Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 38 (30.11.1886)
- Date
- 1886-11-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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© entschwinden, aber dennoch fühlt cr sich im tiefsten Herzen nicht beirrt und harrt voll Zuversicht einer besseren, reineren Zukunft entgegen, die nach dem ewigen Entwicklungsgesetz den Frieden und die wahre Menschlichkeit bringen mutz. Die Erscheinung Leopold Kompen's wird noch sympathischer dadurch, dass Mensch und Dichter bei ihm keine verschiedenen Naturen waren. Wenn man ihn!Literarisch hochstellte, so-schätzte man ihn persönlich nicht minder hoch. Seine Mitbürger ebrten in ihm stets den lauteren, unter allen Umständen verlässlichen und seiner Bürgerpflichten bewussten Menschen. Jüngeren Schriftstellern war cr stets ein neidloser, stets hilfebercitcr Förderer; so Manchem, der nachmals sein Nebenbuhler geworden, hat er den Pfad geebnet für die ersten, unsicheren Schritte. Seiner Familie endlich ist cr jederzeit ein mustergiltigeS Ober- Haupt gewesen. Die Negierung, die Commune Wien, die litterarische Welt haben ihn in mancherlei Weste ausgezeichnet- Er war Negicrungsrath, Ritter mehrerer Orden, Bürger von Wien. Landcsschulrath und Präsident der Schillerstistnng. Non allen Seiten geleitet ihn ein warmeS ,Fahre wohl!' inS Jenseits hinüber; sein Name wird immerdar in Ehren genannt. Wien. Am 19. d. M. Vormittags fand im israelitischen Taubstummeiüi'.stitute eine Gedächtnisfeier für das kürzlich verstorbene Vorstaudsmilglied dieses Institutes, Fräulein Minna Gon'per; statt. Die Damen Baronin Worms, Baronin Totesco, Gouiperz-Beitelheim, Benvenisti, Hieldburgbäusser, die Herren Baron Königswarter, Baron Todesco, Schiff, Hielddurgbäusser, sowie daS g es am inte Lehrpersonal und die Zöglinge d^s Jnstirutcs anwohnten. Nachdem Herr Cantor Dr. L. Roiter, der schon durch viele Jahre an diesem Institute amtirt, die üblichen Psalmen recunt hatte, hielt Herr Direelor Deutsch die Gedächtnisrede, in welcher er ans das humanitäre Wirken der Verblichenen. namentlich ihre wohlwollende Fürsorge für das Taubstummeninsiitut hinwies. Einen rührenden Eindruck inachte das von einen! taubstummen Zöglinge zum Schlüsse gesprochene Kaddischgebet. Wien, 25. November. Die Leichenfeier des am 23. d. M. verstorbenen Dichters L.opold Kempen fand heute unter zahlreicher Betheiligniig des Publikums, grkßtenihei!» ans Schriftsteller- und Küu stiert reisen, statt. In der Wohnung des Verstorbenen versammelten sich nach halb zehn Uhr die T auergäste, unter weichen wir den Präsdeuten der Ceneordia P. K. Schembera, den Vice-Präsideiuen 3i. v. Weilen, dis Gemeinderätbe G. Simon, v. Goldichmidt, Baurath Snaßny, Dr. S'.ernz ferner die Herren Dr. v. Gitttmanu, v. Pfeiffer die Hofburgschanspieler Tyrclt, Krastel, Lewinsky und Reichsraths- Abgeordneten Dr. Bloch bemerkten. Die Trauerfeier »ahm präeife 10 Uhr mit den Tranergefängen, welche Oberoanror Singer unter Assistenz der Cantoren Fischer, Black, -Schiller und des Ebers execnirrte, ihren Anfang. Hierauf wurde die Leichs nach dem Centralfried- Hofs gebracht, wo nach Adsingung der Tranerpfalmen Dr. Jsllinek dem Dahingeschiedenen einen lie-empfnudeuen Nachruf-widmete. Am offenen Grabe sprachen die Herren Lchembera und Weilen, letzterer als Vice-Präsdent der Schillerstisliing, dessen Präsident der Vsrstordenen durch mehr denn 2 Deeenni 11 war. 8. 8. Wreu (Ottakring). In der kürzlich stattgehableu Vorstandsstzung wurde H rr Moriz Schlesinger infolge feiner bisherigen vorzüglichen Leistungen, wie es in dem Decrete heitzt, .mit Stimmeneinheliigkeit ans weitere 3 Ja re zum Obercantor, Secreiär und Rcligionslehrer der vereinigten Culinsgemeinden Hernals, Ottakring und Nsulerchenfeld ernannt. Bei dieser Gelegenheit können wir eS nichc unterlassen, die geehrten Gemcindc-N.Präsentanten, sowie auch unsere College« aus eine gewisse Sorte herumziehender Individuen aufmerksam zu machen, die sich als Cantoren ausgeben und, . wie sie die Spur einer Vacanz wittern, wie die Hyänen daraus losstürzen und College« ans ihren Stellungen zu verdrängen suchen. Da die Besetzung eines Postens mit einem solchen Individuum weder der Gemeinde noch dem Cantorciuhume zur Ehre gereicht, so wollen wir mit aller Energie und mit allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, die diesbezüglichen Bestrebungen derselben bekämpfen und wir hoffen,, dabei die Unterstützung der wohllöblichen Gsmeindevertrelung, sowie׳ aller College« zu snden. Der geehrte Vorstand der Cultnsgemeinde in Ottakring verdient die vollste Anerkennung, dass er sich von demunlauteren Treiben dieser Clique uicht beirren lietz und einen bewährten Beamten uicht aus dem Amte scheiden lietz. Wien. Dem soeben erschienenenMechenschaftsberichte der Wiener isr. Cilllilsgeineiilde entnehme» wir Folgendes: ־ a) Im lausenden Jahre wurde auf dem Gebiete der gottesdienstlichen Einrichtungen, wie in Leu Vorjahren, besten» Sorge ge-- tragen^ dass die zum Schutze und zur Beruhigung der BethanSbesucher angeordneten Matzrezelu gehörig ausgefühlt worden sind- Autzerdem wurden in jedem Gemeindebethause Resectorien für Männer und Frauen, in welchen sich vollständige Apolh-.ken zur Benützung für plötzliche Un-- wchlseinSfälle befinden, errichtet und angeordnet, dass am.701« Kipur zwischen den Gebckübungen, aus sanitären Rücksichten, eine längere Panse eintrete. — T-.mporäre Betlocalitäten für die hohen Festtage wurden außer dem großen Musikvereinssaale 37 >reichtet, so dass mit Hinzurechnung der 24 ständigen Bethäuser in 62 Betlocalitäten, die einen Fassuugsraum von circa 16.000 Personen hatten, die Andacht verrichtet werden konnte. Für diese Locale wurden au circa- 2000 Personen Karten juiu Besuche unentgeltlich verabfolgt. Der Gottesdienst für die israelitischen Soldaten, au den hoben Festtagen wurde durch die Bereitwilligkeit der hohen k. k. Militärbehörden in der k. f. Noßaner Kaserne eingerichtet. — Behufs besserer Beleuchtung der Bethäuser hält eine Enquete Berathung, und hofft dieselbe,, das gewünschte Ziel zu erreichen. — Am 4. Jänner l. I. fand zum Andenken Mose» Mendelssohn'» die Centenarfeier in -den Gemeindebei- Häusern unter zahlreicher Bethe lignng der Gemeindemitglieder statt. Denjenigen Beihäusern, welche in den Bezirken durch die Opfer- Willigkeit der Gemeindemitglieder erhalten werden, wurden . auch im heurigen Jahre nach Bedarf Subventionen verabfolgt. Für die Mohelim wurde im Einvernehmen mit der Sanitätsbehörde eine Jnstruction ansgearbeitet. Der Ueberwachung der Koscher Fleischbänke zur Hftckanhaltung von MiSbräuchen beim Verkauf von Koscher fleisch wendete der Voi stand seine volle Aufmerksamkeit zu, und hat sich derselbe wegen Abstellung solcher Misbränche an die höchsten Behörden gewendet, leider ohne bisher einen vollen Erfolg zu erzielen. — Der Beihausvorstand wurde durch Ernennung von drei neuen Mitgliedern ans 14 Herren eompletirt und im Einvercriehine!! mit denselben als Ergänzung des neuen Normale» eine Geschäslsordnung ansgearbeitet.. Eine Belhausordnung ist derzeit noch nicht in Berathung. Schliesslich ist noch zu erwähnen, das» der .Vorstand 89 Geb t- und Jahrzeit- Sifttiiiigen mit einem Capital von circa sl. 90.000 verwaltet und die Einhalnnig der stislsbriesgemäßen Bestimmungen in Evidenz hält. b) Ans dem Gebiete d.» Religionsunterrichte» ist zu berichten, da!» an den ösienilichen Volks- und Bürgerschulen im abgelauseneu Schuljahre 10.006 israelitische Schulkinder den Religionsunterricht genossen haben. Davon entfallen 3781 Knaben und 3836 Mädchens aus die Volks- und 702 Knaben und 1627 Mädchen ans die Bürgei schulen. An de!r Mittelschulen wurden 2174 Schüler -von den hiezu bestellten Neligiouslehrern unterrichtet. Unter diesen 12.180, de» össentliche» 3ielig!o>>.öunie1richt genießenden Schülern und Schulerinnen sind noch nicht jene enthalten, welche entweder an Privatlehranstalten oder im elterlichen Hause den vorgeschriebenen Neligionsunterricht empfangen. Diese legen ihre Prüfung am Schlüße des Semesters bei den diesfalls auiolisirten Neligionslehrern ab. Die Ergebniße des 3st׳l!gl011Sn1uerrichte» sind nach Maßgabe der vorhandenen Verhältniße im Allgemeinen als znfriedenst.llend zu bezeichnen. Die beiden im ersten und zweiten Bezirke befindlichen Sprach׳ und Bibelschulen wurden von 93 Schülern besnchi. Es kann mit Befriedigung. conckatirt werden, das» die Leistungen den gehegten Erwartungen entsprechen. Al» Ausdruck hiefür darf auch der-Umstand gelten, dass im lausenden Schuljahre die Frequenz dieser Schulen in ersrenlicher Weise merklich zugenommen hat und schon jetzt die Errichtung einer Parallelclasse in der ersten Abtheiluug noihwendig wurde. Die Stipendisten, welche auch im Talmud und dessen Connn ulareu Unterricht erhalten, weisen theilweise überraschende Resultate aus. Bi» jetzt zählen wir sieben solcher Stipendisten; wir wollen gerne hoffen/das» die Munificen; noch anderer Gemeindemitglieder es un» ermöglichen wird, die Zahl derselben zu vermehren. Es ist, uicht überflüssig zu erwähnen, dass die Theilnahme an diesem trefflich geleiteteten Unterrichte auch Ziichtstip endisten gestaltet ist. Gegenwärtig machen thatsächlich einige davon Gebrauch. Fern r wird im Kmder-Asyl am Kahleubergevdörsel,