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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-02-25 · Heft 7 (25.2.1887) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 7 (25.2.1887)
Date
1887-02-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— -B- ,drei Grüustädter Zungen wie der Volksmund das jugendliche Terzett bezeichnete, kamen, ernteten sie ungctheilten, wohlverdienten Beifall. Zacob war mit einer herrlichen, klangvollen Teuorstimme begabt. Darnach ließ der praktische Vater, getreu der Mahnung unserer alten Weisen, seinen Sohn ein Handwerk, und zwar daS eines Drechslers erlernen, in dem er cs bald zu einer gewissen Fertigkeit brachte- Doch vernachlässigte Jacob dabei nicht, seine Gcsaugsgabe zu cultiviren, mit der er im Verein mit feinen gesaugskundigen Brüdern den Vater beim Gottesdienst unterstützte. Seiner Neigung folgend, nahm er später einen Nus als Hilss-Chasau an der ,Alten Schul' in Mainz an. Nachdem er stch daselbst verheiratet hatte, erhielt er im Jahre 1848. von -Linen hiesigen Landsleuten und Freunden einen Nus als Cantor der damals in der Julianna Sir. domicilirten deutschen Neligiousgemcinde Bodef Scholom- Seine Hierherkunft veranlasste ein schnelles Wachsthum der Mitgliederzahl , der bisher kleinen und unbedeutenden Gemeinde, die unter seiner sechszehnjährigen alleinigen Leitung. nach, und nach zu der stärksten Neligionsgemeinde hiesiger Stadt heranwuchs. Treffend bezeichnete ihn daher der Herr Rabbiner Dr. Jastrow in der am Särge des Verstorbenen gehaltenen Trauerrede als »den Vater der Gemeinde, um den eine religiöse Gesammthelt trauert'. Seine Popularität, die er durch sein mildeS, zuvorkommendes Wesen, durch seine natürliche Saüftmnth. seine ungekünstelte Theiluahme ran den Schicksalen seiner Gemeinöegenossen in Freud und Leid, ohne irgend welchen Unterschied von ,Nanz und Stand', durch seinen stets zu Rath und That bereiten wohlthätigen Sinn, durch seine pflichttreue Wirksamkeit innerhalb ׳'eines Berufes, sich erwarb, wuchs von Jahr zu Jahr, jo dass in dem letzten Jahrzehnt seines Lebens der .alte Fräukel', oder ,Papa Frankel', wie er von den Damen, deren besonderer Liebling er war, eine liebevolle- Verehrung genoß, deren sich wenige Sterbliche zu erfreuen haben. Als zu der: im Januar' 1866'züm Beste1s'Ms"zü gründenbeu jüdischen Hospitals stallfindenden Feier die damalige B. M. Dramatic Aff. ein werthvolles silbernes Service zur Verlosung Der junge Cantor. Eine Erzählung von C ä.c i Li e L 0 w y. (1. Fortsetzung.) .So hört denn aber auch den Beschluss des Vorstandes, damit ihr meiueu gerechten Unmuth zu beurtheileu vermözet: Vom erste» Jänner künftigen Jahres werde ich mit vollem Gehalte pensionirt, und mein Amt geht an zwei Andere über, und zwar an einen Ober- und eilten Unter Cantor. Elfterer soll nur zur Verschönerung des sabbathlichcu Gottesdienstes engagirt werden und Letzterer muß das tägliche Vorbeten und auch He Schechiia übernehmen. Nur noch wenige Wochen sind mir vergönnt, mich meiner mir so lieb und über Alles thener gewordenen Thätigkeit widmen zu könne», bald wird ein Anderer stehen au der Stätte, wo ich, mich selbst vergeffend, beseelt von der Heiligkeit meines Berufes, den Schöpfer aufirhte um L-egen, Heil und Glück für meine geliebte Gemeinde, die vor meinen Augen aufblühte, deren Mitglieder ich herauwachsen sah, auS deren Zügen ich die alten, mir treu ergebenen Dahingeschiedenen erkannte, und die mir deshalb so lieb und. thener wie meine leiblichen Kinder geworden sind. Und ich soll den modernen Gesang auhören müffen, aus dem nur Gefallsucht spricht, der nicht vom Herzen kommt und auch nicht I für den populärsten jüdischen -.Cultusbeamten der: Stadt schenkte, erhielt Fränkel eine überwiegende iMajorstät!der Stimmen über mehrere bedeutende Mitbewerber. Die Freigiebigkeit seiner Gemeinde machte eS ihm möglich, im Jahre 1871 -zum Zwecke der Heilung eines Magenleidens in Begleitung seines ältesten Sohnes Zacharias nach Deutschland zu reisen, nachdem ihm von seinen׳ Freunden und Verehrern ein großartiges Abschiedsfest bereitet worden war. Nach seiner Rückkehr lebte der zum zweiten Male Ver״ wilwete in stiller Berufsthätigkeit mit seinen vier, nunmehr fast sämmtlich herangewachsenen Kindern. Das stille Glück des sich dem Greisenalter Nähernden sollte, leider bald getrübt werden durch den Fortschritt eines lästigen und schmerzhaften Blasenleidens, dessen Folge)! er schIießIich ..erliegen . sollte. Att dem nämlichen Uebel war sein Bruder Joel in Wien schon früher gestorben, ebenso war sein. Bruder Jsak (Tenor) schon vor ihm aus diesem Leben geschieden, indes der vierte, Simon, ein Junggeselle, als Chasan und Schochet noch in Grünstadt thätig ist: . Dass der Verstorbene, wie gegen Jeden gütig, gegen die Seiuigen voll zärtlicher. Liebe war, bedarf Wohl kaum bemerkt zu werden, ebensowenig, dass dieselbe auf's Innigste von allen erwiedert wurde. In der Familie seines ältesten Sohnes Zacharias erfreute sich der Verstorbene seines väterlichen.und großväterlichen Glückes in bescheidener, häuslicher Zurückgezogenheit, ohne indes, selbst schon durch Älter und Krankheit geschwächt, von seiner Gepflogenheit, die Mitglieder seiner Gemeinde, besonders bie: Kranken, zu denen, wenn sie zugleich nolhleidend waren, er nicht' mit leeren Händen ging, zu besuchen, sie durch freundlichen Zuspruch zu ermuthigeu, oder die Trauernden durch sein mildes Wort zu trösten und aufzurichteu, Dass er sich an allen öffentlichen wohlthätigen Bestrebungen thätig Letheiligte, ist selbst^ verständlich. Seine eigene, persönliche wohlthätige, Wirksamkeit׳ ist ein für de!1 äußeren Bevbachtcr verschloffettcs 23ücbr sie war bei seinem persönlichen Einfluss eine weitreichende und erstreckte.sich nicht blos aus Arme und Nothleidende, sondern intervenirte zum Herzen dringen kann, der nur den Tonkünstler erkennen lässt, und die Zuhörer berauscht und. ergötzt, ohne ,sie zur währen Andacht zu stimmen! Nein, nein, und abermals nein, ich-werde die . Schwelle der Synagoge nicht mehr ohne das tiefste Herzleid betreten können.'' - . . Und wieder entrang sich ein tiefer. .Seufzer dem gepressten Busen des frommen Chasan. ,,,. Beschwichtigend legte Deborah die Hand ans seine Schultern ,Faffe Dich, geliebter Vater; denke Dir, dass es für Dich Zeit ist, in den Ruhestand zu gehen. Du hast vierzig Jahre treu und gewisse.!- Haft Deine Pflichten erfüllt, und das Alterverlangt sein Recht, eS bedarf der Ruhe nach den Mühen so vielseitiger AmtSthätigkei't. Die Zeiten ändern sich, und mit ihnen die Menschen, lasse also auch Du diesem bewährten Sprüchworte Gerechtigkeit widerfahren und füge Dich in das Unabänderliche.' 1 - ,Bist Du doch,' fuhr sie tröstend fort, ,immer mit dem Zeitgeiste fortgeschritten, hast Du doch selbst für meine moderne Ausbildung mit der größten Gewiffenhaftigkeit Sorge getragen. Wie oft lauschest Du meinem Clavierfp.iele, und häufig bemerkte ich,, wie audächtig Du durch die Melodien der Mendelfohn'schen »Lieder ohne Worte' gestimmt wurdest. Und sollte es mit dem modernen Synagogengefauge denn so ganz anders sein? Ich gebe mich der Hoffnung hin, dass sich Deine Gesinnungen gewiss ändern werden, wenn Du erst den neuen Cantor gehört hast'. »Du schüttelst das Haupt, Väterchen, und lässt Dich durch I meine Worte nicht überzeugen?' ׳ . ,

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