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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-11-22 · Heft 37 (22.11.1886) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 37 (22.11.1886)
Date
1886-11-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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entschädigt, und wie man uns von authentischer Seite mittheilte, mit einer größeren Summe, als unsere Entschädigung-betrug/.aber noch niemals haben wir gehört, dass irgend Jemand cs gewagt hätte, darum unserem Brombcrger Eollegen einen Vorwurf zu machen. Es beweist dies, dass die geehrten Eollegen in Deutschland genug Tact und Einsicht besitzen, um die Verhältniße in richtiger Weise zu würdigen. Noch eines Umstandes müssen wir Erwähnung tbuu, da unser Stillschweigen sonst eine falsche Deutung erfahren könnte. Man hat von Zeit zu Zeit so manches gemunkelt, dass dex Herausgeber der Cantorenzeituttg bei Besetzung von vacanteu Stellen in eigennütziger Weise seinen Einfluss geltend gemacht habe. Dem müssen wir auf das Entschiedenste entgegentreten. Ja wohl, wir haben viele Cantoreu nach dieser Richtung unterstützt, aber es bedürfte nur eiu»׳r Aufforderung von unserer Seile, um zahlreiche Eollegen in großen und kleinen Stellungen zu d.m Bekenntnis zu veranlasseu. dass sie ihren Posten einzig und allein unserem Einflüsse zu verdanken baden, ohne dass 2vir dabei die geringste eigennützige Absicht verfolgten. Manch' bitteres Wort drängte sich uns noch ans die Lippen, wollen es jedoch lieber unausgesprochen lassen; wir haben es nur lür nolhweudig gefunden, die Schwierigkeiten zu erörtern, gegen die wir anzukämpfen haben, und wir hoffen, dass die besser denkenden Eollegen, denen cs um die Förderung unserer Standesinteressen ernst ist, sich veranlasst finden werden, uns zur Bescitiguug dieser Hinderniße ihre rhatkräflige Unterstützung zu leihen. An einen jüdischen Geistlichen. Herr Or. I. Caro, Rabbiner in Pilsen, veröffentlicht in Nr. 44 der Magdeburger israelitischen Wochenschrift unter der Aufschrift: ,Unser Gottesdienst", einen Artikel*), welcher, wie wir aus der Randglosse der ,Magdeb. Wochenschr.' über hierarchische Gelüste, und auch aus den Fachblättern entnehmen, merkwürdigerweise als cantorenfeindlich ausgesasst erscheint. Unseres Eracytens begeht man mit dieser Auffassung ein Unrecht gegen Herrn Dr. Caro, welcher mit dieser erwähnten Kundgebung seine volle und ungetbeilte Sympathie der canloralen Wirksamkeit gegenüber zum Ausdrucke bringt und lediglich, wie zwischen den Zeilen zu lesen ist, eine persönliche Nancüue gegen einen ihm etwa lliibeguemen Cantor durchblicken lässt. Mit diesem letzten, leider zu sehr bekannten Vorkommniße wollen wir uns nicht weiter beschäftigen, und bedauern nur inniglich, dass dasselbe wie ein dichter Herbstnebel den Gedankenganz des vorliegenden Aussatzes durchzieht und offenbar die Veranlassung andeutct. welche dem gekränkten Herrn die Feder in die Hand gedrückt. Der übrige Theil des Artikels ist entschieden als eine Lobcshymne für die amtliche Thätigkeit der jüdischen Eantoren zu erachten; denn wie könnte ein Rabbiner seine Anerkennung für diese letzterwähnte, d. h. für die derselben innewohnende eminente Bedeutung erschöpfender zum Ausdrucke bringen, als wenn er Gelüste zeigt, sich einen Theil derselben für seine amtliche Wirksamkeit anzueignen? — Es ist nur bebäuerlich, dass Herr Dr. Caro, der in seinem Elaborate von einem ״st ö r e n d e n F o r t l e b e n des alten G h e t t o" in der modernen Synagoge spricht, die Logik so ganz aus dem Auge verliert, indem er weiter unten eine echte Ghetto-Clnrichtnng, und zwar das laute Necitireu des Krias Schema seitens des Herrn Rabbiners, für seine moderne O r g e! s y n a g o § e beansprncht. Der Vorschlag des Herrn Dr. Caro, der Rabbiner solle das Unesane tokef, Kiddusch etc. vertragen, muß doch, um einen gelinden Ausdruck zu gebrauchen, als Curiosum betrachtet werden. Eine Offenbarung jedoch, als deren schöpferischer Urheber Herr Dr. Caro bezeichnet werden muß, verdient die volle Erwägnng der betreffenden maßgebenden Kreise, und deren deflnitive Einführung beim jüdischen Gottesdienste wird gewiss auch von allen jüdischen Cantoreu sreudigst begrüßt werden;, u. zw. das Vorleseu der Thora, Haftorah, Megilloth etc. von den Herren Nabbinen. Das Bibelwoit sowohl in der Ursprache, als auch in einer volrsspvachlichen Erklärung; die Vorführung der geschichtlichen Momente des Purim und Tischo beaw bilden die luibcitritieueu Besitzthümer Derjenigen, deren Ausgabees ist, das Volk zu belehren und durch jeweilige Vorlesungen der betreffenden Abschnitte den Geist frisch zu beleben; deshalb müssen wir uns darüber geradezu verwundern, dass man nicht schon früher aus diese gar so naheliegende Noihwendigkeir gestoßen, und deshalb muß Herrn Rabbiner Dr. Caro für dresen seinen weltbewegenden Vorschlag öffentlicher Dank ausgesprochen werden. Die anderen vom Herrn Autor kuudgsgebenen Auschanungen über ,Singen und Sagen", über weihevollste Stimme und aufmerksamste Stille in der Pilsner Synagoge, so oft der Herr Rabbiner — sei cs Gebet oder Predigt — spricht, wie darüber, dass sich in den Nejponsen nicht Cantor und Chor (Gemeinde), sondern Cantor und Rabbiner!heilen müssen; wie auch, dass die Herren Nabbinen, angethan mit dem von Herrn Dr. Caro ersundcneu, eigenartigen Priestergemande *), dem Volke den Segen zu ertdeilen habe re. 2c., wollen, wir als harmlose Bemerkungen nicht weiter berühren. Uns ist nur die eine Thatsache ausfallend, wesbalb derartige, t i e f e 11 ז g 1־ e is e n d e Vorschläge niemals weder von den orthodoxen noch zeitgemäßen Nabbinen der größten und angesehensten jüdischen Gemeinden, sondern immer nur von ,Geistlichen und Seelenhirten jüdischer Landgemeinden' gemacht werden, und vermeinen wir einen Erklärungsgrund hierfür in der Thatsache zu finden, dass den Herren Nabbinen und Predigern großer Geineinden nur sehr geringe freie Zeit übrigbleibt, um zu ihrer ausreibeNden amtlichen Thätigkeit noch ein Pius von der dem Cantor anheimgestellten Amtswirksamkeit hinzuzusügen; dass, ferner die Herren Nabbinen und Prediger großer Gemeinden danach streben, den Kreis ihres bedeutenden Wissens immer noch durch ferneres Studium zu erweitern, während den Herren Nabbinen kleiner Gemeinden ihre amtliche Thätigkeit nicht zu genügen scheint, oder aber nicht als genügend erachtet wird, und was die Fortbildung betrifft, es Herrn Dr. Caro räthlicher erscheint, sich daraus zu beschränken, ein ,w e r k ih ä t i g e r Theo, löge" zu sein, indem er entschieden davon abmahnt, historische, philologische und ähnliche Studien zu treiben. ־ Es ist nicht unsere Sache, dem gelehrten Herrn Dr. Caro Verhaltungsmaßregeln für seine wissenschaftlichen Bestrebungen vorzuschreiben, allein da er auch behauptet, dass der Verfall der synagogalen Andacht lediglich den musikalisch gebildeten. Cantoren znzuschreiben sei und die jüdischen Cantoreu in sarkastischer Weise ״die idealsten Idealisten" nennt, so dürste er wohl gestatten, wenn ein solch' idealster Idealist der Anschauung Raum gibt, dass derjenige ״jüdische Geistliche", der eingehende philologische, historische rc. Studien macht, keine Zeit für ein exorbitantes Gedankenweben hat, sondern glücklich darüber ist, *) -Herr Dr. Caro soll beim Gottesdienste einen schwarzen Rock und eine weiße Schnur tragen. *) Wir veröffentlichen denselben an nächster Stelle.

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