Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 5 (9.2.1887)
- Date
- 1887-02-09
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Also nicht die Abstammung, die Geburt, auch nicht der > ׳höhere Wissensgrad oder die bessere Bernfsstellung im Dienste i i)e8 Altars und der Gemeinde weihen zum Priester, der das I .ausschließliche Fischt und die Psticht haben soll, den Segen zu ertheilen; vielmehr nähert sich derjenige Gemeindebeamte, es sei .Rabbiner oder Cantor, dem Priester Ahron umsomehr, je mehr er bestrebt ist, dessen Tugenden nachzuahmen und sie in seinem Berufsleben zu belhätigen. Macht doch der weise Lehrer Hillel Die Nachahmung und Belhätigung der Hanpttngenden Ahron'S Ledermann zur Pflicht, um dadurch einen Jeden als Priester seines Gottes zu weihen, indem er sagt: דוי מתלמידיו של אהרן אהב שלום ורודף שלום אוהב את־הבריות ומקרבן לתורה, ,Bestrebe dich, zu den Jüngern Ahron'S zu gehören, indem du den Frieden siebest, dem Frieden nachstrebst, Liebe gegen die Mitmenschen äußerst und sie mit der Gotteslchre befreundest' (31608 1. 12); um wie viel mehr soll Derjenige dieses ideale Bestreben in feinem Leben, Wirken und Schaffen verwirklichen, der kraft seines Amtes berufen ist, durch wahre Tugenden und ideale Wirksamkeit sich für sein hohes Amt zu weihen und stets würdiger zu machen. In ähnlichem Sinne spricht auch der Prophet Malachi (2) von den Cardinaltugenden des Priesters, wodurch er die eigentliche Würde und Weihe für seinen hohen Beruf erlangen kann, nicht aber durch bloße leibliche Abstammung oder durch einen formellen Weiheact. Aialachi sagt nämlich (2.6.):! תורת אמת היתד? בפיהו ועולה לא־־נמצא בשפתיו בשלום ובמישור הלך אתי ורבים השיב מעון: בי שפתי כהן ישמרדדעת ותורה יבקשו מפיהו. .Di- Wahrcheit war stets auf seinen Lippen, einen Ausspruch zum Unrecht hat man auf demselben nie gefunden, in Frieden und Redlichkeit wandelte er mit mir und Viele hielt er von der Sünde ab; denn die Lippen des Priesters müssen die Gotteßerkenntnis wahren, mnd Lehre soll man ans seinem Munde schöpfen können.' Darin liegt also das Wesen des Priesterthnms, dass es der Gottheit heiligen Bund im Geiste, auf den Lippen und im Herzen trage und im Leben durch That und Beispiel bethätize. Wer also in diesem Sinne im Amte des Herrn seine Thätigkeit und Wirksamkeit zu entfalten vermag, der ist Träger der Priesterwürde und würdig den Pricstersegen an Israel zu ertheilen, er sei Rabbiner oder Cantor. Zur Spendenfrage. Herr M. Peßler hat in Nummer 3 die Usance, dass Spenden, welche in der Synagoge von dem zur Thora Gerufenen für den ״Cantor gewidmet werden, vom Vorstande eingehoben, jedoch nicht im Sinne der Spender dem Cantor, sondern der Tempelcassa zugeführt werden, aus halachischen Gründen als ungerecht und ungiitig erklärt. Aus dem Artikel ist zur Genüge bewiesen, dass Herr M. Peßler ein בר אורין ist und seine Worte volle Giltigkeit '"haben; da er aber dieses Factum zur eingehenden Behandlung empfiehlt, so will auch ich über diesen Gebrauch meine unmaßgebliche Meinung in Nachfolgendem zum Ausdrucke bringen. Vom ethischen Standpunkte ist eine solche Vereinbarung sowohl von Seite der Gemeinde, als von der des Cantors unzulässig und entwürdigend. Es heißt doch אל תמנע טוב מבעליו כהיות לאל ידך לעשות '). Dieser Vers wird dahin gedeutet, dass man den Armen die Gabe nicht entziehe, oder wenn man sieht, -dass man dem Armen eine Spende zukommen lasten will, so -halte man den Spender nicht zurück. Sobald also die Spende -dem Cantor nicht gegeben wird, so wird ihm erstens die Gabe -entzogen, und dann, wenn der Spender bemerkt, dass die Spende ')Spruche Salomons 3, Vers 21, siebe daselbst Raschi. nicht nach seinem Sinne dem Cantor zukommt, so spendet er überhaupt nichts mehr. Die meisten jüdischen Beamten haben Ebbe in der Cassa und eine Flnth von Sorgen, der jüdische Beamte in vielen Gemeinden ist nicht so sitnirt, dass er wie Rabbi Eliesar und Rabbi Sira die Geschenke zurückweisen kann'), er ist auf Geschenke angewiesen, um leben zu können; aber von der Gemeinde heißt es: צבורא לאו עניא♦ Weiters ist eS nicht nur das Geld, welches der Cantor verliert, es ist auch die Ehre, die Spende in der Synagoge für den Cantor ist der Ausdruck der Ehre und der vollkommenen Anerkennung der Leistungen desselben, die öffentlich bekundet wird, und auch von der Ehre kann man den Spruch anwenden:אל תמנע טוב מבעליו. Der Cantor möge daher genau erwägen, ob er auf eine solche Vereinbarung eingehen soll, hat er sich schriftlich oder mündlich verpflichtet, dem Verlangen der Gemeinde Folge zu leisten, so muß er fein Wort halten. Wenn es jedem Menschen als heilige Pflicht obliegt das gegebene Wort zu halten, umsoweniger darf der Mund deS Cantors, welcher durch seinen Vortrag geweiht wird, wieder entweiht werden. Es ist wahr אין אדם מקנה דבר שאינו ברשותו aber doch אדם אוסר דבר על עצמו שלא ג בא לעולם) besonders in Geldangelegenheiten. Gibt die Gemeinde dem Cantor eine Remuneration für die Spenden, und verlangt dann der Cantor die Spenden, weil, wie er sagt, er nicht das Recht hatte דדר שלא ברשותו zu veräußern, so verliert er auch dir Remuneration; war aber der Cantor gezwungen, auf diese Vereinbarung einzugehen, weil er sonst diese Stelle nicht bekommen hätte, so hört משום בדי הייו die Regel 4אין אדם מקנה דבר שלא ברשותו) auf. Es ist bester für den Cantor, wenn er nachgibt; denn bei sehr vielen Vorstehern, die wie die Pascha wirthschaften, bewähren sich die Worte Schiller's r .Willst du die schlafende Löwin nicht wecken, So wandle still durch die Straßen der Schrecken.' Die Gemeinde, welche berufen ist, ihre Beamten gut zu erhalten, um länger zu erhalten, soll dem Cantor die Spenden nicht entziehen, sie nimmt ihm das Geld und die Ehre. — Der Cantor soll nachgeben und die Gemeinde soll noch gebe n. S z i k l o s, den 3. Februar 1887. A r o n Roth, Bezirksrabbiner. a) Megilla 28. a. 3) I. Deah 204, 4, siehe daselbst Schach. ף Tur CH. Mischpot 211. Vereinsnachrichten. Auf Anregung des Herrn Cantor Simon Notier in Horazdowitz haben der Vorstand der dortigen Gemeinde und die Chewra Kadischa je einen Beitrag von 5 fl. dem Cantoren-Vereine votirt. Durch Herrn Cantor M. Reiser in Neuern sind nachfolgende Beiträge gesammelt worden: Herr Josef Klauber -.. fl. 1.— ״ M. Fleischl .. -.1 ״ ״ Josef Kleiner.. . 1 ״.— ,, Jacob Bloch. —.1 ״ ״ M. Hahn ............. ,. —.50 Ein Ungenannter.2 ״.— Herr I. Jeiteles. .. 50.— ״ ״ Joachim Bloch .......30.— ״ ״ W. Adler . —.20 ,, Moritz Schwärz .. —30 Adolf Bloch. —.50