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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-02-17 · Heft 6 (17.2.1887) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 6 (17.2.1887)
Date
1887-02-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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s einigen wenigen Punkten verändert und liegt jetzt abgeschlossen vor. Zur Grundlage dieses Gesetzes wurden die Bestimmungen genommen, nach denen überhaupt die nichtkatholkschen Nelkgiousgemeinden in Oesterreich organisirt sind. Es enthält daher nichts grundsätzlich Neues. Nur die vielfach.׳n Verschiedenheiten in der Organisirung der jüdischen Cultnsgemeinden, wie sie in den einzelnen Provinzen bestehen, sollen aufgehoben werden. Deshalb wird das Gesetz einzig und allein für Mähren tiefer einschneidend fein. Zn Mähren sind nämlich nicht weniger als 21 jüdische Cultnsgemeinden auch als politische Gemeinden mit den Rechten derselben constituirt. Es bestehen demnach in 21 Städten je 2 Bürgermeister und Gemeiuderäthe, christliche und jüdische. Dem soll ein Ende gemacht werden. Die Abänderung wird besonders damit begründet, dass diese vollständige Sonderung der jüdischen Gemeinden in Mähren eigentlich aus der neuesten Zeit herrühre und in ihrer Schroffheit erst seit dem Jahre 1849 bestehe. Wie«. (Otig.-Corresp.) Sonntag am 13. -. M. hat in dem Bethause in der Zosefstadt Abends um 6 Uhr ein solenner Trauergottesdienst stattgefunden. Das Bethaus war hell erleuchtet und schwarz decorirt. Diese Gedächtnisfeier galt dem vor vier Wochen in seinen besten Jahren und vollster Manneskraft aus dem Kreise der Lebenden so plötzlich von Todeshand hiugerafften Herrn Moritz Bauer. Ein schlichter Mann, aber ein biederer, ehrenhafter Charakter, der dem Bethausvereine in diesem Bezirke als ehrenhaftes Mitglied sich anschloss, und dessen culturelle Zwecke eifrig förderte, auch als umsichtiger Leiter des daselbst bestehenden Tempelbau-Comites sich bedeutende Verdienste erwarb. Der Bethausvorstand sah sich daher veranlasst, aus Dankbarkeit und Pietät für das Heimgegangene Mitglied diese Trauerfeier zu veranstalten. Das Gotteshaus war von Theilnehmeru, von Verwandten und Freunden überfüllt. Auch das Frauengeschlecht war stark vertreten, darunter die tiefgebeugte Mutter, die Frau Bauer, die bartgeprüfte, die zwei hoffnungsvolle Söhne und zwei würdige Töchter, alle in den besten Jahren und noch dazu ihren geliebten Gatten, der Reihe nach verlor. Nur ihr frommes Herz und ihr gottergebener Sinn halten diese tiefgebeugte Frau noch aufrecht. Die Trauerfeier begann mit dem Abendgebet, darauf trug Herr Cantor Fleck das Schiwisi-®efcet mit seinen Chorknaben in ergreifenden Molltönen in rührender Weise vor. Sodann bestieg Rabbiner Wollner die Kanzel, diesmal vor der Bundcslade, und hielt eine formvollendete Gedächtnisrede, die einen tiefen Eindruck auf das׳ Auditorium, besonders . auf die trauernde Familie . ausübte. Hierauf recitirte der Cantor Fleck mit feiner herrlichen, klangvollen Tenorstimme das übliche Gebet: אל מלא רחמים u. f. w., das alle Herzen durchzitterte, und wir müssen es besonders hervorhebeu, dass Herr Fleck nicht nur ein moderncr Cantor, sondern auch ein geschulter Chasau ist, der es versteht, besonders in den Jomim Noroini, den Gottesdienst weihe- und würdevoll zu leiten. Nach einem Schlußworte des Herrn Rabbiners wurde von demselben mit der ״Tefilla al Haniftor“, woraus Kadiscli Derabonim folgte, diese einfache und doch so erhebende Gedächtnisfeier geschlossen. . . . 1\ Wien. 14. Februar. (Kundgebungen gegen den Antisemitismus.) In der heutigen Versammlung des Fortschrittsvereius des siebenten Bezirkes brachte das Vereinsmitglied Grauadia folgende Resolution ein, welche einstimmig angenommen wurde: »Der deutsche Fortschrittsverein des siebenten Bezirkes versichert den?b'ichsiaths-Abgccrdlietcn Karl Wrabctz anlässlich der demselben zugefügten Unbill (Abgeordneter Wrabetz wurde bekanntlich wegen seiner freimnthigen Aenßernng über das uichtswürdige Treiben der Antisemiten-Cligne von einem antisemitischen Abgeordneten nach der Sitzung durch Worte insultirt) seiner wärmsten Sympathie und spricht dir Erwartung aus, dass derselbe wie bisher anch sernerhin sich durch nichts von der freittiüthigen Betonung und Bethätigung seiner ebenso mannhasten als echt bnrgerlichcn Gesinnung abhalicn lassen und daraus bestehen werde, die ihm gebührende Satisfaction nur ans gesetzlichem Wege zu suchen.* Nach״ einem Vertrage des Neichsraths-Abgeordrreten Dr. Pichler über den Kampf an der Sprachengrenze in Böhmen beantragte Herr Frauenberger folgende Nesolntion, die gleichfalls einstimmig angenommen wurde: ,Der deutsche Fortschriitsverein des siebenten Bezirkes beklagt aus das Tiefste die im Deutschen Club eingetretene Spaltung; er verdammt ans das Entschiedenste das Auswerfen der Antisemitenfrage und anerkennt vollständig das correcte Verhalten der Majorität des- Clubs, welche mit richtigem politischen Verständniße mit Energie für das Züsammengeheir mit dem deutsch-österreichischen Club eingetreteu ist und sich gegen den Antisemitismus im Clrrb verwahrt hat.* Der Neichsraths-Abgeordnete Dr. Wilhelm Pichler erhielt gestern, aus seinem Wahlbezirke ein Telegramm des deutschen politischen Vereines in Saaz, worin derselbe erklärt, er habe mit tiefstem Bedauern Kenntnis von den jüngsten unerwarteten Vorgängen im Deutschen Club genommen, irr denen er bei einzelnen Mitgliedern das Hirrtansetzi'n des wahrhaft nationalen Gedankens, der für die Deutschen in Böhmen die einzige Richtschnur ist, erblickt. Der deutsche Verein in Saa; verdammt die das deutsche Volk schädigenden und beschämenden Tendenzen des Antisemitismus und spricht zugleich dem Abgeordueterr Dr. Pichler, der den richtigen Standpunkt in diesen Verirrungen vom Beginne an eingenommen, das vollste Vertrauen mit der Bitte aus, dass er stets und besonders in diesem Punkte im Einvernehmen mit seinen Wählern bleiben möge. Wien. (Eintritt israelitischer Geschäftsleute nach Rußland.) Die ,Polit. Corr." meldet: Aus verschiedenen in letzterer Zeit eingelaufenen Mittheilungen geht hervor, dass nach Rußland reisende Personen israelitischer Confessio« bei den dortigen Behörden anlässlich der Vidirnug ihrer Pässe Schwierigkeiten begegnen, indem die russischen Gesetze ausländischen Juden nicht nur die Niederlassung, sondern auch im Allgemeinen den Eintritt nach Rußland zum zeitweiligen Handelsbetrieb prineipiell verbieten. Das Handelsministerium hat demzufolge Veranlassung genommen, das Nothw.ndige zu verfügen, damit den bc-!heiligten Personen in verkommenden Fällen behördlicherseits die nothwendige Belehrung zu Theil werde. Vor Allem ist darauf Bedacht zu nehmen, dass nur ansnahmsweise gemäß dem jetzt giltigen russischen Passgesetze wirklichen Großhändlern und Großindustriellen israelitischer Consessivn, beziehungsweise deren Vertretern, welche Nachweisen können, dass sie in Rußland Handels-Operationen von bedeutendem Umfange durchführen oder bezwecken, der Eintritt nach Rußland gestattet ist.. Dieser Nachweis kann entweder durch ein von der betreffenden Handels- und Gewerbekammer auszustellendes Zeugnis oder durch sonstige, der kaiserlich russischen Regierung Garantie bietende Referenzen erbracht werden. Diese Legitimationen müssen jedoch den Umfang des- Geschästsdetriebes des den Eintritt nach Rußlands begehrenden Kaufmannes womöglich durch präcise zifsermäßige Angaben zur Darstellung, bringen. MrÜNN, 15. Februar. Vor seiner Wahl halte Div Wenzluschke Ehrenwort und Versicherung abgegeben, dass er" kein Antisemit sei. In Folge dessen hatten die zahlreichen israelitischen Wähler Wenzlitjchks ihre Stimmen gegeben. Nunmehr wird in der Stadtgemeinde Boskowitzeine Wählerversammluug einberusen werden, um daS Verhalten Wenztitschck's, der gelegentlich der Secession im .deutschen Club' des- Abgeordnetenhauses mit den Antisemiten stimmte, einer Besprechung zu unterziehen. Aus dem hiesigen Vereine ,Deutscher Club*, dessen Obmann Wenzlitschke ist, traten nicht blos fast sämmtliche israelitischeu, sondern auch eine größere Anzahl katholischer Mitglieder ans,, so dass der Bestand des Vereines in Frage gestellt.ist. Da in Folge der auch in den hiesigen Studentenkreisen. überhand nehmenden antisemitischen Strömung die Studirenden jüdischer Cousession von den meisten Unterstntzungsvereinen ausgeschlossen sind, haben die jüdischen Akademiker, um ihre nothleideuden Glaubensgenossen-

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