Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 40 (16.12.1886)
- Date
- 1886-12-16
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7י war, hielt Rabbiner Dr. Kolm die Festrede, welche nur die ganze Zuhörerschaft einen wirkungsvollen Eindruck machte. Hieraus trat Oberbürgermeister Karl Rath ans die Estrade und richtete eine herzliche Ansprache an das Publikum. Er betonte, dass dieser Verein nicht nur für seine Schützlinge, sondern für die ganze Hauptstadt von großer Bedeutung und Ersprießlichkeit sei. Redner dankt in seinem, sowie im Namen der ganzen Hauptstadt für sein segensreiches Wirken. Er hofft, dass der hervorragendste Wohlthatigkeitsverein d-r Hauptstadt stets blühen und gedeihen werde und wünscht, dass Gottes Segen denselben aus allen feinen Wegen begleite Mit Absingnng des ungarischen Hymnus war die wirklich erhebende Feier, während welcher so manches schöne Auge irr Thräneu der Freude erglänzte, vorüber. Hriest. Ende November wurde endlich das hundertjährige Gründungsfest unserer Talmud-Thoraschule, das eigemlich schon am 23. September hätte begangen werden sollen, damals aber der Cholera halber vertagt werden musste, unter lebhafter Betheiligung unserer Gemeindemitglieder gefeiert, und nahmen an demselben auch Statthaltereirath Ritter v. Rinaldini, dann unser verehrter Bürgermeister Dr. Bazzvni und zahlreiche andere Honoratioren des Staates und der Stadt, des KansmannS- und des Lehrerstandes, Theil. Oberrabbiner Melli hielt dabei die Festrede, in der er darauf hinwies, welche ehrenvolle Stellung die Juden Triests schon vor hundert Jahren unter der glorreichen Negierung der Kaiserin Maria Theresia und ihres toleranten Sohnes Josef's II. eingenommen haben, wodurch es ihnen möglich wurde, eine Lehranstalt zu gründen, die dieser Gemeinde stets zum Ruhme gereichte und ihr auch großen Nutzen brachte und die noch heute besteht. Hierauf trat unser Nosch-Hakahal, Cav. Salem, hervor und enthüllte die auf die Tagesfeier bezügliche Gedenktafel, welche mau vor einigen Tagen in die Wand de» Schulgebäudes eingesetzt hatte. Es wurde dann die österreichische Nationalhymne abgesungen, worauf unser verehrter Overrabbiner vor geöffneter Bundeslade ein warm empfundenes Gebet für unfern glorreich regierenden Kaiser Franz Josef I., sein Haus und seine Negierung sprach. Es dürste nun hur am Platze sein, zugleich einige Daten über die Geschichte der Triester Judengemeinde anzüsühren. Unsere beiden verewigten Stadthistoriker, Scusia und Kandier, nehmen allgemein an, dass schon 65 vor der allgemeinen Zeitrechnung Juden in Triest gelebt haben, die von den Römern als Sclaven sind hierher gebracht worden. Jndess, da es von den Aposteln bekannt ist, dass sie am allerliebsten dorthin daS Evangelium predigen gingen, wo schon Judengemeinden bestanden, so muss in Aguileja, dessen Ruinen nur einige Stunden von hier entfernt liege», das unter den späteren römischen Kaisern als zweite Stadt des römischen Reiches betrachtet wurde, und wo MarcuS, der Schüler des Stifters der christlichen Religion, die Lehren seines Meisters verkündet hat, schon um die Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels eine ansehnliche Judengemeinde bestanden haben, deren Mit׳ glieder oft auch nach Triest kamen, daS schon unter den Römern eine beträchtliche Seestadt war. Die erste verlässliche Nachricht über daS - Vorhandensein einer jüdischen Gemeinde hier findet sich jedoch erst im Jahre 1236 vor) denn ein noch vorhandener Grabstein anS diesem Jahre spricht von einem ״David Hebraeus de Gorizio“. Aus dem Jahre 1330 findet fick ein Grabstein vor, auf dem schon von einem hiesigen Rabbiner, ebenso auch von einem jüdischen Arzte hier die Rede ist. Das im Jahre 1350 entworfene Gemeindestatut von Trieft erwähnt schon lobend der hiesigen Juden, und daS aus dem Jahre 1395 stammende Gemeindestatut erwähnt schon einiger Vorrechte der Inden, aber auch nicht einer einzigen Einschränkung derselben, ja nicht einmal in Betreff des Eides. Der Gerichtsschwur der Triester Inden bestand überhaupt damals nur darin, daß sie ihre Rechte auf die Feder des Gerichtsschreibers legten. Damals wohnten :die Juden hier fast ausschließlich in der Riborgogasse, auS der unser späteres Ghetto hervorgegangen ist, nur einer derselben, der Bankier der Stadt war, wohnte ans dem Hauptplatze. Die Umgangssprachen der Juden waren damals das Lateinische und daS Italienische, welche beide Sprachen sie mit hebräischen Lettern schrieben. 1468 wurden die Juden hier verdächtigt, an einem Ausstande der Bevölkerung gegen daS Municipium theilgeuommen zu haben, und mussten sie als Strafe dafür ein schwarztuchenes 0 aus ihren Kleidern tragen. Gegen das Ende des JahreS 1500 erhielten sie die Erlaubnis, sich hier eine Synagoge zu bauen, von der indess heute nur noch geringe Spuren vorhanden sind. Sie leisteten später Kaiser Friedrich III., ebenso auch seinen Nachfolgern Maximilian I., Carl V. und Ferdinand I. nicht uttwesentliche Dienste und erhielten sie dafür von alle» diesen Kaisern ihre Privilegien bestätigt. 1558 sollten hier zwei Juden, David und Leon, eines unbekannten Verbrechens halber verhaftet und deren Häuser segnestrirt werden. Die Stadt leistete jedoch Bürgschaft für sie, und so ließ man sie wieder frei. 1592 wollte der Herzog von Steiermark, unter dem damals Trieft stand, die Rechte der Juden einschränken, die Stadt protestirte dagegen und schickte sogar einen Juden, Aron Parente, als ihren Anwalt an den herzoglichen Hof nach Graz. Kaiser Ferdinand II. bestätigte mit Diplom von 1624 und 1630 die Rechte der hiesigen Juden, was auch dessen Sohn, Kaiser Ferdinand III-, mit Diplom von 1674 that. Kaiser Leopold I. wieS jedoch die Juden in daS Ghetto, in dem sie bis zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia bleiben mussten. 1548 fand hier die erste Zählung der Inden statt und lebten deren damals hier 221, heute dagegen schon über 5000, von denen die meisten eine geachtete Stellung in der Handelswelt eiunehmen. Unter Napoleon I. erfolgte die gänzliche Gleichstellung der hiesigen Juden. Wew-Kork. Vor wenigen Tagen starb hier der Ex-Senator David Levy Puly. Derselbe saß bis 1845 als Vertreter Floridas im Congreffe, wurde dann zum Senator ernannt, schloss sich jedoch 1861 den südstaatlichen Rebellen an, weshalb er nach der Einnahme Nichmonds als Staatsgefangener in das Fort Paulaski gebracht wurde. Präsident Grant schenkte ihm später die Freiheit. Der Ex- Senator war ein Enkel des marokkanischen Großveziers Mnstapha Ynly, der, als ihm sein Gebieter Sultan Mahomed nach dem Leben trachtete, nach Gibraltar entfloh, dort zum Jndenthume übertrat, den Namen Levy aunahm und eine Jüdin Abendena heiratete. 'Sein Sohn Moses «änderte nach Florida aus und kaufte sich dort an. Dessen Sohn, der Ex-Senator, nahm dann wieder den Familiennamen seines Großvaters Pnly an und heiratete die Tochter des General- Postmeisters der Vereinigten Staaten, Miß Wicliff. Correspondenz der Nedaetion. L. in Szeg.' Sie restiren blos 1 sl. bis Ende December 1886. Die .Broschüre von Oberenntor Singer ist durch die Buchhandlung Ein. Wetzler Wien, I., Kärntnerring, zu beziehen. G. in Alth. und H. in L. Ls- M. Unser herzlichstes מ?ל' £וב. W. in Br. Weshalb keine Antwort. All. in W. Bestätigen den gesandten Betrag. Kor Iahresaöschlnss werden die geehrten Kerren Aöonnenten Höffichst und dringend geöeten, ihre Rückstände öegleichen zn wollen. Prämiirt von den Weltausstellungen: London 1862, Paris 1867, Wien 1873 Auf Raten Klaviere W _ für Wien and lPro\7־inz Concert-, Salon- & Siutzflügel wie auch PianinOS aus der Fabrik der weltbekannten Export-Firma Gottfr. Cramerj Willi. Mayer in Wien, von fl. 380. fl. 400, fl. 450, fl. 300, fl. 550, fl. 600, fl. 650. Cliviere anderer Firmen fl. 280 — 350. Clavier-Verschleiss und Leih-Anstalt von Ä. Thierfelder, Wien, VII., Burggasse 71.