Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-12-16 · Heft 40 (16.12.1886) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 40 (16.12.1886)
Date
1886-12-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453044-3453084--1954-3456151
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

böchsten Wunsch ausgedrücki hat, welcher auch Moses zu demselben innigen, doch vergeblichen Gebete veranlasste? Luzatto hat das Grab seiner geistigen Schätze aufgcfuuden, Dukes die seine Tugenden verkündende Grabschrist entdeckt, seine wirkliche Grabstätte ist, wie die des Moses, bis auf den heutigen Tag unbekannt. Doch, war es ihm auch nicht gegönnt, die Gottesstadt zu sehen, so hat er gleichwohl in Vielen die Sehnsucht nach ihr erweckt, welche ihre Steine küsten und ihren Staub umarmen (Kus 5, 25, 27. Virgo, Divan N. 1, 16, Zionide). Unauslösbar bleibt daher sein Andenken mit dem Namen Zerusalem vereint; unvergänglich wie Zion, das er verberrlicht, ewig wie Zions Kinder, an deren unverbrüchliche Treue er geglaubt, wird durch sie und mit ihnen neu verjüngt die Erinnerung au Zuda Halevi sich fort erhalten. Bemerkungen zu den Gebeten mährend des Priesterstgens. Mit Bezug auf die in Nr. 37 dieses geschätzten Blattes von Sr. Ehrwürdcu Herrn Dr. Abr. Löwy, Bezirks-Rabbiner in Dutschowitz, unt r obiger Ueberschrift erschienenen Bemerkungen, erlaube ich mir, meine unmaßgebliche Aenßerung im Nachfolgenden mitzutheilen: Die erste von Sr. Ehrwürden gestellte Frage, welcher Umstand Veranlagung bot, das Ribouo schel vlom-Gebet, das doch, wie aus dem Talmud ersichtlich ist, ursprünglich nur für Einzelne bestimmt war, als solches für die ganze Gemeinde einzuführeu, und um welche Zeit dasselbe Eingang in das Gebetbuch gefunden habe, würde ich dahin beantworten: Wenn wir vorauSsetzeu, dass zu jener Zeit, als dieses Gebet verfasst wurde, die Träume nicht, wie in unserem gegenwärtigen, aufgeklärten Zeitalter, als Nachwirknugen unserer Begriffe und Vorstellungen in der Wirklichkeit angesehen wurden, sondern als Prädictionen zukünftiger guter oder böser Ereigniße gegolten haben, und den Letzteren nur durch Fasten und Gebete vorgebengt werden konnte; wenn wir ferner bedenken, dass damals kein Traum unberücksichtigt und ohne Deutung geblieben ist, so müssen wir annehme», dass sich an jedem Feiertage — schon wegen der großen Intervalle zwischen denselben — eine respectable Anzahl solcher, tie Trost in diesem Traumgebete suchten, in dem Tempel zusammengesunden haben. Hiedurch entstand gewisser-- maßen eine gemischte Andacht während des Priestersegens, und es dars auch nicht-die Möglichkeit ausgeschlosieu werden, dass sich vielleicht eiues Tages, wenn auch nicht alle, so doch die meisten Andächtigen der Synagoge in die Lage versetzt sahen, das Ribono schel vlom-Gebet zu verrichten. Unter solchen Umständen kann sich entweder die Umwandlung dieses Gebetes von einem Tfilas Jochid in ein Tfilas Zibur durch die Notwendigkeit von selbst vollzogen haben, ohne dass die Berufenen biebci ihr Votum abzugeben uöthig hatten, oder es haben die Synagogeuältestcu in Würdigung der angeführten Momente die Metamorphose gutgeheißen und das Ribono schel vlom-Gebct als öffentliches anerkannt/, in jedem Falle aber fanden sie cs nicht für unbedingt nothwcndig, die Daten darüber der Nachwelt zu erbalten, und dieses umsoweniger, da doch durch diese Umwandlung das Gebet nicht wesentlich geändert wurde, auch sonst seine Heiligkeit nicht eiugcbüßt, vielmehr an Weihe und Würde gewonnen hat. Auf die Frage im Jchi R02ann-Gebete: ״Hat doch Joseph gerade durch diese vom Vater erhaltene Auszeichnung viel Neid und Hass von seinen eigenen Brüdern erlitten, wo sind die Beweise, dass Joseph Gunst fand in den Angen aller ihn Sehenden zur Zeit, als sein Vater ihn mit dem bunten Seidenrocke bekleidete?" erlaube ich mir Folgendes zu erwidern: Nach meiner uumaßgeblichen Ansicht hat der bunte Seideurock selbst dem Joseph ebeusoivenig die Gunst aller ihn Sehenden Der Dalles des rothen Pfessermann. (Schluss.) .Daß ist er, das ist der Dalles/ sagte Sara und drückte ihr schwarzes Köpfchen ängstlich an Jakoble's Schulter. ,Du bist — bist auf/ brüllte er laut — ״hast mich erwartet in Liebe und — und Treue — Du — Du goldene Slobe — weine nur nicht — so ns/, er schwang den dürren Busch um sein Haupt. ״Komm' mir nicht nahe/ sagte Slobe, die sich mit dem Nucken an die Wand lehnte, ,ich taffe mich nicht schlagen, so wahr es einen Gott im Himmel gibt/ ,Du willst mir — mir, deinem Herrn — drohen — Slobe, Slobe! — eS weit gekommen mit Dir — Du schlechtes Weib! — Pfui l * Er spuckte dreimal auß. ,Geb zu Bett!׳' ,Ha! ha! ha! ich bin durstig, icd will trinken, wo Haft Du den Branntwein? verbirg ihn nicht — Gott — Gott sieht daL Verborgene/ »Ich habe keinen Branntwein/ ,Wirst Du gleich'/ Er erhob den Busch und schwankte auf sie zu. In diesem Augenblicke geschah etwas, worauf Niemand Aefassi war, nicht einmal Slobe, ja diese am wenigsten. Die Kinder sprangen aus dem Bette zwischen ihn und ihre Mutter und sielen vor ihm aus die Knie und begannen erbärmlich zu weinen. ,Dalles! Dalles'/ schrie der kleine Jakob, ,nimm nnL Alles, nur schlag die Mame nicht/ ״Lass uns die Mame, lieber, guter Dalles/ flehte Sara, die Händchen erhoben. ,Sie ist ja so brav, gerade so brav wie der Tate, der unser Brod verdient/ ,Schlag uns den Tate nicht, wir sind ja so arm/ ,Wenn er nickt arbeiten kann, haben wir nichts zu essen/ ,Süßer Dalles, schlag dis Mame nickt/ Der wilde Mann, den die Kinder nicht kannten, starrte sie lange an mit kalten, verglasten Augen, dann entsank zuerst der dürre Wirthshausbusck seiner Hand, und er fuhr sich über die Stirn, als wollte er sich auf etwas besinnen, das er längst vergessen, und wühlte in seinem wirren rothen Haar, dass ihm der schäbige Filz vom Kopte siel und begann am ganzen Leibe zu beben und sank endlich auf den uiedern Stuhl hin, auf dem er zu arbeiten pflegte- ״Der Dalles!' wiederholte er leise mit gebrochener Stimme, ,der Dalles!' Da schrien die Kinder alle zugleich: ,Der Tate!' und verstummten dann und sahen ihn entsetzt au. Es war ihr Vater, der rvthe Pfeffermauu, er legte jetzt den Arm über das Gesicht, das mit einem Male schrecklich bleich geworden war, und begann bitterlich zu weinen. Lange Zeit war es stille in dem kleinen, ärmlichen Raum, die Kinder lagen noch immer auf den Knien, und Slobe lehnte wie versteinert an der Wand. Man hörte nur von Zeit zu Zeit den rothen Pfeffermann laut aufstöhnen: ,Der Dalles'/ Ja, es war der Dalles, er war es für sein Weib und seine Kinder, und er war es nicht minder für sich.. Hatte er sie nicht alle an den Bettelstab gebracht? Kein Schadchen hatte ihn mit prunkenden Worten überredet, er selbst, sein Herz, hat die schlanke Slobe mit den freundlichen, dunklen Augen erwählt. Sie war nicht reich gewesen, aber sie hatte ihm doch ein paar hundert Gulden und allerhand Geräthe und ihre fleißigen Hände dazu in das Haus gebracht, und sie lebten so vergnügt in ihrem hübschen Laden und ihrem reinlichen, freundlichen Zimmer mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.