Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1887)
- Date
- 1887-01-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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fallen, nickt die Zeit und auch nicht den Willen, sein materielles Zntertsse dem geistigen Interesse der Gemeinde zu opfern?! — Nur zwei Mittel kenne ick, daS von Herrn Rabbiner Dr. Caro anzestrebte Ziel zu erreichen. DaS erste besteht darin, die Begeisterung für untere altehrwürdigen Gebete durch Vernlittlung des Verständnißes derselben zu beben, und daS zweite: aiber die in den Codices und den besseren neueren Nel!gious» büchcrn uorgcsckriebenen Observanzen, betreffend das Verhalten 4m Gottesbause während des Gottesdienstes, die Andacht beim Gebete u. s. w. in geeigneten Zeitabichnitten die Gemeinde wsfentlich zu belehren. Die wohlgemeinten Worte des Herrn Dr. I. Goldschmidt erfreuen unk, aber ailck diese bedürfen einer Berichtigung. Wenn hier behauptet wird, der berechtigte Vorwurf des Herrn Dr. Caro, *feet keiner anderen Conselsivn sinde man durchschnittlich so wenig Tveilnahme, Andacht und Anstand beim Gottesdienste, wie bei uns' sei übertrieben, so dürfen ihn Erfahrungen, wie er sie vielleicht in seiner nächsten Umgebung gemacht, zu diesem -Artbeile bestimmt haben. Hier zu Lande, wo die Bevölkerung vorwiegend kaibolisch ist, stellt sich jedoch das Verhältnis ganz anders. Ein befreundeter katholischer Geistlicher versicherte mir aus eiue diesbezügliche Ausrage, dass dir Zahl der regelmäßigen >Kirchenbcsncker in unserem Orte 96—97% der zum Kirchenbesuch Veipsticktclen betrage. Auf eine Anfrage bei einem' evangelischen Kuchenbeamten erfuhr ich weiter, dass auch hier der Precentjah 45—50 ans mache. Aber die Rechnung dls Herrn Dr. Goldschmidt beruht außerdem auf einer irrigen Voraussetzung. Da bei uns Inden Frauen und Jungfrauen religionsgesetzlich zum Lynagogenbesuche nicht verpflichtet sind, io bildeten 10% der Gelammtvevölkcrung immerhin ein sehr klägliches Oiefultat und zwar nach folgender Berechnung: 100 Seelen repräsenliren durchschnittlich 15 Familien. Rechnen wir in jeder Familie 2 zu Minjan fähige Mitglieder, so ergäbe dies 4)ie Gesammtzahl» von 30 Miujanleulen oder 30 % der Gesammt- -bevölkerung. Würden hiervon nur 10 oder der dritte Tbeil -erscheinen, so wäre diese Zahl zwar gleich 33% % der Gesammt- Habl, bliebe aber immer gegen die Evangelischen um 16% und gegen die Katholischen um 63-64 % zurück. Herr Dr. Caro chät mit seiner Bchaupkung. dass bei uns die Theilnahme am schwächsten ist, vollständig Recht. Dagegen stimmen wir Herrn Dr. Goldschmidt bei, wenn er sagt: Nlch! äußere Bildung, sondern innere oder Herzensbildnng ist cs, was die Goltesbänjer füllen kann. Und diese .mutz von Innen heraus gesörderl werden. — Nickt Frack, Glace und Cylinder machen den wahrhaft gebildeten Inden, sondern der Geist der Gollcssurcht, der in ibm wohnt, aber auch den .äußeren Menschen adelt. Die Neltgionsschnle muß den Grund legen und zwar — entgegen der Ansicht des hochverehrten Herrn .Rabbiner Dr. Goldschmidt — nicht in das kranke, vielmehr in das noch kerngesunde, unverdorbene und von Sünden reine Kindcsherz. D!e Krankheit beginnt gewöhnlich erst mit dem Austritte aus der Neligionsschule und mit dem Eintritte in's .Leben. Und ta Hai der Seelenarzt, der Rabbiner, den Kranken ..zu .packen' und zwar von der Kanzel, nickt durch gemächliches Promcnircn aus den breitgetretcnen, sogenannten loci corumunes — dieses Univerlalbeilmitiel gegen Langeweile übt keine Wirkung mehr — sondern durch eine klüftigere Arznei und sollte sie auch einen noch so binern Nachgeschmack haben; auch ein Stick oder Schnitt in's faule Fleisch dürste manchmal wohlthuend wirken. Mozu wäre auch sonst der Leelenarzt da? Vereinsnachrichten. Jene Mitglieder des österr. Ungar. CantorenvereineS, die mit ihrem Vereinsbeitrage ein Jabr oder darüber im Rückstände sind, werden hiermit zum letzten Male aufzesordert, ihren Rückstand binnen vier Wochen an den Vereinscassier einzusenden, widrigenfalls sie ihrer Mitgliedschaft verlustig werden. * * * Auf die mehrfach gestellte Anfrage, waS denn die Functionäre solcher Gemeinden, die den Cantorenverein mit Beiträgen unterstützen, vor den Functionären jener, die es nicht Ihn», alS Vereinsmitglieder voranhaben, beehrt sich der gefertigte Vorstand, der diese Angelegenheit in der letzten Sitzung in Erwä« gung gezogen, mitzutheilen, dass wohl nach unseren gegenwärtigen Statuten kein besonderes Beneflcinm jenen Mitglieder», die in beitragenden Gemeinden fnnziren, gewährt werden kann; eS ist aber nicht ausgeschlossen, dass die nächste Generalversammlnng. die sich ja ohnehin mit der Statutenänderung befassen wird, aus einen diesbezüglichen Antrag hin auch diese Frage erledigen wird. Vorläufig haben sowohl die woliöblichen Gemeinden, die den Cantorenverein unterstützen, sowie jene Sollegen, deren Anregung diese Unterstützung zu verdanken ist, nur das angenehme und befriedigende Bewusstsein, einer wohltbätigen Sache zu dienen, und das schöne Verdienst, die Gründung einer Pensionk- und Unterstützungs-Casse gefördert zu haben, voraus. Der Vorstand des österr.-ttng. Cantoren-VereineS. Grimdmlgs- und Veremsbeitrage. B. Gkünbergrr, Preran, ganzjährigen Beitrag. Z. Herz, Preran, ganzjährigen Beitrag. S. Schiicha, Kirschberg vierteljäbrigen Beitrag. S. Baß, Münchengrätz. vierteljährigen Beitrag. S. Zellinek, Mistelbach, halbjährigen Beitrag. M. Kraus, Prag, halbjährigen Beitrag. M. Saller, Breitenbrnnn, halbjährigen Beitrag. Levp. Blum, Schlau, halbjährigen Beitrag. C- Grünfeld, Gaudenzdorf, halbjährigen Beitrag. I. Popper, Kohljanowitz. halbjährigen Beitrag. M. Nosenfeld. Pisek, halbjährigen Beitrag. S. Rosenberger, Komotau, vierteljährigen Beitrag. Fr. Teitick, Stockeran, balbjährigen Beitrag. A. Klein, B- St. Benedek, vierteljährigen Beitrag. A. Fische r, Cassier. Kleine Lhrmiik Wie». Die .N. Fr. Pr.' bringt folgende, für unsere Colle- I gen gew ss interessante Non;: Da ich eben heute von Pardubitz! znrückgekommen, wo ich Gelegenheit gehabt, mit dortigen Persönlichfeiten zu verkehren, erlaube ich mir unter Bezugnahme ans die Noriz ,Erzherzog Engen' im Avendblalte der ,Neuen Freien Pr sse' vorn 29. Deeemder folgende Mittheilungen über die Beziehungen de- Erzherzogs znm dortigen Cantor, Herrn Jacob Bader, zu machen, welche wohl auch in weiteren Kreisen einigen Antheil erwcken dürfteu: Der Herr Ercherzog. welcher seit seinem 18. Jahre Zögling de» GesangprofcssorS Baron Victor RekitanSki ist, garnijonirt,׳ bekanntlich vor einiger Zeit in Pardubitz. Dort wurde ihm der Odercantor Herr r Jacob Bader, welcher ein tüchtiger Musiker ist und eine prächtige | Baritonstimme besitzt, vom P.inzen Rudolf Liechtenstein, der im