Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 6 (17.2.1887)
- Date
- 1887-02-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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friedigung und des Dankes für die ungeschwächten Sympathien Ausdruck geben, welche den Bestrebungen dieser HumanitätSanstalt von den weitesten Kreisen zugewendet werden. Dass aber auch die Anstalt sich dieser allgemeinen Anerkennung würdig zu zeigen sucht, davon liefert die am 16. Mai vorigen Jahres-/.stattgefundene Jahresprüfnng der Zöglinge den erfreulichsten Beweis, und legt diese zugleich Zeugnis ab von i>cr zielbewussten und ersprießlichen Lösung der pädagogischen Aufgabe. Und so wurde uns für die Leistungen dieser Bildungsstätte unverschuldet Unglücklicher sowDhl von Seile des Herrn k. k. Hofrathes Dr. Georg Ritter v. Ullrich, als Vertreter Sr. Excellenz des Herrn Unterrichtsministers, wie auch von den sonstigen officielien Persönlichkeiten, welche der Prüfung anwohnten, die vollste und wärmste Anerkennung zu Theil. Im abgelaufenen Jahre haben wir einen schweren und schmerzlichen Verlust erlitten, denn am 27. October v. I. wurde nnS die unvergessliche Collegin Mina Gomperz durch den Ted entrissen. Eingedenk der selbstlosen Hingebung und wahrhaft mütterlichen Sorgfalt, mit welcher die Verklärte die Interessen der Anstalt förderte, können wir es nicht unterlassen, an dieser Stelle den Gefühlen des Schmerzes und der Betrübnis Ausdruck zu geben. Ihr Andenken wird in den Annalen der Anstalt ewig fortleben- Die Herren Gustav, Alfred und Hermann Freiherren von Springer haben, um den Intentionen ihres nun in Gott ruhenden Vaters, des Herrn Max Freiherrn v. Springer, welcher sich als Mitglied des Baucomilss seiner Zeit um die Errichtung eines eigenen Jnstitutsgebäudes unvergessliche Verdienste erworben bat, nachzukommen, den namhaften Betrag von fl. 7000 ö. W. (für welche fl. 8300 Papierrcnte angekauft wurden) zur Creirung eines Stiftplatzes für ein armes taubstummes Kind gewidmet. Für die nachfolgend verzeichneten, der Anstalt gewordenen Spenden sprechen wir hiemit unseren wärmsten und innigsten Dank aus: ׳ Polizei-Präsident Herr Franz Freiherr v. Kraus fl. 20.—, die löbl. Direction der ersten österreichischen Sparcassa fl. 200.—, Herr Philipp Thorsch fl. 100.— für curbedürftige Zöglinge während der Ferien, Herr Hermann Freiherr v. Springer fl. 300.—> bei der Gedächtnisfeier für seinen seligen Herrn Vater, Herr Wilhelm Ritter v. Gutmann fl. 500.— aus Anlass der Vermälung seiner Tochter, ebenso Herr David Ritter v. Gntmcnm bei der Vermälung seiner Tochter fl. 235.—, Fran^aronm Sofie v. Todesco fl. 100.— am Sterbetage ihrer sel^t'^Frair Mutter, Herr und Frau Philipp Bondy fl. 250.— aus Anlass ihrer silbernen Hochzeit, Herr Max Theodor Schiff st. 300.— Papier-Nente zur Sicherstellung eine- Jahresbeitrages für immer» währende Zeiten für seine Gemalin Frau Friederike Schiff. Die selige Frau Maria Przibram ein Legat von fl. 500.—. Die Herren M. H. Weikersbeim & Co. batten die Güte auch in diesem Jahre wieder die Feuerversicherung des Instituts-» gebäudcs und der Mobilien im Betrage von fl. 35.39 anS Eigenem zu bestreiten. Herr Dr. Leopold Ornstein hat. wie schon seit einer lange» Reihe von Jahren, auch im abgelaufenen Jahre wieder mit Hingebung und Sorgfalt seine ärztliche Hilfe dem Institute gewidmet, wofür wir ihm unseren wärmsten Dank aussprechen. Ebenso danken wir verbindlichst den Herren Doctoren Brun» und Mittler für den, den Zöglingen gütigst geleisteten zahnärztlichen Beistand. Mögen unsere Gönner und Wohllhäter durch diesen Bericht die Ueberzeugung gewinnen, dass ihre Spenden auf fruchtbare» Boden fallen, wodurch Menschen, die ohne ihre Unterstützung verkommen müssten, der bürgerlichen Brauchbarkeit nutzbar gemach! werden. Der V o r st a n d. Kleine Chrmiil» Wien. Wie die hiesigen Blätter melden, wird das Gesetz zur Regelung der äußeren Rechtsverhältniße der Juden brieils in diesem Sommer dem Abgeordnetenhanse vorgelegt werden. Der Verfasser desselben ist Hofrath Gniewosz, der es bereits vor fünf Jahren vollendet hatte. Damals jedoch wollte es das Ministerium nicht vorlegen, und es blieb liegen, bis Hofrath Ritter den Wirkungskreis des Hofrathes Gniewosz übernahm. Der uriprüngUche Entwurf wurde in Der warme Thee verbreitete sein Aroma in dem Stübchen, und unser biederer Chasan David Dessauer konnte trotz seines Mismuthes nicht widerstehen, seine frostigen Glieder durch den Genuß desselben zu erwärmen. Noch immer hatten die zärtlich kindlichen Worte seines geliebten Töchterchenk das Herz des Vaters erfreut, und wie der warme Sonnenschein die Natnr belebt und erhellt, sein seit vielen Monaten so düsteres Gemüth erheitert. ,Du liebes Kind, sprach David, seinen Thee schlürfend, Du kennst noch nicht den Kampf des Lebens, noch nicht die Jntrignen der Menschen, den Hochmuth der Neichen und die Neuernngssucht der sogenannten Aufgeklärten, der resormirten Inden. Weißt nicht, wie der fromme Mann leidet, wenn er sieht, wie die jüngere Generation Alles, waS ihm heilig und unantastbar dünkt, verspottet und au dem Althergebrachten seilt und modelt und schließlich das Haus des Herrn zu einer Stätte nmwandeln will, in der nicht mit tiefster Inbrunst zu dem Schöpfer und Erhalter gebetet wird, sondern wo Gesang und Spiel eine Ohrenweide bieten sollen." ״Welchen Werth hatten einst meine Worte bei meinen älteren Gemeindemitgliedern, wenn ich, als der Gebildetste unter ihnen, nach den Worten der Schrift erklärte, dass cs besser sei, keine Reformen cinzuführen, indem diese nur geeignet seien, unseren Glauben zu erschütter», uns den festen Halt zu nehmen. Und wie sie mir damals .beistimmten und riesen: ,Unser David Dessaner, leben möge er bis hundert Jahr, hat Recht, es bleibt beim Alten! Und nun, o, wie ist es anders geworden! Mit freundlichen Worten stimmt man mir — vielleicht aus Rücksicht für mein Alter — bei und hinter meinem Rücken handelt man gegen meinen Willen. Ich bin der Beamte und muß dulden. Wie wenig habe ich die Bedeutung dieser Worte einst gekannt und wie ries in mein Herz einschneidend muss ich sie jetzt anerkennen! — Geliebtes Kind, mir blutet bei diesem Gedanken das Herz, und ich wünschte, man hätte mich längst hinausgetragen zn meinen Getreuen, welche die irdische Laufbahn schon verlassen haben." Und schluchzend grub er das Antlitz in seine Hände. ״Mein David, mein Vater!* scholl es wie aus einem Munde, ,denk' an Dein Weib, an Dein geliebtes Kind, wir wollen Dir ja Ersatz bieten für Alles!' ,Wer fühlt mehr den Verlust Deines Amtes mir Dir, als wir/ sagte lief seufzend die kranke Rachel. ,Bleib' gesund, lebe Deinen Studien in der heiligen Schrift und suche Dir das Leben im engen Familienkreise angenehm zn machen.' David trocknete seine Thränen, und seinen Blick emporrichtend sprach er: ,O, Gort, verzeih', wenn ich sündige, indem es mir so schwer wird zn entsagen." (Fortsetzung folgt.)