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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-11-22 · Heft 37 (22.11.1886) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 37 (22.11.1886)
Date
1886-11-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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S Bank und ehemaligen braunschweigischen Consuls, deS kaiserlichen Rathes Leopold Ritter v. Stern,. zu Grabe getragen. Zm Trauerhause hatten sich der Gouverneur der österreichisch-ungarischen Bank Moser mit den meisten Generalräthen, mit dem Generalsecretcir Ritter v. Leonhard und mit vielen Oberbeamteu der Bank, ferner der Gonverneur der Länderbank Graf Wodzicki, die Hofräthe Obermayer und Niebauer, Herrenhausmitglied Baron Köuigswarter, die Reichsraths- Abgeordneten Hofrath Dr. Ritter v. Sochor, Friedrich Sueß und Dr. Jaques, Julius Ritter v. Goldschmidt, Baron Stephan Schey, Director Lenz von der Nordbahn, die Schriftsteller Dr. Leopold Kompert und Dr. L A. v. Frankl, die Gemeiuderäthe Goldschmidt «ad Simon, das Vorstandsmitglied der Wiener israelitischen Cultus׳ gemeinde Emanuel Baumgartner, die Leiter der Lemberg-Czernowitzer Eisenbahn, viele Mitglieder-der Börsckamrner und die ersten Vertreter der Finanzwelt eingefunden. Nachdem Obercantor Singer einen Trauerpsalm vorgetragen hatte, brachte man den Sarg mit der Leiche auf den vierspännigen Leichenwagen, welcher vor dem Trauerhause, Kärtuerring Nr. 3, bereit stand. Bald nachher bewegte sich der Zug nach der israelitischen Abtheilung des Central-Friedhofes, woselbst Prediger Dr. Jellinck eine Trauerrede hielt. Als dieser Act der Feier beendet war. erfolgte die Beisetzung der Leiche im eigenen Grabe. Wie«. Heber den Verlaus des von uns in der letzten Nummer gemeldeten silbernen Hochzeitfeftes des Cantor A. Baer in Gothenbürg wird uns Folgendes berichtet: Bereits am frühen Morgen wurde daß Jubelpaar durch liebliche Harmonien aus dem Schlummer geweckt. Diese rührten von einem Psalm her, den Fräulein Dina Baer zum Jubelfeste ihrer Eitern selbst componirt hatte und aus einem Harmonium, das sie in die Nähe geschafft, vortrug. Die daraus folgende rührende Beglückwünschungsscene entzieht sich jeder Beschreibung. Hieraus wurde das Jubelpaar iu die anderen während der Nacht prachtvoll dekorirteu Zimmer geführt. Ihr Erstaunen war grenzenlos; denn eine große Anzahl von bereits eingelausenen, Pracht- und geschmackvollen Geschenken strahlte ihnen von alle» Seiten entgegen und der Dust der herrlichen Blumen, in allen möglichen Formen und Gestalten, wehte ihnen die lieblichsten Grüße zu. Und nun folgte eine Ueberraschuug nach der andern: Telegramme, Zuschriften, Herrliche Gratulationskarteu, Photographie», Torten, Früchte, Gewächse, Decken, Teppiche, Silber- und Neusilbersachen, rc. tauchten von allen Seiten auf und das Jubelpaar wusste kaum, was es zu all' diesen Herrlichkeiten sagen solle. Großartig ist dasjenige Geschenk, das von 20 Collegen und Freunden auf Anregung des Collegen Blaustein in Bromberg gewidmet wurde. Es ist ein prachtvoller Tafelaufsatz gegen 2 Ellen hoch, mit herrlichen Figuren und Goldverzierungen geschmückt (der Grundton ist mattes Silber), ein Meisterwerk, das einer Königstasel alle Ehre machen würde. Auf dem im Mittelpunkte besindlichen Teller sind die Namen der Spender eingravirt. Diesem Geschenke war eine sehr schön ausgeführte Adresse beigelegt, welche folgendermaßen lautet: ״D-m Obercantor Abraham und Johanna geb. Wolfs, Baer'scheu Jubelpaare zu Gothenburg zum Andenken au die Hochzeit am 9. November 1861—1886 werden hiemii die herzlichsten Glückwünsche in Freundschaft und Verehrung unter Anfügung eines Angebindes gew.dmet von — folgen die 20 Unterschriften. — Unter den ausländischen Gratulationen befinden sich auch zwei von Rabbinen und zwar von Dr. Rothschild (Alzey) und Salzberger (Erfunh), welche in sehr herzlicher Weise abgesajst sind, und eine ähnliche von einem Herrn Albert Bitter (Verwandter des gleichnamigen Ministers), ■Vicarius apostolicus in Stockholm. — Kaum hatte sich Las Jubelpaar von seinem Erstaunen erholt, als ein Strom von Gratulauten, Damen und Herren, jüdischer wie christlicher Familien sich zu ihnen zu bewegen begann, der drei volle Tage anhielt und noch jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, sich nicht verlausen hat. Die Geistlichkeit, die Vorsteher der Gemeinde unö fcer'Chewra Kädischa, die Direktoren der Institute, kurz fast die ganze Gemeinde betheiligte sich mit einer solch׳״! Freudigkeit an diesem Feste, dass es so recht herzerquickend mit anzus hen war׳ Aldktk. Von aniisemitl'cher Seite wurde schon seit längerer Zeit eine Agitation gegen den Hansubandel eingeleitet und die Wortführer dieser Partei im Parlamente Laben eine Petition auf Einschränkung des Hausirhandeis eingebracht. Um diesen Bestrebungen eutgegsnzntreteu, veröffentlichen mehrere angesehene Jndustriefirmeu folgenden Ausruf: In der Ende vorigen Monats geschlossenen Session des Neichsraihs wurde ein Antrag aus Einschränkung des Haustr- Handels eingebracht, der bereits die erste Lesung passirt hat. Bei der derzeit herrschenden rückschrittlichen Strömung ist die Besorgnis leider gerechtfertigt, dass dieser Antrag zum Beschlüße erhoben werden könnte. Nachdem jedoch ein sehr belangreicher Theil heimischer Industriezweige noch immer auf den Vertrieb der Erzeugniße durch den Hansirhandel angewiesen ist und bei einer Einschränkung desselben genöthigt wäre, die Production empfindlich zu reduciren; nachdem ferner das Feilbieten von Waaren durch Umherziehen in vielen Krön ländern, namentlich in Tirol und Len übrigen Alpenländern, mit dem Geschäftsverkehre in inniger Verbindung ist und jede Ver- Hinderung zn einer empfindlichen Schädigung des ohnehin in Stag- Nation befindlichen Handels führen müsste, so erweist es sich als dringend nothweudig, gegen die geplante Einschränkung des Haustt- Wesens entschiedene Stellung zu nehmen. Eine große Zahl hiesiger hervorragende: Industrieller und Kausteute hat zu diesem Behufe eine Petition an das hohe k.' k. Handelsministerium uud an das hohe Abgeordnetenhaus gerichtet, in welcher unter Darlegung der Gründe gebeten wird, der Einschränkung des Hausirhandels die Zustimmung nicht zu ertheilen. Allein es erweist sich als geboten, dass die von den Industriellen des Wiener Platzes eingebrachte Petition auch von auswärts unterstützt werde, um derselben mehr Gewicht und Nachdruck zu verleihen. Es ergeht daher an die Herren Industriellen und Kaufleute in der Provinz die Bitte, sich im Interesse der Sache gleichfalls mit Petitionen an das hohe k. k. Handelsministerium und das hohe Abgeordnetenhaus zu wenden, eventuell sich der von Seite der hiesigen Interessenten ausgehenden Bittschrift anzuschtießeil. Wien, 16. November 1886. Leopold Abeles & Söhne; E. & H. Beer & Comp.; A. M. Birnbäum, Gnmmiwaarensabrik in Teplitz; A. Bury; Samuel F. Goldberger & Söhne in Wien; Balduin Heller's Söhne, Wien; M. & I. Mandl, Proßnitz; Hermann Pollack's Söhne; Gebrüder Rosenthal; Anton I. Schmidr's Söhne; Wirkwaareufabrik A. M. Birnbaum. Wien, (Margarethen). Wir haben bereits seit 5 Jahren den von seiner früheren Amtsrhätigkeit als Cantor der Wiener isr. Cultusgemeinde her bestbekannten Cantor, Herrn Alfred Tauber, in unserer Synagoge angesteilt und wollen nur unsere Pflicht erfüllen, wenn wir demselben für seine außerordentlichen fnnetiouellen Leistungen öffentlich unsere vollkommen,- Zufriedenheit und Anerkennung aussprechen. d . . . . Kremsier. Au der hiesigen Laudesoberreatschute wurde aus Vorschlag' des dortigen DirectorS ein Mann zum israelitischen Religionslehrer bestellt, der außer seinem in den vier Voiksschulctassen erworbenen Wissen, keinen Begriff von jüdischer Geschichte und ' Litteratnr hat und durch sein LfseutticheS Betragen zeigt, Lass er nicht ein geeigneter Lehrer für Religion sein kann. Sein dem Vorstände gegebenes Versprechen, nicht mehr durch solches Leben Aerger-, uis zu bereiten, har er schon oft übertreten. Der Director hat in kluger Berechnung, um allen Gegenschritteu vorzubeugen, diese Ernenuung hinter dem Rücken des Vorstandes geheim betrieben. Vergeben» machte eine Autorität in Brünn dem Landesschulinspector darüber persönlich Vorstellungen, dass ein solches Vorgehen jedes

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