Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 7 (25.2.1887)
- Date
- 1887-02-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 IL.WLLÄritMS:ÄS2sLLL wenn er die Geschichte der ersten Menschen im Paradiese vorttägt, die Schlänge als Bild, nämlich als böser Trieb, darznstellen; oder beim Uebergange durch däS rothe.Meer aus Ebbe nnd Fluth anzuspielen. Diese Beispiele mögen für das übrige Malerial genügen. Für Schüler gilt der Grundsatz: ,Unterrichte den Knaben nach seinen dermalizen Fähigkeiten, und er wird auch im Alter nicht davon abweichend (Spr. 22, 6.) Zweiundvierzig Vorschriften kommen in der Thora vor, denen eine Erklärung, ein Grund, beigesügt ist. Wo solche fehlen, steht es jedem Vernünftigen frei, nachzudenken und Ursachen, die mit den religiösen Satzungen übereinstimmen, herauszusuchen, aber die Schuljugend hat damit nichts gemein. Nun wollen wir über diesen Gegenstand auch einen Gewährsmann sprechen lassen, ^brabam iben Esra in seinen ״Jessod Mora‘* äußert sich in der achten Pforte folgendermaßen: ,Es ist sehr zu beherzigen, was unsere Alten gejagt haben, dass jeder Jsraelite verpflichtet ist, alle Gebote, sowie alle Einrichtungen, welche die Väter eingeführt haben, zu beobachten, ohne erst nach der Ursache zu fragen, warum sie die Gebote befohlen haben. Sie haben dieses mit Recht empfohlen; denn es gibt ausfallende und dunkle Gebote, und wenn Einer sie nicht beobachten will, bevor er ihre Ursache weiß, bleibt er ohne Neligionsgesetz und gleicht einem Knaben, der eher kein Brot essen will, bevor er weiß, wie es bereitet wird. Wenn er dies will, muß er Hungers sterben. Das Vernünftige aber ist,, dass er immer esse und im Heranwachfen allmählig Aufklärung finde.' So weit der Gewährsmann, der der doch mit unserer Ansicht ganz übereinstk'mmt. Wir wollen nur noch folgende Bibelstellen in Erwägung ziehen : ,Wenn Dich Den». Sohn künftig fragen wird: Was bedeutet dieses? So antworte ihm: Mit starker Hand hat uns Gott aus Egypten geführt' (2. M. 13, 14.) Ferner: ,Wenn Dein Sohn Dich künftig fragen wird: ,Was bedeuten die Zeugniße, die Gesetze und die Vorschriften, die der Ewige unser Gott euch befohlen hat?' So antworte Deinem Sohne: ,Sclaven wären wir bei Pharao in Egypten' u. s. w. (5. Ai. 6, 20.) Aus diesen Stellen wäre wohl zu entnehmen, dass man Kinder über religiöse Gebote Erklärungen zu ertheilen sogar verpflichtet ist. Dem ist aber nicht so, denn wir finden diese Anregungen nur beim Auszuge aus Egypten, wie uns die Hagada die ״arbooh Bonim“ auseinandersetzt. Ueberhaupt will damit nur angedeutel werden, dass historische Begebenheiten dem Kinder- Herzen eingcprägt werden sollen, die Bezug haben auf die Wunder Gottes, welche bei solchen Gelegenheiten stattgefunden haben, um den Glauben zu befestigen. Dazu machen wir auf den Schluss der lktztangeführten Bibelftelle aufmerksam, welche lautet: ״Uzdokoh tilije lonu“. Es wird uns als Tugend angerechnet, wenn wir alle diese Gebote beobachten vor dem Ewigen unserem Gotte, ״kaascber ziwonu“, wie er sie uns befohlen hat. Dieses, wünscht die Tyora, sollen wir unfern Kindern einprägen. Zur Bekräftigung des bisher Angeführten mögen noch zum Schlüsse folgende Talmudstellen dienen (8anb. 21). Nabb i Iizchak lehrte: Ans welchem Grunde würden uns nicht die inneren Gründe der göttlichen Vorschriften geosfenbart (z. B. wie Naschi daselbst comrnentirt, über Lebatnas oder Obasi»׳)? Weil wir den Beweis haben, dass solche Erklärungen nur zur Irreleitung des Glaubens führen können. Bei zwei Anordnungen des Gesetzes wurden die Gründe hinzugefügt, und gerade in diesen hat der Weiseste der Menschen sich schwer versündiget. Das Gesetz hatte dem Könige verboten, die Zahl der Rosse allzusehr zu vermehren, damit er nicht Gelegenheit habe, mit Egypten in Verbindung zu treten. Salomon hingegen bebauprete, ich werde mir viel Roste halten, ohne mich mit den Egyptern in einen Bund einzulasten. Was geschah? Er häufte sich Roste an, bekam egyptische Verwandtschaft (1. Kön. 11). Das Gesetz hatte dem Könige verboten, viele Frauen sich zu nehmen, damit sie dessen Her§ nicht abwendig machen (5. M. St. 17). Salomon sagte, ich werde mir viele Frauen halten nnd mich dennoch nicht verleiten lasten׳ Was geschah? Er nahm sich viele Franc«, egyptische nnd phönizische Prinzessinnen, und sie verleiteten ihn zum Götzendienste (1. Kön. 10.) Wir fügen nur noch hinzu den Spruch Nabbr Eliescr's: ״Mion Bnechena Mehigojon“, Haltet eure Kinder ferne von Grübeleien in religiösen Angelegenheiten, sie führen nur zu Jrrthümern. Rabbi Elieser, seinem Principe treu, warnte vor der Speculation, die zu seiner Zeit auf jüdischem Gebiete im Schwünge war, empfahl aber als sichern Stützpunkt die lieber« lieferung; umsomehr ist das heutzutage nothwendig. W.r. Jacob Frankel. Von Jenseits des Oc.ans kommt uns die traurige Nachricht von dem Hinscheiden eines wackeren College»!, des Nestors der amerikanischen Cantoren, Herrn Jacob Fränkek, Obcrcantor irr Philadelphia. Der Verstorbene, ein Onkel des College» E. Fränkel in Strakonitz, entstammte einer Farnilie, deren Mitglieder zum großen Theile sich den» Dienste des Herrn »vidinekcn. Unter dem Titel ,Eine jüdische Cantorenfamilie' haben »vir seinerzeit in unserem Blatte das Wesentlichste der recht interessanten Familienchronik mitgetheilt. — Die ,Deborah' widmet de»n Verblichenen folgenden Nachruf: A»n Mittwoch den 12. v. M. verbreitete sich »vie ein Lauffeuer die Trauerkunde unter den Einwohnern unserer Stadt: ,Der alte Fränkel ist tobt! * Ein Besuch zu dem Hanse 915 N. 12. Str., in dem der seit 17 Jahren verwitwete Greis mit sei'nem verheirateten Sohne Zacharias zusammen »vohnte, überzeugte uns von der Wahrheit der Trauerkunde. Da lag er, der ehrwürdige, nahezu 79jährige Greis, »vie in» friedlichen Schlafe, ausrnhend von des Lebens langen Pilgerfahrt, erlöst von den körperlichen Leiden eines feit acht Jabreu sich immer mehr entwickelnden schmerzlichen organischen Gebrechens, das die Kunst der tüchtigsten Aerzte nicht zu heilen, ja nicht einmal dnrch eine schmerzhafte chirurgische Operation, »velcher sich der Verstorbene noch »venige Tage vor seinem Ende mit seiner gewohnten Stand- Hastigkeit unterivarf, zu mildern vermochten. Er selbst täuschte sich nicht über die Unheilbarkeit seines Uebels, doch vermochte diese Erkenntnis nicht, seinen natürlichen Gleickmuth zu störe»». In schmerzlosen Momenten »nachte die ihm eigeuthümlbye Heiterkeit des Gemüthes sich gegenüber besuchenden Freunden in launigen Bemerkungen über seinen Zustand geltend. Doch leider wurden jene schmerzlosen Mo»nente irrrmer seltener, bis der Tod am Mittlvoch Morgen 2 Uhr als ein Erlöser ka»»r, ih»n den Frieden bringend, nach »velchem er sich gesehnt batte. Jacob Fränkel »var am 1. Juli 1808 in Grünftadt, Rhein- Pfalz, geboren. Er »rar der vierte Sohn des dort als Rabbiner und Cbasan fungirenden Vaters. Drei dieser vier Brüder besaßen das Talent des Gesanges in nicht gewöhnliche»»» Grade. Unter diesen unser Jacob, der mit seinen einige Jahre älteren zwei Brüdern Joel und Jiak, von denen Joel, der Schwager Sulzers, a»n Wiener Te»»1pel später als Baisist »rnkte, selbst kau»»» älter als 13 Jahre, Kunstreisen nach den größeren Städten des südlichen Deutschlands nnd des westlichen Frankreichs machte. Wohin die