Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1887)
- Date
- 1887-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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— 2 — /'• Nachbild des Syuhedrion. (D. loskot da!. Schlagwort דהיר)• Zedcs Gewerk und Gewerbe hatte in dieser Synagoge eine eigene Abtheiluna, an welche sich die Fremden, zugereisten Gewcrksleute wenden und anschließen konnten. -Zn der Mitte derselben war eine BaÜustrade von Holz, worauf der Aufseher ה*[ הכנסת stand. So groß war der Umfang der Synagoge (nach dem talmudischen Bericht soll dieselbe über eine Million Menschen nmsasst haben), dass der Aufseher, der in der Mitte ans der Anhöhe stand, eine Fahne (סודרין) schwingen musste, so oft die Zuhörer aus den Segenspruch des Vorbeters mit .Amen^ cinfallen sollten. Diese Synagoge, von deren Größe und Pracht die Zeitgenossen nicht genug erzählen konnten, zerstörte der römische Feldherr Turbo, zur Zeit der Negierung Hadrians. Die jüdische Quelle fügt hinzu: »Seit dieser Zeit ist der Glanz Israels erloschen.* Die abulafia nische Synagoge in Toledo. Der König Don Pedro von Castilien wendete mehreren hervorragende» Znden seine besondere Gunst zu. Samuel Abulafia war Oberschatzmeister und der Vertrante des Königs. Samuel erbaute (1357) die prächtige Synagoge zu Toledo, wclcdc noch heutigen Tages als Kirche eine Zierde dieser Stadt ist. Sie war in halb gothischem, halb maurischem Style erbaut, wie fast die meisten spanischen Kirchen jener Zeit. Sie bestand aus mehreren Schiffen, welche durch Säulen und Wölbungen von einander geschieden waren. Fcingeschnitzte Arabesken verzieren den oberen Theil der Wände ringsherum. Innerhalb der Arabesken ist auf grünem Grunde und weiß hervortretend der achtzigste Psalm in hebräischer Schrift zu lesen. Ans der Nord- und Südseile sind Inschriften in halberhabcner Arbeit angebracht, welche in zwölf langen Linien die Verdienste des Fürsten Samnel Levi den Mcir verewigen. Die Gemeinde dankt darin Gott, der seine Gnade seinem Volke nicht entzogen und Männer erweckt hat, die es aus Feindes Hand rettete. Der Name des Königs Don Pedro ist mit großen Buchstaben hervorgehoben, als sollte es in die Augen fallen, dass dieser Fürst in einem innigen Verhältnis zu den Juden stand, gewissermaßen zur Synagoge gehörte. Zuletzt ist der Wunsch ausgesprochen, Samuel möge die Wiederherstellung des Tempels erleben und darin mit seinen Söhnen als Leiter fungiren. Welchen Eindruck musste dieser Wunsch aus den König und dcffeu Umgebung gemacht haben! Vielleicht mag dieser Umstand auch später zum Sturze des mächtigen jüdischen Ministers, der auf der Folterbank sein Leben anshanchte, beigetragen haben. Der Bau dieser prachtvollen und großen Synagoge war im Jahre 1357 vollendet. Somit endigen wir die zweite Artikel- Serie dieser unserer Mittheilungen. Rabbiner Wollner. (Fortsetzung folgt.) Reisebrief v. I. T-, Stuttgart. Dank den hiesiger! Verhältnis;!:!!, wo׳ man den Cantor leichter entbehren kann, als den Lehrer, konnte ich um die Chanukazeit herum eine schon lang beabsichtigte Reise antreten. Das Ziel meiner Reise war Budapest, um meine Anverwandten dort zu besuchen. Sters aber bestrebt, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, machte ich in Wien aus einige Tage — einen Sabbath selbstverständlich inbegriffen — Halt. Mit gespannten Erwartungen ging ich in die Seitenstetten-Synagoge, um den Nachfolger Snlzer's zu hören. Meine Erwartungen wurden zwar nicht vollauf befriedigt, aber auch nicht enttäuscht: Herr Singer ist ein überaus tüchtiger und würdiger Nachfolge^Sulze?v7 Dass sein Chor so viel zu wünschen übrig lässt, sollen — wie ich später erfahren — Rücksichten für ältere Chorkräste die Schuld tragen. Hoffentlich gelingt es Herrn Singer, neue tüchtige Chorkräste, wie auch eine Orgel zu bekommen. Nur mit Hilfe einer Orgel wäre sein sehr löbliches Bestreben, den theilweisen (nur Responsen) einstimmigen Gemeindegesang einzusühren, von Erfolg. Ohne Orgelbegleitung aber könnte der einstimmige Gemeindegesang nur bei einem ganz unmusikalischen Publikum, dos in Wien nie eristiren kann, Gefallen sinden. Noch weniger sind die^Snlzer'schen/ und andere, ursprünglich für mehrstimmigen Chor geschriebVne^Gefängcl als einstimmiger Gemeindegesang ohne Orgelbegleitnnz anznhörcn. Viel Anerkennung verdient das Bestreben Singer'ö, auch praktisch die alten synagogalen Tonweisen in der modernen Synagoge wieder heimisch zu machen. Sehr dankbar muß ich noch seine Freundlichkeit im Umgang und seine bravourösen Gesangsleistungen in Händel'schen Arien und sonstiger classischer Musik hervorhebcn. Ueberhanpt gehört Herr Singer zu den wenigen Glücklichen, die auch.in ihrer Familie Freude und Stolz sinden können und beides sinden. In der Leopoldstädter Synagoge musste ich alle meine Beharrlichkeit zusammen halten, um dem Gottesdienste anzuwohnen. Wer weiß, welch' verdächtige Person der dortige Schames in mir entdeckt haben mag, oder wollte er dem in seiner Predigt bekundeten Wohlgefallen des Herrn Dr. Güdemann über die gefüllte Synagoge seine Demonstration entgegensetzenmir blieb nichts übrig, als mich förmlich an die Wand zu drücken. Die mustcrgiltige Ruhe und Ordnung, welche in den meisten Synagogen Deutschlands — ohne Dr. Caro'sche Mittel — mittelst weniger, an geeigneten Orten angebrachten Affichen erzielt wird, kann in Oesterreich-Ungarn durch ein ganzes Heer von Orduungs-Commissären (wahrscheinlich gerade wegen derselben) nicht erzielt werden. Mit mehr Ruhe konnte ich erst bei Mussaf Goldstein's herrlicher Stimme, besonders der von ihm entzückend schön gesungenen Keduscha (gewiss eigener Composition?) lauschen. Das enschädigte mich für alle erlittene Unbill. Infolge meiner sehr karg bemessenen Zeit konnte ich mit den anderen Herren College» in Wien fast gar keinen persönlichen Verkehr psicgen, insbesondere that cs mir leid, den nicht nur in Wien, sondern auch auswärts von competenten Fachleuten gerühmten und vollauf gewürdigten Obercanior Bauer und seinen nach sephardischem Ritus abgehaltenen Gottesdienst nicht hören zu können. Ich hatte nur noch das Vergnügen, die liebenswürdigen Herren Fischer und Schiller — beide als sehr achtenswerthe und würdige College» bereits bekannt — kennen zu lernen. Mit noch größeren Erwartungen, als in Wien zu Singer, ging ich in Pest, Bachmann zu hören. War es bei Ersterem die Nachfolgerschaf^Snlzer^ welche mich zu den höchsten Ansprüchen berechtigte, so waren es bei Letzterem wieder die seit seiner Anstellung in Pest und schon früher in verschiedenen Zeitungen über ihn veröffentlichten Verhimmelungen, welche meine Neugierde zu sehr reizten. Meine Neugierde wurde bald gestillt, meine Erwartungen aber enttäuscht. Wie seiner Zeit über Raphael Moor, Müsste ich nun über Bachmann nrtheilen: Herr Bachmann verfügt über eine selten schöne, umfangreiche Tenorstimme, brillante Gesangstechnik, genügendes musikalisches und fachliches Wissen; er könnte einer der besten Cantvren, einer der besten polnischen Chasanim, oder auch ein guter Bühnensäuger sein; aber er ist weder Cantor, noch Chasan, noch Bühnensänger. Was ist er denn? Obercantor der Nombach-Synagoge. Bei beiden. Herren, Moor und Bachmann, lässt sich der Satz ans Secharja anwenden :;,L0 \vechajil welo wechoach ki im beruach“. Beiden fehlt die Geschmacksreise. So kommt es, dass man trotz der seltenen Vorzüge ihrer Begabung sich an ihren Vorträgen nicht erbauen;יש4*׳‘