Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 7 (25.2.1887)
- Date
- 1887-02-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-überall zu Gunsten von Förderung. oder vermittelnder Dazwischenkunst Benülbigter. Hier zeigte sich die Macht seines persönlichen Einflusses: Fräukel .wurde selten eine Bitte oder Gesuch zum Besten Anderer penveigert. Allerdings kam seinem sreundlichen Verkehr mit Anderen,׳, :der fick weit über den Kreis seiner Gemeind.e erstreckie, seine friedliche, zumeist ans seinen Berus als Cantor beschränkte -Tbätigkeit zu Gute, der ihm zu ausregenden, principiellen Meinungsverschiedenheiten oder polemischen, Personliches Mißverständnis verursachenden Erörterungen kaum Veranlassnng gab. Aber׳ selbst da, wo ihm äußere Widerwärtigkeiten, von denen er so wenig wie irgend ein Sterblicher verschont war, begegneten, . vermochten sie. aus die Dauer die Heiterkeit seines Gemüthetz nicht zu trüben, oder ihn gar zum Misanthropen zu machend Ohne: lief autzgebildcte Geistetzgaben, besaß er ein natürliches, klares Urtheil und einen launigen Mutterwitz und natürlichen Humor, der in manchen Aenßerungen und Bemerkungen, doch nie verletzend, in׳ der diesigen jüdischen Gescllschast sich verbreitet und erhalten hat. Dass diese Begabung ihn zum überall willkommenen und gesuchten Gesellschafter machte, ist klar. Bei Hochzeitssesten erregten die Knittelverse des alten Fränkel stets große Heiterkeit. In religiöser Richtung war er streng conservativ, indes Unduldsamkeit gegen Andersdenkende und Handelnde seinem Wesen gänz'ich fremd war. Sein Gesicht mit den regelmäßigen, milden Gesichtszügen, umrahmt von einem langen, in späteren Jahren blendend weißen, wohlgepflegten Bart, pT אהרן( gaben dem Verstorbenen ein ehrwürdiges, einnehmendes Äenßeres. Es war eine echte aharonidische Gestalt, mit der sein inneres, friedliebendes und sriedesuchendes Wesen trefflich harmonirte.. Wir haben unseren Lesern mit einer gewissen, nicht blos persönlichen Vorliebe, einen Mann zu schildern versucht, der nicht durch tiefe Geistekprodnele oder äußere glänzende Thaten, sondern durch seine iw seinem eigenthümlichen, inneren Seelenleben bcgründete, stille Wirksamkeit unter seinen Zeitgenoffen eine über seine berufliche Lhäligkeit hinausgebende einflussreiche Stellung einnab.m, die . sein Andenken nicht in Vergessenhc.it.geralhen lasse» wird. Kein Repräsentant in dem glänzenden, äusteren Tiüne. deS Wortes, war er der Repräsentant einer Gemüthsrichtung^ die im materiellen, oder.wenn man will, geistigen Streben UM RmAe» der Jetztzeit uns. nicht zum Vortheil, immermehr abhanden z» kommen droht. Er erfüllte nach menschlichem Vermögen die prophetischen Forderungen: ,Recht thun, Liebe üben und in Demuth vor Gott wandeln.* *; Die Bestattung des Verstorbenen wurde von der Gemeinde, in der er nahe an 40 Jahre thätig gewesen, übernommen. Freitag Morgen, den 14. Januar, um 10 Uhr 30 Minuten^ wurde der Sarg mit dem Todteu unter Begleitung der Mitglieder der Gemeinde-Verwaltung und der älteren Mitglieder der, Gemeinde und der Familie des Verstorbenen von dem Trauerhause» nach der Synagoge der Gemeinde, Broad und Mount Vernon, übergeführt, wo sie von einer zahlreichen Trauerv er ן amm sun g erwartet wurden. Die Mitglieder der Gemeiudeverwaltung, ...die Rabbiner sämmtlicher hiesiger Gemeinden, die Cnlt.usbeamte»» der Rodef Scholom־®emei11öf, der Präsident der ICenesetii Israsl-Gemeinde, Herr Dr. Klein, saßen während der. Trauerfeier auf der Plattform vor dem Hechol, die an der Vorderseite, sowie der Almemar und der Sessel des sel. Fräükel. schwarz behängt waren. Zur festgesetzten Zeit eröffnete der Organist, Prof. Sam. Herman, die Feier mit einem dem Trauercharäkter derselben entsprechenden Präludium. Dann sang der Gemeindechov den ersten Theil der von dem verstorbenen Fischer, ehemaliger Organist der Tempelgemeinde, in jo herrliche Musik ,gesetzten Strophen der Seelenfeier: ,Seele, was betrübst. Ln dich!' Darauf verlas ein uns unbekannter Herr (wie wir später horten, der ans Selma, kurz vor dem Tode des seligen Fränkel zum Probevortrag als Cantor für den morgigen Sabbath hierher berufene Nev. Kaufman) das Hazur Tomim. Nachdem der zweite Theil des obigen Liedes gesungen worden war, bestieg Herr Rabbiner Dr. Jastrow die Kanzel und schilderte in halbstündiger Rede daS Wirken und Wesen des Entschlafenen, dessen Verdienste um die ,Sei. ruhig, mein Kind, Tu verstehst daS nicht. Du bist zu j jung und zu unerfahren, um die Tragweite dieser Reformen in den - -Gotteshäusern ermessen zu können.' , . ■ ..... II. Es war ein recht schöner Wintertag, der elfte December. Die Sonne schien "so hell, dass der Ächnee zu schmelzen begann, die Eiszapfen an den Dächern sich lösten und in großen Tropfen ans daS Trottoir niederfielen. Rachel hatte das Bett verlassen und saß beim warmen Ofen, andächtig in ihrem Gebetbuche lesend, denn eS war Samstag. Recht still war es um sie her, nur das Knistern des Feuers hörte man. Ihr Gatte war in die Synagoge gegangen, und Deborah half der Magd beim Aufränmcu der dem Wohnzimmer gegenüber liegenden besseren Gemächer. i Rachel hatte sich durch die gute Pflege, welche ihr ihre Tochter .angedeihen ließ, zusehends erholt; von der schweren Krankheit, die sie so jäh ergriffen hatte, war nur noch eine große Schwäche zurückgeblieben. Sie fühlte sich heute, nachdem sie ihr Sabbatgebet verrichtet hatte, wie neu belebt, denn der Gedanke, dass sie ihrem Manne eine Stütze/jein Müsse, hatte ihre geschwächten Nerven gespannt und sie mit einer Willenskraft beseelt, die ihre physische Schwäche schwinden machte. Leise sprach sie vor sich hin: ,O Gott, gib mir Kraft und Einsicht, meinen Gatten von. seinen trüben Gedanken befreien zu können, schärfe meinen Verstand und leihe meiner Zunge die rechten Morte, ihn mit seinem Geschicke auszujöhnen!' Draußen summte Deborah die Melodie eines Volksliedes nnd j öffnete eben leise die Thür, um nach der Mutter zu sehen; als--siebemerkte, dass dieselbe das Gebetbuch bereits bei Seite gelegt hatts, näherte sie sich ihr mit den Worten: .So ernst, geliebte Mutter, werde nur nicht auch so traurig und einsilbig wie unser guter Vater, sonst müßte auch ich den Mnth verlieren, und wie stünde es um unser gemüthliches Heim, das immer eine Stätte des Friedens und des Glückes war, wo ich mich so wohl fühlte, dass ich nie selbst die reichsten meiner Freundinnen beneiden konnte.' ,Wie bist du doch so glücklich in deiner Genügsamkeit', sagte erst neulich Flora Berliner, die Tochter des Vorstehers, die sich merkwürdiger Weste so freundschaftlich zu mir hingezogen fühlt. ,Ich habe diesen Winter schon drei Elite-Bälle mitgemacht und hatte so viel Sorge mit der Wahl meiner Toilette, habe mich gber auch köstlich > unterhalten, und du, ein junges Mädchen von 19 Jahren, fühlst nicht einmal das Bedürfnis, dich i» großen Gesellschaften zu bewege», und Haft doch stets ein so glückstrahlendes Gesicht, als schwelgtest du ln allen Lebensgmüss.u.' ,Meine Antwort, dass ich mich in der Nähe meiner thenren Eltern am wohlften und zufriedensten fühle fand ste unbegreiflich und sah mir. mit einem ungläubigen Blick in die Augen, dass ich mich des Lachens nicht erwehren konnte. Nicht wahr, geliebte Mutter, auch bei unS muß es wieder anders werden, ich weiß es, du theilst meine Ansicht, wir wollen uns daher redlich bemühen, die Wolken von der Stirne des theueri» Vater» zu verscheuchen.' (Fortsttznng folgt.) '׳! -