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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-12-08 · Heft 39 (8.12.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 39 (8.12.1886)
Date
1886-12-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«!kennt er Z. H. als den vorzüglichsten Dichter in dcu.wcltlicken Gesäugen sowohl, wie in den helligen an. (Virgo S. 17, 100 Anm. Div. 5.) Besonders zeichnen sich die synagogaleu <300) durch Klarheit und Natürlichkeit vor der Trockenbeit und Gezwungenheit der Kalir'schen aus, und in keinem finden wir nach Weise der Paitanim dem Reime zu Liebe Verstöße gegen die Sprache. Selbst in solchen, wo er auf Bibelstelleu, Eigen- «amen und talmudische Aussprüche anspielt, oder Gabirol nachahmend, Hagada und Halacha poetisch bearbeitet, wie in der geistreichen Zusammenstellung aller Normen über Tefilin, ist Alles wie aus einem Gusse künstlich zusammengefügt, als wäre es unmittelbar der Tiefe seines gotterfüllten Herzens entsprungen. (Schluss folgt.) GkNknbrmcrkungrn, In den in Nr. 37 dieses BlattcS veröffentlichten Bemer Lungen des Herr« Nabbiners Dr. Löwy zu den Gebeten während des Priestecsegens, wird der Satz ״wethitnenu leahawoh u. s. w.^ als paradox bezeichnet, weil doch Zosef gerade durch die erhaltene väterliche Auszeichnung viel Neid und Hass von seinen eigenen Brüdern erlitten hatte u. s. w. Mir erscheint dieser Passus ganz folgerichtig, und der von Sr. Hochwürden an die Leser diese- Blattes gerichteten Aufforderung ent'preckend, erlaube ich mir weine Ansicht hierüber in Folgendem mitzutbeilen: Ein Mensch, der von Gott mit Reichlhum und Glücks- Gütern aller Art gesegnet ist, bedarf nicht der Gunst, des Wob!» wollens und Erbarmens seiner Nebenmenschen, oder ist doch nur lehr selten bierauf angewiesen, in welchem Falle er auch diese in Fülle findet; hingegen Derjenige, den Unglück und manuigfaltiges Mißgeschick verfolgt, derselben dringend bedarf, sie aber nicht immer in ausreichendem Maste findet. Es war somit Zosef -erst von dem Momente, da er von seinem Vater durch einen bessern Nock vor feinen Brüdern ausgezeichnet wurde-, waS ihren Neid und Hass gegen ihn erregte und die Quelle seiner vielen Mißgeschicke und seines zeitweiligen Unglückes war, auf die Gunst, daS Wohlwollen und Erbarmen seiner Mitmenschen angewiesen- und er hat diese auch wirklich in überreichem Maste gefunden. Ja sogar in der Zeit seines Unglückes war ihm das Glück nicht abhold. 1. Must es für ibn alS ein besonderes Glück angesehen werden, dass er den Pvripbar zum Herrn bekam, der nicht nur zur Verrichtung schwerer Arbeiten Sclaven kaufte, sondern sich auch Kammerdiener ballen konnte, und dais Zosef in dessen Angen sofort Gunst gefunden, so dass er, anstatt schwere Sclavendienste verrichten zu müssen, eine solch' bevorzugte Stellung im Hause seines Herrn einnahm. 2. War eS wol für Zosef ein überaus großes Glück,, dass das Bilbul seiner Herrin keine üblere Folge für ibn hatte, als eine leichte Gefängnisstrafe. Oder war etwa zu jener Zeit für ein solches Vergeben eines Sclaveu eine solche Strafe angemessen? Da würden wabrlich alle Sclaven in Egypten in Wirklichkeit, solche Verbrechen begangen haben, um nur Joscss in deren Augen auch dann noch beneldenSivertbes Los!heilen zu dürfen. — Nein, das war nicht die Art der Bestrafung eines Sclaven. Wurden ja viele Sclaven auch noch um dreitausend Jahre später wegen eines weit geringeren Vergehens aus oft sehr grausame Weise zu Tode gemartert. Zch vermag das Problem nicht anders zu lösen, als, indem ich annehme, dass Polipbar, überzeugt von der Edreubasligkeit und Treue des Zoscr, seiner Gattin keinen Glauben schenkte und den wahren Sachverdalt errictb, jedoch aber durch seine und seiner Gattin gesellschaftliche Stellung gezwungen war, sich den Anschein zu geben/ alS dege cr gegen die Auslage seiner Gattin nicht den geringsten Zweitel, weshalb er den Josef ins Gefängnis gab, um einen Eclak zu verbülen, seiner Umgebung aber Glauben machte. Der Dalles -es rothrn Pt'esserma»».'st Er biest der rotbe Pfeffermann, weil er roibblondes Haar und einen wunderschönen Bart von gleicher Farbe Halle und es in Mariampol einen zweiten Pfeffermann gab, der zum Aebersiuß auch noch gleich ihm Abrabam hieß, dafür aber schwarz war. Der rotbe Pfeffermann war Schubmacher. Er bewohnte mit seinem Weibe und drei kleinen Kindern ein Gewölbcheu oder vielmcbr die Hälfte eines Gewölbchens in der Zudengaffe, in dem die Sonne nie weiter als bis zur Schwelle kam, aus der die Kinder spielten. Es war ein trüber Hcrbstmorgen nach einer regnerischen Nacht, an dcm ein Zeder gern daheim bleibt. Der Nebel wogte Die Gassen aus und ab und stieg dis zu den Dächern empor, .gleich einer zweiten Sündfluth, vor den Häusern batten sich kleine Teiche gebildet, in denen Gänse und Enten plänchcrren, und der Wind heulte in den Nanchsängen. Dennoch batte der rotbe Pfeffermann den alten schäbigen Filz auf die Jarmurka -gedrückt und war durch den Koth hinübergewatet, wo der dürre Busch einladend schaukelte. Die Kinder waren eben erwacht und sahen der Mutter zu, welche mir Stroh ünd Maiskolben aus dem kleinen Herde Feuer machte. ,Mame', begann der allere Knabe, der kluge Jakob, ,hast Du'gehört den Lärm in der Nacht?' ,Ich habe nichts gehört/, erwiderte sie verdrießlich. .Hat. cs doch an unserem Bette gerüttelt, Mame.' ,DaS hat Dir geträumt.' ,Nein, Mame, ich habe es auch gehört', versetzte die kleine Sara, ,cs hat gepoltert und hat geschrieen, und geweint hat es auch.' *) Aus Sacher-Masoch's ,Polnischen Ghettozeschichteii." (Siehe Mteräturbericht.) ,Dann wird es wobl der Dalles gewesen sein', sprach die Mutter, ,den ibr gebört habt." ,Der Dalies? was ist das?' fragte Sara. Zakoble begann laut zu lachen; es klang wie Helle Musik in dem düstern, ähnlichen, unfreundlichen Raum. ,׳Sie weiß nicht, was der Dalles ist. Höre also —* ,Ich will es von der Marne böreu, . sei still, Zakoble', und Sara tegle ihm die kleine Hand aus d׳n Mund. ,Der Dalles ist der Dalles.', rief Zakoble und begann wieder herzlich zu lachen. .Lack' nicht, Zakoble'. sprach die Mutter, .der Dalles hört es und treibt es dann noch ärger. Es ist nicht lächerlich, sondern cs ist zum Weinen, wenn man ihn im Hause hat.' ,Desdalb .weinst Du so oft', sagte der kleine Zakob plötzlich ganz ernsthaft. ,Der Dalles ist also ein böser Mensch?' fragte Sara. .Nein, ein böser Geist', fiel Zakoble ein. ,So ist es. ein böser Geist', wiederholte die Mutter seufzend, ,wo er sich einnistet, dort gibt es keinen Segen, dort ist Alles umsonst, Fleiß, Arbeit, Klugheit, man kann sich noch so mühen, noch jo ipecnliren, er verschlingt Alles.' ,Und wie.sieht er ans?' ,Ze schlechter es den Menschen geht, bei denen er wohnt, um so mehr nimmt der Dalles an Körpernmfang zu.' ,Da nlust unser Dalles schon sehr, sehr groß und sehr, sehr dick sein', sagte Zakoble; 0״! ich weiß was, Mame, er wirb endlich so dick werden, dass er in unserer kleinen Kammer gar nicht mehr Platz bat, und dann wird er sortgeben, und wir werden am Sckabbes Barches mit Rosinen essen, wie die Kinder des reichen Fleckeles.' Die Mutter lächelte schmerzlich. ,Gott geb'Sl' murmelte sie. ,Aber wir wollen den Dalles sehen, Mame.' ,Den kann man nur bei Nacht sehen.'

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