Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1887)
- Date
- 1887-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/1304829-3453087-3453091--2006-3456208- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Oesterreichisch-ungarische ZeiluD Pränumcrrilions-Prkik Kür Aereinsmitgttrder: Ganzjährig - - . fl. S.— Halbjährig. - - - fl- 2.5V Vierteljährig - - fl. 1-25 Monatlick ... st. —•45 Kür ISichlmitgrieder: Banzjährrg ... fl. e.— Halbjährig . . . st. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Monatlich . . .fl. —.50 Kür das Knskaud: I Ganzjährig ... fl. 12 Mark oder 6 Rubel. I__ '-* Organ fiir die GeZammt-IlitmLZen Mscher Lmitueen. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: L?bereanror 1:^x7. J||edaeito1 A-miniftratiarr IU i e n, II., Novaragasse 27. 3>»fcrate werden billigst berechnet. Manuscrivle werden nicht > reron'.nirl. Nr. 4 Wien, 1. Februar 1887. 7. Jahrgang. Fragmente. Aus dem alten jüdischen Leben im Familienkreise, im Gotteshause, im gemeinschaftlichen Verkehre. (Zweite Artikel-Serie.) ISerrihmte Synagogen. Die Kunst in ihrer vielfachen Gestaltung wurde schon bei den alten Hebräern mannigfach gefördert. Geht doch die Anssordernug dazu von der Bibel aus, ein indirectes Gebot, daS Gott an das Menschengeschlecht ergehen ließ. Die Bibel verkündet die Beherrschung der Natur durch den Menschen als eine von Gott dem Erdensohne gestellte Aufgabe und bezeichnet die Verschönerung, Veredelung und Vollendung deren Erzeugniße für die Erfüllung derselben (1. M. 1; 28; Ps. 8, 7). So begleitet sie den Menschen aufallen Bahnen seiner Entwickelung und verzeichnet freudig jeden Fortschritt in Cultur und Kunst. Wir gehen von dieser Geschichte des Menschen im Allgemeinen zu der des Israeliten besonders über und sprechen hier nur Einiges über die Baukunst. Das zweite Buch Moses enthält die Capitel über die Anfertigung des Zelthciligthums, wo Sie Denkmäler der bildenden Kunst aus der Jugendzeit des israelitischen Volkslebens ausgezeichnet sind. Die Baukunst nahm unstreitig die Hauptftelle der Künste bei den Israeliten ein und behauptete, nach dem Urtheile der Fachmänner, einen bedeutenden Rang unter den Künsten der anderen Völker deS Alterthums. Aber sie war nicht bald in ihrer Vollendung das, sondern entwickelte sich allmälig. Nach der Eroberung Palästinas wissen wir wenig von bedeutenden Bauten. Erst die Davidische und Salomonische Zeit glänzt in denselben. David liest einen Palast für sich auf dem Berg Zion erbauen, den Ausbau und die Befestigung Zions, der Davidstadt, besorgen (2. Sam., 5, 9.). Salomon übertraf darin seinen׳ Vater. Die Befestigung und Verschönerung Jerusalems, sowie Bauten für ein gemächliches Hofleben waren sein Hauptaugenmerk. Unter diesen ragt besonders der Tempel zu Jerusalem hervor, ein großartiges Kunstwerk, noch in seinem Abrisse imponirend. Von den anderen Bauten nennen wir die Erweiterung und Befestigung der Stadtmauer und des Kastells Milo (l. Kön. 3, 1) nebst anderen Schlössern und Lusthäusern auf dem Libanon; ferner die großartigen Aquäducte, welche die Stadt mit Trink- Wasser aus der Gegend von Etham, südlich von Bettehem, versorgten. Aus späterer Zeit werden Paläste der Könige von Juda und Israel erwähnt, besonders die von Jojakim, die Jeremia zu 'vr^n^ngen''veranläfSken'(Jer?22," 13—15)die^Verfchiedenen Bauten des Herodes, die er im griechischen Style aufführen liest. Es erhoben sich Gymnasien, Schlöffer, Paläste, Bäder, Säulen- Hallen, Theater, Festungswerke nach griechischem Muster in Jerusalem und in anderen Städten Palästinas. Nach dem Untergänge des jüdischen Reiches, als Israel nach allen Richtungen der Windrose zerstreut wurde, erlahmte auch der Kunstsinn. Hatte doch Israel keine Scholle, die es sein Eigenthum nennen konnte, wo sollte es Kunstbauten ausführen? Eine zeitweilige Betstube musste genügen. Erst in neuerer Zeit, wo die Ideen der Civilisation über den Barbarismus den Sieg davon trugen, als gleiche bürgerliche Rechte auch den Inden zu Theil wurden, da zog die Kunst auf allen Gebieten der Wissenschaft in die Reihen Israels wieder ein, und die Baukunst behauptete ihr altes Recht. Heute gibt eS viele jüdische Künstler, berühmte, kunstsinnige Architekten, welche wieder Prachttempel in jüdischen Gemeinden ausführeu. Aber selbst im finsteren Mittelalter schlummerte nur der Sinn für Kunst in Israel und erwachte gleich, sobald nur ein günstiger Moment wie ein Blitzstrahl das tiefe Dunkel deS Daseins erleuchtete. Aus dieser Zeit wollen wir einige berühmte Synagogen hervorheben, Meisterwerke ans dem Gebiete der Baukunst. Die a l e x a n d r i n i s ch e Synagoge. Ein Meisterwerk der egyptisch-griechischen Baukunst. Wir lesen darüber im Talmud (Snkka 51. b):מי שלא ראו דיו פלוסטין של אלכסנדריא לא ראה בכבודן של ישראל. ,Wer das Wunderwerk (der jüdischen Synagoge) in Alexandrien nicht gesehen hat, kannte die Herrlichkeit Israels nicht.' Die Schilderung daselbst lautet: Die Synagoge in Alexandrien war wie eine Basilika gebaut, mit ringsumher kaufenden Säulengängen. Siebenzig goldene Sessel waren darin für die Aeltesten ausgestellt, ein XXII.