Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 36 (14.11.1886)
- Date
- 1886-11-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/1304829-3453044-3453080--1919-3456112- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und es durch Toneiuschaltungelr und Vermischungen der Steiger vielfache Verunstaltungen erfuhr. Singer gelangt endgiltig zur Aufstellung dreier Original-Steiger. Die Tonarten vieler Gesänge zeigen indes auch eine Vermischung der Steiger; andere passen sich selbst unseren modernen Louverhältuißen an. Zn den letzteren .Fällen ist natürlich die spätere Entstebungszeit der betreffenden Lieder cclatant nachgewiesen. - Jene Original-Steiger sind.־ Der Jischtabaeh - Steiger (C Des E F Gr As B C), der Mögen vvrans-Steiger (C D Es F As B C) und der Adonoj nroloeb-Steiger (G D E F G A B C). Wie ersichtlich, besteht also gar kein Zusainmetthang mit unseren modernen Tonarten, aber interessant ist cs, bier anderen Verwandtschaften nachzuspüren. Es sindet sich nämlich, dass merkwürdigerweise eine vollkommene Analogie des Mögen .otvaus-Steigcr mit der äolischen Tonart (seit 800 v. Cbr. bekannt) besteht. Gleichzeitig ist diese Tonart und auch der Adonoj rnoloeb-Steiger identisch mit zwei arabisch-persischen Singweisen. Demnach bleibt nur der disebtabaeb-Steiger ütrig, welcher weder einer modernen noch einer alten Scala entspricht. Berücksichtigt man nun, dass in dem Tongesügs der Cyasonus-Lieder keine Willkühr herrscht, sondern sich darin deutlich eine gesetzmäßige Grundlage erkennen lässt, welche uns bisher ganz fremd war, so ist auch das hohe Alter jener Gesänge unzweifelhaft. Zede spätere Entstehungszeit hätte sich durch eine phantastische Regellosigkeit oder durch Anwendung anderer üblicher Tonarten verrathen. Unleugbar sind also jene Gesänge Ureigenthum der Juden und sie verweisen auf das Alterthum, die Zeit König David'6. Es sind uns in jenen Weisen unanfechtbare antike Gesänge erhalten, die einzigen, die wir besitzen. Einige der Broschüre beigegebene Proben gestatten einen kleinen Einblick in die Lieder; doch läist das bloße Durchlesen derselben nicht den tiefen Eindruck ermessen, welchen ihr weihevoller Vortrag beim Gottesdienste hervorruft. Eine Schlussbemerkung des Verfassers stellt noch die stylvolle Harmonisirung derselben in Aussicht. Mit dieser dürste dann jedenfalls Alles geschehen sein, was vorerst zur Reform des Synagogal-Gesanges wünschenswerth erscheint. Die Thätigkeit ist natürlich eine streng interne, die Kenntnisnahme des Büchleins dagegen, welches entschieden musikalisch interessant genannt werden darf, empfehlen wir weiteren Kreisen. Es besteht ja bekanntlich ein sehr alter Streit über die hebräischen Notenzeichen, für welche Schilte Vensky, Speidel und Andere die Vocalisatior.szeicheu der Schrift nehmen, während die Gegner jede Notation abstreiten. Wie lebhast dieser Kampf geführt wurde, zeigt, dass schon Ugolino (Venedig 1767) sich auf 40 verschiedene Schriften stützen konnte, als er ein ähnliches Werk herausgab. Singer bringt nun Licht in die Sache. M. P. Kleine Chronik WlM. Dienstag, den 9. d. M., feierten Herr Qbercantor Abraham Baer in Gothenburg (Schweden) und seine Gattin Johanna, .geb. Wotff, ihre silberne Hochzeit. Aus dem Kreise der Verwandten und Bekannten kamen dem rüstigen Jubelpaare zahlreiche Ovationen und sinnige Liebesgaben zu. Wir bedauern recht sehr, die Nachricht von diesem Ereigniße unseren Lesern erst ^08t lestunr bringen zu können, denn gewiss hätte ein großer Theil der Collegenschaft Oesterreich-Ungarns gerne die Gelegenheit ergriffen, um Meister Baer, der sich durch seine Thätigkeit ein hervorragendes Verdienst um die -Cantoreu erworben, ihre Hochachtung und Anerkennung in passender Weise zum Ausdruck zu bringen. Mögen nun die Glückwünsche, die die Nedactiou dieses Blattes dem Zuvelvaare übermittelte, im Namen aller Leser dieses Blattes dargebracht erscheinen. Wien. (GebahrungS Ausweis der israelitischen Cultns-Gemeinde.) Die Einnahmen dieser Gemeinde stellen sich in ihrer Speeisieation wie folgt: Bethhäuier st. 34.418 21, Fleischbank st. 2900, Häuser» adminiftration st. 17.60545־, Bibliothek fl. 7542־, Unterrichts-Aiistatten st. 1519.74, Centralfriidbof st. 48.688 91, Rituelle Verkostigung st. 59.44, Siechen-V rsorgung fl. 208926־ Spital-Verwaltung st. 23.93784־, Unterstützungs-Beiträge fl. 8175..20, CultuS- Beiträge fl. 118.210, Einkaufs-Gebühren fl. 2585, Gemeinde-Verwaltung st. 61 95, Matrikenamt fl. 181783־, Zinsen st. 4277 47, Summe der Einnahmen st. 269.42173־. — Ausgaben: Badhaus st. 1900, Bethäuser st. 33.92637־, Jugend - Gottesdienst Gnlden 1499, Fleischbank fl. 284156־, Hänseradmiuistration fl. 7175.17, Nabbinat und Prediger fl. 15.39857־, Bibliothek fl. 57542־, Unterrichts-Anstalten fl. 29.137 66, Centralfriedhof fl. 42.77147־, alte Friedhöfe fl. 93573־, Rituelle Verköstigung fl. 54120־. Siechen- Versorgung st. 724790־, Spital-Verwaltung fl. 38.94099־, Unterstützungs-Beiträge 23 199 79, Gemeinde-Verwalrntig fl. 23.69967־, Matrikenamt fl. 436669־, Pensionsznlagen und Gnadengaben Gulden 12.98343־, Zinsen fl. 10.61438־, Zinsen von fundirter Schuld fl. 690897־. Summe der Ausgaben fl. 264.65298־. Daher ein Gebahrnngsüberschnss der ordentlichen Gebahrung fl. 176875־. — Außerordentliche Gebahrung: Bethäuser fl. 3730 89, Bibliothek fl. 16883־, Gemeinde Verwaltung st. 164342־, Nabbinat und Prediger st. 94768־, Spital-Verwaltung 80040־, Unterrichtsanstalten fl. 6 2960־. Summe fl. 792082־. — Sonntag am 28. November, von 9 Uhr Vorm, bis 2 Uhr Nachm, finden die Ergänzungswahien in der isr. Cnltusgemeinde statt. Mit der Leitung des Wahlactes ist ein Comite, bestehend aus den Herren Michael Biach, Julius Ritter von Goldschmidt und Salomon Kohnberger betraut. Wahlbesprechung sindet Sonntag den 21. November, um 6 Uhr Abends .im alten Sitznngssaale des Gemeinderathes der Stadt Wien, I. Bezirk, Wipplingerstraße Nr. 8, 2. Stock statt. Die Reihe des Austrittes trifft in diesem Jahre die Herren: Architect Max Fleischer, Landesschnlrath Dr. Ludwig Fürth, Dr. Gustav Kohn, Dr. Philipp Manthner und Gemeinderath Gustav Simon, welche sämmtlich eine so hohe Popularität im Wählerkreise der Gemeinde genießen und in Folge ihrer ersprießlichen Wirksamkeit diese Sympathien so vollauf verdienen, dass eine einstimmige Wiederwähl derselben nicht zu bezweifeln ist. Es wäre zu wünschen, dass recht zahlreiche Wähler bei der Wahlurne erscheinen, um bei der Wiederwähl den verdienten Vorstehern ein solennes Vertrauensvotnm zu ertheilen. Znaim- In den Verhältnißen der hiesigen israelitischen Cultus׳ gemeinde hat sich in letzter Zeit vieles gebessert. Unser Vorsteher entwickelt eine rege Thätigkeit, die Ausschussmitglieder stehen ihm zur Seite, und die wohlhabenden Familien bringen jetzt größere pecuniäre Opfer als früher. Auf diese Weise ist es auch möglich geworden, an die Erbauung eines neuen Tempels zu schreiten, zu welchem Zwecke bereits ein Bauplatz angekauft wurde. In der Montag den 1. November ftattgehabten Generalversammlung wurde der einstimmige Beschluss gefasst, die notarielle Bestätigung des angekansten Tempelbau- Platzes zu genehmigen. Hiemit wäre der Anfang gemacht, und hoffentlich wird es durch Zusammenwirken und durch die Opferfreudigkeit aller maßgebenden Kreise gelingen, das gottgefällige Werk baldigst seiner Vollendung entgegenzuführen. Kroßward ein. Auf meiner Geschäftsreise nach Siebenbürgen j hielten mich die letzten Sukkothfeiertage hier in Großwardein zurück, und ich hatte vollauf Gelegenheit, manch' schöne Institutionen der hiesigen Forsschrittsgemeinde, die zu den intelligentesten Gemeinden