Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 39 (8.12.1886)
- Date
- 1886-12-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Supplenten nach Belieben verfügen konnten. Seine Excellcnz der Herr Unterrichtsminister, Dr. von Gautsch, ,der schon so viele Reformen in unser Mittelschulwesen gebracht, hat mit diesem Erlasse gezeigt, dass er die hohe Bedeutung kennt, welche der Religionsunterricht in der Mittelschule einnimmt, und dass er gerechten Wünschen nach Thnnlichkeit gerecht zu werden bestrebt ist. In dieser nun neu crrungencn Stellung werden die Religionslehrer ihren Berus erblicken und mit erhöhtem Interesse und doppeltem Eifer an ihre Arbeit schreiten. Wien. Mittwoch den 8. d. M. feiert der Director des Spitals der israelitischen CnltuSgemeinde (Nothschildspital), Herr kaiserlicher Rath D r. Be r n h a r d W o l s l e r, seinen siebzigsten Geburtslaz. Dem verdienstvollen Manne, der durch eine lange Reihe von Jahren mit seltener Hingebung und unermüdlichem Eifer im Dienste der Humanität wirkt, sind aus diesem Anlasse zahlreiche Ovationen zugedacht. .Herr Professor Dr. Oser wird demselben die Glückwünsche der Beamten der Cultusgemeinde über- Mitteln. Auch der Vorstand der Cultusgemeinde wird diese Gelegenheit nicht volüvergehen lassen, um Herrn Director Wölsler seine Ai:- erkennnng in passender Weise kundzngeben. Möge cS dem jugendfrischen Jubilar gegönnt sein, die Früchte feincö edlen Wirkens noch viele Jahre an der Seite seiner treuen Gattin zu genießen. WikU. Der Tempelbauverein deS achten Bezirkes veranstaltete Samstag den 27. v. M., Abends, in den festlich decorirten Saal- Localiläten des Hotels ,zum weißen Roß' cine WohlthätigkeiiS- Acadcmie, verbunden mit einem Tanzkränzchen, deren Neinertiägnis dem Josefstädter Tempelbausond gewidmet ist. Mit Gennzthnung können wir coustatiren, dass die Theilnahme eine außerordentlich zahlreiche war, dass die Saal-Localitäten de§ ,weißen Ross' ein feines, distingnntes Publicum füllre und dass sich also wieder durch viele Ueberzablungen der so oft bewährte WohlthätigkeitSsinn unserer Glaubensgenossen auf's Neue documentirte, wodurch dem Tempeibaüfond des achten Bezirkes rin schönes Sümmchen zugeführt werden konnte. Las Programm war ein äußerst reichhaltiges und umfasste zehn Nummern, gesangliche, musikalische und declamatorische Vorträge. Da sich auch hervorragende Künstler und Künstlerinnen an dieser Wohlthäligkeits-Academie betheiligten, so wurde dem Publicum ein wahrhafter Kunstgenuß geboten. Mit besonderem Beifall wurde die erste GesangSnummer, bestehend aus den Opernarken ,Mein Vaterhaus* von Alfred Straßer, eine Arie aus der Oper ,Die Jüdin' von Halevy, welche von Fräulein C. Naditz mit vielem Verständnis und mit besonders wohlktiugender Stimme vorgelrageu wurde, ausgezeichnet. Nicht minder erntete die Violin-Virtnosin Fräulein Gabriele Neußer mit ihren Violin-Solovorträgen: ״Romanze" von De Swendseu und ״Ungarische Tänze" von BrahmS Joachim, welche selbe mit großer Virtuosität vertrug. Als ausgezeichneter Declamator glänzte Herr Julius Strebinger durch seine hinreißende Dcclamation des Gedichtes ״Der Wahnsinnige" von Petösy. Auch Herr Benjamin Schier wurde für seine von ihm verfassten und^gesprochenen humoristischen Vorträge mit reichem Beifall belohnt. Den Glanzpunkt des Abends aber bildeten die mit gewohnter Meisterschaft und colossalem Stimmmaterial vom k. k. Hof- Opernsänger Herrn Willibald Horwitz gesungenen Lieder ״Der Neugierige" und ״Der Wanderer" von Schubert. Dass derselbe mit Beifall überschüttet wurde, brauchen wir nicht erst zu erwähnen. Die Musik zu dem höchst animirten Tanzkränzchen besorgte die Negimentscapelle Freiherr v. Neinländer. Um das Zustandekommen dieser Wohlihätigkeits-Academie hat sich nebst den anderen Comitä- Mitgliedern Herr Leopold Gntmann besondere Verdienste erworben, und ist es höchst erfreulich, dass seine Bemühungen von einem solch' schönen Erfolge gekrönt waren. H. L_r. Wißkih. Vor circa 6 Jahren fungirte in unserer Gemeinde längere Zeit der in unfern Kreisen wohlbekannte, aus Göding gebürtige Herr Obercanior Müller, welcher sich durch seine gediegenen musi« kalischen Kenntniße, seine prächtige Tenorstimme und seinen biederen Charakter die Sympathie und Anerkennung Aller erworben hatte. Herr Obercantor Müller vertauschte hierauf seine hiesige Stelle mit der zu Binzen a. Nh., und als ihn nach Ojähriger AmtSthätigkeib daselbst ein plötzliches Heimweh ergriff, besuchte er auch u. A. vor Kurzem die Stätte seiner früheren Tbätigkcit, nämlich Mißlitz. Von allen Gönnern und Freunden aufs herzlichste bewillkonunt, wurde ibm zu Ehren von dem Herrn Cultusvorsteher Josef Spitzer, einem hochangesehenen Manne und edlen Gönner des Cantoreuthn'ms, ein von der Elite der hiesigen Gesellschaft besuchtes Fest arrangirt, bei welchem auch mehrere Gesangschöre und Solovorträgc, unter Mitwirkung des Herrn.Obcrcantor Müller, sowie des jetzigen Herrn Obercantor H. N. Heller, die mit ihrem künstlerischen Vortrage und brillanten Stimmmitteln Aussehen erregten, zur Aufführung gelangten. Gleich verdienten Beifalles erfreuten sich auch Herr M. Kramer, ein hiesiger Kanfmann, mit seiner.prächtigen Bassstimme, die durch Liebreiz, Bildung und wahre Herzensgüte ausgezeichnete Gattin des Herrn Gastgebers, Frau Flora Spitzer, unsere liebenswürdige Frau Cantor Heller und das anmnthige Fräulein Tini Funk. Nachdem Oberlehrer FesSler jämmtlichen Arrangeuren, sowie den Sängern und Sängerinnen, die durch ihre gelniigencii Vorträge zur Verhtrrlichung dieses Festes beigetrage», den wärmsten Dank der Gästc ausgesprochen, stattete Herr Obercantor H.ller i.n Namen deS ganzen Cautorenthums für die dasselbe so ehrende Ovation einen Tribut dankbaren Zolles dem Gastgeber ab, avknüpsend an die Talmudstelle ,;Kabed es adonai mehoncho al tikroh mehoncho eleh migroneho“. Bis 4 Nhr Morgens blieb di.׳ Gesellschaft in ' ansmirtester.Stimmung beisammen. J. Schulhof. München Der Ausschluß der Inden von dem philologischen Lehramt durch das ,liberaleV Ministerium Lutz in Bayern wird der »Freist Zlg.' durch eine Zuschrift ans der Pfalz als thatsachlich vor- Händen bestätigt. Das amtliche Register der Lehrer an bayerischen Studieuanstalten weist keinen einzigen Lehrer israelitischen Bekenntnißes ans. Junge Israeliten in Bayern sehen daher einfach von vorneherein davon ab, Philologie zu studiren, da sie. eine Aussicht auf Anstellung im Staatsdienste doch nicht haben. Merlin. Der Haushalt der jüdischen Gemeinde zu Berlin istso splendid, dass er manchem Fürstenhanse zur Ehre gereichen könnte. Nach dem soeben erschienenen Nechenschaslsbericht über die abgelanfene dreijährige Etatsperiode 1883/85 beziffert sich die Einnahme für den gedachten Zeitraum ans Mark 2,793.01! 99׳, in welchen diverse Nückzahluiigen von Specialveiwaltuiigen und Restguthaben bei denselben mitbcgriffen sind. Davon wurden Mark 2,514.47993׳ ansgebraucht. — Die Haupt-Einnahmeposten setzen sich zusammen aus den Gemeindebeiträgen in Höhe von Mark 1,501.12250׳, aus dem Erlös von Synagogenplätzrn und einem veräußerten Gemeindegrundstück Mark 270.103-29, ans Capitalien und Zinsen von Stiftungen Mark 575.86278׳, die wiederum ungefähr in gleicher Höhe in den Ausgang eingebracht sind, ans Mark 30.000 eines gekündigten Hypotheken-AntheilS, aus Mark 45.64520׳ Reservat auf uneingelöste Coupons, aus diversen Neberschüffen, Verkäufen u. s. w. — In dem AuSzaug sind folgende Posten bemerkenswerth: An Zinsen für Gemeindeschulden, Amortisationen und rückständigen Coupons gingen über Mark 400.000 aus. Es wäre intereffant, die ganze Gemeindeschuld kennen zu lernen, um einen vollständigen Einblick in diesen fast fürstlichen Haushalt zn gewinnen. Die auf dem Begräbnisplatz in Weißensee lastende Hypothekenschuld von Mark 60.000 wurde gelöscht. Für Cnltuszwecke, als: Gehalte, - Remunerationen und Pensionen für CultuS- und Bureaubeamten (Mark 276/669), Gottesdienst in den vier Synagogen und Privatvereinen (Mark 214.75904׳),. sonstige Ritual» und Beerdigungskosten hat die Gemeinde die erkleckliche Summe von Mark 528.57166׳ aufgebracht. Außerdem sind für Bureau- und Drnckkosten Mark 22.70479׳, für den Umbau zweier