Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 42 (31.12.1886)
- Date
- 1886-12-31
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/1304829-3453044-3453086--1974-3456173- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
e -Vereins werden? Möge Se. Excellenz der Herr Cultusminister Dr. v. Gautsch die so heiß ersehnte Vorlage ,der Regelung der israelitischen Cultusgerneinden Oesterreichs' bald dem Reichsratbe zur Berathuug unterbreiten, damit auch wir uns gesetzlicher Verhältniße erfreuen dürfen. ^reran (Channkaiest.) Die Anregung unseres ehrwürdigen Herrn Rabbiners fiel auf fruchtbaren Boden. Der ehreuwerihe Obmann des Ortßschulrathes Herr Stoßler trat mik der wohlthätigen Präsidentin des Frauenvereines, Frau E. Brach, in Verbindung, und diese brachte im Vereine mit vielen Damen die Mittel auf, zunächst zur Beschaffung prächtiger Winterkleider für arme Schulkinder. Die Leiden wackeren Fräuleins Herum! Brach uud Therese Grün gingen von Haus zu Haus und fanden allenthalben frenndliches Entgegenkommen bei der eingeleiteteu Sammlung. Zur Ehanukafeier versammelte' sich die gesammte Schuljugend im Tempel. Herr Obercautor Grünberger trug unter Chorbegleitung das Minchagebet uud ein deutsches Chauukalied weihevoll vor. Hierauf beftieg,Se. Ehrwürden, Herr Dr. I. Tauber, die Kanzel und hielt anschließend au die Worte LeS HaSmonaer's ,Und ihr, meine Kinder, seid stark und standhaft durch die Lehre, denn sie ist nur Ruhm' eine begeisternde, gedankenreiche Rede, in der er, ausgehend von der Geschichte des ChauukafesteS. eiudnnglichst ermahnte, für die Lehre und Ehre des Judeuthnms mit Herz und Geist zu leben. Nach Vollendung des Gottesdienstes wurde der Schuljugend ein genussreicher Abend in der Restauration des Herr» Haas gegeben, wo die Dameu Brach, Mandel, Frau Dr. Tauber u. A. nicht nur für die cullinarijche Seite des Festes reichlich sorgte», sondern auch für die armen Schulkinder Liebesgaben in herzlicher Weise spendeten. Die erste Ehanukafeier in Prrrau hat die lebhafteste allgemeine Befriedigung hervorgerusen und wird Segen und Freude spendend für die Folgezeit wirken. ArvpPltU. Zweimal hatte bereits unser Obercautor Herr Singermann Gelegenheit, seine gediegene musikalische Bildung auch außerhalb der Synagoge vor einem großen und drstinguirten Auditorium zu bezeugen. Das erste Mal bei der Festlredertafel des Troppauer Männer-Gescmgvereines, das zweite Mal bei, dem Coneerb der Singakademie zur hundertjährigen Geburtsfeier K. M. v. Weber's. Ueber das erste Debüt schreibt die ,Schles. Presse': - ,Im Engelsberg'schen Chore hatten wir Gelegenheit, in Herrn Singermann, welcher das Solo sang, einen Baritonisten mit außerordentlich sympathischen Stimmmitteln und gediegener musikalischer Bildung zum ersten Male zu hören, welcher einen Anziehungspunkt für folgende Coucerte bilden wird.' — Ueber seine Mitwirkung im Weberconcerte äußert sich die ,Silesia' ebenfalls in sehr anerkennender Werse: Die Solisten, nämlich die Damen Ricchini und Wagner und die Herren Palisa und Singermann, boten Alles auf, die einzelnen Gesänge so vollendet als׳ möglich zur Geltung zu bringen. Wir müssen namentlich des Herrn Singermann gedenken, der nicht nur höchst verständnisvoll und smusikalisch correct mit feiner wohllautenden Stimme wirkte, sondern einer Leistnug einen Anstrich des Künstlerischen in der Wiedergäbe verlieh. Besonders gilt dies vom Arioso-: ,Höhe des Ruhmes' (Nr. 10). ' Wltdapest. Dieser Tage verhandelte die Finanzcommission des k. ung. Abgeordnetenhauses das 1887er Budget Ungarns. Unter Anderem kam auch folgender interessanter Fall vor. Beim Titel ,Gymnasien' fragte Wahrmann, ob der Minister wisse, dass beim sogenannten katholischen Staatsgymnasium in Budapest Parallelklassen errichtet und in diese Classeu die katholischen und die jüdischen Schüler abgesondert eiugetheilt werden? Wie Passe dies zur liberalen PoUtik der Regierung? Minister Trefort erklärte, er habe hievon keine Kenntnis, er mißbillige diese Theilung, und wenn sie vorhanden sei, werde er sie verbieten. — Emerich Visi bemerkte, dass er diese Absonderung principiell mißbillige, doch dürfe die praktische Ursache dieser Maßregel ohne Rücksicht auf liberale Fragen darin liegen, dass dadurch die Eintheilung der Neligionsunterrichtsstuilden erleichtert sei. — Wahrmann entgegnete, er habe diese Motivirnng schon gehört, da aber in anderen Schulen, in den Parallele!assen . die Schüler confessionell gemischt sein können, sehe er nicht ein, warum man sie hier absondern müsse. Falk bemerkte hierauf, die Mit- Musik, eine ihre Hauplcrgötzungen (sie war nicht nur auf I dem Clavier, sondern auch auf der Harfe sehr vorgeschritten), ] wurde nun ihr einziger Trost, ihr Ergötzen, aber sie hatte das Vergnügen, die rührenden Klänge der Harfe zu erwecken, aufgegeben, und nur selten konnte sie ihre einst so schöne Stimme noch gebrauchen. Aber ihr Geist rief: Vorwärts! Vorwärts! und jeden Moment, selbst wenn ihre Gesundheit eS kaum gestattete, widmete sie ihrer Feder. Eine ihrer Maximen war, dass eine Frau, trotzdem sie Schriftstellerin sei, auch haushälterisch fein könnte, und sie bemerkte in einem ihrer Werke, wie ich glaube mit Recht, dass sie Wordsworth liebe, der im Widerspruche zu Moors's seichter Theorie sagt, ,dass eine Schriftstellerm, welche nicht ihr eigen Haus führen könne, gewiss Geist besitze — aber nicht Geist genug!' Ihre Werke machten Anfangs mehr Aufsehen in Amerika als in England. Briefe und Glückwünsche kamen ihr zu von jenseits des Oceans. Nachdem ibr SBetf ״History of the Jews“ (,Geschichte der Juden-) veröffentlicht war, entschloß sie sich nach Deutschland zu reisen und sich der Gesellschaft ihreältesten Bruders zu erfreuen, der zu dieser Zeit in Frankfurt Musik studirte und sich dort auszeichnete. Ihr jüngerer Bruder war auf der See, was sie wohl in den Stand setzte, in einem ihrer Werke mit Natürlichkeit und Schönheit daS Leben eines Matrosen zu schildern. Es gab Zeiten, selbst vor. ihrer Reise nach Deutschland, wo sie fühlte, dass ihre Tage gezählt seien, aber sie verbarg dies gefiissentlich vor ihrer Mutter. Zu anderen Zeiten glaubte sie ihre Mutter trösten und die ihrem Bruder sichere Aus- Zeichnung sehen zu können. Zur Zeit ihrer Abreise nach Deutsch-!and erkärten ihre Aerzte, dass die Schriftstellerei schädlich für sie sei, aber sie bekämpfte diesen ärztlichen Beschluss und behauptete, dass Schriftstellerei ihre Kopfschmerzen erleichtere, l selbst wenn sie bei ihren schwachen Nerven nicht den Ton der s Musik ertragen könnte. Aber sie ertrug mit engelgleicher Geduld alle ihre Leiden durch ihr ganzes Leben, ja ihr kurzes Leben war reich au Thaten des Wohlthuns und der Weiblichkeit. Bei ihrer Abreise nach Deutschland konnten viele ihrer Freunds nicht das betrübende Wort: Lebewohl! aussprechen, denn sie sahen nur zu wohl, da sie ihre schattengleiche Hand ergriffen, dass es das letzte Mal sei, dass sie sie sahen. Im Jahre 1847 verließ sie England, verbrachte kränkelnd in Frankfurt einige/ Wochen und ging dann in's Bad nach Langenschwalbach, aber die Mineralquellen brachten ihr wenig Erleichterung. Sie ward so krank, dass man sie wieder nach Frankfurt zurückbringen mußte. Ueberzeugt, dass Wiedergeuesung unmöglich sei, bereitete sie sich auf die majestatische Gegenwart des Todes vor. Ihre größte Sorge war, die Mutter zu beschwichtigen.׳ Im Alter von 31 Jahren starb sie, beklagt von Allen, die sie kannten. Am 16. September 1847 wurde Grace Aguilar auf dem Friedhofe zu Frankfurt a. M. begraben, fern von England, welches sie so sehr liebte. Zu früh, wahrlich zu früh, ward das junge Leben fortgerufen. Alle sprachen mit Achtung von ihr, aber für diejenigen, welche sie kannten, reicht jedes Lob nicht an ihr Verdienst. In ihrer besonderen Stelle in der Litreratur hinterlässt sie eine Leere, welche so bald nicht ausgesüllt werden wird. Und uns kommen, indem wir Grace Aguilar Lebewohl zurufen, die Worte ihres geliebten Wordsworth in den Geist: ' ,Deine Seele, wie ein Stern, wohnte allein! — Eine Stimme besaßest Du, gleich der See ertönend; — Rein wie der unbekleidete Himmel, majestätisch frei — So gingst Du auf der Straße dieses Lebens — In heiterer Göttlichkeit! und auf dein Herz -— Auf sichselbst die geliebten Psiichten legend!' k, W. M.