Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-11-30 · Heft 38 (30.11.1886) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 38 (30.11.1886)
Date
1886-11-30
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/1304829-3453044-3453082--1939-3456134
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

]enue Patzelrffchen Handeislehrznstehen, welche an unbemittelte in Mannersdorf, im Nettungshanse Unter St. Veit und im Taubstummen-Jnstitute für die Wiener Vororte anf Kosten der Cultusgemeinde Religionsunterricht ertheiit. — Den im Vorjahre revidirteu .Neligiousschnl-Programmen für Volks-/ Bürger- und Mittelichnlen wurde seitens der hohen Landesschulbehörde die Genehmigung ertheiit. Soviel wir ans den Berichten der betreffenden Religionslehrer zu entnehmen in der Lage waren, bewahren ■ sich diese Pro gram me im Großen und Ganzen. — Der Confirmanonsunterricht wurde auch im abgelaufenen Schuljahre an Mädchen, welche das 14. Lebensjahr erreicht haben, in den verschiedensten Bezirken Wien'ä ertheiit. Die Confirmationen selbst fanden unter großer Theilnahme am 16. und 30. Mai in den beiden Gemeindebethäusern in feierlicher Weise statt. Dem Jugendgottesdienste, dessen wohlthätige Wirkung sich in den -Kreisen der Schuljugend und deren Familien bemerkbar macht, wird die vollste Aufmerksamkeit zugewsndet, und es kann constatirt werden, chass diese Institution bereits in vielen anderen Gemeinten Nachahmung gefunden hat. Die Secriou für Unterricht verwaltet 19 Lrtifjungen mit einem Capitale von circa fl. 125.000.—. Die Simon -Edle von Lämmel'sche Unterrichtsanstalt in Jerusalem (gegründet von der im Jahre 1868 verstorbenen Wohlthäterin Elise Herz zum Andenken an ihren Vater), welche stiftsbriefgemäß unter der Aufsicht :des Cultusvolstandes steht und im vollen Maße den Intentionen entsprochen ' hat, unter denen sie in's Leben gerufen wurde, ist in einer Reorganisation begriffen, und wir haben allen Grund zu hoffen, dass, Dank der entsprechenden Einflussnahme des kaiserlich und königlichen österreichischen Consnls in Jerusalem, diese Schule nunmehr den Intentionen der Stifteriu vollkommen entspreche. Schließlich erwähnen wir, dass dein Vorstande der CnltuSge- .meinde in den Horak'schen Klavierschulen, im Singer'scheu Klavier- Institute und in der Porges'schen .anstatt Freiplätze zur Verleihung .und würdige talentvolle Schüler verliehen werden. c) Auf dem Gebiete der Wohlthätigk eit war anch eine erhöhte Thätigkeit erheischt. Die Zahl der Hilfesuchenden nimmt j -leider von Jahr zu Jahr zu und ijt der Vorstand bestrebt, nach Möglichkeit die Noth zu lindern. Durch die hochherzigen Spenden der Frau -Henriette Wiener v. Welten per fl. 10.000, der Familie der verewigten Frau Marie Pribram von fl. 4500, wovon fl. 3500 für einzelne Vereine, fl. 1000 zur Vertheilung an Hilfsbedürftige bestimmt wurden, ferner durch das großmüthige Legat des verstorbenen k. k. Oberbaurathes August Schweudenwein Ritter von Lanbera, welcher der kathclischen Confejsion angchörte, per fl. 1000, wurde der Vorstand in die Lage versetzt, einer größeren Zahl von Hilfsbedürftigen, namentlich zur .Zeit deS Wohnungswechsels, Unterstützung zu gewähr?» und dieselben theilweise vor Obdachlosigkeit zu bewahren. In Bezug auf die Armenanstalt der israelitischen Cnltusgemeinde müss n wir leider -constaiiren, daß deren Mittel bei Weitem unzulänglich sind, um auch nur einem sehr kleinen Theil unserer hilfsbedürftigen Glaubensgenossen uennenswerthe Unterstützungen gewähren zu können. Bei einer Bevolkerungsziffer von circa 90.000 Juden, von welchen circa 9000 unserer Gemeinde als Wähler angehören, hat die Armenanstalt nur -300 beitragende Mitglieder, deren Jahresbeiträge fl. 6000 erreichen, während z. B. Berlin mit ungefähr 10.000 Gemeindemitgliedern für die dortige Armencommissiou jährlich circa M 90.000 — st. 45.000 zu widmen in der Lage ist. Wir müssen deshalb wiederholt unseren verehrten Glaubensbrüdern mit aller Wärme die Bitte dringend aus -Herz legen, unserer Armenanstalt beizutreten und ihre kräftige Unterstützung derselben angedeihen lassen zu wollen. Für die strenge Jahreszeit wurde sowohl von der Armenanstalt als auch von der Wohl- Ihätigkeits-Section des Cultnsvorstandes Breunmateriale in natura uu arme Familien, sowie im Bedarfsfälle an einzelne Jndididueu verabfolgt. — Neue Stiftungen wurden im heurigen Jahre errichtet: Von Herrn Hofrath Josef M. Ritter von Pfeiffer mit dem Betrage von fl. 5000 Papierrente, deren Zinsen alljährlich am Todestage seiues verstorbenen Sohnes Max, einem Studierenden der Rechte zufallen; Herr Hofrath von Pfeiffer hat weiterS einen Betrag von fl. 6000 in Rente als Stiftung für das zu errichtende Waisenhaus gewidmet; Frau Pauline Stranzky hat mit einem Baarbetrage von fl. 3600 zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten ׳ ein Spitalbett gestiftet. Die Herren David Ritter von Gutmann haben fl. 5000 und Wilhelm Ritter von Guimann fl. 4000 an verschiedene Wohlthätigkeits-Jnstitute gespendet. — Wie wir Ihnen bereits im Vorjahre mittheilten, hat der verewigte Baron Max Springer für die Errichtung eines ^naben-Waisenhauses testamentarisch ein bedeutendes Capital gewidmet. Die Berathnngeu über die Ausführung der Stiftung wurden im Laufe dieses Jahres fortgesetzt, sind jedoch bis beute zu keinem Abschlüsse gediehen. — Im Versorguugshause der israelitischen Cnltusgemeinde wurden im heurigen Jahre 4 Frauen und 2 Männer aufgenommsn. Dieses seinerzeit von Herrn Sigmund Edlen von Wertheimstein zu einer Zeit, wo unsere Gemeinde einige 100 Mitglieder zählte, gegründete Versorgungshaus bat jedoch nur eineu Belegranm von 30 Betten. Unter Leu heutigen Vechältnißeu genügt dasselbe absolut nicht mehr, was der Vorstand zu seinem schmerzlichen Bedauern nur allzuoft empfindet, ohne Abhilfe treffen zu können. Der Vorstand wird daher, sobald das Erfordernis für die Activirung eines Knaben- Waisenhauses voll gedeckt sein wird, die Frage der Errichtung eines der Cnltusgemeinde würdigen Versorgungshauses für unsere hilfsbedürftigen Greise in's Auge fassen und hofft, bei ^dem immer zum Woblthun geneigten Sinne unserer Glaubensgenossen anf eine sympathische Aufnahme und eine werkthätige Unterstützung dieser Bestrebungen. Die Wohlthätigkeits-Section, welcher die Ueberwachung des Gemeindespitals obliegt, hält allmonallich daselbst eine Sitzung ab. Nachdem sich der Vorstand die Ueberzeugung verschaffte, dass insbesondere während der rauhen Jahreszeit eine große Anzahl von Aufuahms- Werbern znrückgewiesen werden musste, weil die in Gemäßheit unseres Budgets festgesetzte Zahl von 70 aüfzunehmendeu Kranken erreicht war, so hat der Vorstand eine Erhöhung der uormalmäßig fixirten Kranken» zahl um täglich 10 Personen für die Monate October bis April beschlossen und muß demzufolge die Dotation der Spitalsverwaltung erhöhen. Es werden sohin an dem unserer Verwaltung angehörigen Rothschild-Spitale in den Wintermonaten täglich 80 Kranke verpflegt. ci) Das F ried ho f. Com it 6, welches, wie bekannt, aus Mitgliedern des Vorstandes der Cnltusgemeinde, verstärkt durch Delegirte aus dem Vorstande der Chewra-Kadischa besteht, hat die Beaufsichtigung der Friedhof-Verwaltung zur Aufgabe. Dasselbe überwacht auch die beiden Friedhöfe in der Seegasse und in Währing, welche nicht mehr benützt werden dürfen und als Ruhestätte unserer theueren Todten dienen. Zu diesem Behufe wurde ein Turnus eingeführt, so dass all-! monatlich ein Vorstandsmitglied sich durch Autopsie über den Zustand der Friedhöfe Ueberzeugung verschaffen kann, allfällig eingeschlicheue Mängel sofort abzustellen in der Lage ist, und über seine Wahruehmnngen an's Friedhof-Comits berichten soll. Die beiden alten Friedhöfe werden in gutem Zustande erhalten und wurde mit der Nestaurirung der Grabdenkmäler historisch denkwürdiger Persönlichkeiten begonnen. Ein besonderes Augenmerk wendet das Friedhof-Comits dem Centralfriedhofe zu, namentlich in der Richtung, um die Fiedhof- Anlagen zu verschönern. So wurden, nachdem die versuchte Besäumung der Grabhügel resultatloä geblieben ist, damit begonnen, die Grabhügel sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern mit Rasen zu belegen, und legen wir einen großen Werth darauf, den Hinterbliebenen eine pietätvolle Befriedigung zu gewähren. In diesen Bestrebungen wird die Cnltusgemeinde thalkräftig durch die Organe der Großcommune unterstützt, welche Thatsache wir mit großer Befriedigung constatiren. Im heurigen Jahre wurde das Friedhof-Personale um einen Diener vermehrt. Das Friedhof-Comittz überwacht sämmtliche Stiftungen für Gebete, welche auf dem Friedhofe abznhalten sind, sowie die Stiftungen zur Erhaltung der Grabmäler. Dereinsnachrichten. Die Firma I. Theumaun, "!272- Selchwaareu-Fabrik in Wien, hat dem österreichisch-ungarischen Cantorenvereiue eine Spende von fünfundzwanzig Gulden ö. W. gewidmet. Indem wir dies den Vereinsnutgliedern zur Kenntnis bringen, statten wir den geehrten Spendern unseren tiefgefühlten Dank ab. Wien, am 30. November 1886. Der Vorstand dcs österr. nng. Cantoren-Vereines. Correfpondenz der Nedaetion. Kl. in B. Heft V wird nachgesendet. Pop. in K. Bestätige den emgesandten Betrag. A. in L. Eingesendet für diesmal zu spät erhalten. N. in H. Kann erst in nächster Nummer veröffentlicht werden. Die Redaction. Abonnementsnnd Jnsertionsbeträge sind in der Nedaetion, Wien, II., Novaragasse 2?, zahlbar.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.