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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-12-16 · Heft 40 (16.12.1886) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 40 (16.12.1886)
Date
1886-12-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 schon seit Jahrhunderten in der weiten Zerstreutheit nach Ländern und Orten sich ungleich gestaltet hatte und seit den erneuten Wanderungen und Mischungen der Eleincnte neuer Gemeinden seine Formen stets vermehrte. Die Hauptrichtungen, welche herkömmlich einen bestimmten Charakter entfalteten, ließen dennoch, wie der Erfolg lehrt, eine große Verschiedenheit der Bräuche zu. Auch bildeten sich allerlei Brüderschaften mit besonderen gottesdienstlichen Formen neben den Synagogen in ihren Zusammenkünften, sei cs zu Frühgebeten oder zu nachtlichcn frommen Uebungen, insbesondere auch für Krankenpflege, und Leicheubestattnugen. Für das Bedürfnis aller dieser Bcsondcrheiten hatte jetzt die Presse zu sorgen. Es entstanden unendlich viele und sehr verschiedene Sammlungen von Gebetbüchern. Fest- und Fasttagsordnungen unter geeigneten Namen und von jeder Art unendlich viele und verschiedene Formate. Aiau kann die Anzahl der gelieferten Werke, von dem größten bis zum kleinsten Umfange, auf Millionen veranschlagen. Die Freude am Gebete, sowie der Trost der Klagelieder erwcckien von Neuem die fähigen Köpfe zur Dichtung äugeruesscuer Gesänge, und mancher ihrer Lieder fanden verbreiteten Anklang. Der Styl ist minder kühn als der der altern Dichter, aber reiner und verständlicher. Die Kabala bemächtigte sich bekanntlich schon früh des Gebetbuches, um das Gebet nach ihrer Weife durch einzumischeude, hocbfliezende Gedanken an Gottes- und Engelnamen zu befruchten. Mit Rücksicht aus das weibliche Geschlecht, bei welchem ohnehin neue Gebete und Erbauungen beliebt wurden, begann man bereits im sechzehnten Jahrhunderte Iheils ganze Sammlungen, theilv einzelne Stücke der Synagogen- und Hansgebete in's Deutsche zu übersetzen. Bald mehrten sich die Sammlungen, besonders für Frauen verfasster Gebete in der jüdisch-deutschen Mundart, welche sehr oft in verschiedener Ausdrucksweise erschienen unter den Namen תחינות• Minder häuflg sind italienische, spanische und portugiesische Uebersetzungen bekannt. W.r. (Fortsetzung folgt.) Zum nächstjährigen Csntorenlagk. Sowobl im vorigen Jahre als auch Heuer habe ich in diesem Blatte die Frage über den nächsten Cantorentag ventilirt. Aus verschiedenen Gründen, die ich nicht näher erörtern mag, wurde der Zusammentritte des zweiten Cantorentages verschoben. Nun heißt es, wie ich aus sehr competenter Quelle erfahren habe, dass derselbe denn doch im kommenden Jahre zusammentreten wird. Aus diesem competcnten Munde habe ich auch zu meinem größten Erstaunen gehört, dass wohl schon der Bereinsvorstand ernstlich daran gegangen sei, statutenmäßig den zweiten Cantorentag im verflossenen Sommer zusammentreten zu lassen, allein — man höre und staune j Der Vorstand habe vertraulich bei der: Mitgliedern angefragt und daraus die Ueberzeuguug gewonnen, dass an eine Beschiussfähigkeit der Versammlung nicht zu denken gewesen wäre. Also nach Ablauf von vier Jahren hätten die Vereinsmitglieder weder Zeit noch Lust gesunden, einer Versammlung beizuwobnen, bei welcher so hochwichtige Lebensfragen des Vereines zur Discuflion und Beschlussfassung gelangt wären?! Man wende mir nicht ein, die Unerschwinglichkeit der Reisekosten sei daran schuld. Abgesehen davon, dass der Vorstand bei den verschiedenen Bahuverwaltungen eine bedeutende Er- Mäßigung der Fahrpreise erwirkt hätte, lässt sich doch mit Gewissheit annehinen, dass eine genügende Anzahl von Mitgliedern, die zur Beschlussfähigkeit nöthig sind, vorhanden ist, denen das Neiscbudget nicht gar so unerschwinglich ist, und was vor vier Jahren möglich war, wo der Verein kaum halb so stark war, dürfte doch jetzt nicht unmöglich sein. Ich halte daher das Zusammentreten des nächstjährigen zweiten Cantorentages als eine nicht mehr zu umgehende und uicht mehr anznzwcifelnde Frage. Es handelt sich nur darum, dass der verehrre Vorstand rechtzeitig die drei Cardinalfragen, die seit Jahren in der Schwebe sind und zu einer entscheidenden Beschlussfassung drängen und eine LebenSfrage für das Fortbestehen sowie für das Aufblühen des Vereines sind, reiflich erwäge, gründlich vorberathe und der Generalversantmlung vorlege. Diese drei Fragen sind: Abänderung der alten Statuten, Gründung eines Pensionssondes und Erwirkung der staatlichen Anerkennung unseres Standes. Ich bin überzeugt, wenn der Vorstand diese Fragen in« Programm anfnehmen wird, dass dieselben ein lebhaftes Interesse bei allen Mitgliedern erregen und ein mächtiger Magnet für den Cantorentag sein werden. Es ist nur dringend zu wünschen, dass der geehrte Vorstand diese Tbemen gründlich und baldigst in seinem Schoße vorbereite und möglichst bald durch das Vereiusblatt den Mitgliedern zur Kennt 1is bringe, damit jeder in der Lage sei, diese so hochwichtigen, tief einschneidenden Fragen zu studiren, um gehörig vorbereitet zur Generalversammlung erscheinen zu können. Es ist daun nicht daran zu zweifeln, dass eine große und stattliche Anzahl von Mitgliedern sich im Sommer 1887, jedenfalls Anfangs August zu Beginn der Ferien, in Wien zusammenfindcn werde. Und ans diese sichere Aussicht hin rnse ich heute schon allen Collegen zu: Aus Wiedersehen beim zweiten Cantorentage 1887 > Trantenan, 9. Deccmder 1886. Jonas S t r a n.S k y. Biographisches klier Juda Halevy. Von Dr. Frankl-Grün in Kremsier. (Schluss.) Gewiss hätte nicht eine solche starke Opposition gegen die nengeschaffeilen Gebetzusätze (יהירות) sich erhoben, gegen deren Härte und Ueberschwenglichkeit würden nicht berechtigte Klagen geführt, wären in unsere Liturgie mehr Stücke von I. H. aufgenommen worden. Während in das sephardische Machsor, das bei seiner Auswahl überhaupt mehr maßhaltenden, ästhetischen Sinn bekundet, über 20 I. H.'sche Pijntim, darunter für jedes Fest-, Selichot- und Neumondstag, Eingang gesunden, besitzen wir im Ganzen 7 Pismonin'), was schon vom Landesrabbiner M. Benedikt in seinem Gutachten zur editio Hraschanski bemerkt wird, und welchem Mangel wir bei der künftige:; Umgestaltunz unseres Gottesdienstes, bei der etwaigen Einführung ’)אמרות f״r יום לבישהו ־יתרי für יינה שבת שירה Sabbath vor ידיד עליי ־שבועות für עקב (Div. 73) 'י הו לעןן am Sabbath vor יום אבפי) תשעה באב "יז •ציו׳ ׳סכות ist zweifelhaft). Unser fehlerhafter Text ist nach Luzz. Virgo S. 28 und Divan S. 25 richtig zu stellen. Als Privatgebele sind noch der herrliche Hymnus ׳יליד נ2ש ferner der Hymnus ברבי אצולה und einige für שומרים לבקר eingerichtete, dem סדן- ד׳ עמרם entnonnnene בקשות sU bezeichnen, über deren Echtheit nach dem in der Einl. zu Divan S. 5 gegebenen Kriterium zu urtheilen ist.

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