Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 2 (16.1.1887)
- Date
- 1887-01-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichisch-ungarische Gantoren - Zeitung Pränumcratiüus-Pre Aür Aereinsmitgttcder: Ganzjährig - - - st. 5. Halbjährig - - - fl 2• Vierteljährig י - st- נ• Monatlich - - fl- —- Sür Zlichtmitgsieder: Ganzjährig ... st. 6. Halbjährig ... st. 3. Vierteljährig . st. 1. Monatlich . . . fl. — SLr das Ans ran» : Ganzjährig - - <• 12 Mark ־;״סס S Rubel.!!0.;;|צ2;41 50 1 50 I: J Organ die Grsammt-IllterrsZell jüdischer Cautoren. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrk.oö Marrev. ^Reilnciiati Ndnttisistration tt> 1 en, II., Novaragasse 27. Sufcralc werden billigst berechnet. Manuscriple werden nicht retournirt. Nr. 2 Wien, 16• Jänner 1887. 7. Jahrgang. Fragmkntk. Aus dem alten jüdischen Leben im Familienkreise, im Gotteshause, im gemeinschaftlichen Verkehre. XXI. Z>ie Kerwendnng der Synagoge und ihre Knnctionäre. Der Name Synagoge scheint heutzutage nicht mehr modera zu ieiu, die Pracht-Bethäuser, die in Stadt und Land ansgesührt werden, werden T e in p e l genannt, auch das gehört zum Fortschritte der Zeit,-inwelcher wir leben. In der Bestimmung und Verwendung sind sich jedoch beide, die alte Synagoge wie der neue Tcmpcl, gleich -geblieben. Schönere Bauart, äußerer und innerer Schmuck sind wohl verschieden, dazu mag auch die geregeltere Ordnung noch gerechnet werden, aber die Tendenz ist dieselbe. Und denrivch ist auch in der Verwendung zwischen dem Einst und Jetzt eine wesentliche Veränderung eingetreten. Wir meinen nicht, dass beispielsweise in der alten Synagoge am Purimfefte-gehämmert und geratscht wrrrde, wie in einem Polter- Hause, was heute nicht mehr der Fall ist; auch nicht, dcns am neunten Ah beim Trauergojtesd.ieuste um die Zerstörung des heiligen Tempels einerseits bittere Thränen vergossen wurden, anderseits wieder Blut geflossen durch den Anwurf stacheliger Aepfel, die mitunter Verwundungen herbeigeführt haben. Diese und dergleichen religiöse Unsnge unseligen Angedenkens wellen wir durchaus nicht in Betracht ziehen, sondern wesentliche Untecschiede in Betreff der Verwendung der alten Synagoge. Das Bet-Hakneset als Gemeindehaus war nicht bloß zur gemeinschaftlichcn Andachtsübnng bestimmt, es diente auch, zur Bsherbergung zugereister Gäste, als Elementarschule zum Unterrichte im mündlichen und schriftlichen Gesetze, zur Besprechung allgemeiner Gemeindeangelegenheiten; hingegen durste eine Trauung, i>ie doch gewiss ein heiliger, religiöser Act ist, in der alten Synagoge nicht stattfinden. So lesen wir im Talmud (Pesach. 101), das Kidusch-®e&et wird am Sabbat und Feiertagen darum in der Synagoge verrichtet ■לאפיקי אורחים ידי חובתן דאבלי ושתו וגנו בבי כנשתא, wegen der zugereisten Gäste, die i!1 der Sy nazöge essen, trinken und schlafen. Ist das nicht sonderbar? In denselben Räumen, an derselben Stätte, wo man Gott anbetete, und das Wort Gottes verkündete, aß und trank, schlief und wohnte man? Wäre das nicht eine Verletzung der Ebrfurcht vor -->GKtt-geivsse«-^3-׳'o8fot --zur Stelle -rügt wohl diesen Vorgangals einen Misbranch und führt dazu einen Gegensatz an ans dem Talmud (Megila 28), wo es heißt: בתי בנסיות אין אובליץ ואין שותין בהן. »In Synagogen darf man nicht essen und nicht trinken, überhaupt keine profane Handlung begehen״, und sucht diesen Widerspruch dadurch anszuzleichen, dass es die Stelle in Pesachim auf Nebengemache der Synagoge bezieht: חדרים שחיו ממונים לבית הכנסת קרי בי בנשתא, die anstoßenden Räume, die zur Synagoge gehörten, wurden auch Betllakaeset genannt. (S. auch Nagen Abraham 269, 2.) Wir zweifeln an der Nichtigkeit dieser Ansicht, da auch Samuel im Heiligthnme zu Schilo schlief,' wie es ausdrücklich heißt (1. 8am. 3, 3.): ושמואל שכב בהיכל ייי, .Samuel schlief in der Halle des Ewigen, wo die Bundeslade Gottes war." Freilich suchen auch da die Commcntare die Stelle auf ein Nebengemach zu beziehen, obwohl der Text sich förmlich dagegen sträubt. Auch in dem Brandhause des zweiten Tempels pflegten die Famitien-Aetteften zu schlafen, welche am kommenden Tags den Dienst im Heiligthnme hatten, wie die Mischnah (Tamid 1, 1.) ausdrücklich berichtet. Betten durften jedoch nicht dahin gebracht werden (06m. das. 26. b.). Dass man die Nacht des Verlöhnungstazes im Mittelalter in der Synagoge zubrachte, iü ans Seh. Aruch O. Chajim 619, & klar zu ersehen. Da übrigens im talmudischen Alterthume die Verehrung der Reisenden (הכנסת אורחים) als höchst Verdienstvoll gehalten wurde (8chcb. 35,'b.). so wird man es begreiflich finden, dass die Verwendung der Synagoge zur Zufluchtsstätte für Wanderer nicht als ProfanaLion erschien. Dass die ^Synagoge auch die Stelle einer Kinderschule vertrat, ist ersichtlich ans dem Talmud (Xidusch. 30.), wo es heißt: Rabbi Jvsua ben Lewi beeilte sich, ohne sich gehörig, anzukleiden, ,וקא ממטי ליה לינוקא לבי כנישתא, um sein Kinb zeitlich genug in die Synagoge zum Unterrichte zu bringen.*