Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 7 (25.2.1887)
- Date
- 1887-02-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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© Bildung und Stärkung der Gemeinde, den Gottesgeist, der ihn erfüllte, seinen Charakter, der ihm den großen Einfluss verschaffte, den er besaß, feine herrliche Begabung als süßer Sänger Israels, daS Ergreifende in seinem Gesang, der nicht das Große, Prunkende deS KunstgesangeS. sondern das Süße, die Wärme einer Seelenstimme hatte. Wohl schwand die Kraft desselben im Alter, aber daS Süße, Herzergreifende, das Seelenerhebende seiner Stimme Lireihm auch dann noch. Fränkel'S persönliches Wesen, in dem kein Widerspruch bestand zwischen Gesinnung und Handlung, gab ihm einen Einfluss, den geistige Befähigung nicht zu verschaffen vermag. Nach warmen Trostworten an die Hinterbliebenen und Äbschiedsworten au den -«Hingeschiedenen Freund und Mitarbeiter | chloß der Redner. Nach abermaligem Gesang rühmte Herr Nev- Moraiß, einer momentan au ihn ergehenden Aufforderung folgend, in einer viertelstündige» Lobrede auf den Verstorbenen deffen bescheidenen, pflichttreuen, gotteSfürchtigen Sinn, und theilte einige betreffende aus dem Leben deffelbeu, besonders aus der Zeit, wo derselbe während des Krieges als Hospital-Kaplan bei der Armee thätiz war, mit. Daraus wurde der Sarg, getragen von den jüngeren, verheirateten Mitgliedern der Gemeinde, durch die au beiden Seiten deö Syuagogeu-AusgaiigeS Spalier bildenden älteren Synagogen- Mitglieder zu dem bereit stehenden Leichenwagen getragen, ge׳ folgt von dem Rabbiner, den Cultusbeamten, Gemeindevertretern, Gästen und wer sonst noch dem Leichenzuge in einem der vielen bereitstehenden Wagen sich anschließen wollte. Auf dem Friedhofe sprach Herr Nev. N. Strauß die üblichen Gebete. ,Friede geleite ihn und bette sich auf seinem Lagert' Sein Andenken möge nicht verlöschen, sondern Frieden und Segen bringend bewahrt bleiben Lei seiner Gemeinde, seinen vielen Freunden und Verehreru und seinen theuern Hinterbliebenen. Verrinsnachrichtcn. Für das berufsunfähig gewordene Vereinsmitglked, Cantor L. Weiß in Simoutornya, sind nachstehende Beiträge eingelaufen: Herr Theophil Fleck, Wien.. ״ S. Rosenberger, Komotau ......... u L. Friedläuder, Szilos BolhaS.. . 3 ״- Neumann. Ober Hollabrunn. ״ Z. L. Schlesinger, Essegz ......... 3 ״g«. Blau, Esseg . . .. ״ A. Singer, Neubidschof.. . F. Telrsch, Stockerau .. ״ M. Schorr, Gr. Wardein. ״ Lcop. Blum, Schlau . .. ״ H. Bermann, Böhm. Leipa. 3 ״- Bader, Pardubitz ........... ״ S. Notier, Horazdowitz. ״ B. Singer, 3ungdu»z!au.. . . 3 ״. Popper, Kohtjauowitz. ״ D. Beutler, Äuscha . ...־ ,, Lederer, Flöhau... ״ Sigm. Pollak, Turnau. . ״ A. Kobu, Kanitz.. . . . ,, Ion. Schön sei o. Tab. ,, S. Schrccker, Gottjch-Jcnikau. . . . . . . . Summa. . Hiezu außgewiesen in Nummer 5 ....... flt* tr 9t tr rt tr tr tr 1t 1t tt *t f —.50 —.50 —.50 —50 1— —.50 —.50 —.50 1.- —.50 -.50 —.50 -.50 1.— —.50 -.50 —.50 —.50 1.— —.50 1.— 13.— 31.60 Summa. . st. 4-1 6v Die k. T. Vereinsmiig^Leder werden dringendst ersucht, gemäß §. 9 nuferer Statuten ihren Pflichtbeitrag umgehend «mMenden. Aer Vorstand des österr.-uugar. Canloren-Vereines. Grimdnngsnnd Vereinsliettriige. Theophil Fleck, Wien, halbjährigen Beitrag. Sim. Neunraun. Ober-Hollabrun. vierteljährigen Beitrag. Sigm. Pollak, Turnau, halbjährigen Beitrag. Ad. Kohn, Kanitz. halbjährigen Beitrag. A. Fischer, Cassier. Kleine Chronik Wien. Der Vorstand der CnltuSgemeinde hat, von der richtigen Elkeuntnis ausgehend, das« die Kräftigung und Festigung des Judentbnuls nur durch gründlichen Unterricht unserer Jugend kn den Quellenschriften unserer Religion — in Bibel und jüd. Geschichte —״ erzielt werden kann, den Beschluss gefasst, zwei Pr-ise 1. für daS beste Buch über den Bibelunterricht und 2. für das beste jüdische Geschichtswerk für untere und obere Elasten auszuschreiben. Die Preise werden derart normirt sein, dass tüchtige jüdische Gelehrte recht wohl werden Veranlaffuug nehmen können, sich an der Concnrren; zu betheiligen. Ueber die Details der ConcursauSschreibung werden wir riächstenß berichten. Wien. College 3oses Goldstern, Obercantor an der Leopoldstädtec Synagoge, wurde vorige Woche von einem höchst bedanernswerthen Unfälle betroffen. Beim Verlaßen der Wohnung glitt er auf der Stiege aus und erlitt eiuen Beinbruch am linken Fuße oberhalb des .Knöchels. Der zufällig im Hause anwesende Arzt Dr. Blum legte dem Verletzten unter rasch herbeigeholter Assistenz einen Gypsverband an, und es ist begründete Hoffnung vorhanden, dass College Goldstein in einigen Wochen wieder hergeilellt sein wird. Ans Anlass dieses Unfalles gab sich eine große Theilnahme ans Collezenkreisen und anderen Kreisen kund. Die Functionen versehen mittlerweile abwechselnd die Cantoren M. Blatt und 3- Schiller. Wien. (Der Antisemitismus als Geschäft.) Das in Deutschland erscheinende jüdische Familienblatt ,Laubhütte' erzählt, wohl um nicht aus dem ihm geläufigen Tone zu fallen, eine sehr lustige biblische Geschichte über de» Berliner Wahlschacher. Es spieltnämlich der- Berliner Antisemit Cremer eine lucrative Rolle dabei, und das Blatt schildert in folgender Weise: ,Und es war ein Mann in der Stadt Berlin, d^r hieß Joseph Cremer. Er׳ war ein großer Redner vor dem Herrn und riss den Mund ans, beinahe so weit, wie Stöcker, der große Prediger, sein Freund und Genosse. Eines TageS aber that er den Mund zu, und kein Mensch wusste, warum er also gethan hatte. Da setzte er sich hin und schrieb eine Epistel, in welcher zu lesen war wie folgt: ,Meine lieben Freunde und Genossen, es sei Euch hiemit kund gethan, dass man mir den Mund geschlossen. Zwingende politische Gründe veranlassen mich, kein Mandat zum Reichstag anzunehmen.' So schrieb er und schwieg. Bald aber wurde kund, dass ein Mann, Namens Gerfon v. Bleichröder, welcher in derselben Stadt wohnt und zu dem uralten Stamme Derer von Sem gehört, gesprochen hatte: ,Gern möchte ich in den Klingelbeutel meiner politischen Freunde eine Summe Silberlinge legen, wenn nicht die F.'iilde meines Stammes mit an der Spitze ständen, welche statt der Humanität die Hamanität vertreten. Solche Feinde sind nicht nur die Beiden, Adels Stöcker, der Prediger, und Wagner, der Professor, sondern auch Zoseph, der Cremer. Da sprachen die Häuptlinge: ,Woßn' sollen wir ihn behalten, wenn wir so viel des Geldes für ihn erlangen können? Und die Krämerseelen verkauften die Cremerseele um 10,000 Silbertinge. Man weiß nicht, wer bei diesem Geschäfte bleicher und wer röther geworden ist. Sie aber dachten bei sich: Niemand kann zween Herren dienen, dem Herrn und dem Mammon, da dienten sie dem Mammon.' Budapest. In Folge einer Eingabe der hiesigen israelitischen Neligiousgemeinde hat der Handelsininifter den Handel mit MazzeS fremder Provenienz auf das Strengste verboten. Die Chefs sämmtlicher Bahnhöfe haben die stricte Ordre erhalten, alle hier anlangenden Mazzessentuugen sofort ־— ohne die betreffenden Parteien vorerst zu avisiren — zu consisciren. Diese drakonischen Maßregeln treffen sehr hart zablreiche Kaustente, welche den größeren Verkehr von MazzeSvon answärts nach Budapest ver Mittelteil. — Die Pester israelitische Religionsgem-inde hält am 27. Februar ihre ordentliche Geueralversammlung ab, und es ist nicht unmöglich, dass von einem oder dem anderen Wähler dieser Gegenstand zur Sprache gebracht werden wird.