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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-02-01 · Heft 4 (1.2.1887) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 4 (1.2.1887)
Date
1887-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 amu Bei Herrn Bachmann dürften vielleicht noch manche mir ihm bekannten Motive milwirken, seine Gestaltung des Gottesdienftes zu einem Buch voller Näthsel zu machen. Gerade von einem Manne seiner hervorragenden Fähigkeiten ist cs ganz unerklärlich, wie man in einer Piece Oratorien-, Opern-, Operetten-, Kirchen- und polnischen Chascu-Styl vereinigen kann. Das wäre so eine richtige Musik für den Seder, wo das Kol dichfin jese wejeehol am Platze ist. Da könnte jeder wählen: einige Tacte strenge Kirchen- oder Opern«usik, entweder an dem goisehen Chorchasen oder am Scholosch-Sudosnigun sich zu ergötzen. Chacun a son gout. Auch was den recitativifchen Vortrag von Moor und Bachmann betrifft, kann ich nicht loben. Man bekommt von ihnen alle möglichen Gesangskünsteleien, die höchsten Brust- und Falsettöne, Triller (zu Wasser und mit Nase), Mordents und Arpeggien zu hören; es fehlt auch nicht an pathetischen Kraftausdrücken und Schreie, die eher auf den Text: ,ich morde Dich' oder ,Du bist des Todes' als auf den eine Bitte ausdrückenden hebräischen Text passen. Was aber der mindeste Cantor können soll, ein Recitativ mit natürlicher Stimmkraft in einfacher Weise, aber mit Beobachtung der corrccten Leseart und der deutlichen Articulation des Hebräischen vorzutragen, hört man nicht von ihnen. Ungetheilte Anerkennung muß ich jedoch den von ihnen geleiteten Chören zollen. Bessere als die von oder unter N. Moor und Bachmann geleiteten Synagogenchöre habe ich nie zu hören bekommen. Und nun, Ende gut. Alles gut! Wie vor circa zwei Jahren bei Deutsch in Breslau und jegt bei Goldstein in Wien, habe ich zu meiner besonderen Freude auch bei Herrn Prof. Friedmann in Budapest die noch jugendliche Frische und Kraft in der Stimme, wie dessen unvergleichlich geistig belebten, von Herzen zu Herzen wirkenden Vortrag bewundern müssen. Collegialen Verkehr konnte ich auch in Pest, selbst mit den mir von früheren Jahren her persönlich bekannten Herren, nicht pflegen. Meine Zeit war zu beschränkt. Bericht der Israelitischen Allianz xu Wien. Wir v eraulassten am Schlüsse des abgelaufenen Jahres eine Jnspi'cirunz unserer in den letzten Jahren in Galizien ins Leben gerufenen und subventionirten Schulen. Dieselbe hat, obschon sie ohne Anmeldung und durch unseren Secretär in überraschender Weise erfolgte, ein recht erfreuliches Resultat ergeben, und wir constatiren mit großer Befriedigung, dass diese Schulen, so wenig zahlreich sie auch im Verhältniße zu den noch zu gründenden sind, bereits die segensreichsten Anregungen gegeben, so dass selbst in den bislang schulfeindlichsten Gegenden das Verlangen nach einem regelrechten Unterrichte immer reger wird. Die Opposition, welche früher unseren culturellen Bestrebungen hemmend in den Weg trat, beginnt sich einer besseren Ueberzeugung zuzuneigeu. Der von uns ausgestreute Samen beginnt allenthalben in die Halme zu schießen und verspricht bei entsprechender sorgfälliger Pflege eine reiche Ernte zu liefern. Die Gewähr für das Gedeihen liegt aber nicht allein in unserer unentwegten zielbewussten Thätigkeit, sondern vielmehr in dem tiefen Interesse, welches die weitesten Kreise unserer galizischen Glaubensgenossen für unsere Schulen bck,inden. Jene Gemeinden, in welchen wir Schulen errichteten, sind denselben, wie kühl sie sich auch anfangs ihnen gegenüber verhalten mochten, allmälig näher getreten, legen selbst Hand an das von uns geschaffene Werk und fördern schließlich opferfreudig ihre gedeihliche Entwicklung. Die Schule erweist sich nachgerade als aussöhnendes, ausgleichendes und nivcllirendes Element zwischen den cinander schroff gegenüberstehenden religiösen Parteien. Die Schule allein wird in der Zukunft unseren galizischen Glaubensgenossen den inneren Frieden zu bringen vermögen. S a b l o c ie. Unsere erste in Galizien errichtete Schule ist jene in Sablocie, welwe mit Beginn des Schuljahres 1886/87 in das vierte Jahr ihres Bestandes getreten ist. Sie ist vierclassig und steht unter vorzüglicher Leitung. ^An der Schule wirken drei Lehrer und eine Lehrerin. Die Leistungen und die Disciplin der Kinder, der Eifer der Lehrer, welche besonders in der ersten Classe mit dem aus den Dörfern herbeiströmenden, noch ganz ungehobelten Materiale zu kämpfen haben, und die Opferwilligkeit des Schulcomitds lassen nichts zu wünschen übrig. Die Schule zählt 92 Zöglinge, unter denen circa 60 den umliegenden Dörfern angehören. Von diesen sind 40 vollständig mittellos und müssen von dortigen hochherzigen Gemeindemitgliedern verpflegt werden, so dass manche derselben 8—10 solche Kinder wöchentlich beköstigen. Die wackeren Männer, welche noch überdies nach Kräften zur Erhaltung der Schule beisteuern, verdienen unsere vollste Anerkennung. In der ersten Classe befinden sich 13—14jährige Kinder aus den Dörfern, welche bisher keinen wie immer gearteten Unterricht genossen. Zu bedauern ist, dass die Schulräume zu beschränkt sind und nur ein Maximum von circa 100 Zöglingen fassen, weshalb viele angemeldeie Kinder zu Beginn des Schuljahres abgewiesen werden mussten. Die Schule wird von uns mit fl. 1000 jährlich subventionnt; du übrigen aus circa fl. 2000 sich belaufenden jährlichen Erhaltungskosten werden von der Gemeinde bestritten. Lemberg. Unsere vor zwei Jahren in Lemberg errichtete Schule hat daß große Verdienst, den spröden galizischen Boden für Schulgrüudungen empfänglich gemach! und Len Weg gezeigt zu haben, auf welchem die zahlreiche, in dem nach jeder Richtung schädlichen Cheder schmachtende Jugend ohne Verletzung der religiösen Gefühle der Wohlthat eines in gesunden Localitäten ertheilten geregelten Unterrichtes zugeführl werden könne. Das in Lemberg gegebene Beispiel wirkte denn auch, nachdem die im ersten Augenblicke gegen dasselbe zu Tage getretene Gegnerschaft keinen Boden fand, aufmunternd auf andere galizische Gemeinden, welche sich dadurch angeregt fühlten, für ihre Chederjugend ähnliche Schulen anzustreben. Aber in der Eigenart dieser Schule in Lemberg, welche darin bestand, dass als Uebergangsstadium auf den hebräischen Unterricht keine Jngerenz genommen wurde, indem man sich vorläusig nur darauf beschränkte, der Chederjugend, die bisher sich keines profanen Unterrichtes erfreute, denselben zuzuführen, liegt auch ihr Gebrechen. Ueber unsere Veranlassung, diesem Uebergangsstadium ein Ende zu machen, ist es jetzt das eifrigste Bemühen unseres Lemberger Schulcomites, einen Modus herzustelleu, durch welchen der Unterricht der hebräischen mit demjenigen der profanen Gegenstände in eine classenmäßige Verbindung gebracht werden soll. Es muß anerkennend hervorgehoben werden, dass die hebräischen Lehrer bestrebt sind, mehr Methode in ihren Unterricht zu bringen, und dass sie mit großem Eifer und Nutzen den von den Lehrern der profanen Gegenstände für sie eröffneten A'vendcurs fregueutiren. Dies dürfte uns auch dem angestrebten Ziele näher bringen, die Schule in Lemberg, auch rücksichtlich des hebräischen Unterrichtes den Anforderungen einer confessionellen Volksschule, gleich unseren anderen confessionellen Schulen, gemäß zu gestalten. Die Schule besteht seit dem Schuljahr 1886/87 aus fünf Elasten. Die au8* schließlich von unS bestrittenen Erhaltungskosten dieser Anstalt belaufen sich auf fl. 6000 jährlich.

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