Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1887)
- Date
- 1887-01-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Pmkubitz fein«! ständige« Wohnsitz hat und.seit Jahren Zitberstnnden Lei jenem Cantor nimmt, dem Erzherzog Eugen als Gesang-Repetitor «Mpfohlen. Der Erzherzog, der eine sehr schöne, äußerst synrparhische W-Moustimme hat, ließ Herrn Bader nun zu sich berufen, nur bei LLMsBbeu seine Gesangübungeu fortzusetzen. Sehr oft mußte auch der Dsntor die alten israelitischen Feiertagsgesänge vortragen, die das MufikListorische Interesse des Erzherzogs erregten. Bei gelegentlichen Gesprächen über die verschiedenen Confessioneu bekundete der Erz- Herzog stets die liberalsten Gesinnungen. Erzherzog Eugen war übri- HenS der fleißigste Gast des Cantors, er versäumte nur dann eine Uebmrg, wenn er durch Dieustesverhältuiße daran verhindert war ErWIHnung verdient wohl noch, dass, angeregt durch das Beispiel HgS Erzherzogs, mehrere Ossiciere deS Pardubitzer Hnßareu-Negiintnts Ach lebhaft mit Gesang und Musik unter Leitung des O.ercaruors Lejchäfkigteu. Als der Herr Erzherzog nach GirnS versetzt wurde, überreichte er dem Cantor zum Andenken sein Bild mit einer freundlicheu Widmung, und auf die .briefliche Gratulation des CanterS bei der Ernennung deS Erzherzogs zun׳ Generalstabs-Hauptmaun erhielt Her Cantor ein eigenhändiges Schreiben, in welchem der ^Erzherzog In der herzlichsten Weise seinen Dank für den Glückwunsch ausdrückt und hinzufügt, dass er stets mit Vergnügen an diemusikaluchen Stauden in Pardubitz zurückdenke. Wie«, 2. Zänuer 1837. Sonntag den 26. December v. I., 4 Mr Nachmittag, fand im Temp.l des Talmud Thora-VereuieS, Malzgasse 16, ein solennes Chanukafest, verbunden mit Kleiderverrhettung, statt. Cantor S. Salamon, der über eine angenehme und klangvolle Stimme verfügt, leitete dasselbe mit dem Miuckagebete .und dem Auzüuden der Chauukalichter ein. Hierauf richtete Oberlehre! Lew eine Ansprache an die Schüler, welche einen mächtigen Eindruck auf alle Auweseudeu machte. Sodann laug Lehrer Deutsch mit niedrer.u Knaben das Chauukalied l^luaus Zur. Den Gipfel- Punkt. der Feier bildete der Vortrag von Gedichten, indem mehrere Schüler abwechselnd ein hebräisches und ein deutsches׳ Gedicht kectamirrer!. Mit dem Absingen des Kaiserliedes durch sämmliiche Schüler schloß das schöne Fest. Der Tempel war in allen Räumen bis ans das letzte Plätzchen gefüllt. Man bemerkte unter den Gästen die Herren Dr. Gustav Kchn, Auto» Bing, Heinrich Berger, Moriz Li einer, Zacob Neurath, Jacob Kreisel, I. L. Freistattl, ML Kehn, Dr. Spitzer, Horewitz, Hofbauer und Andere. Es wäre zu wünsche«׳, da IS dieser zweckentsprechende Verein von unseren Glaubensgenossen eitriger unterstützt werde. ׳ Ornz. Die bebördliche Bewilligung, welche der israelitischen Cullusgemrinde in Graz für die Veranstaltung einer Esfecten-Lotterie zu Gunsten der Erbauung der ersten Synagoge in' der Steiermark für das Jahr 1886 ertheilr wurde,' ist nuiimehr auf das Jahr 1887 P׳o1ongilt und somit auch der ursprünglich festgesetzte Ziehuugsrag vorscheteu worden. Lemberg. Der Ausschuss des Vereines ״Scliomer Israel“ hat wie ,13 .׳ nel.' beichte!, beschlossen, folgende durch den Abgeordneten Dr. Geltmanrr b reirs überreichte Petiticu an Leu hohen galizischeu Landtag zu richten: Hoher 8 a u d 1 a g! Unsere Schulgesetzgebunz Hm L.u Grundsatz ausgestellt, dass in allen Schulau«sichtsorgaiier>, Wogen sich diesetbeu ans eine Ortschaft, eilierr Bezirk oder ein ganzes Laad erstrecken, R.p äsentan'.en der hohen Ngierung, der Kirche, RÄiaienSgem-.ittsäast und der Gemeir.de aufzunehmen sind. Alle diese Memenre sind irr moralischer Hinsicht an der Erziehung ttild Heran- Wkarrg des hlranwachseuden Geschlechtes beiheiligt, verbinden damit Gr« bestimmten Zwecke und sind von der Ueberzengung durchrrung u, dass von der Arr ihrer Mitwirkung die Beschaffenheit der küllfligerr Bürger u! d Religionsbekenrier abhänge. Auch der hohe Landtag bat üu kiesen Grundsätze» festgehalten und dem etben im Landes-Schulgesetze vorn 2. Mai 1873 bezüglich der untergeordneten Schulaufsicht-:- organe Ausdruck gegeben. Und so gehören ebenso zu den Ortsals auch zu den Bezirks-Schulräthen nebeil den Vertretern der übrigen RetigionSgeucssenschaiten Repräseutaute» des mosaischen Glaubens. 4!»r im LandeSschulrathe fehlt bis nunzu ein jüdischer Repräsentant, trotzdem § 12 des Reichs-Schulgesetzes vom 25. Mai 1868 RGB. Nr. 48 wie folgt lautet: ,In den Laudesschulrath sind unter dem Vorsitze deS Statthalters (Landeschefs) oder seines Stellvertreters Mitglieder der politischen Landeestelle, Abgeordnete des LandesauSschusseS, Geistliche aus den im Lande bestehenden Cousessionen und Fachmänner im L-Hrwefen zu berufen. In allen Landesichrriräthen der österr. Kronländer haben jüdische Repräsentanten trotz der Verhältnismäßig geringen Anzahl der dortselbst wohnenden Inden ihren Platz, und selbst in der benach barten Bukowina, wo der Bildungsgrad der jüdischer« Einwohnerschaft ein nahezu gleicher ist mit dem der jüdischen Bevö.kerunz unseres Landes, sind die Juden im LandeSschulrathe vertreten, nur Galizien, welches 600.000 Inden und 40.000 jüdischer, die Volksschulen besuchender Kinder zählt — hat keinen israelitischen Rep«äsenlauten im LandeSschulrathe. Es ist allgemein bekannt, dass diese höchste Schulbehörde des Landes sich oft mit Fragen beschäftigt, welche unsere jüdische GlaubenSgemeinschafr betrifft, darunter i'nsbesondere nur dem Religionsunterricht-, dessen Lehrplan und Lehrbüchern. Es kann da kaum als unzweifelhaft angenommen weldkn, dass derartige Angelegenheiten trotz Ab wesenheit jüdischer Repräsentanten zur vollen Befriedigung der jüdischen Bevölkerung des Landes erledigt werden. Eure jüdische Repräsentanz im LandeSschulrathe müsste mehr Aufmerksamkeit und Belücksichtigurig für den jüdischen Neligionsunterricht erwirken, was einen heilsamen Einstnss ans die Vermehrung der tzregnenz der Schulen feiten» der jüdischen Schuljugend unfehlbar ausüberr würde. Das bisherige Verhältuis ist eine Anomalie, deren Beseitigung ebenso von der Rücksicht ans die Entwickelung und Hebung der Bildung der galizischeu Judenschaft, als auch von der auf tie Gerechrigkeir dringend geheischt wird. Die Ursache dieser Anomalie, dass nämlich die Juden aus dem LandeSschulrathe gewissermaßen ausgeichlosseu sind, liegt in dem mit Mjnisteria!erlaß vor»' 28. Juni 1867 Zahl. 4974 veröffentlichten OrganisationSstatute des galizischeu Landesschutrathes, worin diese höchst wichtige Frage wahrscheiulich deshalb übergangen wurde, weil die damalige Gesetzgebung noch nicht auf d m Standpunkte der Gleichberechtigung der Inden sich beand. In Aug.sicht der später erflossenen Slaatszrnndgesetze, welche die Gleichberechtigung aller GlanbeuSbtkeuntniße gewährleisten, sowie ferners in Angesicht dessen, dass jüdische Oleprafentanteu in den Landesschulrärhen der anderen österreichischen Länder Sitz und Stimme baben, erscheint es als Znrücks.tzung für die jütische Einwohüerschaft unseres Landes und als eine Verletzung ihrer vitalen Interessen an der Erziehung der Heranwachsenden Generation, falls sie auch ferner» der Vertretung im LandeSschulrathe entrathea müsste. Der ergebenst gefertigte Ausschuss des Vereines ,,Schomer Israel“, dessen statutenmäßige Ausgabe die Wahrung der jüdischen Interessen ist, erlaubt sich daher au'den hohen Landtag, dessen Leitstern, Gerechtigkeit und gleiche Rücksicht für alle religiösen Bekenirtniße bildet, mit der ergebenen Bitte herarrzutreten: Ein hoher Landtag geruhe das Organisationsstatut deS LaudesschulratheS aus dem Jahre 1867 in dem Sinne abzuäutern, dass zrr demselben auch ein Repräsentant der jüdi'chen Religionsgeuossenjchafl zu gehören habe. ßottvus. In unserer Nachbarstadt Frankfurt a. O. beging am 26. December 1886 der dortige Rabbiner und Prediger,. Herr Dr. Loeweumey-.r, daö 2öjährige Jubiläum seiner AmtSrhängkeit als jüdischer Seelsorger in wahrhaft großartiger, herzerhebender Weise. Herr De. L. sungilte früher nach Vollendung seiner Universitätsstudieir als Neligionslehrer an der Berliner G. meindeschnle, sodann a!S Rabbiner der bedeutenden Gemeinde in Geaudenz, woselbst er 5 Jahre sehr segensreich wirkte. Im Jahre 1861 folgte derselbe dem