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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-01-24 · Heft 3 (24.1.1887) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 3 (24.1.1887)
Date
1887-01-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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־5- — neugeborener Kinder vorzugehen sei, an das Matrikenamt der hiesigen israelitischen Cultuszcmeindc ergehen lassen. Zch könnte dieser Verfügung nur dann unbehindert entsprechen, wenn auch die Familienväter in die Kenntnis kämen, waS von ihnen diesfalls verlangt wird, und dieselben veranlasst Wurden, diesem auch nachzukommen. Diesen Zweck glaube ich im Wege der öffentlichen Publi« <aiion zu erreichen und stelle demnach höflichft die Bitte, es möge der löblichen Nedaction in Berücksichtigung des öffentlichen Interesses genehm sein, nachstehende Notiz in ihr geschätztes Blatt auszunchmcn. Fn Vorhinein meinen besten Dank aussprechend, zeichne ich Mit der Geburtsanzeige ist zugleich der Trauungsschein der Eltern des Kindes vorzulegen, weil sonst die eheliche Abkunst des Kindes nicht erwiesen wäre. Wien, 31. Dccember 1886. Die Seelsorge d er israel i t isch e n C u ltus g e m eind e: Dr. Jellinek. Baron Eduard Todrsro. hochachtungsvoll Wien, 7. Zänner 1887. Dr. Jellinek. Israelitische Alatrikenführung in Vien. Das Matrikenamt der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde ist von der politischen Behörde Angewiesen worden, dafür zu sorgen, dass behufs Jmmatrikulirung neugeborener Kinder stets der Vater dcS Kindes persönlich mit zwei Jdentitätszeugen im Matrikenamte erscheine, widrigens die Jmmatrikulirung nicht stattfinden dürfe. Bei der Wichtigkeit dreier Matrikenamts-Angelegenheit und im Interesse der Familienväter, denen durch die Nichtimmatrikulirnng ihrer Kinder große Unannehmlichkeiten erwachsen würden, wollen wir hieraus nachdrücklichst aufmerksam machen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Geburtsanzeigen sind, nnbeschadet des Erscheinens der Väter und ihrer Jdentitätszeugen im Matrikenamte, durch die Hebammen spätestens zehn Tage nach der Geburt tes Kindes im Matrikenamte zu erstatten. Verspätete Geburtsanzeigen können daselbst ohne Bewilligung der politischen Behörden nicht angenommen und muß eine nachträgliche Im« matrikulation bei der Landesbehörde <k. k. Statthalterei) mittelst gestempelten Gesuches erwirkt werden. Montag den 17. Jänner ist Eduard Freiherr v. Todeseo nach langem Siechthum gestorben. Diese Trauernachricht erregte in der Residenz allgemeine Theilnahme. Auch der öfterr.-nugar. Cantorenverein, dessen Pensienssond von dem Verblichenen vor drei Jahren mit einer größeren Summe bedacht wurde, hat den Hingang eines seiner hervorragendsten Gönner zu beklagen. Baron Todesco war seit ge׳ raumer Zeit au beiden Füßen gelähmt, und schon im vergangenen Sommer trat eine so bedenkliche Verschlimmerung seines Zustandes ein, dass die Aerzte den Patienten aufgaben, indeß sein kräftiges Naturell überwand die damalige Krise. In den letzten Tagen trat in Todesco's Zustand neuerlich eine böse Wendung ein, und seit Samstag war jede Hoffnung, das Leben deS Patienten zu verlängern, ausgeschlossen. Eduard Freiherr v. Todesco hatte als Chef des Bankhauses Hermann Todesco eine hervorragende Stellung in der Finanzwelt, und sein Haus rangirte unter die ersten Bankhäuser der Monarchie. Social spielte Baron Eduard Todesco, namentlich durch seine geistreiche und kunstsinnige Gattin, Baronin Sophie, eine hervorragende Rolle. Im älteren wie im werdenden Wien bildete der Salon Todesco einen Mittelpunkt des geistig bewegten Salonlebens. Diplomalen, Künstler, Schriststeller, Maler, Bildhauer und Musiker verkehrten in dem gastlichen Hause, in dem kein Hauch von Protzenthum wahrzunehmen war und der Neichthu>n nur dazu diente, den willkommencn Gästen jede Aufmerksamkeit und jeden Comsort zu ver׳ schaffen. Aus dem großen Kreise Derer, die zu den Stammgästen Der Sohn des Cantors. Im Prager deutschen Landestheater gastirte Sonntag den Ä. d. M. im ,Siegfried* Herr Julius L i b a n vom Hofthcater in Berlin als Mime. Wer ist Herr Liban? fragte man sich gegenseitig. Herr Liban hatte seinen alten Vater mitgebracht, er hatte einen Galeriefitz inne. Dort sah man vor Beginn der Vorstellung einige Journalisten den Vater befragend und eifrig Notizen schreibend. Es war im Herbst des Jahres 1875, als im Wiener Stadttheater Directvr Heinrich Laube mit Hilfe des akademischen Gesangvereines mehrere Vorstellungen der ,Antigone״ mit MendelSsohn'scher Musik zur Ausführung brachte. Durch Empfehlung meines seligen Bruders, der Mitglied dieses Vereines war, ist es mir gelungen, an diesen Vorstellungen ebenfalls als singender Grieche Iheilznnehmcn, denn ich hatte Lust an dem Theaterlcben, und welchen jungen Mann überkömmt nicht einrnal im Leben die Lust, zum Theater zu gehen? Als ich die erste Probe besuchte, die unter dem Capellmeister Gothov-Grünncke stattfand, saß ueben mir ein junger Mann mit einer auffallend starken Stimme. Der junge Mann war sich auch dieser feiner sonoren Stimme vollkommen bewussr und trachtete so viel als möglich, in die Nähe des Capellmeifters zu kommen, der auch gleich den Mitsängern von dieser merkwürdigen Stimme gebannt wurde. Dieses junge Phänomen war Julius Liban, damals kaum 19 Jahre alt. Zu seinem Glücke wurde der Inhaber der Chorführer-Nolle, Herr Dr. Emil Kraus, nach Graz zu einem Gastspiel berufen. Obwohl Herr Gothov-Grünneke dem jungen Liban nicht ganz hold war, stimmten doch fast alle Studenten dafür, dass derselbe die Nolle des Chorführers übernähme. Zitternd übernahm er an jenem Abend den für ihn kürzer gcmachten Stab des Chorführers, sang seinen Part, so gut ec cben konnte, wenn auch mit wenig geschulter Stimme, aber mnsikalisches Gefühl und Talent verrathend, so dass auch am kommenden Tage die Blätter eine günstige Kritik über seine Leistung brachten. Von diesem Abende blieb er der stete Liebling der Äkademiker und wirkte noch oft in Vorstellungen und Concerlen mit. Nachdem er ein Jahr die Schule des Professors Dr. Gänsbacher im Conservatorium durchgemacht, kam er nach Leipzig zur Oper, und von da nach Berlin, wo er heute der Liebling des Publikums ist. Ein Lundcnburger von Geburt, hat er in Eibenschütz, wa sein Vater Cantor war, den ersten Violinunterricht genossen und mit 7 Jahren dem Vater beim Gottesdienst zu Hilfe. Nachdem letzterer nach Wien versetzt wurde, fand sein Knabe Julius im Tempelchore der inneren Stadt unter Sulzer's Leitung Ver- Wendung. Die Stimme des Knaben war so schön, dass ein

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