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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-12-16 · Heft 40 (16.12.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 40 (16.12.1886)
Date
1886-12-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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der Nachweis über die Abstammung und Geschichte der großen Rothschiid'scheu Familie nur Sicherheit nicht weiter als auf Amschel MoseS Rothschild, welcher 1754 starb, zurückgeführt werden kann. Unzweifcl- Haft muß dieser ein für seine Zeit angesehener Mann gewesen sein, da er in eine der ältesten jüdischen Familien in Frankfurt, Namens Lechnich, heirathete, ein Name, welcher schon 1368 in den bürgerlichen Urkunden in Verbindung mit stnanziellen Angelegenheiten des GemeinwefenS gebracht wird, wie aus Schndt's »Jüdischen Merkwürdigkeiten" (Seite 18 des Anhangs) hervorgeht. Amschel MoseS war der Vater von Meyer Amschel Rothschild (geboren 1743, gestorben 1812), dem Gründer des Bankhauses in Frankfurt. Weiter ist nicht viel mehr von seinem Leben und seinem Wirken bekannt. Als die Judengasse am 14. Januar 1711 bis auf den Grund niederbrauute, wurden - die meisten der öffentlichen und amtlichen Urkunden, wie Geburts- und Sterbc-Negister rc., zerstreut, u: d aus diesem Grunde ist nicht viel mehr vorhanden, was von der Zeit vor der Feuersbrunst Kenntnis geben könnte, ausgenommen das Memvrieubuch und die Grabsteine auf dem alten Friedhof, welcher bereits im 13. Jahrhundert bestand und dessen älteste Grabsteine die Jahreszahl 1272 tragen, wie Dr. Horwitz in seinen ,Frankfurter Nabbinen" I. und II. nachweist. Im Jahre 1632, zur Zeit des 30jährigen Krieges, wurde von Oxenstjerna, dem bekannten Kanzler Gustav Adolph's von Schweden, der Frankfurt zu jener Zeit oceupirt hatte, den Juden eine Steuer auferlegt, resp. sie wurde zur Hälfte der römisch-katholischen Geistlichkeit, zur Hälfte den Juden auferlegt. Isaak ben Elchauan Rothfchild, der an der Spitze einer der fünf Gruppen der Juden stand, welche die Steuer zahlten, starb nach dem Memorienbuch 1651. Isaak und sein Vater mögen möglicherweise die Vorelten der Familie gewesen sei», die die früheste Nachricht von einer Persönlichkeit dieses Namens um etwa 1550 erweisen, wenn wir annehmen, dass Isaak Elchauan Rothschild bei seinem Tode ein älterer Mann gewesen sein muß, da er zu den Aelteften und Vorstehern der Gemciilde zählte. Dr. Levyson, welcher in seinem Buche ״Nafscliaus Zadikimw, ״Die Seelen der Gerechten" (1855) den Grabstein des Rabbi Bauernstiesein auf den Jahrmarkt gefahren, hatte^ sie alle gut verkauft und eilte sich, vor dem Anbruch des ׳vchabbes nach Hause zu kommen. AIS er iu die Straße kam, in der er so lange Zeit gewohnt, zeigte sich eben der Abendftern am Himmel, und wie er in sein Gewölbchen treten wollte, stand eine fremde Frau da und auf seine verwunderte Frage antwortete sie: ,Der rothc Psesfermann wohnt nicht mehr hier, sondern auf dem Platze." Er eilte "auf den Platz, und überall erglänzten schon die Fenster im Lichterglanz, als ob die Stadt zu Ehren eines Fürsten illuminirt wäre, und eS war auch ein Fürst in ihr eingezogen, der liebe Schabbet. Plötzlich sah er eine große Tafel, auf der sein Name über einem herrlichen goldenen Stiefel stand, und auS den Fenstern deS Gewölbes, über dem sie hing, grüßten freundlich sieben brennende Kerzen. Er trat ein, da dingen auch schon die Kinder mit lautem Jubel an ihm und sie führten ihn durch daL große, hübsche Gewölbe in ein weites, schönes Zimmer mit neuen, prächtigen Möbeln und weißen Vorhängen an den Fenstern, und mitten in dem Zimmer war der Tisch gedeckt, über dem die Sabbarhlampe brannte. Zugleich sprang die Thüre der anstoßenden Küche ans, und Slobe erschien in derselben in behaglicher Pelzjacke und funkelnder Stirnbinde. Die Perlen und Steine an der Stirnbinde waren falsch, aber das Herz, das unter dem weichen Pelzmantel schlug, war warm und echt, und als sie die Schüstel mit dem dampfenden Fisch auf den Tisch setzte und ihre weißen Arme ans den weiten Aermeln hervorkamen, sah Äbram erst, wie voll und hübsch sie wieder geworden war. Noch nie hatte er das Gebet, mit dem der Sabbatb bcgrüßt wird, so andächtig gesprochen, wie an diesem Abend, und, als er den Barches anschnitt, fielen ihm zwei große Thränen auf denselben. ES waren die letzten, die er weinte. Der Dalles war von ihm gewichen und kehrte niemals wieder. Menachim Mendel Rothschild, welcher 1732 in Worms starb, beschreibt, gibt an, dass dieser in gerader Linie ein Nachkomme von Isaak Rothschild war,׳ des Vorvaters von, wie wohl anzunehmen ist, zwei Rothschild'schen Zweigen. Boas Raphael Rothschild war ebenfalls ein Nachkomme, und er veröffentlichte das Werk ״onijoh belef jom“, »Das Schiff im Herzen des Meers' (Fürth 1766). Wenn er von feiner Familie spricht, bemerkt er in Bezug auf Isaak Rothschild: ״Migesa: hajichus umidans ascher me aulom ansche haschem", zu deutsch: »Nbstammend ans bevorzugter Familie, welche Eigenschaften besitzt, die sie von jeher zu ruhmreichen Männern machte", woraus klar ersichtlich ist, dass die Nothschild'sche Familie bereits damalsnicht allein eine der genanntesten, sondern auch der ältesten unter den Israeliten war. Schudt in seiner 1714 gedruckten Geschichte der Frankfurter Juden führt ausdrücklich ein HauS genannt ״Zum Rothschitd" (Batton V. Bd. der örtlichen Beschreibung von Frankfurts Rothes Schild. Hans zum roden Schild in der Nnwengaffe anno 1470) an in der Liste der Häuser, welche vor 1612 existirten. Die Thatsache, dass die Rothschild'sche Familie in der Hälfte des letzten Jahrhunderts und später in dem Hause »Zum Grünschild" wohnte, lässt sich aus dem Umstande erklären, dass nach der Feuersbrunst sehr viele Familien, nach eigenem Willen oder nicht, ihre Wohnungen änderten. DaS Haus »Zum Rothschild" war von fünf Familien bewohnt, währenddas »Zum Grünjchild' nur eine einzige beherbergte. Nach alledem erscheint cs sehr unwahrscheinlich, dass die Rothschilds entstammten oder ihren Namen trugen von der dänischen Stadt Noeskilde; die Bedeutung dieses Namens wäre übrigens auch nicht »Rothes Schild", sondern »Rothe Duelle'. So viel von den verbindenden Gliedern in der Kette der Nolhschild'schen Familiengeschichte. Amschel MoseS Rothschild muß Hin das Jahr 1710 geboren sein. Sein Sohn Mayer Amschel Rothschild heirathete in eine angesehene Frankfurter Familie. Arag. In der letzten General-Versaminlnng der Mitglieder der Zigeunersynagoge haben sich dieselben für die Aufstellung einer Orgel in derselben entschieden, deren Anschaffung durch freiwillige Beiträge erzielt werden soll- Den Anfang hiezu hat, wie uns gemeldet wurde, Herr Gottfried Weltsch mit dem Betrage von fl. 500 gemacht. Mudapest. Sonntag den 5. December wurden im nenerbanten Gebäude des »Pester israel. Frauenvereiiies' das Mädchenwaisenasyl und die Volksküche feierlichst eingeweiht. Den! weihevollen Akte wohnten sänuntliche Attsschussdamen des Vereines unter Führung ihrer verdienstvollen Präsidentin, der Frau David Bischitz, sowie eine große Anzahl von Vereiiismitgliedern und Gästen bei. Unter Lctzteren bcmerkten wir die Gemalin des Minister-Präsidenten, Frau Koloman v. Tisza, Frau v. Kralovanszky, Frau Vadnay, Baronin Kochmeister, Frau Hedwig Adler-Baecalori, den Oberbürgermeister Nath, Vice- Bürgermeister Gerloczy, die Abgeordneten Wahrmann, Busbach, Dr. Paul Mandl, Dr. Alexander Ullmann, Dr. Franz Chorin, g Nath Franz B. Weiß, Pfarrer Titns Degen, die Rabbiner Dr. Kohn, Dr. Goldberg, Dr. Neumanu, Obercantor Friedmann, die Vorsteher des 6. und 7. Bezirkes rc. rc. Um halb 11 Uhr nahm die Feierlichkeit׳ in einem großen Saale des Gebäudes mit einrm vom Obercantor Friedmann geleiteten, prächtigen Choral seinen Anfang. Hieraus begrüßt.׳ die Präsidenten, Frau Bischitz, die Versammlung mit einer kurzen Rede und sprach allen Anwesenden ihren Dank für ihr Erscheinen aus. Die Präsidentin dankte allen Vereinsmitgliedern für ihre bisher bewiesene Opserwilligkeit und Wohlthätigkeit und ist. überzeugt, dass die Mitglieder auch weiterhin ihr ganzes Wollen und Können dem Gedeihen dieses wohlthätigen Vereins widmen werden. Mit dem Gefühl der innigsten Dankbarkeit gedenkt sie des großen. WohlthäterS dieses Vereins, des Baron M. Hirsch. Vereinssecretär Gabriel Friedmann verlas nun die Geschichte des Waisenasyls undder Volksküche. Nachdem der Seerelär mit der Vorlesung zu Ende-

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