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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-01-16 · Heft 2 (16.1.1887) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 2 (16.1.1887)
Date
1887-01-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Weich darauf wird aber crzäblt, dass Zlabbab, bevor er noch Lei- Morgcs einen Zmbis genommen, sein Kind eilends brachte לבית מדרשא, in's Betbaus. Es scheint also, dass כנישתא auch LHrhauS bedeut t. Auch Gemeinde-Angelegenheiten wurden in der Synagoge besprochen, wie aus den Talmud (Llsgila 28) ersichtlich «st. Nun glauben wir aber auch den Schlüssel gefunden zu haben, Ler «ns über die -sonderbare Verwendung der alten Synagoge Äuffchluss gibt. An derselben Talmudstelle in Megila lehrt MM!21בתי'כנסיות שבבבל על תנאי הן עשויץ:1[ן, die Synagogen an Babylon wurden bedingungsweise errichtet; dazu erklärt Naschi: על מנת ששתמשו בהן, mit der Bedingung, dass man sie auch zu anderen Verrichtungen gebrauchen kann; somit ßind alle Näthsel gelöst und alle Widersprüche zurecht gelegt. M. auch das. Tosfos, Schlagwort בתי.) Als Beamten der Synagogen werden genannt: Der Vorsteher, ראש הכנסת (M. Joma 7.), welcher das ganze Synagogenwesen leitete. Die Stellvertreter, Beisitzer (שבעה טובי העיר) lieg. 26. נבעי צדקה, TempelVerwalter. Das waren Ehrenämter, «ndesoldete Beamten, über welche jeden Sabbat der Segen ausgesprochen wurde, wie es noch jetzt Usus ist. Ob der Rabbiner MK Gemeiudebcamter angestellt war, glauben wir kaum; die aMw Rabbiner haben unentgeltlich gelehrt und vom Handwerke gelebt. Ihr Grundsatz war: להברכה Dmp ולא Mache die IHora nicht zum Spaten, damit zu graben (Ab. 4, 5.). Besoldete Syuagogen-Functionäre, Domestiken und wie der verächtliche, mittelalterliche Namen lautete: משועבדים, Unterthänige, waren Her Dorbeter שלית צבור, der auch sonst als Secretär und Bote Verwendet wurde (R. Haschana 33, b). Ein anderer Fnnctionär wsr der הון הכנסת (durua 68, b.), ein Titel, der oft im Talmud VprkLMmt, über dessen eigenthümliches Amt aber ein Dunkel zchwLbt. Was bedeutet das Wort הון? und worin bestand dessen DuMion? Zn obiger Talmudstelle zu Juma übersetzt Naschi das Mort הון mit שמש, Synagogendiener, welcher die Bücher zum HMlelen darreichte, die Synagoge öffnete und schloß. Im Talmud MsLot 22, b.) finden wir den הון הכנסת als Executor, als Gerichtsdiencr, der die Geißelung (מלקות) vollzieht. Dort erklärt Mgschi selbst diese Amtsthätizkeit des Chasan als befremdend; .Loch.au der Seite kommt eine Anmerkung des Neschal vor, Nr pn von חווה ableitet, der alle Gemeittdc-Angelegenhciten hetDrgte, ein Alaun für Alles. Zm Talmud (Jeruschalmi 3. und 9. ksr.) finden wir den Chasan wieder als Vorbeter, daselbst Heißt cs: עומד ההון ומלחש בשפתיו קב׳ה מאוין לו, der Chasan Wht vor dem Betpulte andachtsvoll und Gott erhört ihn. Zm Gegensätze finden wir wieder im Talmud (B. Mezia 93, b) Dm חזן מתא als Nachtwächter. Wie kommt es nun, da's man M späterer Zeit den Sänger, ja den ausgezeichneten Säuger, Mäuror, mit dem Namen ,Cbasen* betitelte? Die berühmten Säuger, ^Cbasouim', waren früher .Wanderlänger', man dachte Ich Leu Chasen nur mit Lleseho! 6riw, eine Sängcrgescll'chast Ne herumirrle, jeden Sabbat in einer anderen jndlschen Synagoze sich produzirte. Man wuikte für diese künstlerische Säuger- HeMschaft keinen passenden hebräischen Ausdruck und nannte sie HtGtüuglich חברת זמירות נעימות• .Eine Gesellschaft lieblicher Gesäuge* und später abgekürzt mit den AnfangsbuckstTlben חזן. Muse Nachahmung von נעים זמירות'ישראל. »der liebliche Säuger HIchele-', wie David genannt wird (2. Sam. 23, 1). W.. (Fortsetzung folgt.) Berichtigung: In Nummer 42, Seite 2, Zeile 38, soll es nicht cheißm ״Israeliten", sondern ״Zsmacliren" (Araber). Unser Gottesdienst.*) Die unter diesem Titel von Herrn Dr. Caro-Pilsen att unserem^Gottesdienste geübte Kritik hat begreiflicherweise den Cantoren einen gelinden Schrecken eingejagt, obgleich ganz unbegründeter Weise; —die Vorschläge des Herrn Dr. Cwerden bei den Herren Rabbinern noch weniger Anklang finden, als bei den Cantoren. .Schuster, bleib bei Deinem Leisten!' — Der Chasan m u ß singen, der N a b b i n er m u ß predigen. Die Cantoren und Lehrer lieben es zwar, den Nabbinen durch Predigen und Vollziehung von Trauungen 2eiu's Handwerk zu pfuschen, aber das vivo v6r8a steht sehr ver^ eiuzelt da- — Was mich gegen den Artikel deS Herrn Dr. C. aufbringt, das ist — mein Realismus. Herr Dr. C. sagt sehr schön: ,Es nützt nichts, die Augen zu verschließen' — aber Herr Dr. C. streut uns selbst, natürlich unabsichtlich, Saud in die Augen. Oder ist es etwas anderes, als ,Sand in die Augen streuen/ wenn er sagt: ,Man schiebe nur ja nicht Mangel an Verständnis der Gebetsprache als Entschuldigungsgrund vor; der größte Theil der jetzigen und Heranwachsenden Generation in Deutschland und Oesterreich hat in den Neligionsschulen die Gebete übersetzen gelernt!* Und mit dem ״in der NeligionSschule Gebete-Uebersetzen- Lernen^ soll der Mangel an Verständuiß der Gebersprache bcseiligt sein? Das gedankenlose, mechanische Wort-für-Wort-Uebersetzen z. B. Adaun, Herr, aulom der Welt, a8eber welcher, moloch regierte 2c., das soll ein Verständnis bewirken, wodurch der Unterschied, ob die Gebetsprache, die seit frühester Kindheit aus geübte Muttersprache, oder die todte hebräische Sprache istaufgehoben wird? — In der NeligionSschule haben sie übersetzen gelernt — weiß denn Herr Dr. C. wirklich nicht, dass das Kind in so viel Monaten nach Austritt aus der Neligionsjchule dasdort gelernte Hebräisch vergisst, als er es in Zähren gelernt hat, und dass Ausnahmen von diesem Erfolg eben Ausnahmen sind? Oder hat Herr Dr. C. auch in der NeligionSschule so ״äußerordentlich günstige Erfolg/' erzielt, wie mit seinem Gottesdienste -ja dann, ist er eben aucy eine Ausnahme: — Chidusch hu, umechiddusch lau gomrinen! — Also die jetzige Generation hat die Gebete in der Neligionsschule übersetzen gelernt, — vielleicht liegt aber der Mangel an ,.packenden Momenten" in dem Inhalt dieser Gebete? Hat denn Herr Dr. C. noch nie etwas davon gehört, dass es Leute gibt, die sich nicht davon packen lassen können, wenn sie beten sollen: ,Unser Vater, Allbarmherziger, erbaue doch wieder Deinen Tempel! Und zum Lohne oder Danke dafür wollen wir Dir auch alle Opfer darbringen, wie vorgeschrieben, und Zngabeopser, kein einziges wollen׳ wir fehlen lassen: Am Sabbath 2 Lämmer, jedes ein Jahr all, zwei Zehntel vom feinsten Weizenmehl, mit Oel eingerührt, und auch das Wein-Gießopfer, und auch das Lamm des beständigen Opfers" und außerdem (z. B. am Laubhüttenfeste) wollen wir Dir darbriugen, ,,am ersten Tage 13 Stiere, 2 Widder und 14 Lämmer a 1 Jabr; am zweiten Tage 12 Stiere, 2 Widder und 14 Lämmer a 1 Zahr 2c.* — ja, Herr Dr. C., kennen Sie nicht den Eindruck, den diese Gebete ihres Inhaltes wegtn auf den gebildeten Synagozenbesucher machen muß, dass sie gar nicht daran denken, den Mangel der ״packenden Momente" in diesem Znhalte zu suchen? *) S. Nr. 48 der ״Magdeb. Wochenschrift". Hiemit wollen wir die letzte der Enunciationen, die durch den Artikel deS Herrn Dr. Caro hervorge׳ rufen wurden der Vollständigkeit halber unseren Lesern vorfnhren. Seine eigenen GezenLußerunzen werden wir in der nächstwöchentl'chen Nummer refumiren. Die Redaction.

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