Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 3 (24.1.1887)
- Date
- 1887-01-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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dieses Salons gehörten, heben 'wir als Beispiele hervor: Baron .Hofmann, Nordpolfahrer Payer, Dr. Joseph llnger, Anton 3!ubinstein, Franz Liszt, Carl Goldmcnk, Ed. Dauernfeld, La Roche, Anton Ascher, Adolph Wilbrandt, Angel!, Makart, Canon, die Compositeure Dessauer und Van Hoven (Vesqne von Püttlingen) — eS gäbe eine schier unendliche Liste, wollte mau all' die hervorragenden Persönlichkeiten nennen, die sich bei Baron Todesco so gut wie heimisch gefühlt. In weitgreifender, still geübter Wohltbätigkeit standen Baron und Ba-onin Todesco einander mit gleicher Freude an der Gutthat zur Seite. Die Oeffentlichkeit bat nie erfahren, welch' ungewöhnlich große Summen auS dem Palais Todesco in die Hütten der Armuth geflossen sind. Den größten Schmerz seines Lebens erfuhr das Ehepaar Todesco, als es seinen hoffnungsvollen Sohn Hermann, einen 28jä!׳rigen begabten Mann, vor etwa 10 Jahren durck einen Unglücksfall verlor. Baron Hermann Todesco fuhr in einem Viererzug, den er selbst lenkte, zur Südbahn; nächst dem Südbahn-Viaduct scheuten die vorder» Pferde des Gespannes, die rückwärtigen verwickelten sich in die Wagenstränge, und der Wagen wurde in rasendem Galopp dahingeschleift. Baron Hermann wurde vom Kutschbocke geschleudert und erhielt eine klaffende Schädelwnnde; man trug ihn bewusstlos Vom Platze. Die hervorragendsten Aerzte der Residenz bemühten sich, das junge Leben zu retten. Mau brachte den schwer Verwundeten, dessen geschwächte Constitution eine lange Eisenbahnfahrt nicht zu ertragen vermochte, in einem Fiaker von Wien — nach Italien; ein Arzt und ein Diener befanden sich in seiner Begleitung in dem Wagen. Diese Reise hatte nicht den gewünschten Erfolg; Baron Todesco jun. erholte sich zwar, aber ein schweres Kopfleiden war die Folge seines Unglücksfalles, und kurze Zeit, nach« dem er aus Italien wieder nach Wien, in das elterliche Hans, zurückgebracht war, starb er. — Die älteste der drei Töchter des Enron Todesco ist an den Baron Harry Worms in London vermält, doch von ihm seit vorigem Jahre geschieden: eine zweite Tochter ist an den Baron Ludwig Oppenheimer verheiratet, die dritte an den Wiener Bankier Richard Lieben. Baron Todesco stand im 73. Lebensjahre. Im Jahre 1869 war er vom Kaiser in den Freiherrnstand erhoben worden, nachdem er schon längere Zeit vorher mit dem Orden der Eisernen Krone dritter Classe ausgezeichnet und in Folge dessen in den Nitterstand erhoben wurde. Bekannt ist die großartige Stiftung, welche Baron Todesco, vom Geiste echter Humaniät beseelt, schon im Jahre 1854 machte. Er übergab damals dem Minister des Innern 100.000 fl. StaatSschnldverschreibungen mit der Bestimmung, dass hievon 60.000 fl. dem vom Erzherzog Albrecht gestiftete» Vorschußfonds für unbemittUte Officiere und 40.000 fl. der Speise-Anstalt für arme israelitische Studenten in Wien zngeführt werden. Eine andere große Stiftung errichtete er im Jahre 1877, indem er 50.000 fl. zu dem Zwecke der Unterstützung Armer und des Badener TodeSco׳ HospitaleS bestimmte. Die allgemeine Achtung und die außerordentlichen Sympathien, deren sich der Verblichene in allen Gesellschaftsclaflen erfreute, mani-- festirre sich am deutlichsten bei der am 19. d. M. Vormittags vom Tranerhauje aus stattgefundenen Leichenfeier. Der große Saal, in welchem die Leiche des Verblichenen anfgebahrt war, sowie die anstoßenden Räume waren bereits eine halbe Stunde vor Beginn der auf 10 Uhr Vormittags anberaumten Trauerfeier überfüllt. Unter den Leidtragenden bemerkte man den Sectionschef Baron Kubin, die Herrenhaus-Mitglieder Ignaz Edler v. Plener, Ritter v. Arneth, Nieolans Dnmba, Johann Gögl und Baron Königswarter, Feldzeugmeister Freiherrn v. Tiller, die Reichsraths-Abgcordneten Hofrath Baron Sochor und Doctor Jacques, Hofrath Ritter v. Weilen, Obcrbaurath Freiherr v. Hansen, RegiernngSrath Angelo Ritter v. Kuh, General-Jnspector Jeßler, Hofrath Baron Eichler, Baurath Stiaßny, RegiernngSrath Ritter v. Hahn, den Prior der Barmherzigen Brüder, Pater Czerny, mit einer Deputation dieses Ordens-Convents, die BanquierS Baron Schnapper, Baron Gustav und Alfred Springer und Stephan Schey. Ritter Wilhelm und David Gnttmann, Julius Ritter v. Goldschmidt. Ritter v. Pfeifer, dis Schriftsteller Mautner und Dr. L. A. Ritter v. Frankl^Prof^Sulzer^ den Gesammtvorstand der Israel. Cultnsgemeinde m Wcen,זס־ י£ Vorstandsmitglieder der Cultnsgemeinde in Preßburg, die Herrei» Joseph Fischer und Max Bnnzel, Dr. Kassowitz in Vertretung der j Hermann Todesco'schen Stiftungen in Preßburg, zahlreiche Mitglieder Tempelbesucher dieselbe mit der Stimme der Hofopernsängerin Ehnn verglich, als er das bekannte rachum w’chanun von ihm hörte. — Nach einem Zeiträume von 11 Jahren habe ich nun meinen ,Freund Liban diesmal in Prag ausgesucht. Da ich während der ganzen Zeit schon manch' Rühmliches von ihm fco:te, war ich um so neugieriger, ihn singen zu hören. Ich ließ mir in der Theaterkanzlei die Adresse seiner Hotelwohnung angeben, ging in dieselbe am Tage der Vorstellung und fand ihn, es war ungefähr 11 Uhr Vormittag, noch im Bette liegen. Mir war ganz eigenrhümlich zu Muthe, als ich ihn da liegen sab, »den berühmten Zwerg-Mimen'. Um nicht zu stören, wollte ich aus dem Zimmer treten, da kam bas Stubenmädchen, weckte ihn auf und meldete ihm: ,Ein Herr wünscht vorzusprechen.' ,Wer ist das?' rief er sich die Augen reibend. .Kennen sie mich nicht, Liban?' Ec schaute auf und rief: ,Das ist ja mein guter alter Freund!' umarmte und küsste mich. Wir haben uns nun gegenseitig unsere Leiden und Freuden erzählt, und ich bemerkte, wie schnell das doch mit seiner Carriöre gegangen sei. ,Ja, lieber Singer,' antwortete er, .wem das auf den heißen Brettern nicht schnell gelingen soll, der thut gut, allsogleich von diesen wegzugehen; doch ich freue mich auch Sie als so gut situirten Mann gefunden.zu haben.' ,Ich bin zufrieden mit meiner Stellung,' antwortete ich, ,und fühle mich .glücklich in meinem Berufe.' Er sprang aus dem Bette, machte rasch Toilette und probirte seine Stimme. Ich hatte hiebei Gelegenheit, seine prachtvollen Stimmmittel, zu bewundern. Indes kam der Capellmeister mit der Partitur, und es wurde wegen der Srriche verhandelt. Ich verabschiedete mich von ihm auf Wieder» sehen Abends bei der Vorstellung. Das deutsche LandeStheater war von einem glänzenden Publikum dicht gefüllt. Kopf an Kopf stand dis Menge. Der Vorhang geht in die Höhe, und Mime schmiedet in tiefdunkler Höhle sein Schwert. Er sang anfangs mit wenig Stimme, jedoch jede Silbe war im entferntesten Räume zu verstehen. Nach und nach schwang er sich, unterstützt von einem großartigen Spiel, zur Höhe der Situation empor, die Stimme nahm an gewaltiger Kraft immer zu, bis er zum Schlusssatz: ,Sigfried, erhalte mir mein Leben,' eine erschütternde Wirkung erzielte. Ein zwölfmaliger Hervorruf lohnte diese Leistung. Alle Blätter waren darin einig, dass man einen Künstler ersten NaugeS vor sich habe. Sagte doch Richard Wagner selbst zu ihm: .Sie sind ein wahrer: Teufel, Sie übertreffen ja meine Phantasie,' und Paul Lindau schreibt sehr richtig über ihn: .Dem Mimen sticht die Nachwelt keine Kränze, doch thul's der Nedacteur der ,Gegenwart'.' — Dies in kurzen Umrissen der Lebenslauf eines Künstlers! Benedict Singer, Obercantor in Jungbunzkau.