Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 2 (16.1.1887)
- Date
- 1887-01-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-und Friedhöfe anzulegen. Die Negierung garantirt auf Grund -D'er bestehenden Verfassung de»! Widerruf des Edicts von 1492 :(Ausweisung der Juden) und ladet Inden ein, nach Spanien zu kommen, mit der Zusicherung, dort gut ausgenommen und von der Negierung, als der Trägerin der öffentlichen Meinung und der autoritären Vertreterin des spanischen Volkes, mit Wohlwollen und Sympathie beschützt zu werden, »vie der Conseils- -Präsident Sagasta in einen» officrellen Schreiben Herrn Guedalla in London verkündet hat. Auch unser Clerns ist der Bewegung zur Rückkehr der Juden nach Spanien freundlich gesinnt, und die gleiche Stimmung herrscht i»n Vatican vor, »vie von officiöser Seite verlautet. Als -Beweis diene Ihnen folgende Thatsache: Herr Moritz Haulkal, israelitischer Confesfion, ist soeben in Cartagena mit einer spanischen Katholikin, Mdlle. Amalie Giro»! vermittels eines ohne Schivierigkeit von» heiligen Stuhle erlangten Dispenses kirchlich (?) getraut »vordeu, ohne der /Religion seiner Väter untreu »verden zu müssen. Die intransigente, katholische Presse hat keinen Einfluss auf die öffentliche Meinung; die letzten Sitzungen des Senates Haben bewiesen, dass seine bedeutendsten Mitglieder, soivie die -hervorragendsten Politiker Spaniens Freimaurer sind, wiewohl vom Standpunkte des ,strengen Katholicilmus der Jude dem Freinraurer rvrzuziehen ist. Auster den Garantien der spanischen Verfassung, für deren unparteiische Ausführung der Minister Sagasta sich verbürgt, hat sich ein Comi!6 gebildet mit der Aufgabe, die eilnvandernden Juden gegen jede Verletzung in Schutz zu nehmen und ihnen -in allen Fällen unentgeltlichen Nechtsbcistand zu leisten, ihre Sache jederzeit vor den Gerichten und vor der Oeffentlichkeit .zu führen. Vergleichen Sie damit die Lage der Inden in Rumänien und Rußland und berücksichtigen Sie das Geschick Ihrer Glaubensgenossen, »velche bis nun in Spanien »veilen, so »verden Sie zugeben, dass die israelitischen Eiuivanderer einen guten Tausch machen würden, sobald sie sich bei uns niederlassen. Einige .gesetzliche Reformen zur gänzlichen Gleichstellung aller Bekenntniste wären allerdings noch nothivendig, »vir müssen aber vorerst an -der Erziehung des niederen Volkes arbeiten, »velches keine Ahnung von dem wahren Charakter des jüdischen VolkSgeistes ׳besitz*. Das bildet einen Theil der Aufgabe des ,spanischen Central-ComitösV Ich zähle folgende Herren als Mitglieder des Co»nit6S: Don Juan Unna, ehemaliger Deputirter, General-Directoc des Unterrichts und Civil-Gouverneur a. D., Don Juan Nospide, Staats-Jnspector des Handels, Provinz-Gouverneur a. D., chemraliger Deputirter. Herr I. Jonas, Bauquier (Israelit), Don S. Perdigtiero, Actionär der Bank von Spanien, Mitglied der Madrider Handelskammer, Don N. Beltran, Mitglied der Geographischen Gesellschaft und Advocat, Don G. Neparaz, Mitglied der Geographischen Gesellschaft, Don I. Valero, Schrift- -steller und Professor; außerden» die Herren Bentfeldt und Trouillard, die schon längere Zeit für die Sache thätig sind und /viele »»»einer College»» im Senat und in der Deputirtenkammer. Von Nußland^babe ich eine Menge Briefe erhalte»». Bereits »vollen mehr als 100 jüdische Familien von dort nach Spanien einwandern. Von Bukarest will ein 23jähr:ger junger Mann aus .guter Familie und von hoher Intelligenz hierher kommen, u»n än die spanische Kriegsschule einzutreten; ich habe Schritts zu leine»» Gunsten gethan und bin der Hoffnung, dass dieser junge Mann seinen Wunsch erfüllt sehen »vird. A»»s Deutschland haben -sich einige Angestellte in Handlungshäusern gemeldet. Der Consilinl Sanhendrinnli in Bukarest hat »»»ehrers eingehende Frage» an mich gerichtet, »velche berveisen, dass er an unserer gemeinsaineu Arbeit theilzunehrnen gedenkt. Ueber alle »veiteren Schritte »verde ich Sie i»»formiren. Vererllsm»chrichte1». An die Mitglieder des österreichisch-ungarische»r Cantoren-^ereines. Unser Vereinsgenosse, Cantor L. Weist in Simont o r n y a ist in Folge eines ac»»ten Leidens berufsunfähig ge- »vordeu. Die geehrten Herren Vereinsmitglieder »verden daher i«H Sinne des Vorstandsbeschlusses von» 5. Jänner 1887 drmgend ersucht, den für diesen Fall in § 9 unserer Statuten normirte» Pflichtbeitrag »»»»»gehend an den Vereinscassier einzusendeu. Die Veröffentlichung der Beiträge und etwaiger Spenden erfolgt i» d.r Cantoren-Zeitnng. Der Morstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines. Grnnd>u»gsuni» Vereinsdeiträge. L. Friedländer, Silhos BolbaS, vierteljährigen Beitrag. I. Bauer, Wien, dreivierteljährigen Beitrag. S. Hirsch, Wie»׳, vicrteljährigen Beitrag. I. Singer, Wien, halbjährigen Beitrag. M. Schlesinger, Wien, halbjährigen Beitrag. A. Lederer, Eger, halbjährigen Beitrag. W. Stein, Postelberg, halbjährigen Beitrag. A. Schrecke»׳, Pieslina, halbjährigen Beitrag. A. Singer, Neubidschoiv, halbjährigen Beitrag. I. L. Schlesinger, Esseg, halbjährigen Beitrag. I. Blau, Esseg, halbjähxigen Beitrag. G. Lölventhal, Wölkersdorf, vierteljährigen Beitrag. A. Hahn, Tesche»», halbjährigen Beitrag. I. Klein, Bndiveis, ganzjährigen Beitrag. G. Nosenfeld, Ungereigen, halbjährigen Beitrag. Berichtigung: In voriger N»»n»»»»er »var irrthnmMH bei Herrn Cantor L. Bl»»»»» in Schlan ein halbjähriger Beitrag statt eines vierteljährigen a»»sge,viesen. A. F »scher, Casfier, Klknik Chr»n»ik London (Orig.-Corresp.). In einer seiner Feiertagspredigte» der verflossenen Weihnachten berührte der Bischof von Manchester die Jndenfrage. Selten sind wohl solche Worte von gleicher Stelle ausgesprochen worden, und sie »viegen doppelt so schwer, da sie aus de»» Munde eines Oberhirten der christlichen Kirche erkiinge». Es strömt ans ihnen die reinste und lauterste Humanität, und daru»» wolle»» wir es nicht »»nterlassen, dieselben in» Nachfolgenden wiedsrzugebeu. Der Bischof sagte: .Ich liebe die Inden. Hätte ich die Wahl »»»einer Abstannnuug gehabt, ich winde ge»vü»»scht haben, als Jude geboren zn sein; denn ich hätte es als eine hohe Ehre betrachtet, dein Blnte der Abraham, Isaak und Jacob, Petrus und Paulus und vor allen» des Einen, der großer war als irgend Einer, anzuhören. Auch Walter Scott mußte so gedacht haben, sonst würde er in den Mund der Rebekka nicht jene bekannte, herrliche Rede aw de» Tempelritter gelegt haben. Die Behandlung der Juden war eine unmenschliche. Sie »vurden gepeinigt, gegeißelt, ihrer Habe beraubt und geiödtet; bald »vnrden si.׳ dahin, bald dorthin gezerrt und»