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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-11-14 · Heft 36 (14.11.1886) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 36 (14.11.1886)
Date
1886-11-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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-s־ מקדשתו לא יצא aus dcm heiligen Kreise seiner weibevollen Thätigkeit. ans seiner heiligen Sphäre soll er nickt heraustreten. Dieses Heiligthmns Fundament sei für Rabbiner und Cantor der echte und rechte Glaube, seine Mauern uttgehenckelte Frömmigkeit, Mäßigung, Tugend und Menschenliebe. Beide haben sie den Beruf, Opfer zu bringen, d. b. auf ihrem Herzen lodere stets die Flamme der Begeisterung für ihren heiligen Beruf, und jede Leidenschaft, welche ein פנלל ist, zum Opfer zu bringen. — Später bat der Priesterstand aufgehört, d. h. der priesterliche Beruf war nicht mehr an einen besonderen Stamm geknüpft, jeder Israelit sei nach dem Spruche Gottes: ״Zbr sollt mir ein prieiterliches Reich sein", bin Priester; jeder Jude konnte mit N. Zosua sagen: ״Ich weiß, dass ich kein Priester bin, aber sollten mir meine Genossen zürufen: ״Besteige die Stätte zur Crtheilung des Prieftersegeus", ich würde sie sofort besteigen"'). Mithin wären nicht nur Nabbinen und Cantoren Priester, sondern jeder Jude; aber trotzdem haben die Rabbiner viele Prärogative, die noch heute als Norm dienen, für gewisse Menschen, die sich als Abkömmlinge des Priesters Aaron Priester neunen, eingesetzt: sie sind noch beute die Ersten, die zur Thora gerufen werden und die allein den Priestersegen erlheilen. Will man aber jetzt die alten Institutionen und Namen zum Muster nehmen, jo ist der Cantor beim Gottesdienste der Priester, weil er die Gebete, welche die Opfer vertreten und die nur durch die Priester geopfert wurden, zu Gott sendet; der Rabbiner aber, welcher nach dem Geiste der jüdischen Lehre nur Lehrer רב ist, kann נביא, Redner, Wächter, Hirt, Gottesmann, Diener Gottes, Bote Gottes 2) genannt werden, und so wie die Propheten sind die Nabbinen Sittenprediger, Lehrer und Näthe des Volkes, Beschützer, Läuterer und Erhalter des religiösen Lebens, sie müssen, wie einst die Propheten, darauf achten, dass die Go'.teslehre in ihrer Klarheit immer tiefer in das Bewusstsein des Volkes dringe und sich verbreite. Ist nun der Cantor in dem Tempel der Priester, so ziemt es sich, dass er Prunkgewäuder beim Vorbeten sich anziehe, so wie es der Priester im Heiligthume gethan; der, Meister der Beredtsamkeit, Herr Dr. Iellinek, bringt in seinen Predigten») einen Beweis von einem Heiden, welche Anziehungskraft die Kleider des Priesters ansüben, es erzählt der Talmud (Sabbath 31) : Cm Heide hörte, als er an einer Synagoge vorübergiug, die Worte der Schrift vorlesen: Und dies sind die Kleider, die sie machen sollen: einen Brustschmuck und einen Efod u. s. w. Die Auszählung der kostbarsten Edelsteine hatten einen so tiefen Eindruck auf ihn gemacht, Lass er den Entschluss fasste, sich zum Zudenthume zu bekehren/ Die goldenen Worte, die der Herr Verfasser in wohlgemeinter Absicht an die Herren Cantoren richtet, kann man an alle jüdische Beamten richten. Ein streng sittenreines Leben, einen friedlichen Charakter, ein den heiligen Gesetzen der Religion und der menschlichen Gesellschaft entsprechendes Betragen soll jeder Beamte bekunden, jeder an seiner persecten Ausbildung arbeiten, dass er fei in seinem Fache comme il kaut. Es lehren die Nabbinen: כל מי שאומר ת״ ת ברבים צריך שלא יהיה בו שום דופי das Wesen des Neligionspredigers gleiche an Reinheit einem sein geschlissenen Spiegel, an dem gar kein Mackel und Fleck haftet. Es schwindet der Zauber der prunk׳ und schmuckvollsten Rede; es verhallt das beredteste Wort, ohne 1) Sabbath 118. 2) Diese Begriffe als Prophet kommen in den Propheten wie Jeremias, Ezechiel vor. 3) Predigten von Dr. Iellinek, 1. Theil, S. 7. eine Wirkung zurückzulassen, so nicht im Kreise der Zuhörer die Ueberzeugung waltet, es sei die Ausspracke an sie der Erguss eines reiueu Herzeus, der Ausfluss eiuer rechtschaffenen Seele! Wie köullte da vom Unreiuen das Neins, vom Gemeinen das Heilige stammen? Der Rabbiner und Cantor, welche mit ihrem Munde die Religion lehren und Gott preisen und dabei mit; ihrem Munde lügen, heucheln und verleumden, könnten mit jenem Rabbi sagen: ״Wäre ich am Berge Sinai gewesen, hätte ich gebeten, dass Gott mir einen doppelten Munde gebe, den einen zu lehren und Gott zu preisen, den anderen, um mit demselben Gemeines zu reden." Der Rabbiner soll nicht das <10106 far niente lieben; es gibt sv Viele, die, sobald sie das Nabbiuerdiplom in Händen haben, ausböreu, die weitverzweigte jüdische Theologie zu studireu, sie wollen nur leben von der Wissenschaft, aber nicht für die Wissenschaft, und doch heißt es: ״Du sollst darin forschen Tag und Nacht." Also das weiße Amtskleid soll nicht nur an den hohen Festtagen an die hohe Bestimmung erinnern, sondern jeder Beamte beherzige den Spruch der Weisen: ״In jeder Zeit leien deine Kleider weiß, d. h. dein Leben sei stets ein unschuldiges, und nur daun können sie, wie der hochgeehrte Verfasser seine Artikel schließt, hiutreten vor den Vater des All's, um zu singen und zu sagen. Aron Roth Bezirks-Rabbiner. Siklos, 8. November 1886. Stimmen über den trnditinnellen Synagogengesrmg. IX. Die ,Wiener musikalische Rundschau' bringt in ihrer letzten Nummer unter ״Bücherschau" eine Receusion der vielfach erörterten Broschüre: ,,Die Tonarten des traditionellen Synagogengesanges" von Obercantor I. Singer Wien, die wir, um die Vollständigkeit der Euuuciatiouen über dieses hochwichtige Thema herzustelleu, im Nachfolgenden wiedergeben: Das Bemerkenswertheste, was das vorliegende Sckriftchen bietet, ist wohl der Nachweis, dass die traditionellen Synagogengesänge (Chasonus), von welchem keine urkundlichen Aufzeichnungen existiren, und die sich als heiliges Vermächtnis von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzten, thatsächlich als altjüdischliturgische Gesänge anzusehen sind. Schon das oberflächliche Anhören jener Gesänge lässt — bedingt durch die eigeuthümlichen Tonfolgen — dem Ohre eine gewisse ausschließliche, charakteristische Färbung erkennen. Diese fremde Charakteristik hat ihre Ursache darin, dass sich jene Gesänge in ihrem Aufbane unseren üblichen Our- und Noll-Tonarten nicht fügen. Es obwalten hier Verhältniße, wie bei den alten katholisch-liturgischen Gesängen, welche zur Grundlage ihrer melodischen und harmonischen Gestaltung die alten Kirchen-Tonarten haben. Diesen stellt die Synagoge etwas Aehnliches in ihren ״Steigern" (SynagogeN'Touarten) gegenüber. Es gibt eine große Anzahl solcher Steiger, welche, wenn auch von manchen jüdischen Cantoren in nachahmender Weise gesungen, bisher von Niemaubem auf ihren eigenthümlichen Jniervallenwerth geprüft und in ein System gebracht wurden. Dieser Ausgabe unterzog sich der Verfasser. Die Arbeit wurde natürlich eine um so schwierigere, als das vorliegende Materiale der Zeitgeschmack allmälig verändert hatte

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