Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 42 (31.12.1886)
- Date
- 1886-12-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Frau Friedländer, Frau Ottilie Bondy, ferner die Herren: W. v. Guitmann, R. v. Kuh, Moriz Hirsch. Der durch die Hausnuuhr, Frau Flora Bruck, äußerst geschmackvoll decorirte Saal wachte einen erhebenden, Eindruck auf alle Anwesenden. Nachdem Herr Obercantor Singer die Channkalichter entzündet hatte und unter seiner Leitung ׳von den Zöglingen eine Hymne intouirt worden war, ergriff Herr Jnstitntslehrer Mautner das Wort, um aller in dem heurigen Jabre verstorbenen Vorsteher zu gedenken, und ermahnte die Zöglinge, stets diesen Wohlthätern ein treues und dankbares Andenken zu bewahren. Nach Absingung des Löwenstamm'schen Chores »Die Festnacht* trat ein aus dem Institute scheidendes Mädchen vor und dankte Herrn Ober- -cantor Singer für seine theilnahmsvolle Mühewaltung, die er zur Forderung des geistigen Wohlseins den Zöglinge verwende, worauf sie demselben ein äußerst geschmackvolles, von den Zöglingen verfertigtes -Geschenk überreichte. Allgemein wurde das gesunde und frische Aus׳ -sehen der Kinder bewundert, welcher Umstand gewiss für die für sorgliche Hand der Hausmutter, Frau Flora Bruck, ein glänzendes Zeugnis liefert. S. S. Wien. Sonntag den 26. December fand in den Tempel- -localitäten der -türkischen israelitischen Gemeinde ein Chanukafest, verbunden mit einer kleinen Prüfung, statt. Außer dem Vorstand mit dem Präses, Herrn Marcus Nusso, an der Spitze, waren noch eine große Anzahl von Gemeindemitgliederu und Damen anwesend, welche mit großem Interesse die Feierlichkeit, besonders die Leistungen der Kleinen, die unter der bewährten Leitung des Direetors, Herrn -Em. Groag, stehen, verfolgten. Nach der Prüfung hielt der Tir-ctor eine passende Ansprache an die Kinder. Nach derselben zündete Ob.rcantor Bauer die Channkalichter an, worauf der Chor das .Hanerot' exact zur Aufführung brachte. Hierauf wurden sowohl die Sckulkinder als auch die Chorknaben mit sehr schönen Winterkleidern von dem erst vor drei Zähren durch die Herren Abram Finci, Israel und -Jacques Nusso gegründeten Vereine betheilt.r. Mltgan/tH-KradlsH. (Cultusgemeinde oder Cttltusverein.) Es ist bereits des Oesteren die Frage ventilirt worden, wo die Gemarkung e ner jndiscb-n Cultusgemeinde anrängt und wo sie aufhört. Die israelitischen Gemeinden sind ausschließlich ReligionSgemeinden zu dem Zwecke, die üblichen israelitischen eultnrellen, rituellen Unterrichts- und Wobilhäiigkeits-Änstalten in ihrem Schoße zu erhalten und durch die geeigneten Funcrionäre leiten und handhaben zu lassen. W un demnach eine Cuitusgenossenschast mit allen einer Cultnsg-meinde zustehenden Institutionen ausgestattet ist, dürfte und sollte auch ihr nicht der Name ,Cultusgemeinde' vorenthalten werden können. Der hierortige Cultu-wereiu, der sich bereits in den Fünfziger-Zahren mit behördlicher Genehmigung constituirte, hat durch eine Reibe von Jabren, da er in stetiger Zunahme begriffen, um Erlangung einer Cultusgemeinde angesucht, und obwohl die Einbegleit»ugsschreiben seitens der politiichen Behörden nichts zu wünschen übrig ließen, war noch jeder in dieser Richtung gemachte Schritt vergebens. — Wenn heute gntsiiuirte Gemeinden von dem Krebsschaden des Jndifferenlismus angefreffen stnd und ihre sonst so bereitwilligen Steuerträger etwa saumseliger geworden, so find ihnen gewisse Rechte zur Einhebung der Cttttussteuer eingeräumt worden, währenddem der Cntrnsverein, der ebenfalls mit denselben Jnftitutivnen versehen, die dasselbe Erfordernis bedingen, nur auf dis freiwillige Leistung seiner Mitglieder angewiesen ist und ihm jedwede Presston auf dieselben benommen. Von welchen Folgen eine solche Scheinexistenz begleitet ist, möge folgender Fall darthnu. Durch die am 8. d. stattgefundeire Neuwahl des Vorstandes, welcher durchaus auS intelligenten Leuten gebildet, dürften einige Mitglieder vielleicht enttäuscht worden sein, waS sie zu dem bisher gewiss selten vorkommenden Schritte veranlaiste, ihren Austritt aus dem Vereine anzumelden, ohne zu bedenken, welches Unheil sie durch denselben heranfbeschwören. Was soll nunmehr ans den geschaffenen Institutionen werden? Da ist der ueuerbante Tempel und Friedhof, auf denen noch eine Schuld von mehr als 8000 st. lastet; wie sollen Zinsen und Capital getilgt werden können? Die vor fünf Jahren gegründete Schule wird aus Mangel der nothigen '-Subvention eingehen, und was soll endlich aus den Beamten dieses so gefährdeten Hebung der Frauen, besonders derjenigen ihrer Nasse. Sie wollte ihnen die ,Chronik Israels* (״Becords 0k I8rael") Vorleger! und ihrer Bewunderung die ,Frauen Israels* (״Touren ok Israel") übergeben. Ihre Mutter jubelte, als sie ihr diesen Entschluss mitkheilte, und glaubte an ihr Kind. Sie wusste, dass sie in wahrhaft liberalem Geiste es unternahm, dass das Wohl ihres Volkes ihr erstes, doch nicht ihr einziges Ziel sei. Grace Aguilar vollzog die wohllhätizen Vorschriften ihres Glaubens in jeder Handlungsweise des täglichen Lebens, indem sie alles Gute, welches ihre beschränkten Mittel ihr gestalteten, that, bei ihren eigenen und häuslichen Arbeiten noch Zeit :sindend, ihre armen Nachbarn zu unterrichten. In der That: Wissen und Bildung! war. ihr Losung, ihr Schtagwori. Von ihren Werken sind ,Einfluss des Heims* (Home Influenee) und chie Fortsetzung ,die Belohnung der Mutier* (The Mothers JR,ecompen6e) hervorzubeben, welche Niemand liest, ohne sie wieder zu le!en und besser zu werden. Sie hatte es sich zur Ausgabe gestellt, zu zeigen, welche Macht Frauen ausüben können, so dass man immer mehr wünscht, .sich nach der von Grace Aguilar empfohlenen Weise zu bilden. Um ein Beispiel anzuführen, geht es zu dem Herzen eines -Jeden, wenn sie am Anfänge der ״Borne Influenee“ erzählt, wie der Vater und die Mutter über ihre Kinder wachten, die --Prüfungen, welche ihr besorgtes Herz von ihnen seruzuhalten suchte, die Mühe und Schmerzen, die sie bei der Erziebung zu übcrstehen hatten. Und in der Fortsetzung ״The Nothers Becompense" (der Mutter Belohnung) wo sie zuerst, ach. so spärlich belohnt wird:— da scheint das Herz still zu stehen, .der Geist im Denken einzuhalten. Kann es möglich sein, dass dies die Belohnung so vieler Mühe und Arbeit ist? Aber wenn .wir bei Fortsahren in der Lectüre sehen, dass ihr Einfluss noch .im letzten Augenblicke so viel Unheil entfernt, sind wir dankgerührt zu erfahren, was der Einsiuss einer Mutter bewirken kann. Sie schrieb auch ,die Tage Brnce's* (The days of Bruce), einen historischen Noman aus der Zerr, als die Schotten, mit Bruce als anerkannten Herrscher, gegen die Engländer kämpften. Dieses Buch zeigt, was Frauen können und zu leiden vermögen. Sie veröffentlichte daraus ,da» Cedernkhal* (The vale 0k Oedars) und ,Frauen Freundschaft* (Womens friendship). ,Heimische Bilder* (״Home Scenes“), ein anderes ihrer Werke, zeigt ebenfalls die Frauen in ihren verschiedenen Weisen. Das Buch ist ans kurzen Erzählungen zusammengesetzt, von denen jede eine Frau zur Heldin hat. Aber, o! in welcher verfckiedenen Weise und Form ist jede gezeichnet — jede dient zur Veredlung und Erweckung des Geistes, zur Bereicherung der Phantasie. Zu dieser Zeit war Grace Aguilar schön gebildet, hatte ein zartes und liebliches Aeußere. Jh׳.e Person und ihr Verkehr war außerordentlich einnehmend. Da war kein Suchen nach Prahlerei, oder gar sich selbst oder ihre Bücher anfzudringen. Sie war außerordentlich der Lilteratur ergeben, und ihre Lectüre war mannigfaltig. Im Jahre 1833 ward Grace Aguilar von den Maiern befallen und genas nie vollkommen von dieser Krankheit. Bald begann sie das Werk, welches für sich allein binreicht, ihr eine Berühmtheit *!! geben, die ״Womeu of Israel“. Jede Frau bildet einen Charakler für sich selbst. Ader indem sie geistig gewann, nahm ihre körperliche Kraft ab, sie war wiederbolten Anfällen von Hinfälligkeit ansgesetzt, und ihre anmnthige Form ward ein Schatten. Aus Rath des Arztes versuchte sie verschiedene Klima- und Landschaftsoerändernngen, aber ihre Gesundheit befferte sich nie.