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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-12-31 · Heft 42 (31.12.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 42 (31.12.1886)
Date
1886-12-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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•^fc — Eintzklendet. Der Fragesteller in Nummer 41 dieses Blattes, Herr Cantor Avctes in Laun, warum man lehadlik ner sckel chanuka und nick! lekadlokas nev sagt, wäbrend es anderweitig al rnikro megilo, aber nicht likro, und bei llallel wieder likro es lialiallel beijjt, verweile ich auf Nabbenu Ascher zu Pesachim 6. Dort wird die Frage, wo daS Hauptwort und wo das Zeitwort zu gebrauchen ist, in folgender Weise beantwortet: Bei den Gebeten, die gleich ausgenbt werden müssen und bei denen keine Verzögerung staHfiudct, wie Megillak, Tefüah, Netilatk Jodaim, Aekilotk Mazok und Morer, wird daß Hauptwort mit על augewendet, wie על מקרא מנילה על אכילת מצה n. s. W.; bei den Gebeten hingegen, bei deren Ausübung eine Verzögerung stattsinden darf, wird das Zeitwort gebraucht. Alan kann, wenn man will, den ganzen Tag Tefilin legen und den ganzen TaL in der Lukkok sitzen und darin spazieren geben, wie man auch Zeit hat, das Obanuka-Licht anzuzünden ער שתכלה רגל מן השוק. Zwischen Hallei und der Megillak ist der Unterschied, dass das Necitiren des Hallel Pansen hat, während welcher cs auch die Gemeinde tagt, die Megillak hingegen gar keine Pause hat. Dass bei Tefilin sckel Jad להניח und bei Tefilin 8ckel Kosck על מצית gesagt wird, hat darin seinen Grund, dass die Nabbinen nickt bei einem Gebete zwei gleiche Eulogien bestimmen wollten. »־ Noch eine Ursache wird in Ilascbi angegeben, und diese ist, dass bei solchen Gebeten, die man durch einen שליח verrichten lassen kann, על mit dem Hauptwort gebraucht, und bei denjenigen, die man selbst verrichten muh, das Zeitwort mit ל anwendet. Sziklos, 26. December 1886. 2110־« Roth, Bezirks-Rabbiner. Eine gleiche Erklärung ist von Herrn Cantor S. Streicher, in Holics eingefendet worden, der hieran folgende talmüdische Anekdote anschließt: Im Preßburger Comitate heißt eine Ortschaft .Schützen' mit dem slavischen oder ungarischen Namen ,Levär'. Seinerzeit war dort eine Bierbrauerei, welche ein reicher Jude besaß. Nun besuchte einst der berühmte ,Neizer Magid' dieses Dorf. 2lls er seine übliche Draschah abgehalten, erwartete er eine gebührende Abfertigung, bekam jedoch in Schützen, dem sogenannten ,Levar', nichts; in der Bierbrauerei wurde er aber standesgemäß honorirt. Hiebei bediente er sich des Spruches: .בלבער כולי עלמא לא פליגי כי פלגי בעל ביעור*. Kleine Chronik Wie». Sonntag den 26. December fand in dun Blinden- Institute auf der hohen Warte die Chanuka-Feier statt. Ein zahlreiches Publicum hatte sich im Betsaale des Instituts versammelt, um dem Gottesdienste beizmvohuen, welcher durch den Jnstitutscantor und und von sämmtlichen Zöglingen sehr exaet ausgeführt wurde. Hierauf begab man sich in den Festsaal, wo sämmtliche Geschenke ausgestellt waren. In Abwesenheit des Gesangsmeisters, Herrn Obercanior Singer, brachten die Zöglinge unter Leitung seines Sohnes zwei Chore formvollendet zu Gehör, worauf der Jnstitutsdirector Herr S. Heller eine tiefempfundene Ansprache an die Zöglinge hielt, in welcher er nicht nur die religiösen, sondern auch die idealen Gesichtspunkte deS Festls schilderte. Nach dieser Rede drückte der anwesende Curator, Herr Gemeinderath G. Simon, dem Herrn Director Heller für seine unermüdliche Thätigkeit und väterliche Fürsorge die Anerkenuung und den Dank des CuratoriumS aus. Hierauf wurden den Zöglingen die Geschenke überreicht. — Zur selben Stunde fand auch im israelitischen Waisenhause eine Chanukaseier statt, an welcher! gleichfalls ein zahlreiches Publicum Thcil nahm. Wir bemerkten die! Damen: Baronin Königßwarter sammt Tochter, Frau v. Guttmaun, Ein Gral׳ ans dem jnbifdjcn Friedhöfe in Frankfurt a. M. Ueber die in Frankfurt a. M. gestorbene und daselbst auf dcm jüoiscken Friedhofe begrabene englische Schriftstellerin Grace Äguilar mögen hier einige Mittheilungen Platz finden. Grace Aguilar, eine Dame, die Wunderbares für die Hebung der Frauenwelt leistete und deren Name durch ihr Wirken fast in jeder eugliichen und amerikanischen Familie Heimisch geworden ist, wurde in Paragon, Hackney, in England, im Monat Juni 1816 geboren. Sie war die einzige Tochter von Emanuel . und Sarah Aguilar, Abkömmlingen einer portugiesischen Familie, welche, um Verfolgungen zu entgehen, von Portugal nach England geflüchtet waren. Grace war von so schwachem und zartem Kö'perbau, dass ihre Eltern sie nach Hastings gaben, um ihre Gesundheit zu bessern. Zu dieser Zeit war sie erst vier Jahre alt, und in diesem so frühzeitigen Alter zog sie ein Buch jedem anderen Vergnügungsobjecte vor, da sie fast nur durch Anschauung lesen lernte. Die als Geschenk erhaltenen Bücher wurden nicht nur ,gelesen und dann nach Art der Kinder für irgend eine andere Phantasie auf die Seite geworfen, sondern sie wurden gelesen und wieder gelesen, um sodann aufbewahrt zu werden. Von ihrem siebenten Jahre an führte dieses 'außergewöhnliche Kind ein Journal, in welchem es mit strengem Festbalten an der Wahrheit daS. was es sah, hörte und dachte, niederlegte. Eine der Hauptergötzungen Grace's war es, zu lesen und über das, was sich auf ihre Beobachtungen bezog, nachzudenken. Ihre Eltern waren beide Natureuthusiasten, und dieser Zug übertrug sich aus daS Kind, denn es erfreute sich mit ihnen an landschaftlichen Reizen, in einem Alter, in welchem die meisten Kinder für derartige Beobachtungen für unfähig gehalten werden. Ihre Mutter,. der sie viel ihre Erziehung Betreffendes verdankt, wie die Erhebung ihres Geistes zu seiner wahren Richtung, liebte es, ihren Geist zum Schönen und Guten zu lenken. Bevor Grace Aguilar ihr zwölftes Jahr vollendet hatte, schrieb sie ein kleines Drama »Gustav Wasa'. Es war ein frühes Symbol für dasjenige, was im Leben ihre herrschende Leidenschaft wurde. Indessen ward das kleine Drama nie veröffentlicht. Es ist beachtenswerth, dass die erste Geschichte, die ihr in. die Hand gelegt ward, diejenige deS Josephus war, an welcher sie großes Vergnügen fand. Im Jahre 1828 setzte sich die Familie nach verschiedenen Wanderungen in England wegen Kränklichkeit des Herrn Aguilar in Devonshire fest. Die Schönheit der dort so reichen Landschaft gab Grace die ersten poetischen Ergüsse ein, und sie fasste eine leidenschaftliche Neigung für diese in ihr neu entdeckte Kraft. Doch die Großartigkeir der Landschaft machte nicht nur eine Verehrerin der, Kalliope aus ihr, sondern sie beschreibt in ihren späteren Werken, in denen sie als Schriftstellerin von nicht geringer Kraft erscheint, diesen Theil Englands mit großer Genauigkeit und Schönheit. Ein Leben wie das von Grace Aguilar geführte 'gewährt wenig 2lbwechslungen und Ereigniße. Es ist eine'Chronik höchst ausgebildeten Talentes, mit Liebe erfüllter Psiichten, der Bildung eines großen mit Beharrlichkeit bis zum Krankenbette, da ihre zilternden Finger kaum noch die Feder zu halten vermochten, durchgeführten Vorsatzes. Ihr großes Unternehmen war die

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