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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-03-05 · Heft 8 (5.3.1887) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 8 (5.3.1887)
Date
1887-03-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — Reposition. S t u t t g a r t, 28. Februar 1887. Motto: Wem Gott will rechte Gnust erweisen. Den schickt er in die weile Welt, Nur darfst nicht schreiben nach dem Reisen, Sonst ist dir alles bald vergällt. Zu meiner großen Verwunderung sehe ich meinem in Nr. 4 unserer Fachzeitung mit ״Reisebrief" betitelten Artikel mehr Beachtung geschenkt und Gewicht beigelegt, als ich erwartet. So sehr mir das einestheils schmeicheln und anderstheits den Beweis für meine Voraussetzung erbringen sollte, dass derartige Artikel den Herren, Collegen mehr Interesse bieten, als manche andere, muß ich nun zu nieinem größten Bedauern wahrnehmeu, da und dort misverstanden zu seilt, bei dem und jenem Acrgernis errregt, und dem geehrten Herrn Nedacteur unverdiente und utwerschnldete Vorwürfe und Mis- Helligkeiten bereitet zu haben. Die einen finden es incollcgial, über Collegen in bedeutender Stellung Kritik zu üben; die Anderen finden es vordringlich, gehässig und neidisch. Nun mochte ich mir folgende Fragen hier aufzuwerfen erlauben:! Steht das Cantoreuthum zu tief oder zu hoch, um Kritik zu vertragen? Werden ja doch die größten Künstler, Gelehrten, Geistliche in ihren Fachzeitnngeu von keiner Kritik verschont. Sollten nur die Cantorenunter aller Kritik stehen, oder sollten sie über alle Kritik erhaben sein? Gerne gebe ich zu, dass das Kritikeramt bedeutenderen Fachgenossen, als mir zustehe; aber bomokom 8611660 isch, hischtadel lihjös 186k. Da keiner der bedeutenderen Herren bis jetzt Gelegenheit ilahm, Gefallen oder Misfallen über die Leistungen angesehener Collegen öffentlich zu bekennen, wagte ich es, im Interesse der Sache vorzutreten. . Es werden gewiss wieder einige die Nase rümpfen und fragen: Welches fachliche Jilteresse kann in einer Kritik über Cantoren stecken? Zuförderst das, dass angehende und lernbegierige Collegen einige An- Haltspunkte bekommen, in dem Labyrinth der Geschmacksrichtungen auf dem Gebiete des Synagogengesanges sich zurecht zu finden. Den bedeutenderen Fachgenossen wieder geben solche Necensionen Anregung, über die Sache ernstlicher nachzudenken und zur Veredlung des Geschmackes beizutragen. Dass ich mich nicht blos begnügte, die verschiedenen Geschmacksrichtungen kurz zu bezeichnen, sondern auch meine individuelle Meinung nicht verschwieg, soll den betreffenden Herren ein Beweis mehr sein, wie sehr ich ihre Tüchtigkeit und Bedeutendhett anerkenne, aber der Wahrheit huldige. Ueber unbedeutende Collegen hätte ich mich nicht der Mühe unterzogen, auch nur eine Zeile zu schreiben. Uebrigens glaube ich keinem der Herren persönlich nahe getreten zu sein, denn ich habe weder Stimmen noch Gesangstechnik, noch jemandes sachliches Wissen bekritelt; Unfehlbarkeit aber nach jeder Richtung hin werden die Herren selbst sich nicht einb lden. Ebenso wenig lasse ich mir von manchem mir zugethanen Collegen die Einbildung beibringen, dass durch derlei Kritiken das Ansehen irgend eines Collegen geschmälert werde. Können ja selbst maßgebende Recensionen keinem Beamten in großer Stellung schaden oder nützen,׳ viel weniger denn eine unmaßgebende. Nur für Fernstehende bietet eine solche Kritik Werth, wenn sie. aus derselben Nutzen ziehen wollen. Nach all dem hier Angeführten glaube ich erwiesen zu haben, dass keine unlauteren Motive mich zur Abfassung meines Reisebriefes veranlassten. Sollte ich wider Willen doch Jemanden verletzt haben, bitte. ich vielmals um Entschuldigung. Bis jetzt muß ich es lobend hervorheben, gerade von den betr. Herren keine Missallensäußerungen vernommen zu haben, und soll es mich sehr freuen, sie, wie von mir vorausgesetzt, nicht von einer kleinlichen Empfindelei behaftet zu sehen. ' .__ Der ewige Jude. Von- Dr. Rothschild. Schluß. *) Die Idee von der Ewigkeit des Judenthums, von dem eudlichen Siege und der allgemeinen Anerkennung seiner Wahrheit, findet sich oft in der Bibel: das prophetische Buch Jona ist derselben ganz und ausdrücklich gewidmet. Jona ben Amitai ist zwar ein historischer Name, hier jedoch dient er symbolischen Zwecken das ganze Buch ist eine Dichtung, eine Parabel, nach biblischer überhaupt jüdischer und allgemein orientalischer Weise. Jona heißt ״Taube", und Ben Amitai ״Sohn des ״Wahrhaftigen"; beide Be- Nennungen enthalten Beziehungen zum Volke Israel. ״Taube" ist eine bekannte Bezeichnung für Israel in Rücksicht auf das Lebensgeschick, wodurch es schon frühzeitig zu einem vielfach umliergetriebenen und eingeschüchterten, wandernden Volke gemacht wurde. Die Taube ist auch ein Symbol der Unschuld und Liebe und auch in dieser Beziehung passende Bezeichnung für Israel, welches unschuldig leidet und Träger der Religion der Liebe ist. ״Sohn des Wahrhastigen" heißt Israel, weil Gott es als׳ ersten Träger seiner Gotteslehre, als seinen ״erstgeborenen Sohn" bezeichnet hat. Gott aber heißt ״der Wahrhaftige", fein ״Siegel ist Wahrheit", d.h. seine imprägnirte und charakteristische Eigenschaft ist ״Wahrheit". Gottes Wort und Lehre ist wahr; Gott selbst ist die Wahrheit. Israel hat sein Wort, seine Lehre zu verkünden. Jona erhielt den Auftrag, nach Ninive, in eine fremde Stadt zu einem fremden Volke zu gehen, um Gotteserkenntnis und Bekehrung zu predigen. Außer den vielen anderen Kreisen liegt auch hier wieder ein Beweis aus der Schrift von dem Universalismus des Judentums vor. Der Gott Israels ist ein Gott aller Menschen und Völker, nicht ein National-Gott der Juden, und die Religion dieses Gottes ist kerne National-Religiou Israels, sondern bestimmt, zu allen Völkern getragen und von ihnen angenommen zu werden. Jona, der Prophet und Repräsentant Israels, hat den Auftrag erhalten, den Namen und die Religion Gottes unter den Völkern zu predigen. Jona entzog sich diesem Aufträge, bestieg lieber dafür ein Schiff und begibt sich unter die Fremden, um diesen Fremden gleich zu sein. Ganz nach dem Thun Israels aller Zeiten, welches nichts weniger als eine emsige und.rege Thätigkeit für seine heilige Mission entfaltet. Da aber droht ihm Gefahr; das Schiff, welches Jona bestiegen, wird von einem Sturme erfasst unb ist in Gefahr unterzugehen. Israel hat nur Bestand durch sein treues Festhalten an seiner Religion und an seinem heiligen Berufe; nur hierin liegt die Erklärung für seinen räthselhasten Fortbestand. Außerhalb feiner Religion hat Israel keine Bedeutung und keinen Grund für seine gesonderte Forterhaltung. Die Not des Schiffes bedroht aber auch 'die anderen 'Schiffsleute, unb so wird Jona als scheinbarer Veranlasser dieses Unglückes ins Meer geworfen. Gerade so wird Israel zu allen Zeiten angeklagt, die Schuld an der Misore der Menschheit zu tragen, und muß dafür leiden, wird mit Tod und Untergang bedroht. Jona kommt in den Bauch des Fisches, als Bild seiner Notläge. Zwar wird Jona alsdann seines Unrechtes inne, er wendet sich zu Gott und hofft dafür, wie immer, Hilfe bei Gott zu finden. Alle Not und Verfolgungen kann Israel nicht den Untergang bringen, so es bei seinem Gott und Berufe verharrt. Jona wird gerettet — *) Siehe Nr. 7. r»«x־nsKc —■?*ע־.'־:׳»»-־

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