Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 39 (8.12.1886)
- Date
- 1886-12-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Prnnumerations-Preik! Ganzjävrig . - . f>- s,- Halbjährig - . . fl. 2.50 l Vierteljährig . fl. 3.2*. Monatlich - - - fl- —45 ALr Aichlrnilglirder: i Ganzjährig . . . fl. 6.- Halbjährig ׳.. . . fl. 3.- Vierteljährig . fl. 1.50 Monatlich׳ . . fl. —.50 Nur das Ausland: Ganzjährig - - ז—.7 .fl . 12 Mark oder 6 Rubel. j ויי׳« Organ die Gesummt-JuterrsZen jiidischee ContoiTn. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob H3cruer7. ^Rediiciion AdririrrisLrirtiott w i r״. II-, Novaragasie 27. 5nfetatt werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht rerournirc. Nr. 39 Wien. 8. Dezember 1886. 6. Jahrgang. An rineil jüdischen Geistlichen. ir. Zn Nr. 37 der österr.-ungar. Cantorenzeitnng bat sich der Verfasser des Aufsatzes .An..einen jüdischen Geistlichen' der Ausgabe unterzogen, die von Herrn Dr. I. Caro in Pilsen in seinem Artikel ,Unser Gottesdienst' (Nr. 44 der Magdeb. iSr. Wochenschrift) gerügten, angeblich auf die Andacbtlosigkeit der Cantoren zurückzufübrendcn Mängel des modernen Goilesdienst'es zu entkräften. Zch will mich nun nickt in eine Auseinandersetzung über den Werth der von Herrn Dr. Z. Caro gemachten. Vorschläge einlassen, denn diese ckaraklerisiren sich selbst; sie sind znrückzuführen aus das Bestreben jener Herren Nabbinen, die, um den Anforderungen der Mitglieder ihrer Gemeinde, die theilweise der reformirten, theilweise der orthodoxen Glaubensrichtung angehören, genügen zu können, den Gottesdienst in den Bethäutcrn ihrer Gemeinden derart einrichten wollen, dass beide Glaubensrichtungen ihr,Etwas' darin finden, und so wird ein Gottesdienst geschaffen, bei dem die Andacht je nach der Reihenfolge der Gebete oder des Vortrages abwechselt. Der Herr Rabbiner will sich in seiner Stellung behaupten, oder würde nur ungern einen Theil seiner Elnknnfte verlieren, und so wird ein Gottesdienst hergestellt, der, statt in dem Gemütbe des Tempelbesuchenden das beseeligende Gefühl der Andacht zu erwecken, nur Anlass gibt zu Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde selbst. Das ist der Grund der in den Bethäusern vorherrschenden Andachtlosigkeit und des spärlichen Besuches derselben außer der Zeit der hohen Feiertage. Nicht der ,Singsang' der Ober und Untercantoren, denen Herr Dr. I. Caro Gefallsucht vorzuwersen beliebt, trägt die Schuld daran, sondern das ohne Erwägung der vorliegenden Verhältniße Um- und Abändern des Gottesdienstes seitens der Herren Rabbinen. So oft nun eine neue Besetzung des Rabbinates in einer Gemeinde stattfindet,. ist der Neuangestellte bestrebt, Einrichtungen aus seiner frühern Gemeinde — mag dieselbe in Oesterreich, Deutschland oder Russisch- Polen gelegen sein — in seine jetzige Gemeinde einzuschleppen, und ist es nun einer Gemeinde vom Schicksale beschreden, im Laufe weniger Jahre ihren Rabbiner einige Male wechseln zu l müssen, io kann man sich leicht einen Begriff davon machen, wie der Gottesdienst bei diesem wiederholten Reform iren und Nestauriren beschaffen sein wird. Herr Dr. I. Caro stndet in dem Mangel an äußerlichen, packenden Momenten einen weitern Grund der in den Bethäusern^ vorherrschenden Theilnahmslosigkeit. Wenn Herr Dr. I. Caro mit einem derartigen Verlangen vor einigen Zahrhunderten ansgetreten wäre, oder wenn er als Missionär bei der Verdrängung des Heidenthums, das in seinen gottesdienstlichen Uebungen äußere, packende Momente, sei eS nun die Darbringung von Opfern, glanzvolle Ausstattung der Statnen ihrer Gottheiten, oder lärmende Prozessionen u. s. w. haben muß, diese äußeren, packenden Momente beibehalten wissen möchte, nun so wäre nicht weiter darüber zu reden; aber im 19. Jahr׳ Hunderte, da alle anderen Religionen bestrebt sind, den äußeren Prunk ihres. Gottesdienstes dem vorgeschrittenen Geiste der Zeit entsprechend zu vereinfachen, mit dem Verlangen hervorzutreten, das seit Jahrtausenden bestehende Judeuthum, das in feinen bei dem Gottesdienste zu verrichtenden Gebeten, Psalmen und Liedern einen wahren und reichen Schatz für den Andachtsnchendeu hat, möge in seinen gottesdienstlichen Uebungen äußerliche, packende Momente einführeu, kann doch nicht als der reifli-. chen Ueberlegung des Herrn Dr. I. Caro entspringend bezeichnet werden. Ich will mich auch nicht in einen Streit darüber einlassen, ob der angeblich poesielose, aber jedenfalls einfache und erbauende Gottesdienst des Protestantismus dem Judenthume näher steht, oder der des Katholizismus, ebenso wie ich glaube, dass die Bemerkung des Herrn Dr. I. Caro, dass bei den gottcsdienft» lichen Uebungen der katholischen Religion gerade bei jenen Stellen die größte Andacht herrsche, die in der den Laien zumeist unverständlichen lateinischen Sprache abgehalten werden, keiner weitern Erörterung bedarf. Herr Dr. I. Caro scheint noch keiner Messe beigewohnt zu haben, denn sonst müsste er gesehen haben, dass der größte Theil der Andächtigen, ohne weiter auf den Vortrag des Geistlichen zu achten — zumal die Mehrzahl der Messen sogenannte ,stille Messen' sind — die Gebete in seiner Muttersprache verrichtet, und ich will an Herrn