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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-12-08 · Heft 39 (8.12.1886) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 39 (8.12.1886)
Date
1886-12-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Dr. S Caro mir die eine Frage richten, warum würde bei einzelnen wichtigen Momenten der M.sse, wie z. B bei der Wandlung, beim Evangelium u. s. w., das Zeichen mit der Handglocke gegeben werden, wenn die Andacht wirklich eine so vollständig ungetheilte wäre? Zn der Art und Weise, wie Herr Dr. Z. Caro die Reform des Gottesdienstes durchzufübren wünscht, wird das erwünschte Resultat nicht erzielt werden. Die von Herrn Dr. Z. Caro vorgebrachtcn Wünsche und Beschwerden entspringen daher nicht so sehr dem Bestreben zu bessern, sie sind vielmehr , der Ausdruck der nicht allzu freundschaftlichen Gesinnung, die er dem Obercantor der Prlsener Cultusgemeinde, Herrn Armin Freisinger, entgegcnbringt; wer aber Gelegenheit hatte, Herrn, Armin Freisinger zu hören und sein Wirken für und während des Gottesdienstes während seiner mehr als lZsährigen Amts- Wirksamkeit zu beobachten, der wird wohl wissen, dass seinerseits das Haschen nach wohlfeilen Effecten vermieden wird; er wird ferner wissen, dass Herr Armin Freisinger seinen Obliegenheiten mit jenem Pflichteifer nachkommt, der eine hervortretende Eigenschast seines Charakters bildet, und wenn auch Herr Armin Freisinger das Leinen am Samstag nickt besorgt, so ist das auf einen, in ganz Böhmen in allen größeren Gemeinden Herrfckenden Gebrauch zurückzuführen. Herr Obercantor Freisinger hat cs nicht unter seiner Würde gesunden, zu der Zeit, als der Posten eines UntercanlorS durch Krankheit und sckließtiches Ableben des Inhabers dieses Amtes durch beinahe zwei Jahre unbesetzt war, die Functionen des Letzteren nicht nur an Samstagen, sondern auch an Wochentagen zu versehen, und er würde sich auch heute mit dem Vorträge der Thora am Samstage befassen, wenn von Seite des Tempelvorstandes ein diesbezüglicher Wunsch geäußert werden möchte. Wenn Herr Dr. Z> Caro behauptet, dass nur bei seinen Vorträgen eine andachtsvolle Stimmung-vorherrsche, so würde es um die Andacht in dem Pilsener Tempel schleckt bestellt sein, denn die Tempelbesncher kommen selten in die Lage, die Stimme ihres Seelsorgers zu hören, da oft Monate vergehen, ohne dass Herr Dr. Caro eine Predigt oder irgend einen anderen, wie immer Namen habenden goltcsdieustlichen Vortrag hielte. Ueberdies muß ich der Behauptung des Herrn Dr. I. Caro, als ob er mit dem lauten Vorträge des letzten Theiles des Lobmali-Gebetes, des Ho83.un6-1'0Ic6k und des Priestersegens außerordentliche Erfolge erzielt hätte, auf das Entschiedenste entzegentreteu. Das 86l!w3.1!-Gebet wurde früher vom Herrn Obercantor verrichtet, und zumiudestens in ebenso würdiger und verständnisinniger Weise vorgetragen; und das IlQ8Lnn6-1'olc6k laut von dem Rabbiner vorgetragen zu hören, ist eine Einrichtung, die bereits seit dem Bestände der hiesigen Cultusgemeinde in Wirksamkeit ist, und cs dürfte meine Annahme nicht unbegründet sein, dass dieser Vorgang in vielen andern Gcrneinden beobachtet wird. Was also Herr Dr. Caro als von ihm eingeführt und dem Zwecke entsprechend angibt, ist auf -alten Gebrauch zurückzuführen, ob aber seine sonstigen Einrichtungeu dem.Geschmacke der Tempelbesncher entsprechen, ist. eine Frage, deren Beantwortung ich dem Herrn Dr. Caro selbst überlasse. Will Herr Dr. Caro den Tempel-Gottesdienst, den wahren Bedürfnißen entsprechend, einrichten, dann darf er sich nicht in ein feindliches Verhältnis zu jenem Organe setzen, das bei den gottesdienstlichen Hebungen einen großen, ja den größten Theil der Functionen zu vers-hen hat. Zn der Eintracht liegt die Macht. Wenn Rabbiner und Obercantor eines Sinnes und Bestrebens sein werden, dann wird cS ihrem vereinten Wirken leickter gelingen, jene Andacht in dem tempelbesuchenden Publikum zu erwecken, die der Weihe des Ortes entspricht. C. Der schöne, würdige Vortrag. Nur um den Auslassungen vcn mancher Seite gegen unfern Stand zu begegnen, fühle ich mich veranlasst, der in'der Ueberschrist angesübrten Frage meine Aufmerksamkeit .zuzuwenden und den Gegenstand ausführlicher zu bebandeln. Nicht dass ich hier etwas zu sagen batte, waS nicht jeder halbwegs gebildete und berusssähige Cantor schon wüsste, 1mb' in seine praktische Wirksamkeit auszunehmen als selbstredend betrachtete- Gewiss strebt jeder Bcrufsgenosse je nach seiner Fähigkeit und Begabung den gottesdienstlichen Vortrag würdig und erhebend zu gestalten, die Andacht der Zuhörer zu wecken, aus das Gemüth derselben zu wirken. Aber ich möchte noch den Sinn der lieben College!! auch darauf hinlenken, dass sie den Vortrag so viel als möglich anziehend, Interesse erregend gestalten, denselben — wenn der Ausdruck gestattet ist — plansibel machen. Za wohl, plausibel! Wir leben beute in einer .Zeit des eminenten Materialismus; die edleren Regungen des Herzens, des Gefühles, der Religion werden von dem Haschen und Jagen nach Geld und Gütern absorbirt. Unter solchen Verhältnißen wendet man, wie die Erfahrung lehrt, dem Gottesdienste nur wenig -Aufmerksamkeit zu; man sindct eben nicht Zeit, auch Gott zu dienen. Dass diese Zustände auch uns Cantoren nicht zu Nutz und Frommen gereichen können, liegt ans der Hand. Da tritt eben die Aufgabe an uns heran, unsere Fähigkeiten und Kräfte so viel als möglich anzuspannen, um die Beter zu fesseln, ihnen Geschmack und Lust am Vorträge abzuringen, ihr Herz zu rühren, ihren Geist anzuregen und ihnen Freude am Gottesdienste einzuflößen. Der Vortragende Cantor denke sich nicht: Ich gehe hin und lese schablonenhaft mein Pensum ab, gleichgiltig, ob die Znbörcrschast von mir erbaut oder gelangweilt ist. כל עצמלתי תאמרנה. Mit Leib und Seele gebe er sich seinem Berufe hin; denn rasten heißt rosten. Nickt nur würdig, auch schön, dem Ohre lieblich und angenehm zu kören, sei der Vortrag. Er erfreue daß Herz und das Gemüth. Lassen wir den Vorwurf, dass man den Tempel zum Concertsaal macken will, aus sich beruhen; wir müssen streben לשכל טלב sN למצלא. Auch neue Gesänge mögen von Zeit zu Zeit.— wenn auch nicht zu oft — vorgesührt werden nach dem Psalmenspruche: 'שילל לד שיד חלש nur nicht erlahmen. Dann, wollen wir hoffen, wird der Lohn von göttlicher und menschlicher Seite nicht ausbleiben, und sei cs auch nur der Lohn des Bewusstseins, seine Pflicht redlich erfüllt zu haben; denn שכל מצלה־מצלה Pisek, im December 1886. Cantor M. Nosenfel d. Biographisches über Juda Halevy. Von Dr. Frankl-Grün in Kremsier. Wenn die Kenntnis der Lebensgeschichte eines Autors den besten Commentar zu seinen Lehren bildet, dann würde die Biographie Zuda Halevp's, des Mannes, der den Werth der Lehre nach ihrer Bekräftigung durch daS Leben schätzte, gewiss die deutlichste Erklärung zu seinen Werken bieten. Um so.mehr ist es zu bedauern, dass nur dürftige Nachrichten über ihn und

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