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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-11-22 · Heft 37 (22.11.1886) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 37 (22.11.1886)
Date
1886-11-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7׳ religiöse Gefühl verletzen muß, und dass der Unterricht besser ganz ׳unterbleiben möge. Umsonst hat der Landesrabbiuer beim Landesschulrath gegen dieses Vorgehen Verwahrung eingelegt,׳ diese sowohl als eine diesbezügliche Eingabe des Vorstandes blieben unberücksichtigt. Ist etwa der Director die oberste jüdische Kirchenbekörde, die befähigt und befugt äst so selbstständig, zu handeln d Geht man bei der Bestellung eines Katecheten eben so willkürlich zu Werke? Der Vorstand ist entschlossen, gegen einen solchen unerhörten Eingriff in seine Autonomie höheren Orts Protest zu erheben. Dieser Vorfall möge aber ein Wink sein für die Berufenen, die Ordnung der Zustände der Gemeinde nicht mehr länger hinaus zu schi.'ben, bevor es zu spät wird. Sadagora. Der vielgenannte Wunderrabbi von Sadagora in der Bukowina, Abraham Jakob Friedmann, ist vor Kurzem gestorben. Sechstausend seiner Verehrer aus ,Halbasieu' umstanden, wie ans Czeruowitz berichtet-wird, das Haus des Sterbenden, den hinsichtlich seines eigenen Hinscheidens die ihm vom Aberglauben angedichtete Prophetengabe im Stiche gelassen zu haben scheine, denn er hatte für den Fall seines Ablebens keinerlei letztwillige Anordnung getroffen. Zwei Stunden nach seinem Tode wurde er auch schon begraben. Das sehr bedeutende Vermögen muer die beiden Söhne aufzutheilen, unterlag natürlich keinerlei Schwierigkeiten: dagegen erhob sich unter den Brüdern ein erbitterter Streit darüber, wer das noch immer erträgnisreiche Prophetengeschäft übernehmen solle, denn die Inhaberschaft desselben knüpft sich an den Besitz eines kostbaren Erbstückes der Familie, einetans gediegenem Golde hergeftellten Thronsessels, dessen Besteigung dem jeweiligen Erben aus der Propheten-Dyuastie derer von Sadagora in den Augen der Gläubigen den Nimbus der Heiligkeit verrleiht. Die zwei Söhne des Verstorbenen konnten über den Besitz dieses Thronsessels nicht einig werden, und ein Schiedsgericht. bestehend ans neuuuudvierzig Talmud-Gelehrten ans Galizien, Rumänien und Rußland wurde vor einigen Tagen nach Sadagora einberufen, um den seltsamen Erbfolgekeieg durch seinen Spruch zu schlichten. Die Entscheidung laut-te, dass der jüngere der beiden Brüder, Israel Friedmann, dem älteren Jakob, 60.000 st. zu zahlen, dagegen aber, weil er seinem Vater ähnlich sieht, dessen Nachfolgerschaft in Sadagora anzurreten habe. Damit er aber vor jeder Coucurrenz seitens des älteren Bruders fortan geschützt sei, wurde dem Letzteren zur Pflicht gemacht, in einer Entfernung von mindestens dreimal ncuuundvierzig Meilen von Sadagora seinen ständigen Aufenthalt zu nehmen. So wird denn daS ganze Prestige des Wunderrabbi ans dessen jüngeren Sohn übergehen, und das Vertrauen Derjenigen, welche früher die Segnungen und Prophezeiungen des alten Wunderrabbi mit Silberrubeln und Nanddnkaten bezahlten, dürste unvermindert der neuen Firma erhalten bleiben. Werlin. Das ״Bert. Tgbl.E feide kuriose Geschichte mit: Ein jüdischer Thierarzt hat sich seit mehreren Jahren zur Ruhe gesetzt und führt als Hausbesitzer in einer Stadt Mitteldeutsch» lands ein beschauliches Dasein. Jüngst vermiethete er an einen Negiernngsassessor eine Wohnung. Andern Tags spricht letzterer schriftlich sein Bedauern ans: er könne die Wohnung nicht beziehen, da er priucipiell bei einem Juden nicht wohnen wolle. Unser Hausbesitzer antwortete sofort: ״Geehrter Herr! Ich muß Ihnen auf Ihren Brief mittheilen, dass Sie die gemiethete Wohnung zu bezahlen haben. Im klebrigen muß ich Ihnen gestehen, dass mir Ihr Verfahren in Meiner Praxis noch nicht vorgekommen ist. 5,. X.. approb. Thierarzt." London. Vorige Woche starb Herr Abraham Larnett, welcher 43 Jahre als erster Chasan an der New-Synagoge wirkte. Er war allgemein beliebt und geachtet wegen seiner Frömmigkeit, Wohlthätigkeit und pünktlichen Pflichterfüllung. Er erreichte ein Alter von 80 Jahren, und sein Leichenbegängnis fand unter großer Betheiligung statt. Er hinterlässt zwei Söhne und zwei Töchter. ' —7 Im nächsten Frühjahr wird, so Gott will, hier eine ״Anglo Jewish Historical Exhibition“ (englisch-jüdische Geschichts-Ansstellttttg) stattfinden in Royal Albert Hak, Kenfington, London. Die Halle kann 10.000 bis 15.000 Personen fassen. Der Zweck der Ausstellung ist: 1. die Kenntnis der englisch-jüdischen Geschichte zu fördern. Interesse für deren Urkunden und Ueberrefte einznslößen und deren Erhaltung zu unterstützen, und 2. den Umfang des Materials, welches für die Zusammenstellung einer Geschichte in England vorhanden ist, zu bestimmen. An der Spitze dieses Eomitos stehen ungefähr 100 der angesehensten Israeliten dieser Stadr. Waris. Man erinnert sich vielleicht, dass unter Napoleon III. ein gewisser Abbo Bauer in den Tnilerien eine angesehene Personlichkeit, so gut wie Hofcaplan der Kaiserin war. Seit d׳m Sturze des Kaiserreichs war der Manu aus der Oeffentlichkeir verschwunden. Jetzt ziehen Pariser Blätter ihn wieder ans Tageslicht und tbeile» über seinen Lebensgang Folgendes mit: Bauer ist, wie sein Name schon errathen lässt, nicht französischen Ursprungs, sondern wurde! 1829 als Sohn jüdischer Eltern in Pest geboren. 1848 war er Studlrender der Medici», gab aber das Studium auf und kam nach Frankreich, wo er unter Cavaignac als Freiwilliger in die Armee eintrat. Nach d m Staatsstreiche vom 2. Deeember führte Bauer ein sehr bewegtes Leben, suchte seinen Unterhalt als Maler, Photograph und Lurch eine ganze Reihe von Beschäftigungen zu verdienen, ließ sich sodann taufen und trat in den -Orden der Karmeliter ein. Als Ordenspriester unternahm er weite Reisen durch Europa und wusste seine Rednergabe sehr gut zu verwertheu, so dass die Königin Jsabella von Spanien ihn 1866 der Kaiserin Engenie empfahl. Im folgenden Jabre wurde er mit der Leitung des Gottesdienstes in der Capelle der Tnilerien betraut, in der denn überhaupt das rein katholische Element so gering vertreten war, dass Napoleon IIL sich eines Tages darüber verwundern konnte, dass die Sonntagsmesse überhaupt nur von Juden geleitet wurde. ,'Bauer eelebrirte, Strauß dirigirte das Orchester, Julius Cohen die Chöre und Rosine Bloch sang die Soli; die letzteren Drei waren noch jüdischer Eonfsssion.) Als Hofcaplan begleitete er auch die Kaiserin Engenie zu der Erösfnnng des Suezcanals und nahm die Einsegnung der neuen Wasser- I straße vor. Da man aber ans dem Schiffe keinen Altar barte, wurde der Concertflügel ans dem Salon der Kaiserin herbeigeholt, auf die Brücke gestellt und entsprechend decorirt. Nach beendigter Feier wurde das Clavier wieder au seinen alten Platz znrückgestellt und, wie es heißt, auf demselben die Onadrille ans Offenbach'S ״Orpheus" nach der Art׳ des ,Hosiannahs gespielt. Abbe; Bauer, der schon am Hofe des Kaisers sich als vollendeter Weltmann gezeigt hatte, - wollte nach dem Kriege wieder seine Fastenpredigten aufnehmen, wurde aber durch sein Verbot des Erzbischofs von Paris daran verhindert. Nun gab er feine geistliche Thäkigkeir ganz ans und verlegte sich!:!:r noch ans den Pferdesport. Gründungsnnd Vereinsbeiträge. A. Klein, St. Benedek, vierteljäbrigeu Beitrag. I. Neumann, St. Pölten, ganzjährigen Beitrag. M. Peterselka, Währing, ganzjährigen Beitrag. I. Schönfeld, Tob, dreivierteljährigen Beitrag. H. Pimsenstein, Weitentrcbetitlck, ganzjährigen Beitrag. C. Brunner, Jglau, ganzjährigen Beitrag. A. Fischer. Cassier. Correspondenz der Nedaction. Köpft, ln Ot. Wegen Aufnahme in unseren Verein wollen Sie sich direct an den Präses, Obercantor Singtr, wenden. R. in N. Gewünschte Aenderung für diese ')ininnrer bereits zu spät eingelaugt. Erfolgt nächstens.. Bin K. Betreff des Eingefendet erfolgt in den nächsten Tagen brief«׳ liche Mittheilung. D i e R e d a c t i o n. Abonnementsnnd Jnsertionsbeträge find in der Nedaetion, Wien, II., Novaragaffe 25, zahlbar.

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