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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-12-16 · Heft 40 (16.12.1886) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 40 (16.12.1886)
Date
1886-12-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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erworben, als er den Neid und Hass seiner Binder wachgcrufen, denn es ist nicht gut denkbar, dass Jemand seines Kleides .wegen geliebt werden sollte, sowie es unwahrscheinlich ist, dass die Brüder des Joseph, als ernste ältere Männer und Familienväter, ihren 17jährigen Bruder, der überhaupt noch als Knabe betrachtet wurde, eines Kleidungsstückes wegen beneidet baben sollten. Es hat vielmehr die Wahrscheinlichkeit für sich, dass Beites, sowohl der Hais und Neid einerseits, als die Gunst .andererseits in Folge der intellectuellen und moralischen Vorzüge, durch die sich Joseph als eifriger Schüler seines frommen und .gelehrten Vaters ausgezeichnet, hervorgernsen wurde. So wird auch in der darauf bezüglichen Bibelstelle als Ursache der Liebe seines Vaters nur das lei wen sekunim hu lau, und zwar nach Unkelos: har chakim hu loh, angegeben, und als Lar chakim mag sich Joseph auch die Gunst aller ihn Sehenden erworben haben. Das als nebenbei erwähnte weosoh lau kesaunes pasim hingegen kann wohl als Anszeichnung für seine hervorragenden Verdienste, aber nicht als unmittelbare Ursache der allgemeinen Gunst gellen; heißt cs ja an dem besprochenen Gebete auch nur besehooh schehilbischau, zur Zeit, d. t. bei Gelegcnheit u. s. w., also uichl das Bekleiden ist die Auszeichnung, sondern dasjenige, was zum Bekleiden Veranlassung gegeben, brachte dem Joseph die Gnnst aller ihn .Sehenden und folgerichtig auch den Neid und den Hass seiner Brüder. . In diesem Sinne ist es sehr gut möglich, dass Joseph bei jedem Fremden um seiner Vorzüge wegen, denen er zufällig auch den bunten Nock zu verdanken hatte, in Gunst gestanden, wenn er auch von seinen eigenen Brüdern, und zwar aus eben demselben Grunde, beneidet und gehasSc wurde. Dass sich das heeneh kol rauow auf alle Menschen mit Ausschluß der eigenen Brüder beziehen lässt, kann wohl ohne Bedenken zugegeben werden, wenn wir in Erwägung ziehen, dass man selbst von Jemanden!, der wie jeder Mensch auch seine Feinde hat, zu sagen pflegt: dieser Mann wird von Allen, oder allgemein geliebt. Es ist dieses eine jener vielen Redensarten, bei welchen man gewöhnlich in puncto Sprachrichtigkeit es nicht gar zu genau nimmt Kremnitz, im Dezember 1886. M. Blitz, Neligionslehrer. Kleine Chronik Wien, 8. Deeember. Der Verwalter des israelitischen Spitals, kaiserlicher Nath Dr. Bernhard Wölfler, empfing he.lte aus Anlass seines siebzigsten Geburtstages zahlreiche Beglückwünschungen. Zunächst erschien eine Deputation der Beamten der Wiener israelitischen Cnltnsgemeinde unter Führung des Primarius Dr. Oser; dann beglückwünschten ihn Prediger Dr. Jellinek, der Präses Herr Arminio Cohn, sowie die Mitglieder des Vorstandes der Cultusgemeinde, wobei als ein Zeichen dauernder Erinnerung an das humanitäre Wirken Dr. Wolfler's dessen wohlgetroffenes, von Gräfin Adrienne Nöting gemalke Porträt enthüllt wurde. DaS Wiener medicinische Doetoren-Collegium hatte eine Deputation unter Führung des Dr. Hopsgartner entsendet; das Cnratorinm des israelitschen Blinden- Institutes, dessen Präsident der Jubilar ist, erschien unter Führung der Herren Baron Königswarter und Dr. Ph-lipp Mauthner und überreichte eine Glückwunsch-Adresse; eine Deputation von Zöglingen des Instituts überreichte von denselben verfertigte plastische Arbeiten. Im Verlause der Feier sendete der Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde an Dr. Adolph Fischhos, der durch viele Jahre am is!aelltijcheu Spitale (in der Seegasse) als Secundararzt gemeinsam mit Dr. Bernhard Wölfler gewirkt hat, zu dessen siebzigstem Geburts« tag ein Beglückwünschungs-Telegramm. Wien.. Zur Etymologie des Namens -Rothschild" brachte die Londoner ״Jewesh World“ jüngst eine Mittheiluna, welche von einem mit der Sache augenscheinlich bekannten Correspondenten der i ,Times" einen kleinen Commentar erfährt. Derselbe bemerkt, dass den weißen Vorhängen und den Blumen auf den Fenstern, so lange er redlich arbeitete. Und wie erst die Kinder kamen, die süßen Kleinen, eins nach dem andern! Aber es fanden sich Freunde, die ihn auseiner kleinen Werkstatt in die Schänke zogen, wo der Wein floß, die Zigeuner spielten und die ichmntzigen Karten ans den Tisch geschlagen wurden. Das Geld bekam Flügel und flatterte davon, und er wurde verdrießlich und arbeitete immer weniger, und wenn Slobe weinte, lachte er sie aus. Nachdem Alles verkauft und verpfändet war, und nur noch selten eine Kundschaft sich zu ihm verirrte, zogen sie ans einem Gelaß in das anderes bis sie endlich dort angelangt waren, wo die Flickschneider, die Lumpensammler und die Schnorrer hausten, und er war vom feurigen Wein zum Bräuntwein gekommen, so dass ihn jetzt sogar seine Freunde mieden, bis auf einen, den Gerber Zadeck, der sein Nachtquartier nichl selten unter den Bäumen der Promenade oder auf offener Straße aufschlug; und trotzdem eS daheim oft an einem Stückchen Brod mangelte, verbrachte er doch Tag und Nacht in der Schenke, in der sonst nur Diebe, Vagabunden und geschminkte Dirnen verkehrten und spielte und trank und sang wüste Lieder, und wenn er heimkam, schlug er sein schuldlos Weib. Ja, es war der DalleS, für sie alle war er der böse Geist, der sie arm und elend machte. Slobe ließ ihn einige Zeit ruhig, dann trat sie leise zu ihm hin und legte saust den Arm um seinen HalS, und er verbarg sein Gesicht an ihrer Brust. Keines von ihnen sprach mehr ein Wort. Am nächsten Morgen aber, als die Kinder erwachten, saß .der rothe Pseffermann schon bei der Arbeit, und seine Arme gingen flink hin und her, wie schon lange nicht, und er pfiff ein Liedchen vor sich hin, während Slobe bei dem kleinen Herde :wirthschaftete. Als sie beim Frübstück saßen, Slobe auf dem .-Sessel, den er schon in aller Frühe geleimt hatte, und er auf seinem niederen Stuhl zu ihren Füßen, da drückte er plötzlich ihre Hand und sprach: ״Verzeih' mir. Ich soll ans der Stelle von der Erde verschlungen werden, wenn ich noch einen Tropfen trinke oder eine Stunde des TageS nicht arbeite. Verzeih' mir, Slobe, und wenn ich einmal schwach werde, so schlage mich in Gottes Namen oder schneide mir Bart und Peies av. Slobe schüttelte den Kopf. ,WaS würde mir dahelfen, aber Du wirst rricht aus dem Hause gehen ohne meine Erlaubnis und Du wirst mir jeden Kreuzer geben, den Du verdient hast." ,Wie Du willst, Slobe." Ein einziges Mal fand bei dem rothen Pfeffermann ein Rückfall statt, aber eS genügte, das- Slobe an das Fenster der Schenkstube klopfte und ,Abram!" rief; sofort ging er heraus, und nachdem er einige Schritte mit ihr gethan, sagte er: ,Jetzt schlage mich, Slobe." ,Dafür, dass Du mir gefolgt hast?" ries sie und begann laut zu lachen, ״nein, Abrani, dafür verdienst Du eineu Kuss." Und sie nahm ihn um den Hals und küsste ihn. Am nächsten Tage kam Zadek und begann über ihn z n spotten, aber Slobe trat, die Arme in die Hüften eingestemmt, vor ihm hin und spuckte auS. ,Dass Sie mir nicht mehr über meine Schwelle kommen", rief sie aufgebracht, ,und nicht mehr mir meinem Manne sprechen auf der Straße, sonst" — Sie erhob den Arm so ausdrucksvoll, dass Zadek sie verstand und ging. ES währte nicht lange, so konnte Slobe täglich Fleisch kochen und eines TageS stellte sie Abram auch ein Glas Wein dazu auf den Tisch. Er lächelte und sagte nichts. Und wieder war es Herbst geworden, der rothe Pfeffermann war mit seinen roth.n, grünen, blauen und gelben.

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