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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-02-01 · Heft 4 (1.2.1887) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 4 (1.2.1887)
Date
1887-02-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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dem Cheder angehörten. Die Schulräume und ihre Einrichtungen entsprechen vollkommen den modernen Anforderungen. Kleidung?und äußere Erscheinung der Knaben machen einen recht erfreulichen Eindruck, so dass man schwer glauben könnte, dass diese so vorzüglich disciplinirteu, so modern gekleideten Kinder noch vor kaum einem Jahre das traurige Bild von Chedsr-Zöglingen choten. Das Verdienst, diese armen Kinder der Finsternis entrissen zu haben, gebührt ebensowohl dem Schulcomits, welches in selbstlosester Weise über daS Gedeihen der Anstalt wacht, als auch den Lehrern, welche in anerkennenSwerther Einmütbigfeit der ihnen gewordenen Mission gerecht zu werden bemüht ^sind. — An der Anstalt wirken neun Lehrer, u. zw. fünf für den profanen und vier für den hebräischen Unterricht. Alle diese ׳Lehrer stehen unter einer und derselben Leitung und fördern sich gegenseitig in ihren allwöchentlichen Conferenzen, an welchen sich auch ab und zu Mitglieder deS Schulcomit^s betbeiligen, und bei welchen der Schulleiter auch den Lehrern der hebräischen Dißciplinen Winke über die Methodik ectheilt. Und so gehen auch in der That die Fortschritte -in dem hebräischen mit jenen in dem profanen Unterrichte Hand in Hand und versprechen die schönsten Resultate für die Zukunft. Wir haben dieser Schule in der sichern Voraussetzung, dass sie im Lanfe weniger Jahre auf eigenen Füßen werde stehen können, große Opfer gebracht, indem wir ihr auf drei Jahre jährlich fl. 4000 bewilligt haben. Bis heute haben wir uns in unserer Voraussetzung nicht getäuscht. Schon heute fließen ihr von einer Seite, die sich anfangs kühl verhielt, Hilfsmitttel zu. Unser für die Sache begeistertes, aus den einflussreichsten Kreisen der verschiedenen Parteirichtnngen zusammengesetztes Schulcomite in Stanislau hat nicht nur mit Hilfe einer zu diesem Zwecke eingeleiteten Collect?, zu welcher auch wir fl. 200 beisteuerten, mehr, den 60 der ärmsten Schulkinder zur Gänze Dekleidct, es hat auch die Mittel aufgebracht, um 48 der ärmsten .Knaben unserer Schule täglich durch die vier Wintermonate zu beköstigen. Nachdem, wie aus früheren Mittheilungen bekannt, es Durch Jahrzehnte nicht möglich war, in Stanislau eine confessionelle Schule zu gründen, wird es nicht befremden, dass dermalen Das Alter der Kinder in der ersten Classe noch zwischen neun amd zwölf Jahren schwankt. Abgesehen von segensreichen Wirkungen, welche diese Schule nach innen übt, hat sie auch nach ,außen schon während der kurzen Zeit ihres Bestandes Ueberraschendes geleistet. Wie aus früheren Berichten bekannt, mußte sie von uns, in Gegnerschaft gegen die jüdische Gemeindevcrtretung mit Hilfe eines die Mitte zwischen den extremen Parteien haltenden Schulcomitss ins Leben gerufen werden. Früher, als man vermulheu konnte, machten sich die sittlichen und pädagogischen Wirkungen der Schule auch auf die widerstrebenden Elemente geltend, so dass sich der Cultnsvorstand bestimmt fand, nicht nur ein Dankschreiben an die Israelitische Allianz zu richten, sondern auch dieselbe mit einer jährlichen Subvention von fl. 700 zu dotiren. Eine weitere Beisteuer von fl. 200 pro 1887 wurde unserer Schule von dem Bezirksausschüsse in der am 28. Dccember v. I. stattgebabten Sitzung votirt. Hoffentlich werden diesem schönen Beispiele andere Corporationen bald folgen. Drohobycz. Ein recht erfreuliches Eutgegenkommen fand unsere in Drohobycz zur Schulbegriindung gegebene An- Regung. Allerdings war der Angelegenheit bereits durch unsere dortige Filiale entsprechend vorgearbeitet. Alle maßgebenden Factoren der Gemeinde sind von der Nothweudigkeit der Gründung -einer Schule für die zahlreiche, das Cheder besuchende Jugend durchdrungen, und da fle sich opferwillig an einer solchen betbeiligen wollen und ein ausgiebiger Zuschuss von der Commune zu erwarten ist, so dürfte die Schule in kurzer Zeit zu Stande kommen. Diese Opferwilligkeit kam in der zur Berathung der Schulangelegenheit gelegentlich der Anwesenheit unseres Herrn. Secretärs stattgehabten Sitzung vom 27. December 1886, an welcher sich die hervorragendsten Mitglieder der Gemeinde und die Vorstände unserer Filiale betbeiligten, zum beredten Ausdruck. Bei der Besprechung der zur Erhaltung der Schule nöthigen Fonds wurde allgemein mit größter Zuversicht behauptet, dass sich die Schule, wenn einmal die Mittel für dis Erhaltung auf die Dauer von zwei Jahren gesichert seien, sich in der Folg« sehr gur werde erhalten können, da ihr, wenn auch von Schulgeldern abgesehen werde, sehr bald auSgiebige Unterstützungen von verschiedenen׳ Seiten zufließen werden. Des Weiteren hat der Vorstand in seinen in den letzten Monaten abgehaltenen Sitzungen nachfolgenden Gemeinden Subventionen zu Schulzweckcn pro 1886/87 bewilligt, u. zw.: Floridsdorf fl. 150, Bellovär st. 100, Miftelbach st. 100, Tulln fl. 50, Humpoletz fl. 50, Klosterneuburg fl. 100, Radonin fl. 100, Abbs fl. 100, Benatek fl. 100, Luze st. 100, G. Jenikau fl. 200, Bruck a. d. L. fl- 100, Seltschan fl. 50, Hohenau st. 100 Horn fl. 150, Tereschau fl. 50. Es gereicht uns schließlich zur größten Befriedigung unfern Mitgliedern und Gönnern die erfreuliche Mittheilung machen zu können, dass unsere Glaubensgeuosfen in Ungarn unserer in Galizien eingeleiteten Culturarbeit die größte Sympathie entgegeubrinzen, welche ihren beredtesten Ausdruck in den zahlreichen, in den letzten Monaten uns von dort zugekommene» Beitritts-Erklärungen sindet. Die Wärme und der wohlthueude Eifer, womit die besten Männer der ungarischen Jndeuschaft unsere Sache zu unterstützen bemüht sind, bürgt uns dafür, dass die zur Bewältigung der großen Ausgabe nöthigen Mittel uns allmälig zufließen werden, dass das hüben und drüben mit gleichem Jntereffe und gleicher Thatkraft geförderte Werk -rasch vorwäits schreiten wird. Klrink Chronik Wien, den 30. Jänner 1887. Heute Vormittags 10 Uhr fand auf dem Centralfricdhofe das Leichenbegängnis des plötzlich verstorbenen langjährigeu Bassisten und Chordirigeuten am Leopoldstädter Tempel, des Herrn Salomou Singer, statt. Dasselbe gestaltete sich zu einer erhebenden Kundgebung der spontanen Anerkennung all' der Verdienste, die den Verstorbenen im Leben anszeichneten. Der wohllöbliche Vorstand der israelitischen Cnltusgemeinde gab seine Anerkennung dadurch kund, dass der Obmann der Leichenhofscctiou, Herr k. k. Baurath Wilhelm Stiaßny, anordnete, das Leichenbegängnis möge in der Naugftnfe einer zweiten Classe vorgenommen werden, wofür an dieser Sielle Herrn Baurath Stiaßny öffentlicher Dank ausgesprochen werden nruß. Durch die Theilnahme sämmtlicher Qnartettsänger und sämmtlichsr Cantoren gestaltete sich dasselbe in Wahrheit jedoch zu der Rangstufe eines Leichenbegängnißes erster Classe. Außer dem fuuctiouirenden Obercantor Josef Goldstern, dessen langjähriger Bassistder Heimgegangene war, nahmen am Leichenbegängniße Theil: der Obercantor Singer und die Cantoren Fischer, Blatt und Schiller, welche auf Anordnung des ebenfalls auwefeudeu Gemeiudevorstehers, Herrn Gemeiuderath Simon, ämmllich an dem Katafalke erschienen; ans anderen cantoralen Kreisen waren anwesend: Herr Jacob Bauer, Obercantor der

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