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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-12-16 · Heft 40 (16.12.1886) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 40 (16.12.1886)
Date
1886-12-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische ך- Pränumerrilions-Prei- Kür Sereinsinitglicdcr: Ganzjährig ... st. 5.— Halbjährig ... fl. 2.50 Birrteljährig . - st. 1.25 Monatlich - - - fl- —•45 Kür Nichimitgfieder: Ganzjährig ... fl. K.— Halbjährig ... fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.5V Monatlich . . . fl.—.50 Kür das Anstand: Ganzjährig ... fl. ז 12 Mark oder 6 Nnbel. V -!> J für O 1• g a 11 die Gesummt-ZntmSZtn siidiHer Gantareu. Erscheint jeden achten Hag. Administration W teil, II., Novaragaffe 27. Begründer: Obercantor Icrk.c»6 Wcrrrer. Inserat« werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 40 Wir», 16. Dezember 1886. 6. Jahrgang. Iragmente. Aus dem alten jüdischen Leben im Familienkreise, im '׳ Gotteshause, im gemeinschaftlichen Verkehre. (Zweite Artikel-Serie.) > XIX. ) Presse und Synagoge. Wer für alle Zeiten eine welthistorische Bedeutung ge- Wonnen, wcr gleichsam mit Schöpserweihe: Es werde Licht! durch den Erdkreis gerufen und ein Werk aus dem reichen Schacht seines Geistes gezogen, in dem sich die ganze Menschheit geehrt, gewürdigt/ erhoben fühlt; der hat sich den Dank, den Ruhm und doppelte Unsterblichkeit für alle Jahrtausende gesichert und errungen. Es wild sich Wohl Niemand dagegen aufzulehnen haben, dass wir mit diesen Posauueutönen auch das Lob des Eisinders der Buchdruckerkunst verkünden, von dein es mit vollem Recht heißt: dass nicht allein Deutschland, nicht allein Europa, sondern die ganze Welt die Verpflichtung aus sich habe, ihm ein Monument der Dankbarkeit zu errichten, auf dass die spätesten Generationen - noch mit Bewunderung und mit Stolz auf die menschliche Größe Hinblicken sollen. Ob nun dieser Manu, der mit so gewaltiger Hand in das Culturleben der Völker eiugriff, Gmenberg, Faust oder Schösser geheißen habe, das kann gleich sein. Wir denken uns unter dem Namen Gutcnberg den ursprünglichen Schöpfer der Typographie und grübeln nicht lange darüber nach, ob und wie viel Antheil Andere^daran gehabt haben mögen. Wir tragen die Verdienste Aller auf den Einen über und bringen in diesem Einen Allen, die uns die Geschichte als Urheber und Beförderer dieser Kunst nennt, den Zoll unserer innigsten Verehrung dar. Das Judenthum hat ein dankbares Herz für alle großen Männer, die cpochemachend in der Völkergeschichte austretsn, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnißes, so auch für diese berühmte Persönlichkeit des Ersinders der Buchdruckerkunst, wodurch die hebräische und' jüdische Litteratur in ihrem ganzen, großen Umfange auf allen Gebieten und Verzweigungen derselben gefördert worden ist. Die Synagoge erkannte bald, welch' eine unüberwindliche Macht ihr durch die Presse zur Seite stand, und in der That hat keine Neligionsgeseilsckall in der Welt von der Presse verhältnismäßig einen io ausgedehnten Gebrauch gemacht, wie die Juden sofort nach den ersten glücklichen Versuchen. Nicht mehr war jetzt der Besitz der Neligionsguellen vom Neichthum bedingt, nicht mehr ihre Reinheit abhängig von der Kunst, dem Wissen und der Treue der Abschreiber, nicht mehr deren Dauer preisgegeben den Zufällen des Geschickes, dem Feuer, dem Wasser, dem Raube und der böswilligen Zerstörung. Die Schöpfungen des Geistes waren nicht mehr beschränkt auf eine kleine Schaar von Kundigen, nicht mehr auf Orte oder Sammlungen. Sie lockten die Wissbegier herbei, sie begleiteten den Wanderer in seine neuen Wohnorts, sie wechselten die Eigenthümer, ohne diese zu verlassen, die veräußerten oder geraubten waren leicht ersetzt. Jeder Jude hatte die Pflicht, nicht bloS das Gesetz zu üben und zu vernehmen, sondern selbst zu lesen und aus den Quellen zu schöpfen, ׳״למען ישמעו ולמען ילמדו״ heißt es in der heiligen Schrift (5. M. 31, 12); das war bisher mit Aufwand verbunden, nunmehr leicht und Jedermann zugänglich, die Bücher wurden zu einem gemeinsamen Band der zerstreuten Glieder. Bald erlangte die hebräische Presse eine vollkommene Freistatt im osmanischen Reiche, wo kein Ulema sich um jüdische Schriften kümmerte, und was unkundige Priester und kundige Ueberläufer in den christlichen Staaten böswillig zerstörten, erstand anderswo wieder. Die Erzeuguiße der jüdischen Presse wuchsen immer üppiger empor, und so oft einzelne der Zeit erlagen, erhoben sie sich von Neuem und vervielfältigten sich iu's Unabsehbare. Ein Zeitraum von zweihnndertfünfzig Jahren genügte, um in einer zersplitterten Gemeinde von höchstens 3 bis 4 Millionen Seelen, meistens arm und verachtet und dürftigen Unterhalt suchend, mehr de.nr 6000 Druckwerke zu verbreiten, darunter viele großartige, lauter sprechende Denksteine der Liebe zu dem ererbten Gute und des Eifers für dessen Erhaltung. Großartig und in ihrer Mannigfaltigkeit unabsehbar sind die Leistungen der Presse auf dem Gebiete des Gottesdieustes, sowohl in der Synagoge als im Hause, welcher

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