male, mit dem wohlgemeinten Rath, denselben doch nun. gleich zu seiner Bestimmung, zu verwenden. Allein, dieser vergaß schnell die Warnung seines Freundes und verschwendete das Geld zum zweiten Male. Seine Frau, entschlossen die Vorbereitungen zum Peßachseste nicht länger anstehen zu lassen, begibt sich eines frühen Morgens zu Rothschild. Bei ihrem Eintreten ruft er ihr freundlich entgegen: ״Guten Morgen, Mirjam! Ihr kommt wegen der Peßachgelder? Setzt Euch einen Augenblick; ich will sie Euch gleich bringen. "Er geht in das Nebenzimmer, holt die Summe und überreicht sie ihr mit den Worten: ״Gebraucht es in Frieden mit Eurer Familie! Friede sei mit Euch!"-Und geleitet sie bis an die Treppe! Zu Hause erzählt Fron Mayer ihrem Manne den Vorgang, wie freundlich Rothschild.sie empfangen und ihr das Geld gegeben, ehe sie es nochhabe fordern können. Mayer war vernichtet und wich Rothschild aus, wo er immer konnte, weil er meinte, vor Scham in die Erde sinken zu müssen, so bald er ihn nur sah. Rothschild bemerkte dies alles, aber er ließ es geschehen, weil er Mayer nicht kränken wollte. Als - endlich der Neujahrstag herangekommen war, begegneten sich beide am Eingänge der Synagoge; hier war kein Ausweichen möglich.. Mit freundlicher Stimme fragte Rothschild: Lieber Mayer, warum wendest Du Dich weg von mir? Warum gehst Du mir aus dem Wege? Gib mir Deine Hand: .271271 לשנה טובה ..